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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-22 · 50 (22.12.1916) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
50 (22.12.1916)
Date
1916-12-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 8S4 Nr. 50 Dr. Bloch'S Wochenschrift überhaupt und schloß mit Worten über die Bedeutung des Talmuds als allgemein menschlichen Bildangssaktors, die ihren Eindruck nicht verfehlen konnten. Reicher Beifall bezeugte diese Wirkung und bekräftigte die Einladung, die Herr Rabbiner Dr. Grunwatd an den Vortragenden richtete, sich recht bald wieder vor uns Wienern hören zu lassen. Unter den Anweseuden bemerkte man den 1. Vizepräsidenten des Reichsrates Herrn Tr. P e r it e r st orfer, die Herren Kultusräte Pros. Doktor Ehrmann und S. Brod, die Herren Rabbiner Doktor Zeucht w a n g und Dr. Rose n m a n u, Hcrru Schriststeller Stefan Zweig u. a. m. Brigittenauer Franen.Woyltä.igkZtSmiein. Sountaa, den 17. Dezember, fand in der Tempeltanzlei des 20. Bezirkes die 21. ordentliche Generalversammlung des Brigittenäuer Frauen-Wohltätigkeitsv.erripes statt. Die Präsidenrinr Frau Dr-. Emilie W ö i ß, erösfriete dieselbe und begrüßte, von den erschienenen Gästen zunächst: Frau Dr. M: Gruuwald als Vertreterin der j,Weiblichen Fürfoigi". Fron Charlottek i sch bls Vertreterin des Frauenvereines für den 2. und S. Bezirk, Frau Dr. Berta Hopfinger und Frau Dr. Eifenstädt,er Für die -.ZufluchtG Frau Dr. KI - stäche für dun..Frauenverein des 10. Bezirke?,- Frau Biermauu vom Hiev inner Frauenverein und Frau Dr. David: ferner die Herren B. Beck vorn 'BriaiLtenauer.Unterßüßurtgsvcreinx Josef F a l t! t s ch i k von onii Vereine -,Die Brüder", Rabbiner Prof. Doktor M. Rosen selch Schulrat Prof: Dr. A. Weiß: Schulrat Prof. Dr. M. Tschiasup und die anderen Erschienenen und erteilte sodanir dem Beirat Herrn Joses K o hu das Wort. Derselbe zeichnete die Bedeutung.des verewigten Kaisers für die Völker Oesterreichs und insbesondere für..das Judentum als Spender der Verfassung Md üls Schützer der Gleichberechtigung. Zur Charakterisierung des verewigtett Monarchen und feines goldenen Herzens erzählte der Redner einige charakteristische Begebnisse: ZplirnpelnÜ auf seinen Krücken 'mm einst in die Hofburg zu Innsbruck zur Audienz vor Sr. Majestät ein Invalide. Nachdem derselbe sein Ansuchen vorgetragsn und der taiscrl. Herr dasselbe huldvoll entgcgengeiwmmcn und sich zu den anderen Audienzwerbern gewendet halte, de merkte der Kaiser, das; dieser Invalide nur sehr schwer auf dem glatten Parkettboden des Audienzsaales sich gortbcwegen tonnte. Nasch eilte der Kaiser zu dem Invaliden, griff ^ihm unter die Arme und führte ihn höchstpersönlich bis Zur Türe, wo er ihn dem diensthabenden Wachotfizier übergab mit dem Aufträge: Ten Invaliden auch über die Treppe hinunter zu begleiten." uni zweites (veschichtchen: ..Der verstorbene Kaiser hatte einmal seinen Veibarzt für tO Uhr zu sich beschieden. allein es ward 1 11, es ward halb 11 und der Leibarzt kam noch immer nicht. Südlich gegen 11 IHjr erschien derselbe. Der Kaiser, der bekanntlich sehr genau die Zeit innchielt, fragte mit einem ungütigen Blick was denn geschehen wäre. Der Leibarzt entschuldigte sich und erzählte: Er wäre gegen 9 Uhr von einem Arbeiter zu seinem kranken Kinde gerufen worden; er hätte dieser Aufforderung Folge geleistet und als er, zu dem kranken Kinde gekommen war. erkannt, das; nur eine sofortige Operation das Leben des Kindes retten könne; diese Operation habe er vorgenonnnen und daher die auch ihm so unliebsame Verspätung. Diese Erzählung wirkte beruhige:id aus unseren guten Kaiser und versöhnt reichte er dem Leibärzte die Hand mit den Worten: ..Ganz recht haben Sie getan; vor Gott, vor dem Gesetze u n b vor dem A rz 1 e sollen alle M cnschen gleich sei n." Fürwahr, wenn irgendwer, besaß unser verstorbener Kaiser jene erhabene Tugend, welche wir Juden mit dem Ausdrucke ..Zedokoh", das ist der Inbegriff von Wohltätigleit, Frömmigkeit und Gerechtigkeit, bezeichnen, und diese erhabene Tugend wurde von unseren alten Weisen so hoch eingeschätzt, daß sie lehrten: »Zaduc umaii' huado-n. fesch lohom c.tvIeK. leau•>»m abuh* das heißt: Diejenigen Menschen, welche fromm, gerecht und wohltätig zugleich sind, sie mögen welcher Nation oder Konfession immer angehören, haben Anteil am lünftigen Leben. Das Andenken dieses guten, frommen, gerechten