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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1917-01-05 · 1 (5.1.1917) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
34 (1917)
Issue
1 (5.1.1917)
Date
1917-01-05
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8 Dr. Bloch's! Wochenschrift" Nr. .1 Es sprach hierauf der Vertreter der israelitischen Kultusgemeinde, Herr Dr. Jacob Deutsch, der im Namen der isr. Kultusgemeinde den Verein iit anerkennenden Worten zu seinen Leistungen beglückwünschte. Sodann erstattete Schriftführer Herr Samuel Sperling den Bericht über die Kassagebarung des Vereines „Kurfürsorge" während Frau Gisela Weiß über die Kassagebarung des Kriegsfreitisches referierte. Herr Professor Salzmann ergriff sodann das Wort und stellte den Airtrag, die Damen Frau Doktor Helene S t e i n, Frau Apotheker Martha Radi tz, Frau Dr. Sabine Brüll und Frau Gisela Weiß zu Ehrenmitgliedern des Vereines zu - ernennen, welcher Antrag einstimmig angenommen wurde. ' Ferner sprach Se. EhrMürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunw ald, der das einträchtige Zusammenwirken des Herreil- und Damenvorstandes iit lobenden Worten erwähnte. Frau Direktor Ulmann lobte in kernigen Worten in einer Ansprache von Humor und Geist das Wirken des Damenvorstandes für den Kriegsfreitisch. Herr Apotheker Robert Raditz stellte schließlich den Antrag, ein err Kriegsinvalidenfonds zu schaffen, zu welchem Zwecke er 100 Kronen spendete. Ueber Vorschlag des Fräulein Lea Bondy wurde dieser Antrag dem Vorstände zur Beratung zugewiesen. Es erfolgte sodann die Wahl des Vorstandes. Herr S p e r l i n g beantragte, den. gewesenen Vorstand, uird zwar die Herren Oberarzt Dr. Isidor L. Braun, Apotheker Robert Raditz, Prof. M. L-alzmann, Prokurist S. Sperling, Waisenrat S. Kulka, Armenrat Hugo Heller, Leo Heller, Komponisten Edmund Eysler, Eduard Herlin.ger, Josef I g l au er. Alexmrder S i e d e r e r, Dr. Max I a c o b s o h n, Wilhelm Kilim, P. Papiernik, Josef Breier. Adolf D e u t sch, Max W a g n e r, .Richard.. B r u ch. ..Jakob Heber, Adolf Deutsch, weiter zu belassen und nachstehende Herren in den Beirat des Vorstandes ireu zu wählen: Fabrikant Armin Bondh, Dr. Siegfried Brüll, Moritz Heller, Richard Kola, Chefredakteur Josef P a P a n e k, Karl. S ch n a b e l, Ludwig Schö n. Direktor Siegmünd Spielmann, Arthur Stern, Moritz Ulmann und Otto Weiner; dies geschieht einstimmig. Zum Schlüsse wurde noch beschlossen, ein Huldigungstelegramm an Seine Majestät Kaiser Karl I. abzusenden. Eine Ehanukiaseier. Weitab vom trotz oder wegen des Weltkrieges fieberhaft pulsierenden Leben der Residenzstadt, in einer entlegenen Straße des 20. Bezirkes, wurde in aller Stille wieder ein Stein, ein Edelstein, in den gewaltigen Bau der Zentralstelle für Kriegsflüchtlinge eingefügt: das Studentenheim III für 450 Mittelschüler in der Engerthstraße 79 eröffnet. Die diese neue, für die Flüchtlingsjugend ohne Unterschied der Nationalität und des Glaubens bestimmte Kulturstätte bewohnenden jüdischen Studenten haben am letzten Tage des Ehanukkafestes spontan eine Makkabäerfeier veranstaltet. Als Festgäste hatten sich eingefunden: Gemeinderat Dr. Rudolf Schwarz-Hiller und seine hochherzige Gemahlin, die seit Kriegsbeginn eine Nähschule und ein musterhaft organisiertes Backfischheim (Mädchen von 14 bis 17 Jahren) mit mütterlicher Zärtlichkeit leitet, die beiden, feit Beginn der Flüchtlingsaktion unermüdlich tätigen Stellvertreter: Bezirksrat M. S. R ü b n e r und Armenrat S. Lemberg er, Magistralssekretär Dr. Hartl, der liebenswürdige und überaus geschäftskundige Mittler zwischen Zentralstelle und Kommune, der verdienstvolle Sekretär Alfred Pins und Gemahlin, die in umsichtiger, energischer Weise die Magazine für Kleidungsstücke und Lebensmittel verwalten. Frau Bezirksrat Marie Rübner, unter deren Leitung drei Mädchen- und drei Kinderheime stehen, Herr und Frau Dr. S. S e g i l, der vielbeschäftigte, freiwillige Mitarbeiter der Zentralstelle, der u. a. das Ressort der außerordentlichen Unterstützungen in gerechter und wohlwollendster Weise versieht, ferner Herr Fritz Lederer, der dieses Heim in mustergiltiger Weise eingerichtet hat und dem auch die Verwaltung dieser von Herrn Gemeinderät Melcher mit den modernsten technischen Behelfen in Kochherd-, Kessel- und Beleuchtungsanlagen ausgestatteten Institution anvertraut wurde. Der behaglich erwärmte, langgedehnte Festsaal, geschmückt mit Tannenreisig und Bändern in den Farben des Reiches und der Stadt Wien, war erfüllt von andächtig lauschenden Knaben und Jünglingen mit glühenden Wangen und leuchtenden Augen als Wiederschein von den Chanukkalichtern; die von dem Studenten Josef Kro deckt angezündet, und mit den uralten, anheimelnden Tönen des Afoau.