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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-01-05 · 1 (5.1.1917) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 1 Seite IS Dr, Bloch's Wochrilfchrist" Mähr.-Budwitz. Am 2-1. Dezember 1.91«? fnnd im fticfigen Tempel eine Lhannkkafeier statt, welche mit dem Abendgottesdienste begann. Nach Marin» deklamierten die Schnlkinder von Budwitz und die schulpflichtigen Flüchtlingslinder aus der Bukowina verschiedene zeitgemäße Gedichte, welche den Beifall aller Anwesenden fanden. -Nun folgte die reichliche Beschenlung aller Binder, vor allem der 56 Flüchtlingskinder von Budwitz und Jarmeritz. Der Wohltätigkeitssinn der Budwitzer Juden hat sich wieder bewährt. Den Anstrengungen des hiesigen Frauen-Hilfsvereines ist es vor allem zu verdanken, daß es möglich war. den armen Flüchtlingskindern auch fern von ihrer Heimat ein freudiges Khanukkafest zu bereiten. Meran. Aus Anlatz des Chanukkafestes fand Freitag, den 22. Dezember 1916. abends, im hiesigen Tempel eine Feier statt, welche einen sehr würdigen Verlauf nahm. Außer den zahlreichen Gemeindemitgliedern war auch die hier in Meran stationierte jüdische Mannschaft erschienen. Nach dem Anzünden der Chanukkalichter und nach Absingung des Monn- /- r hielt k. u. ü. Feldrabbiner Herr Dr. Adolf Altmann eine schwungvolle, tief durchdachte Rede, worin er zunächst auf die Bedeutung des Chanukkafestes gerade in der jetzt kriegerisch bewegten Zeit hinwies. Hieran anknüpfend, ermahnte der Redner die jüdischen Soldaten zur Erfüllung «ihrer Daterlandspslicht und zum Ausharren bis zum siegreichen Ende des Krieges. Mit dem Gebet für den Monarchen und nach Absingung der Hymne schloß die erhebende Feier. Nach dem Sabbat-Gottesdienste wurden die Soldaten mit Wein und Backwerk bewirtet, wobei das hiesige jüdische Damenkomitee!mit Frau Rabbiner Dr. A l 1 m a n n an der Spitze sich in dankenswerter Weise in den Dienst der Wohltätigkeit stellte. Ganz besondere Anerkennung für das Zustandekommen dieser gelungenen Feier verdient unser ehrwürdiger und allverehrter Herr Rabbiner Dr. AI t m a n n, welcher auch sonst um das Wohl und Wehe der jüdischen Soldaten besorgt ist und weder Mühe noch Gefahr scheut, um für die Schützlinge seines Wirkungskreises, selbst bis nahe an den äutzersten Stellungen zu besuchen, Eoltesdienste abzuhälten und ihnen (Liebesgaben zu überbringen. Hiefür sei Sr. Ehrwürden Herrn Dr. A l t m a n n im Namen Vieler an dieser Stelle wärmster /Dank. Leopold V e e r m a n n. Markus Krys. -.,.rtF«nBruch. ,(Cbannkkafeie.r der .jüdischen Salda-- t e n.) Sonntag, um 5 Uhr nachmittags, fand in der Synagoge eine schöne, den hier stationierten Soldaten gewidmete Makkabäerfeier statt. Etwa 300 Soldaten und zahlreiche Offiziere füllten die Synagoge und lauschten dem ebenso inhaltreichen, als belehrenden Vorträge des Landesrabbiners für Tirol und Vorarlberg Dr. Link. Aber noch eine andere Freude erwartete unsere braven Krieger. Nach dem Gottesdienste trat unser Frauenverein, vertreten durch die Vorstandsdamen Dannhauser. Dubsky, Link und A b e l e s, in Aktion. Kein Soldat durfte die Synagoge verlassen ohne ein praktisches und nützliches Geschenk mit- >zunehmen. Den kranken und verwundeten Soldaten in den hiesigen k. u. k. Sanitätsanstalten überbrachte der ehrwürdige Landesrabbiner persönlich das ihnen seitens der Kultusgemeinde zugedachte Geschenk. Regina Schwarz. Göttipgen. Geheimer Regierungsrat Professor Doktor Gustav C o h u, Direktor des Staatswissenschaftlichen Seminars und Ordinarius der Nationalökonomie, beging am' 23. Dezember 1916 das goldene Doktorjubiläum. Geboren am 12. Dezember 1840 in Marienwerder, erhielt Cohn 1877 den 1. Preis'des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen für das Werk „Untersuchungen über die englische Eisenbahnpolitik" (1874—75). Sein zweites Hauptwerk, „System' der Nationalökonomie" (drei Bände, 1885—98), behandelt nach einem allgemeinen grundlegenden Teil die Finanzwissenschaft und das Handels- und Verkehrswesen. Weitere Werke: „Die deutsche Frauenbewegung" (1896), „Zur