und wohltätigen Kaisers sei gesegnet! In unerschütterlicher Treue wird unser Franenverein dieses Andenken hegen und pflegen. Wir haben ja im Jahre 1893 eine Kaiser Jubiläums-Stiftung geschaffen, bestehend aus 2000 Kronen Nominale 3tz,Zv/o Jnoestitionsrente, mit dem Zwecke, jenen armen Müttern, welche jeweilig am 2. Dezember ein Kind zur Weit bringen, die Zügen dieser Stiftung zu überweisen. Mütter von Knaben Haben hiebei den Vorzug und sind verpflichtet, idem Knaben den^ Namen Fränz Josef und dem Mädchen den Namen Franziska Josesina zu geben. Auch haben wir unmittelbar üach dem Hinscheiden unseres Kaisers an die Kabinettskanzlei telegraphisch den chrfurchtsvollsten Ausdruck un;eres innigsten Beileides gelangen lassen. ..Doch Welle kommt und Welke geht Und nur der Strom allein besteht." i; stnstr greiser Kaiser würde in die Gefilde der Seligkeit zu seinen Ahnen , abberüfen iind ein neuer, yossiittngsüoller Sproß hat "ts Kaiser Kur! I. dkn Tbrckn der Habsburger bestiegen. Ihm/ der nicht nur als Thronfolger in dem gegenwärtigen schauerlichen WEltkriege herrliche Wassentalen vollbracht, sondern der. SH« in best letzten Tagen sich gezeigt, sich nur bemüht, seinen Völkern bald einen dauernden Frieden zu verschaffen; Ihm, der nicht nur in der Botschaft bei seinem Nk-gierüngsäntrilte versprach, alle verfassungsmäßigen Freiheiten zu schützen und zu schirmen- Ihm, der in seiner Ansprache an, Mn Bürgermeister der Stadt Wien die Betätigung der hilfsbereiten Nächstenliebe äls die vornehmste Lebensaufgabe seiner erlauchten Gemahlin bezeichnete;. Ihm,- der vor einiger! Tagen, in der Hckldigängsaudienz der israel: Kultusgsmeindenöertrelcr es feierlichst anerkannt hat, daß die jüdische Bevölkerung i,i unerschütterlicher Liebe und Treue zu Kaiser und N<-ich in dst' gegenwärtigen Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistand erzielten Erfolgen opfttfrsüdig mit Gut, und Blut beigetragen) Ihm, der zugleich unsere Glaubensgenossen versicherte, daß , wir in seinen Landen der Allen gewährleisteten staatsbürgerlichen Äöchte uns stets uneingeschränkt werden erfreuen können: Ihm wollen wir in angestammter Treue unsere ehrfurchtsvollste und ergebenste Huldigung in diesem /Augenblicke entgegenbringen, und darum lade ich Sie ein, mit mir einzustimmen in den Riif.- ,,Hoch Kaiser Kar! I. und seine erlauchte Gemahlin Zita!" Hoch! Hoch! Hoch! Dil' Anweseuden/ iu('M)e st eh LU d diese Ansprache ÜNgehört hatten,- sttuunren begeistert tu diese Hochrufe ein, worauf die, .Kassierin,; Frau Anna G old neck, den Kassabericht erstattete. Ans demselben ergab sich,- daß der Franenvereiir im abgelaufenen Vereinsjahre an 1040 Parteien 19.050 Kronen verteilt und während seines einnndzwanzigjährigen Bestandes 402.154 Kroucku für seine wohltätigen Zwecke ausgebracht hat. Die Kontrollorin, Frau Katharina Kohn, hob die Richtigkeit der Kassaaebarung hervor und richtete einige herzbewegende Worte namentlich an die jüngeren Vorstandsdamen/ auf dern Gebiete der Lieüestätigkeit nicht zu erlahmen. Sohin wurde von der Versammlung dem Vorstande die Entsaftung erteilt und nach einstimmig erfolgter Wahl des bisherigen Vorstandes die Generatvorsannnlung geschlossen. Vollversammlung des Jüdischen Nettungskomitees für Ostgalizien. Sonntag, den 10. Dezember, fand im Sitzungssaale der Kultusgemeinde, in Lemberg eine behufs Entgegennahme des' Recheuschaftsberichtes und Beschlußfassung über weitere Maßnahmen einbernsene,- vom Vorsitzenden Prof. Dr. Bromberg geleitete Vollversammlung des Jüdischen Rettuugskomitees statt. Auf der Tagesordnung siand, zunächst die Einsetzung einer Finanziommissiou zwecks Aufbringung größerer,; angesichts der täglich überhandnehmenden Not dringend erwünschter Geldmittel. Der Vorsitzende berichtete in großen Zügen über die bisherige Tätigkeit des noch während der Russeninvas'iou ins Leben gerufeneil Hilsskomitees und hob hervor, das demselben in der Zeit vom 1. Januar bis l. Dezember d. I. 870.618 Kronen zur Verfügung standeu, die vor allem auf eine sehr beträchtliche Subveuliou der „Alliance Jsraelite" in Amerika, auf eine staatliche Subvention iur Betrage von 700.000 Kronen,; auf häufige größere Spenden der Fabrikanten Lederer aus Wien" und auf foitftige Einzelspenden zurückzusühren sind. Bisher sind in den einzelnen Ortschaften etwa 160 Lokalkomitees organisiert worden nnd wurden den-

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