Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 34 (1917)
- Issue
- 1 (5.1.1917)
- Date
- 1917-01-05
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Blüch'H Wochenschrift" Seite 15 Nr. 1 und finanzieller Mitwirkung und Mitverantwortung der Gemeinden. Um deren Wirksamkeit zu erhöhen, ist die Einbeziehung der Vereine, Anstalten und Stiftungen als ein F ü r s o r gerat d e s Arme n w e s e n s besonders sür die großen und mittleren Gemeinden nötig. Um die Anstalten, Krankenhäuser usw. untereinander zu verbinden, ebenso aus Gründen der Ersparnis und der Sicherstellung für den Verbrauch (für Webwaren. Lebensmittel, Milch, Feld Fisch,- Kartoffeln, Kohlen, Seife usw.) empfiehlt sich die Gründung einer großen Konsum- und Einkaufsgenossenschaft der jüdischen gemeinnützigen Anstalten; wo es irgend angeht, wäre landwirtschaftlicher Betrieb (Lehr- und Arbeitsgelegenheit) einzuführen. Bekämpfung der fahrlässigen Wohltätigkeit und Gewährung von Unterstützungen nach volkserzieherischeu Grundsätzen. Bekämpfung des Wanderbettels und des Hausierhandels. unter den Juden, besonders bei Frauen und Jugendlichen, Förderung von Berufsberatung und Arbeitsnachweisen für männliche und weibliche Lehrlinge, höhere Berufe, männliche und weibliche Arbeitsuchende. Wohnungsfürsorge und Wohnungsnachweis. Einrichtung von jüdischer SaMmelvonnundschaft süc alle jüdischen Gemeinden Deutschlands. Bereitstellung von Mitteln für Erziehungsöei-räge für jedes schutzlose und von der Familie getrennt erziehungsbedürftige jüdische Kind, ehelich oder unehelich. Förderung aller Unternehmungen der jüdischen Jugendpflege. Bekämpfung der Tuberkulose unter den Juden. Einberufung! von Konferenzen über Fragen ans den Gebieten der Armenpflegeder Erziehung, der Sittlichkeitsfrage, Berufs- und Bildnngsfragen, Bevölkerungs- Problem usw., Preisaus'schreiben für besondere Arbeiten oder für praktische Studien auf diesen Gebietest. Förderung der Frühehe und aller daraus hinzielenden Unternehmungen usw- Dies natürlich nur in großen Umrißen der wesentliche Inhalt des Verbaudsgebantens. Organisatorisch hätte er unter Führung einer Kommission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes' und.engster Mitarbeit der großen bestehenden Organisationen alle Gemeinden dem 'Programme nach zusaMmenzusaffen und vor dient dafür zu sorgen, daß an Stellen, wo zurzeit gutherziger Dilettantismus waltet, Sachkunde und Disziplin eiatritt. Tüchtige Berufsbeamte müssen dorthin berufen werden, wo es die Stetigkeit der Arbeit verlangt. Dabei kann und .darf niemals und nirgends aus beit Einfluß 'und das Mitschaffen der freiwilligen Hilfskräf.e verzichten werden, um nicht der papierenen Seele des Bureauk'ratismus zum Selbstzwecke zu verhelfen. Aber die freiwilligen Arbeiter müssen solche Männer und Frauen sein, die noch in engster Fühlung mit dem Lebert stehett, die sich Zeit nehmen müssen und wollen, in klugem, treuem Walten eine wichtige Stelle anszusüllen, nicht Veteranen des Lebens^ die noch Zeit haben. Und für Nachwuchs in den Aemtern muß freimütig gesorgt werden, denn von der Qualität dieser Arbeit hängt die Kraft und das Gedeihen und damit die Zukunft des deutschen Judentums ab. Wehe dem, dessen Gewissen schläft! Literatur. Unsere Kriegsanleihen 1914—15. Monumente des Patriotismus. Unter diefetn Titel hat kaiserl. Rat Hermann Heller, der um das Deutsch- und Judentum verdiente Herausgeber des „Mährisch- Schlesischen Korrespondenten", ein dreibändiges, schön ausgestattetes Werk ini Selbstverläge herausgegeben, dessen Bände mit den Bildern des Ministers Karl o. Leth, der Vizepräsidenten Schuster v. Bonnot und Leopold o. Bauer geziert sind. Eine historisch-statistische Skizze von Baron Heinrich d'E l o e r i bildet die Einleitung. Fachmännische Aufsätze. Anregungen, Ausrufe. statistische Endergebnisse. Aeußerungen hervorragender Männer (3. B. Adolf v. Bachut. Abgeordneter Friedmann. Bergrat v. Entmann, Marime v. K r a s n y, Heinrich M e n d l, Baron Gustav Springer, um nur unsere Glaubensgenossen zu zitieren). Gedichte über die Kriegsanleihe (darunter von Emilie A r n st e i n). offizielle Rundschreiben. Hirtenbriefe der katholischen Erzbischöfe. Ausrufe von orthodoxen