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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-02-02 · 5 (2.2.1917) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
5 (2.2.1917)
Date
1917-02-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 74 Dr. Bloch's Wvchenfchrtst" 5 Darum entsprang unser Herzenswunsch, vor, die Stufen des' Thront treten zu dürfen, der tiefempfundenen Sehnsucht, anläßlich Euerer Majestät Thronbesteigung mit allen österreichischen Landeskindern auch unserseits die ehrfurchtsvollste Hingebung für Euer Majestäten zum Ausdruck zu bringen und Euer Majestäten unsere allerehrerbietigste Bitte zu Füßen zu legen, die Sonne der Gnade auch auf unsere Gemeinde leuchten zu lassen. Die Aufrichtigkeit unserer Gefühle bekundet sich in dem begeistert zustimmenden Amen, das aus der Tiefe unserer Herzen steigt, wenn an sedenr Sabbatmorgen vor den geöfftleten Pforten unserer Bundeslade der Segen des Allmächtigen auf Euer Majestäten geheiligtes Haupt herabgesleht wird, im gleichen Gebete, wie für unseren erhabenen Souverän Seine Majestät den Sultan Mehmed V. -GaHzi, mit Al^erhöchstwelchem Euer Majestät in treuer Waffenbrüderschaft verbunden sind. So offenbart sich bei jedem Anlaß der heiße Wunsch und die innige Bitte der ganzen Gemeinde, der Allmächtige möge Euer Majestät Leben so fad m i t g l o r r e i ch c n Lo r b eeren bestreuen und Euer Majestät eine l a n g e, r u h m v o l l e und segensreiche Regierung an der Seite Euer Majestät erhabenen Gemahlin und des erlauchten Herrn Erzherzog- Kronprinzen bescheren, zum Wohle aller Völker, zum reife der gesäurten Monarchie/' Der Dank des Kaisers. Der Kaiser antwortete: „Mit herzlichem Danke nehmen die Kaiserin und ich die Begrüßung des Verbandes der türkischen Israeliten und die uns in so warmer Weise zum Ausdruck gebrachten Segenswünsche entgegen. Es gereicht mir zur lebhaften Befriedigung, Sie als Angehörige des imunerschütterlicher Waffenbrüderschaft nrit uns verbündeten Otto manischen Reiches empfangen zu können und in Ihrer Kundgebung eine Bestätigung der Liebe und Anhänglichkeit zu erblicken, mit welcher die Mitglieder des Verbandes' „Sephardim" für ihre zweite Heimat erfüllt sind. , . Gerührt, daß Sie für Ihren mir innig befteundeten .Herrscher, Seine Majestät den Sultan, betend auch meiner gedenken, hege ich die besten Wünsche tür das Gedeihen Ihrer Genreinde und versichere Sie gern meiner steten Wo-hlgeneigtheit/' Nach der Ansprache zogen Ihre Majestäten die Mitglieder der Huldigungsdeputation ins Gespräch, erkundigten sich über die Verhältnisse der Gemeinde und entließen sie in überaus huldvoller Weise. Se. Majestät Karl I. und der Oberrabbiner Reich von Baden. Anläßlich . der letzten Anwesenheit des Kaisers in Baden wurden auch die Honoratioren der Kurstadt vom Monarchen in Audienz empfangen, darunter die Vertreter der verschiedenen Konst s o nen, welche vom Bezirkshauptmann dem Kaiser vorgestellt wurden. Als nach einer Ansprache des Bürgermeisters die einzelnen Herren vom Monarchen mit einer Ansprache ausgezeichnet würden,^ wendete sich der Kaiser auch an den Oberrabbiner Reich, dem er die Hand reichte und frug, wie lange er schon in Baden sei. Oberrabbiner Reich antwortete: „Eure Majestät zu Befehls seit dem Jahre 1880. Jedoch während der 37 Jahre meiner Amtstätigkeit ist der heutige Tag der glücklichste, der mir durch die Gnade Gottes Leschieden ist." Der Kaiser frug. weiter, wie groß die Gemeinde sei, worauf Oberrabbiner Reich