Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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M. 4 Dr. Moch's Wochenschrift' Sette vL Äereipigte- , auch, aus inünnigsachen ankeren Gebieten des öffentlichen jüdischen Lebens eine überaus segensoolle Wirksamkeit entwickelt. Cr war einer der Begründer des fortschrittlichen-Tempels in Przemysy dessen VerwaNung er bis/zu semem Lebensende, angehörte und an dessen ideeller Entwicklung er den allergrößten Anieil hatte. Ebenso eifrig beteiligte er sich 'an dem jüdischliterarischen Berem „Jeschucun", dessen Präsident er eine zeitlang war Und zu dessen Gedeihen ec durch seine gehaltvollen Vorträge wesentlich beigeiragen hat. Am meqten lag ihm aber das Wohl der studierenden Jugend am Herzen, der er ein wahrer väterl.cher * Freund |iets gebne^en i,t. Seiner Jnitia.ioe ist auch die Entstehung und gedeihliche Wirksamkeit des sogenannten „Zweikreuzer-Vereines" zu verdanken, des ersten Schüler-Anterstützungsvereines d.eser Art, der für eine Reihe ähnlicher Vereinigungen in anderen Städten Galiziens vorbildlich gewesen ist und derseit über dreißig Jahren eine überaus ersprießliche Tätigkeit zugunsten der jüdischen Studenten entfaltet. Auch .in diesem Vereine bekleidete der Verblichene durch eine Reihe von Jahren die Würde eines Präsidenten. Ein an Taten, reiches Leben ist mit dem- Verewigten zum Abschluß gelangt. Die jüdische Gemeinde in Przemysl hat. eine markantes verdienstvolle Persönlichkeit verloren, deren Platz nicht sobald wieder ausgefüllt werden wird. Sein Andenken wird lange noch in ihrer Mitte gesegnet fortleben, die /zahlreichen Scha.Lt seiner Schüler und Schüie.inne.r dre ec Generationen aber, werden seinen guten Namen für immer m p.e.ätsvolister Erinnerung bewahren. . Prof. Dr. M. Schorr. Gin Kortaufer Rasputins. Eine Reminiszenz aus dem Krimkriege. Wer in Rußland die Theologie der Prawoslavie (Rechtgläubigleit) mit den mystischen Maximen des Cha.sidismus (Slrenggläubig.eit) in irgendweichem Zusammenhang bringen wollte, liefe Gefahr, von der-einen Serie gekreuzigt, von der. anderen. gesteinigt zu werden. Und trotzdem läßt sich die Behailptung nicht abweisen, daß die orthodoxe Kirche aus dem Bronnen des viel älteren Mischen Chassidismus schöpfte, : Die Lehre, daß der Durchschnittsmensch zu sündig sei, um Gott im Gebete zu nahen, die uralte Ansicht von den Mittelmächten, wird von beiden bis zu den äußersten Konsequenzen verfochten. Während die Bibel von der Gmteslehre populär lehrt: „An jeder Stelle, wo du meinen Namen cntnifeft; komme ich und segne dich...", bewertet sowohl der Chassid, wie der orthodoxe Russe seine eigene religiöse Hebung, sein öfteres Kasteien, nur gering. Der erstere geht an keine Unternehmung, bevor er nicht des Rates und des Segens des Wunderrabbis teilhaftig wird, der letztere ruft außer dem kirchlichen Beistand irgendeinen Starez (Alter Mönch) oder einen Prorok (Seher) in seiner Bedrängnis und der Not an. Es sind allerdings ganz eigenartige Giftblüten, die eine Imitation des Chassidismus. hier zur Reife gebracht. Aber nicht nur der Pöbel klammert sich an die Vermittler Gottes, auch in den Salons der Großfürsten sind die oft fragwürdigen Sendboten Gottes die tonangebenden Faktoren. Sie suggerieren und terrorisieren mit ihren heiligen Blicken die Lenker der Staatsmaschine, sie zwingen aufs Knie die Schönheiten der vornehmsten und einflußreichsten Boudoirs/ Nach der Ermordung des Kaisers Alexander II. wurde in Rußland überall ein köstliches Histörchen vom Ein- . fluß des Mönchs — der Name durfte nicht genannt werden — auf die Person Nikolaus I. zum besten gegeben. Es war zu Anfang des' Jahres 1853. Kaiser Nikolaus hatte, gleich seinen Ahnen, den Ehrgeiz, nicht nur seine Macht im Orient entscheidend