Geschichte und Politik des Verkehrswesens" (1900), „Zur Politik des deutschen Finanz-, Verkehrs- und Verwaltungswesens" (1905), „Betrachtungen Wer die Finanzreform des Reiches und über Verwandtes" (1913). C o h n ist ordentliches Mitglied der Göttinger Gesellschaft der Wissenschaften, Ehrenmitglied der American Economie Association. München. Ernannt: zum ordentl. Mitglied der kgl. Akademie der Wissenschaften in München: Geh. Rat und ordentlicher Nniversitätsprofessor Dr. Richard Wills> ä l l e r - München; zum außerordentlichen Mitgliede a. o. Professor Dr. Rob. Emden-München; zu korrespondierenden Mitgliedern die Universitätsprofsessoren Doktor Ignaz Go l dz iher-Budapest, Otto Hirschfeld- B e r l i n, Heinrich F r iedj u n g - Wien. Wer weiß? Cin aufgesundener Knabe aus Galizien sucht seine Eltern. Derselbe heißt Josef Reichmamr aus T a r t a r o. Bez. Delatyn. Der Vater desselben heißt Moses Rüchmaim, Kaufmann, die Mutter Eskda, ged. Porper. Die Familie flüchtete im August 1916 aus Stanislau. Ter Knabe ist unterwegs abhanden gekommen und feit zwei Wochen hier in Sisak. Um nähere Auskunft, bitte, sich an das Bezirks-Rabbinat Sisak zu wenden. Moses Liquornik, k. u. k. Reservespital. Abteilung 3, Zimmer 4. Dembica (Galizien), sucht seine Mutier Sarah Liquormk aus Czernowitz. Es wird um Bekanntgabe des Aufenthaltes, bezw. Adresse des Herrn S. Lazar, Redakteur der ,,Hamicpe", Krakau, gebeten. Derselbe soll sich bei seinem Militärkader in Linz a. D. oder Umgebung befinden. Nachrichten erbeten an Josef Psrlberger, Wien, 2. Bez., Rembrandistcatze 33/4. Der Kriegsgefangene Sigmund Nutik, der im August 1916 in italienische Gefangenschaft geraten ist und sich gegenwärtig in Fossano >Italien) befindet, sucht seinen Vater Josef Nutik aus Pottok-Zloty, letzter Aufenthalt Ziegelei Moradwitz. 1. P. Ung.-Hradisch, und seinen Onkel Jsak Rutil, Flüchtling in Speierling Nr. 40. Post Haid (West-Böhmen). üfeuiUeton. Weh' dem, dessen Gewissen schlaft. . Bon Bertha Pappenheim, Frankfurt a. M. Die lebenserhaltende Wirkung der heiligen sozialen jüdischen Religionsgesetze ist so in Hirn und Blut der gesamte--: Iudenschaft übergegangen, daß der soziale Sinn der' Jud e.i' äks der' erweiterte „Familiensinn der Juden", sowie die ee als eine Stammeseigentümlichkeit bezeichnet werden kann. Die Enge des altjüdifchen Gemeinschaftslebens in Deutschland (vor der Emanzipation und Freizügigkeit) gestattete jedem einzelnen Manne mit viel größerer Leichtigkeit als heute die Erfüllung aller Gebote, nicht nur soweit sie sich aus die Ritualvorschriften beziehen, sondern auch, soweit es auf das Zusammenleben bezügliche Gebote sind. Das wirkte natürlich bestimmend auf die Form des Gemeindelebens und das, was man heute in entwickelten Verhältnissen dessen soziale Ausgabe nennt. Für die jüdische Frau war die Teilnahme an diesen Ausgaben religiös, also auch praktisch , karg bemessen, ein Verhältnis, das sich, innerhalb des Gemeindelebens durch die den Frauen anerzogene Teilnahmslosigkeit für jüdische Interessen heute noch in ihrer Jnteresseulosigkeit au der jüdischen Gesamtheit bitter rächt. Um aber in jenen Ghettozeiten den Erfordernissen der Gemeinde zu genügen, bedurfte es nicht, wie heute, spezieller Erfahrungen und Kenntnisse. Die Grundlage für die Beherrschung der Erfordernisse des Khillolebens und Wegweiser für alle Vorkommnisse bildete die Kenntnis der religiösen Vorschriften. — Als Tradition war sie Gemeingut aller und durch das weitverbreitete und sehr geachtete Studium des jüdischen Schrifttums blieb sie in allen Teilen frisch und lebendig. Ihrem Geiste nach bildet die jüdische Gesetzgebung eine wertvolle breite Basis fiir jedes Gemeinschaftsleben. Die Anforderungen, die an die moderne soziale Gesetzgebung gestellt werden und dort oft als geistiges Neuland gelten, sind in den wichtigsten Teilen mit altjüdischen Gesetzen identisch: dort, wo sie religiös betrachtet, als christlich angesprochen werden, sind sie nachweislich jüdisch. (Sonntagsruhe, Mutterschutz,

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