erwiderte: „Eure Majestät? meine Gemeinde Baden zahlt etwas mxhr als tausend Seelen; die Bedeutung der jüdischen Gemeinde hängt jedoch nrit der des Weltknrortes zusammen, so daß alljährlich Tausende meiner Glaubensgenossen arr den jüdischen Gemeindeinstitutionen tcilnehmen. Auch gehört das Rabbinat der jüdischen Gemeinde Neunkirchen hieher, in welcher auch Reichenau, das Tuclanum Eurer Majestät, sich befindet, worauf wir besonders sto'z snd." Der Kaiser verabschiedete sich hierauf von dem Oberräbbiner, ihm gnädig die Hand reichend. Eine Abordnung der Judenheit Tirols vor Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin. Beim Empfange Jh"er Majestaen des' Kaisers und der Kaiserin in der Hofburg zu Innsbruck wurde auch eine Abordnung der israelitischen Kultusgemeinde, bestehend aus den Herren Landesrabbiner für T'rol und Vo'a lbergDr.Link, Kilu Prä.identen Dannhauser und dem Vizepräsidenten Louis Bauer, Seiner Majestät dem Kaiser vorgestellt. Seme Majestät halte die hohe Gnade, jeden der Herren nrit einer Ansprache auszuzeichnen und verabschiedete sich huldvollst mit einem Händedruck. Herrn Landesrabbiner Dr. Link wurde noch die besondere Gnade zuteil, auch von Ihrer Majestät der Kaiserin angesprochen zu werden, nrrd durste Ihrer Majestät der Kaiserin über die religiösen Verhältnisse der Juden in Tirol Auffchluß erteilen. Der verdächtige Neugeboren. Die christlichsoziale Wiener „Reichspost" veröffentlicht iu ihrer Nummer vom! 19. v. M. einen Leitartikel „Wölfe im Schafpelz" von dem siebenbürgischen Abgeordneten Emil Neugeboren. Aber merkwürdig — in der „Reichspost" heißt der Mann — „Neugebauer"! Ein Druckfehler? Nein, lieber Leser; „Neugeboren" klingt stark .semitisch!,. und, glleH...was nach ^Jud". klingt, das strickt der „Reichspost" und ihren Lesern in die Nase und wenn's auch hundertmal mit Israel gar nichts zu tun hat. Und so hilft Man sich!, um nicht bei den Lesern Verdacht zu erwecken, daß am Ende gar ein Jude oder Judenstämmling in der „Reichspost" Leitartikel veröffentliche geschehen ist >es ja schon oft genug, nur klang der Name nicht so „stark" —? mit einem v o rg e s ch w i ndelten-Druckfehler und macht aus dem Neugeboren flugs einen unverdächtigen Nengebaner. Wenn er sich's gefallen läßt... Mlfnrf des Komitees der KlewerfaMmelstelle der „Weiblichen Fürsorge". Als Verband von 46 Wohlfahrtsvereinen hat die „Werbliche Fürsorge" Einblick in eines der dringendsten Bedürfnisse der weitesten Schichten der W'ener Bevölkerung 'gewonnen. Allgemein bekannt ist die Schuhnot; aber fast "ebenso drängend ist bei dem großen Stossmangel heute schon die Kleider- und Wäschenot selbst des kleinen Mittelstandes geworden. Ofthaben wir der Jugend Unterricht, Erwachsenen Stellungen verschafft; unsere Aktion mußte daran scheitern, daß den Petenten die Ausrüstung fehlte, den Unterricht nehmen, die Stellung antreten zu können; Kontoristinnen, Privatlehrerinnen, angehende Künstlerinnen und Schauspielerinnen, kurz alle Schichten der erwerbenden Frauenwelt sind auf das schwerste von diesem Elend betroffen. Wir wollen diese Not im Verein nrit der uns angeschlossenen Brockensammlnng für jüdische Arme und der Schuhzentrale lindern. Unsere Bitte geht an alle Me Frauenherzen, an alle Industriellen und Firmeninhaber, die uns sonst gerne geholfen haben. Wir bitten um Stoffreste, die wir zur Schaffung von Erwerb für Näherinnen verarbeiten werden; w i r bitten um abgelegte Kleider.- Welche

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