Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 4 (26.1.1917)
- Date
- 1917-01-26
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/3020846-3022248-3022253--25723-3051042- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 50 - An Bloch'S net." Kann man anders sagen, als daß er gleich mit einer w ahrheitsw ibrigen Uebertreibung oxt? fangcV L)etln er hac n mst äi c vre Tau,enoe von JMetiren gemachtdie jdx der tetzren Zerr des juoi,cyen Staärswefms nach Äeghpcen wanc-er^en nno oort frceoriche Ausnahme fanoen, ja. ui Acexanoria, wo sie scyne^icy zwei Funscel der Staor bewohmery euren be>onoe^e.r o^ec,.en Gerrapshos mir einem „Echnarchen" >,Vocrsooersren) atS dem Vorsrtzenoen harten, wie es auch keineswegs von Ulrich Witccen bewiesen worden i\t, daß ^zo,ephuS (Aciu puaan-iii II, 4) ihnen ohne tarsachtilljen Anhalt 'den Besitz des VürgerrechlS zu,chreibr. Ferner sino m jenem Saye von Gunret nichr tmr auch viere anoere Scäote übersehen, wo die Juden ohne Verfolgungen wohNrenst wie z. V. Ln Antiocyrä am ÖromeS, sonoern auch darauf iit keine Rück, ichr genommen, daß sich überack um die Lsraeririjcyen Berenner veS moiarschen GraubcNS ein wci.er Kreis von „Götresfürchtigen" bildete, die in der Goicesaufsassung der mosaischen Religion die richtigste Weltanschauung fanden. Zu ihnen gehörten ja auch römische Mrrimrperionen, wie z. B. der Eenmrio zu Eä.area am Meere (Apd Mg. 10, 2), und in ihren Kreis traten auch Fürsten ein, wie der König Jzates in Adiabene im jetzigen Kurdistan (JofephuS, e. A^. II, 10, 39), wie sich auch der König Poremon von Cilicien mit den jüoischen Prinzessinnen Äruffila und Berniee verheirateten. Endlich ist von jenem Satze Gunrels, um nur noch das eine, zu erwähnen, auch dies übersehen, daß Hunderttausenoe von Juden uiweiästigt Jahrhundertelang in Spanien gelebt Haben, wie jetzt nun ihre dortige ruiturfördernde Tätigreir auch vor aller Wert anerkannt woroen ist, indem Herr Dr. Iahüda (von der Hochschule für die Willen,chaft des Judentums in Berlin) durch königliches. Derret zum ordentlichen Professor für jüdische Geschichte und hebräische KUeratür speziell in 'Spanien an die Universität in Madrid berufen worden ist. Wenn also die Besprechung des Themas ^^Verfolgungen der Judenschaft im Altertum" in jener neuesten DarMlung mit einer ungerechten Hyperbel begonnen worden ist, so ist das kein günstiges Anzeichen von der Richtigkeit dieser DarMlung überhaupt. Doch fa,sen wir dieselbe noch weiter ins Auge! Indem in dieser Darstellung nach den Anlässen der vierfachen Anfeindung der Judenschaft im Altertum gesucht wird, wirft der Berfa,ser auch die Frage auf: „Glaubten die Völker vielleicht die Ehrlichkeit jüdischen Erwerbslebens bezweifeln zu dürfen?" (S. 73.)'Aber er verneint fie nicht, sondern sagt im Gegenteil: „Wir finden im Buche Esther selbst eine Verteidigung gegen diesen Vorwurf." Schlägt man, begierig, die Beweisstelle zu hören, in den Anmerkungen Nr. 493 nach, so wird man auf S. 43 verwiesen, und was findet man da? Da wird der .Satz „Aber an seine Güter legten sie ihre Hand nicht" (Esth. 9, 10) zitiert und hinzugefügt: „Wenn der Erzähler so den Edelmut der Juden hervorhebt, so läßt sich wohl annehmen, daß gerade, dieser von den Feinden des Judentums bezweifelt wird." Aber nein, das läßt sich nicht annehmen. Diese Annahme ist eins Ungerechtigkeit. Da dürfte doch niemand, mehr eine edelmütige Verzichtleistung auf das Beutemachen hervorheben, ohne/sich der Verdächtigung auszusetzen, daß er auf dem Pfade der Gewalttat und. der Unehrlichkeit gewandelt habe. - Wie wenig genau aber jener neueste Darsteller sich vor dieser Verdächtigung gehütet hat, ersieht man aus seinen Worten auf S. 14: „Bemerkenswert ist die Warnung vor dem Wucher der jüdischen Geldverleiher aus dem Zeitalter Jesu bei Wilckem" Da beruft er sich also erstens auf die Arbeit