und chassidischen Rabbinern, die großartigen Organisationen, die rührenden und oft humoristischen Erlebnisse mit den Schulanleihen, die ausführlichen Darlegungen der Wirksamkeit /der Sparkassen, der einzelnen österreichischen und ungarischen Banken und der Postsparkassa, schließdie lange Liste der einzelnen Zeichner — Kriegsfreiwilliger des Hinterlandes edelster Art —, endlich der Ausweis aller Banken, aller Kronländer. jeder einzelnen Stadt, ein so buntes Material füllt die drei Bände, die einmal ein wertvolles Dokument dafür abgeben werden, welche wirtschaftlichen Kräfte und selbst kleine und kleinste Bausteine von werktätigem Patriotismus unserer herrlichen Armee die Waffen zum Endsiege geschmiedet und gerüstet haben. C. Benedikt. Wilhelm Birrirg. „Der Kaufmann in der Literatur". Kart. 1.80, fein geb. 3.—. Drei Rosen-Verlag in Leipzig. Ein ausgezeichnetes Buch, das sehr interessant ist. Mit Recht schreibt die „Frankfurter Zeitung" vom 9. Dezember 1916 in einer umfangreichen Abhandlung über das Buch: „Eeradzu ver-- wunderlich ist es. daß es bisher an einem Buche fehlte, in dem die Beziehungen des Kaufmannes zur schöngeistigen Literatur gewürdigt werden. Nicht mit der trockenen Au^ählung der einschlägigen Literatur begnügt sich der Verfasser, er sucht auch die lultur- und wirtschastsgeschichtlichen Fäden bloßzulegen. die auf die Entwicklung des Kaufniannsstandes von Einfluß gewesen sind. Dürings Buch will in erster Linie zu Kaufleuten sprechen. Es ist ein Buch der Anregung.... ein Werbebuch, das großen Segen stiften kann. Auch dem Kaufmanne können Bücher zum inneren Wesen seiner Welk, zu einer durchgeistigen Auffassung seiner Arbeit führen." ..Moriah". Monatsschrift der jüdischen Jugend in Polen (polnisch).'Verlag: Wien, 2. Bez.. Zirkusgasse 36/4. Das Dezemberheft enthält folgende Artikel: „Kaiser Franz Josef" (Nekrolog), „Die Tat der Makkabäer" (Z. Patisch), „Das unabhängige Polen" (W. B.). „Haschomer und die Wiedergeburt des Judentums" (B. Zimmermann). ..Hugo Zuckermann" (W. Berkelhammer). „Soldatengrab", „Makkabäer" (Gedichte von Hugo Zuckermann, übersetzt von K. Rosenfeld und H. Safrin). „Das polnisch-litauische Judentum und Palästina", ein Beitrag zur Geschichte der romantischen Epoche im Zionismus. 2. Teil (Dr. Ignaz Schipper). „Gedenktafel für die im Felde gefallene jüd. Jugend Galiziens". Rundschau („Die jüdische Presse über die Unabhängigkeit Polens", „Das gegenwärtige hebräische Schrifttum in Palästina" usw.). Bibliographie. Neue Bücher. — Abonnement jährlich Kr. 6.— (Mk. 5.—). halbjährlich Kr. 3. (Mk. 2.50). vierteljährlich Kr. 1.50 (Mk. 1-25). Einzelheft Kr. —.60 (Mk. —.50). „Der Traum des Königs". Worte der Trauer, gesprochen anläßlich des Hinscheidens Seiner kaiserl. und königl. apostolischen Majestät Franz Josef I. hochseligen Andenkens bei dem Trauergottesdienste am 26. November 1916. Von Oberrabbiner Dr. Hermann Klein, Kismarton (Eisensladt). Ungarn. Der Reinertrag .wird der Aktion „Rituelle Kost für jüdische Soldaten" zugesührt. Es ist eine grohangelegte Trauerrede, welche der Verfasser uns darreicht; die reife Frucht eines gediegenen Kanzelredners. Der Eifenstädter Raw knüpft an die Sidrah an; darin zeigt sich eben, daß er den Tert zu meistern und für das gegebene Thema gefügig zu machen weiß. Dr. Klein versteht es. dem Bibelworte die leisesten Feinheiten abzulauschen und das Midraschwort geistvoll auszuiegen. Er zeigt sich uns als moderner Darfch an. der Alt und Neu harmonisch zusammenfügt. Das Lebensbild unseres Kaisers tritt uns plastisch vor Augen, ungekünstelt, natürlich, frei von jeder Ueberschwänglichkeit. Die Diktion ist fließend, die Sprache schön, gewählt, dabei schlicht und einfach, der Trauer angemessen, welche alle Herzen erfüllt. Die Rede ist wie aus einem Gusse und sei allen Freunden guter Agadah aufs allerwärmste empfohlen.! Stadt Kanitz. Chanukka 5677. F. Rich. .H e i n f ch e l. Eduard Sueß, „Erinnerungen". Mit zwei Bildnissen und vier Textabbildungen. Leipzig 1916. Verlag von S. Hirzel. Ein gutes Stück österreichischer Kulturgeschichte zieht an uns vorüber in diesem Werke. Wir wandern mit dem berühmten Verfasser von Jahrzehnt zu Jahrzehnt durch alle Entwicklungs-