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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-22 · 50 (22.12.1916) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
50 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr o<) Dr. Bloch's Wochenschrift Seite S‘6i) Feuilleton. Rer Kegen im Wenigen. Zeitgemäßes zum dritten Kriegschanukka, von Dr. Adolf Altm. nn k. n. k. Feldrabdiner, Meran. So zünden wir denn zum dritteumale un Kriege die lieben Lichtlein, an, die aus einer glorreichen ^Vergangenheit heraus in unsere trübe und Diutüc t^.egenwart hiueinleuchten. Keines unserer Feste verdantt so direkt großen kriegerischen Ereigni.sen sein Entstehen wie das Chanukkafest, reines spricht uns daher, mit Bezug auf die gewaltigen Ereignisse, deren Miczengen wir und, so zu Herzen, als dieses Fest der Lichterweche. Was man dreimal erlebt und erchhn,- v.legt das Gemüt nicht kalt zu ba,eu, sondern regc zum Nachsinnen und Denken an. Sogar ein Traum, den man dreimal nacheinander träumt, soll nicht aleichgil.ig behandelt werdend Spricht man dreimal eine Absicht anF }o ,oU man sie als Gelübde ansehen/ und vernimmst man drei mal eine merkwürdige stunde, so ist es gewist ein Wuik von oben. So hat auch der Hohepriester Eli beim dritten-- male gemerkt, daß es die Gortesstimme war, die. an seinen Jünger Samuel erging. Auch wir Zollen nun, da das Hasmonäer-Fest schon zum drirtenma'e in schwerer Zeit bei uns erscheint,- zu bemerken beginnen, dag überaus gewichtige Dinge um uns her geschehen und dag Gott selber zu uns und unserem Zeitalter weicht. Die kleinen Flämmchen dieser historischen Lichter zollen uns Mahnrufe einer höheren Ordnung sein, die Zeichen der Zeit zu verstehen. In zweifacher Weise knüpfen die Erinnerungen der alten Chanukrageschehnisse an unsere ereignisreiche Neuzeit an: in kriegerischer und,- wenn man so sagen darf, in wirtschaftlicher Hinsicht. ^Jn ersterer Hinjichc rügen sie uns zur Kühnheit und Tapferkeit auf,- mahnen uns zur Treue und Hingebung und flößen uns den Brut des Heldentums ein, indem sie uns von den zu den rühm vollsten Taten der Menschheitsgeschichte gehörenden Krie gen und Siegen der Makkabäer erzählen und zur Nach ahmung anregen. Diese Seite unseres Festes ist seine äußere und allgemein merkliche Kennzeichnung. Weniger trut das wirtschaftlich lehrreiche, aneiserndc und anregende Heldenmoment hervor,- denn es knüpft sich an eine ivohibetannte, aber wenig beachtete Ueberlieserung,- an ein Geschehnis, das, von vielen belächelt, in das Reich der frommen Sage verlegt zu werden pflegt: an die Geschichte mit dem Wunderkrüglein. Und doch ist das Ehannkkasest gerade in dieser Hinsicht ein nicht hoch genug einzuschätzender Siegessingerzcig des Himmels für uns. Seit vielen hunderten Jahren erzählt die jüdische Tradition der Welt von dem winzigen Krüglein reinen Oeles, für einen Tag genug,- das die heldenhaften Makkabäerbrüder nach erfochtener Entscheidungsschlacht wohlverborgen und verwahrt im neugeweihten Heiligtnme fanden und daraus auf wunderbarer Weife acht Tage lang den heiligen Leuchter speisten. (Sabbat 22 a.) Aber es mußte erst unsere Zeit kommen,- mit den unerhörten Umwälzungen und Umwertungen,- um dieses seit langem her Erzählte die Welt verstehen und begreifen zu lernen. Das winzige kleine Krüglein mit. dem geringen Inhalte ist heute die stehende Einrichtung aller Haushalte geworden. Aus des einstigen Heiligtumes Wunderhalle hat es seinen Weg in die Vorratskammer des profanen. Lebens genommen und wird in Hütten und in Palästen gleich einig gesunden. Nichts beschäftigt die besten Köpfe mehr als das Problem des kleinen Krügleins,- bei dem man, ach! gar so gerne das Wunder der Vergrößerung,- der Erweiterung und Jnhaltsausdehnung in Kraft treten sehen möchte. Aber was den Makkabäern