zur Geltung zui bringen, sondern auch Konstantinopel zu erobern und die, russischen Fahnen auf die Hagia Sophia zu hissen. > Aber nicht alle Ratgeber des weisen Zaren,^ besonders aber der Kronprinz Alexander — der als Freigeist galt —/ teilten die Ansicht des Kaisers in bezug der Opportunität des Kriegführens mit dem oslnanischeu Reiche. Man wußte, daß England und Frankreich an die Seite der Türrei treten werden und daß selbst von Preußen und Oesterreich reine blondere Unterstützung zu gewärtigen sei. Allein die rirchliche Synode in Rußland arbeuete mit Hochdruck auf den Krieg, da das Kriegsmotiv diesmal war: die Anerkennung des Rechtes der griechischen Kirche auf heiligen Samten in Jerusalem-und die Garantie ihrer Privilegien in der Türkei.- Ein Mönch, der Persono grata beim Zaren war, kam eines Tages zu Kaiser Nikolaus und berichtete, daß in der Basiliuskathedrale zu Moskau eine göttliche Stimme aus dem Glockengeläute zu vernehmen sei, die ohne Unterlaß „i'obmda uasdiaP („Der Sieg ist unser!") rmst. Kaiser Nikolaus wollte sich natürlich von der Wahrheit der Behauptung überzeugen und forderte den Mönch auf, sofort mit ihm die Reise nach Moskau anzutreten. Der Gottesmann jedoch versicherte, daß dir Prozedur, die zur Heiligung nötig sei, mehrere Wochen beanspruche, weil derjenige, welcher-die göttliche Stimme hören will, sich viele Tage kasteien und vierzig Bäder nehmen müsse. Zar Nikolaus befolgte pünktlich die religiösen Anordnungen des Starez (Mer Mönch); und als die Frist der Heiligung um war, ftchren beide nach Moskau. Ein Archimandrit las dem Kaiser bei geschloffenen Türen in der Basiliuskathedrale eine Me,se vor, wobei? aus mehreren Türmen die gewaltigen Töne der giganti-' schen Glocken erklangen, und in ihren harmonischen; Akkorden sang immer wieder eine seltsame Stimme die - Worte „Pobi^da ua.>cli«ti'\ Kaiser NUolaus war ganz begeistert von der himmlischen Stimme und trat be,riedigt die Rückreise nach Petersburg an. Auf seine Weisullg brachte Menschiww die Forderungen seiner Regierung in so schroffer, herausfordernder Weife vor, daß die Pforte sie rundweg ablehnte, worauf Rußland am 2. Juli 1853 40.600 Mann unter Gortschaww in die Donaufürstentümer einrücken ließ, was der Beginn zum langwierigen Krimkrieg, der Rußland mehr Niederlagen als Siege brachte, war. Als der Kronprinz Alexander aus dem Munde seines - Papascha (Väterchen) die wunderliche Mär von der himmlischen Stimme vernahm, ließ er den Mönch zu sich rufen und bat ihn um die Vermittlung, ebenfalls die Verheißung Gottes aus dem Glockenklange zu vernehmen. Der Starez jedoch meinte, der Kronprinz sei all: den Kasteiungen, die zur Heiligung bedingt seien, unmöglich gewachsen. .Dies ließ sich Alexander nicht einreden, versprach, alle Weisungen.des Gottesmannes genau zu befolgen und zwang den Mönch, sobald als möglich mit der Heiligung zu beginnen. Der Krieg wütete bereits/ als der Mönch mit dem Kronprinzen nach Moskau fuhr. Auf geheimen Befehl Alexanders drang während des Gottesdienstes eine Rotte der Leibgarde in die Kathedrale, durchsuchte alle Glockentürme und schleppte aus einer Nische einen roten Kazapen heraus/ der so schön die Worte „Pohieda nas<*.ha!‘‘ singen konnte. Zar Nikolaus bestrafte den Kronprinzen für seine Hyperklugheit damit, daß dieser ein halbes Jahr ohne Degen herumgehen mußte. Am 2. März 1855 starb Kaiser Nikolaus und kurz darauf schloß der friedliebende Kaiser Alexander II. den Frieden/ W—tsch. Literatur. Selbstbiographie von Josef Popper-Lynkeus. Mit dem Bildnis des Verfassers. Leipzig. Verlag „Unesma", G. tu. b. H. Das Januarheft der „Moriah", Monatsschrift der jüdischen Jugend in polnischer Sprache, ist bereits erschienen und enthält: Dr. Abraham Schwadron: Nebenbemerkungen zum Thein cr: sasa