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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-01-12 · 2 (12.1.1917) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
2 (12.1.1917)
Date
1917-01-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 21 Tr. Bloch's Die Gewählten danken für die wiederholte Wahl und für das hiedurch ihnen Zum Ausdruck gebrachte Vertrauen. In das Vertreter-Kollegium werden gewählt für eine einjährige Funktionsdauer die Herren: Salo Cohn, Privatier; M. B. Eißler, Großindustrieller; Siegmund Künders, kais. Rat, Weingroßhändler; Dr. Wilhelm P a p p e n h e i m, Hof- und Gerichtsadvokat, Bezirksschulrat; Eduard Schwarz, Fabrikant; Leopold,Simon, k. k. Kommerzialrat,; Dr. Markus Spitzer, Hof- und Gerichtsadvokat, Landesschulrat: neugewählt: Herr Ernst Hirsch> Fabriksbesitzer. Herr Ernst H i r s ch dankt für die aus ihn gefallene Wahl. Er sei sich dessen bewußt, daß er seine Wahl in erster Linie den Verdiensten seines gottseligen Vaters, des langjährigen Vizepräsidenten der Kultusgemeinde, kais. Rates Moritz Hirsch-, zu verdanken habe. Redner werde gewiß bestrebt sein, den Intentionen seines Vaters gemäß, der Kultusgemeinde zu dienen. Hierauf wurden die Wahlen in die einzelnen Kommissionen, Komitees und Stistungs-Kuratorien vorgemen. Die Konstituierung derselben wurde einem späteren Zeitpunkte Vorbehalten. * Schluß der Sitzung: 12 Uhr vormittags. Eine Kranz Josef-Stiftung des ungarischen Judentums. Das ungarische Judentum hat eine Bewegung eingeleitet, nur das Andenken des verewigten Königs Franz Josef I., unter dessen Regierung die Emanzipation und Rezeption der jüdischen Glaubensgenreinschaft durchgeführt und damit den ungarischen Juden der Weg zu gedeihlicher Entwicklung eröffnet wurde, durch eine Franz Joses-Stiftung zu ehren. Das Erträgnis' der Stiftung soll, dazu,. dienen,, um im. Mahtgen. HO.. ,'LarrdO- RaLbinerseMinars und der Israelitischen Landes-Lehrerpräparandie Zöglings internste zu schaffen. Die Israelitische Landeskanzlei wendet sich nun in einem Aufruf an die ungarische Judenschaft mit der Bitte, zur Verwirklichung dieses Werkes der Pietät durch Spenden beizutragen. Der Aufruf hat folgenden Wortlaut: Der Schmerz über den Tod Sr. kaiserl. und apostolisch königl. Majestät Franz Josef I. wurde in der gesamten ungarischen Judcnschaft durch »in inniges Gefühl des Dankes vertieft, das jenem erhabenen, verewigten Herrscher galt, unter dessen Regierung unsere bürgerlichen Rechte und die staatsrechtliche Stellung unserer Religion durch Grundgesetze gesichert wurden, und dessen Na.me durch die Schaffung hervorragender Kultusinstitutionen unserer Glaubensgemeinschaft im Kreise der heimischen Judenschaft ewig unvergeßlich bleiben wird. Die Geschichte des ungarischen Judentums bewahrt als heiliges Vermächtnis die segensoolle und nach den Leiden der Vergangenheit von -"uns doppelt gefühlte Gyrschtigkeitsliebe unseres großen Königs, die unter seiner glorreichen Herrschaft gemachten sieghaften Errungenschaften des Prinzips der Rechtsgleichheit und sein strahlendes Herrscherbeispiel, das durch das Dunkel der Vorurteile den Völkern und Regierungen voranleuchtete. Wir wollen unsere Gefühle auch in Verbindung mit unseren, durch die besondere Gunst Sr. Majestät des verewigten Königs geweihten Institutionen dauernd verinnerlichen, und haben daher in Treue zu seinem erhabenen Geiste beschlossen, aus unserer bescheidenen Kraft eine großzügige Landes-Franz Josef- Stiftung zu schaffen, die zur Stärkung des Glaubens und der nationalen Kultur und. zur Förderung der idealen Berufen sich widmenden Jugend dienen und im Rahmen der Institutionen des Landes-Rabbiner-Seminars und der Israel. Landes-Lehrerpräparandie, deren Entstehung sich an die Regierung unseres großen Königs knüpft, zur Schaffung von Internaten verwendet werden soll. Es ist das erstemal, daß die Gesamtheit der Mitglieder unserer Elaubensgemeinden und Korporationen zu einem gemeinsamen, großen und geheiligten Opfer der Pietät aufgefordert wird. Es