von Ulrich W., „Zum alexandrinischen Antisemitismus" (in den Abhandlungen der Säch- Mochenschnst' ^^r. 4 fischen Gesellschaft der Wissenschaften, 1909), ohne zu beruaiw/iigcu, vast die Aus,Zerrungen oie/er Arbeic in meinem Dnu/e >,^-as anoi,eulini^e Haupidögma" (tvl4), S. 2—o, mehrs ach> rorrigrerr irerven mussten, uno zweitens > har er ipezM . das sticyt beachtet, was Witwen servir giriere vee mir S. 4 s.!) zur Beleuchtung jener „Warnnng" („Sieh' dich vor vor den Zuoenr") bemcrtr hm.'Witwen macht nämrich sehr rtastig darauf ausmeri.,am, oast „m der ge,armen anlistmnis'hett L>irermur, von der freilich nur geringe Repe erhaben sind,' der Vorwurf des Wuchers nicht begegnet". Ich aoer mußte schon m jenern meinem Buchiem. hinzusügen: „pciemano soilre jemals vergessen, dah hohe Zin,en embrnigettoe Geidgeschajre zu aiicti Zeiten aitui von Gliedern; anoeret vcarwnen u»id Restgwnsgemem,cyasren gerrieden woroen sind und getrieoen werden." Trotzdem ist jener einzelne Fall aus den Papyri wieder iw oer neueren Dar,reilung mit einem steckorMlichen „Bemeccenswect ist" in die Welt geschickt woroen. ' Schon oeshmb führte ich mich gedrungen, zum Schlitze der Gereastigreit wieder das Wort zu ergreifen. Unter den bewandten Umständen ist es begreiflich, . daß von der erwähmen neuesten Darstellung nur „der Hauptgrund" zu den voriommenoen Versorgungen der" Jsraenten „in der jüdischen Religion jener Zeit" (S. 7ö) gefunden wird. Und wie wiro diese Religion dabei characteriiiert? Im Unterschied von der Religion des alten Jsraer, sei sie ein „exclustver Monotheismus", und in den Prinzipien dieser Religion „habe Hohes und Niedriges .so sertfam ineinander gelegen" (S. 74). Nttt dem „bciedrigen" meint er die Gesetze von den unreinen Speisen und Von der .Unreinheit der Heiden. . Aber das waren eben Konsequenzen aus dem Bewußtsein, die wahre Reriglon des allein lebendigen Gotres >zu besitzen, und sie gehörten überdies nicht zur „jüoischen Religion jener Zelt", sondern auch der Prophet Ho,ea spricht von dem „Trauerbrot, an welchem unrein lver- - den . alle, die davon essen" (Hosea 9,- 4). Ueberhaupt wird zur Ehre des menschlichen Verstandes richtiger ge- .. urteilt werden, daß das, was. der neueste Darsteller als „das Niedrige" bezeichnet, nicht so sehr die Opposition ' der heidnischen Völrer hervorrief, als „das Hohe" an der jüdischen Religion, die großen Wahrheiten, die das althebräische Schrifttum durchflammen, daß es nur einen geistigen, unabbildbären Gott gibt, der, wie er schon vorder wcaterie existierte, so auch mit souveräner. Machtvollkominenheit der Natur und der Weltgeschichte gegenüber- - steht. Die menschliche Dentkraft wird auch schon damals zu unterscheiden gewußt haben, was grundlegendes Prinzip und was bloße Konsequenz ist. Ebensowenig aber, wie. betreffs der Anlässe von vielfacher Opposition'antiker Völker gegen das Judentum in dieser neuesten Darstellung richtig geurteilt wird, ebensowenig über die Mittel, die von den Juden zur Abwehr verwendet wurden. Denn wenn die Juden als Untertanen, des Perserreiches auf dessen Schutz gegen ihre Feinde hoffen, so wird von „einem eigentümlichen Schielen nach oben" (S. 66) gesprochen. Wenn, vom Staate ohne Schutz: gelassen, die. Juden zur. Abwehr. feindlicher Angriffe entschlossen sind, dann sägt man, daß „sie nur allzu bereit waren, den Feinden Gleiches-mit Gleichem zu vergelten" (S. 71), Wenn Mardochai, da er nach den Grundsätzen seiner Religion keine Menschenvergötterung leisten kann, auch dem Minister Haman den Kotau verweigert, dann spricht man vom „Trotz des Jud'en", der soweit geht, daß er „sogar den vom Könige befohlenen Gruß des Niederiverfens^ verweigert (S. 72). . Also die Urteilsweise, dieser neuesten Darstellung über die Beziehungen zwischen - der Judenschaft und anderen Menschenkreisen' im Altertum kann keineswegs eine ge- \