schon seinerzeit au heiliger Stätte durch das Wunder des Krügleins bedentnngsvoll tuudgetan wurde, nämlich, daß es nicht auf das Biel, sondern ans den Segen im Wenigen ankommt,- daß nicht die quantitative Fülle die Ausgaben des Leberksbedarws zu lösen vermag, sondern die innere Segnung im targ Bemessenen, das haben sie nun einmal endlich doch als den Stein der Weifen entdeckt. Nimm das Wenige von Gott gesegnete zu deinem Lebensumer halte, und es wird das Biete ohn' diesen Segen, wenn nö.ia, auch achtfach ersehen und überwerten. Das ist des Chanuirakrügleins alte Wnnderformel, einer ewigen Weis heit tiefe Wahrheit, die übrigens auch schon die heilige Schrift verkündet. „Er wird segnen dein Brot und dein Wasser, und iil) werde enZernen Krankheit ans deiner Mitte," verheißt das Wort Gocres dem ihm treu blei benden Israel i2. B. M. 2o. 2i>>, was die Schriftdeuter so erklären, daß der Segen nicht sowohl darin bestehen wird, daß du viel an Speise und Trank besitzen wirst, sondern darin, daß selbst dein Weniges dich zu sättigen und deinen Durst zu stillen vermögen ivird. Nun handelt es sich freilich auch noch darum, eben den Segen Gottes für das Wenige, dieses Wunde rin rrogat des Le ben-sbedarfes, zu erzielen. Aber dies läßt üch sehr wohl, wenn die Menschen begreifen lernen, daß sie selber die Medien sind, durch die Gott den Segen in und an die Welcendinge hineinlegen und herantragen läßt. Das Brot und der Trant eine-? -Gesegneten ivird ste.s durch diesen gesegnet sein, i Bergt, z. B. Eben Eira;nr erwähnten Stelle 2. B. M. 2ck 2f>. > Wird nur erst einmal der Mensch selber ein Segen, so wird alles am ihn her von dieser Kraft dnrchrräntt. So hören ivir von Joses: „.und es war der Segen des Ewigen in all dem Seinen, im Hanse und ans dem Felde." < >. M. Bk. Zck ö.z Als solche E octes,egnungen, betätigt durch den Menschen selbst, sind in unseren Tagen die Zufriedenheit und Ge nüasanueit erkannt worden: sie sind als Hanvtgrnud fätze und Pvstulace der wahren Baterland-sliebe ange rufen. Mit den Waffen haben ivir, ganz >0 ivie einst die Heldensöhne Maiwjahns, nach jaf. dreiiährigem heißen Ringen, den Kampf zu einer ruhmreichen Entscheidung gebracht. Soldatisch haben wir in Wahrheit den Krieg bereits geivonnen. Nun ist aber das wirtschastliche Durch-- halten die patriotische Devise. Ebenso rv-ird es sich zweifellos auch verhalten haben-, als unsere hasmonäischen Ahnen gegen die weltgewaltigen Spree ftandhalten mußten. Wie wir,- haben gerviß auch sie nicht nur mit der Schärfe des Schiverles, sondern auch mir der nnbengsamen Kraft der Entsagung und der Entbehrung,- mit der sittlichen Macht,- die in der Ertragung des Mangels liegt, ihren Heroismus bewiesen. Man weis; wahrlich nicht, welches das größere Heldentum ist, todesverackpend kämpfen und streiten oder mit dem Mangel zu ringen. Daß das letztere dein ersteren nicht uachsteht, hat Gott in der malnabäischen Zeit eben dadurch vor aller Welt bekundet,- daß er die Wiinderkrast des Durchhaltens gerade dem Oele des heiligen Leuchters verlieh, der bei dem Siegessefte sein Helles Licht vor allem über diese Seite der Maklabäertaten erstrahlen lassen sollte. Machen auch wir uns im Durchhalten gegen die Gefahr des Mangels wie die Makcabäer verdient,- dann werden auch uns Wunder geschehen. Hat es doch niemals G'ott an Wundern fehlen lassen,- dort, ivo er den Menschen hiedurch einen Wink erteilen wollte. Und auch heute ist es uns oftmals, wenn wir, trotz aller ecschwerenden Umstände, dennoch den gewaltigen Approvifionie rungsapparat funktionieren sehen, zu Mute, als sähen wir neuerdings das Wort des Propheten Elia zur Wahrheit werden,- der da ausrief: „Das Mehl im Eimer soll nicht ausgeheu und das Tel in der Flasche nicht fehlen;

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