ist unser Ziel, einerseits den Dank der Judenschaft und andererseits den . idealen Glauben des dahingeschiedenen Herrschers, den G.eist seines Kultur und -Liebe atmenden harmonischen Lebenswerkes in den Institutionen des Judentums zu verewigen. Die Stiftung Wochenschrift" Rr. 2 soll daher würdig sein unseres gütigen Königs, unserer tatbereiten Pietät und deren hehren Ausgaben unserer gesäurten. Glaubensgemeinschaft. Voll Vertrauen rufen wir die heimische Judenschast .zum Spenden aus. Wir hoffen zuversichtlich, daß unsere Kultusgemeinden und Korporationen die Sammlung mit Liebe orgarrisieren werden, damit unsere Glaubensgemeinschaft auf diesem gemeinsamen Altar der Dankbarkeit unter Teilnahme der breiten Schichten der Mitglieder aus vollem Herzen und' mit voller Bereitschaft opfern können. Gott segne und beschütze unser geliebtes Vaterland. Moritz M e z e i, Präsident der israel. Landeskanzlei. Dr. Franz M e z e y, Vizepräsident der israel. Landeskanzlei. Das Exekutivkomitee der Franz Josef-Stiftung, enthält die Nameir der hervorragendsten Mitglieder des ungarischen Judentums. Die Spenden und sonstigen auf die Sammlung 'bezüglichen Mitteilungen .sind au die I s r a e l i t i s ch e L a n d e s k a n z l e i (V-, Arany-Janosgasse 27) > zu senden. Auch der „P e ste r Llo y d" nimmt bereitwilligst Spenden entgegen, die in den Spendensamm'lungen dieses Blattes quittiert werdelr. Eine Bemerkung zu: „Weh' dem, dessen Gewissen schläft". Der Autorin des von aufrichtiger Liebe zum Judentuine durchpulsten Feuilletons zolle ich tiefgefühlte Anerkennung. Die leidigen sozialen Gesetze erscheinen um so staunenswürdiger, wenn man bedenkt, in welchen Zeitläuften sie statuiert wurden. Sie sind das Wunder katexochen der alten Welt. Die Organisation der zeitgenössischen Wohltätigkeit ist ein geradezu schreiendes Bedürfnis. Frau Bertha Pappenheim hat in allem, was sie'sagt, vollständig recht;, jedes jüdisch fühlende Herz muß i hr in allem, und jedem beipflichten. Dies zugegeben. Und doch regt sich nach der Lektüre ihrer Ausführungen in der Seele ein „Aber". - Wenn - das uns - bedrohendo-Schicksal, ein interessan- - ter Rest einer einst ethisch intellektuell und wirtschaftlich bedeutsamen Religionsgemeinschaft zu werden", abgcwendet werden soll, dann müssen wir uns ans uns selbst besinnen. „Ich schlafe, doch mdin Herz ist wach." Diese salomonischen Worte treffen hier zu. Der Geist des Judentums schläft in gar mancher Himmelsgegend, doch sein Herz ist . wach. Geistvoll schrieb im Vorjahre Herr Oberrabbiner Güdemann in der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums": „Die Liebe ist in der jüdischen Religion so tief verwurzelt, daß sie es nicht nötig hat, sich eine Religion der Liebe zu nennen." Durch die religiöse Erziehung ist im jüdischen Stamme die Liebe zu den Menschen, das Mitleid mit iallen Lebewesen „Zar bale chajim“ geradezu zum Atavismus geworden. Die „Mizwah", die Guttat, das ist die in die Erscheinung tretende Kundgebung des stets „wacheil Herzens". Wenn wir uns aber fragen, was bildete — während der achtzehn Jahrhunderte des Gotuth, die gewiß doppelt zählen — das moralische Rückgrat unserer Eigenart, daß wir .sie ungebrochen bewähren konnten, dann müssen wir uns des heiligen Verumchtnisses unserer Lehrer im Judentume entsinnen: „w’talmud torah kneged kyloin.“ Das Studium der Thora wird als die wichtigste „Mizwah" hingestellt, als das Fundament, das das ganze ethische Gebäude des Judeirtunrs zu tragen berufen ist. Wir sind eben „das Volk des Buches". „Was du ererbt von den Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen." Kein Jude sollte die so wundervoll lohnende Mühe scheuen, den Schlüssel zu dem uns nicht zu raubenden Kleinödienschrein unseres.Schrifttums zu. erwerben. Wir müssen als stamnibewnßte, auf unsere dreißig Jahrhunderte alte Literatur stolze Juden, es als unsere heiligste und vornehmste Ausgabe betrachten, die Kenntnis unseres geistigen Erbes nach Möglichkeit zu

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