- ,»r begrüßt wurden. Hierauf hielt der Schüler der 7, Gymnasialklasse Kalman Jäger m a n n eine schwungvolle, von jugendlichem Feuer durchglühte Festrede: „Chanukka einst und jetzt", deren Schluß lautete: „Zum drittenmale in diesem Weltkriege zünden wir die Chanukkalichter an, Lichtlein, die von vergangener Pracht erzählen und uns das Heldentum der Gegenwart tief ins Bewußtsein prägen. Möge das Wunder zum zweitenmale an uns geschehen, möge es uns vergönnt sein, den Tempel von Haar- Moriah wieder zu betreten und Chanukka-Habaith zu feiern, mögen wir wieder werden ein Volk, den Völkern gleich, mit eigenen Händen, die alte Heimaiserde pflügend, unser Schicksal selber schmiedend. — — Wir aber, wollen das Vermächtnis unseres mit seinem Tode besiegelten Heldendichters Hugo Zuckermann Hochhalten : „Macht den Tempel wieder rein, Laßt uns Makkabäer sein." . Reichen Beifall erntete der jugendliche Redner für seine treffliche Ausführungen, und nunmehr folgten hübsche Violinvorträge der Studenten Dob schütz Aron und Ol schütz Joachim, nrehrere Klavier-Piöcen des sehr begabten , Gottlieb, Isidor, Deklamationen im Jargon und im Hochdeutschen von den Heimschützlingen Nürnberg Elias und Wagner Lazar, der gut einstudierte und von Zeiger Bernhard temperamentvoll dirigierte Chor „Hatikwah" und die Dankesrede des Studenten Ludwig Reizes, in der er sagte: .Flüchtling! ein früher nie gekanntes Wort, wie landläufig, wie selbstverständlich ist. es nun geworden. Und wieviel Elend, wieviel Trostlosigkeit birgt dieses schreckliche Wort in sich! Als wir, vor dem grausamen Feinde fliehend, die geliebte Heimat verlassen mußten und in den überfüllten Flüchtlingszügel' gehetzte und todesmüde Frauen, Kinder und Greise einander mit schreckensbleichen Lippen fragten: „Wohin?" Da entrang sich wie aus einem Munde der Ruf: „Nach Wien, in die herrliche Stadt, wo Menschen leben, in deren Brust goldene Herzen schlagen." Und unser Glaube hat uns nicht getäuscht...Hier erstand..uns. ein. Retter und Beschützer in der Person des hochverehrten Herrn Eemeinderätes Dr. Rudolf Schwarz-Hiller. Ihrer rastlosen Tätigkeit, Ihrer Güte, Ihrer großen, grenzenlosen Menschenliebe verdanken wir Alles. Sie gaben uns Ihr Bestes: Sie gaben uns sich s e l b st. Ganz besonders erfreut sich die Jugend Ihres Schutzes. Und dafür Dank. Dank Dir, unser Vater, unser Beschützer, unser Freund. In unseren jungen Herzen hast Du Dir einen Tempel gebaut, der Geschlechter überdauern wird. Den Namen Schwarz- Hiller werden noch späte Enkel mit Verehrung, Dankbarkeit und Liebe nennen." Ein Beifallssturm folgte diesen Worten, und in einer kurzen, kernigen Erwiderung versicherte der mit Recht so gefeierte Leiter der Zentralstelle alle seine Schützlinge seiner steten Obsorge und Liebe und ermahnte sie zur Eintracht, Folgsamkeit und Reinlichkeit, zur Treue und Anhänglichkeit zum angestammten Glauben und zur gegenseitigen kameradschaftlichen Hilfeleistung ohne Unterschied der Zunge oder des religiösen Bekenntnisses. Diese Worte gleichsam in eine musikalische Form gießend, sang hierauf Herr Armenrat I. Lemberger mit seiner prächtigen Baßstimme und tiefem, künstlerischem Verständnisse Mozarts unsterblichen Weihegesang aus der „Zauberflöte": < , „In diesen heil'gen Hallen Kennt man die Rache nicht Und ist ein Mensch gefallen, Führt Liebe ihn zur Pflicht." Mit der von allen Anwesenden begeistert mitgesungenen Volkshymne und einem von Herrn Gemeinderate Dr. 'Schwarz- Hiller ausgebrachten dreimaligen Hoch auf Seine Majestät Kaiser Karl I. und seine erlauchte Gemahlin, die Kaiserin Zita, schloß diese herzerhebende, denkwürdige Flüchtlings-Chanukkaseier. Dr. A. L. Krakau. Am 11. Dezember 1916 ivurde iit Krakau die vielleicht erste in Europa rituelle bürgerliche Kriegsküche ' feierlich eröffnet. Rabbiner Dr. . Tho n, der die Einweihung, vornahm, dankte im Namen der Krakauer Juden dem Präsidenten Dr. Rafael L a n d a u, der sein ganzes Ich der jüdischen Kriegssürsorge opfert, für diese neue, zeitgeMße Schöpfung. In dieser Kriegsküche, die einige große Säle einnimmt, werden Mittagmähle zu einer Krone..und Nachtmahle zu 70 Heller

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