Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 50 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 82% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022246--25640-3050954- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 50 Tr. Bloch'S Wochenschrift fdbeu bisher uitgefälju 600.000 Muoitcu zur Verfügung flcftcHt. Was die Tätigkeit iit Lemberg selbst bekrön-, so hat das Hilfskomitee hier eine voll Trau Rosa Metzer in ebenso umsichtiger als aufopferungsvoller Weife geleitete Volksküche gegründet, die täglich nnge führ 1500 Arme, zmu großen Teile Evakuierte, bespeist. Ferner lvurdeir drei Kinderhorte für uiehr als 400 ganz oder zum Teil verlassene Kinder, ein Kriegslvaiseuhaus. eine von Frau Cecilie K lasten muftergiltig geleitete Nähschule ulld Werkstätte,- endlich ein Arbeusvermitt lungsburean ins Leben geritfeu. Tie rcuter der Regste des Komitees auc Hanptbahnhofe iungierende» von jüdi scheu Fraueil betreute Labestation hat bisher (54.000 Flüchtlingen und Evakuierten, ohne Unterschied des Glan bench cist'en warmen Imbiß verabreicht. Eilte von Doktor Efrni'.'.i Bikeles gegründete» von Tamen geleitete Für chdgestelle für Mütter intb Säuglinge bringt täglich grv chere Rationell Milch zur Verteilulig lind sorgt,- loo es llottut, für Wäsche. Außerdem hat düs Momite' Var ullterstützungen im Betrage von 34.000;) .Kronen ociünlr. All den Bericht schloß sich eine Tiskussion an, in deren Verlauf die Mitteilung erfolgte» daß der Regiecnngs kommissär der Kultusgellleinde Tr. Emil Parnas sür die Zwecke der Hilfsaktion den Betrag voll 6000 Kr. gespendet habe. Hoffentlich findet dieses edle Beispiel zahlreiche Nachahmer unter veil zahlreicheil woblhaben den Gemeindemitgliedern,- ob sie timt tu der Heimat oder in der Ferne weilen, damit dein Rettnugstomue? eine immer intensivere ulld vielseitigere Wirksamkeit zur Lin iderung der großerl äRot ermöglicht rvird und Tausende gefährdeter Existenzen vor dem Untergänge bewahrt werden. Es wird dies für die so unermüdlich tätigen Mit gliedern dieser Körperschaft die schönste Anerkennung bilden. B. . . . Hilssattion zur Schuhversorgung sür die Armen Wiens. Durch das massenhafte Einlaltgeit volt ichesuchen köli neit weitere Allfuchen um Schuhe bis auf lveiteres nicht mehr elttgegengenommen werdcit, bis das bereits ein gelaufelte Material ausgearbeitet ist. Tie Schuhversoraung bekleidet dreimal in der Woche Einzelgesuche recherchierter Fälle und hat nebst dieser Verteilung, folgenden Korvo rationell für Weihnachten Amveisnngen gegeben: Witiven und Waisenfonds für Kinder der Gefallenen 00 Paar, k. k. Kriegsfürforgeamt 20 Paar, Topnbeehalle 20 Paar. Weibliche Fürsorge 10 Paar> Vereill Providerttia ll» Paar, Verein Zuflucht 10 Paar, Frauenvereiu sür den 2. und 3. Bezirk 10 Paar, Tatmud-Thoraschnle 10 Paar, Per eilt Kurfürsorge 10 Paar, Zentralstelle für das jüdische Arlneuwesen 20 Paar. Vielen Vereinen lvurde bet der Versorgung voll Schuhen ein 20 prozentiger ö-achlaß vom An sch affungswerte geiv äh rt. Ein neuartiges' Geschäft der Gemeinde Wien. Ter Privatier Franz Hochedlinger besitzt das Haus Untere. Augartenstraße Nr. 0, das gegenüber der Kleinen Schiffgassc liegt. Es ist int Fahre 1810 erbaut, ist einstöckig, hat „bloß" fünfzehn Wohnungen ttud der Zins aller Mieter zusammen beträgt ,,bloß etwas über 6000 Kronen jährlich", es hat aber einen großen Garten. Haus ulld Garten bedecken eine Fläche von 1444 Tna dratmeter. Herr Hochedlinger erklärte nun der Tr meinde, er überlasse ihr das Hans, ivenir sie ihm da für eine Leib reilte gewähre, lläutlich lebenslänglich 15.000 Kronell jährlich bezahle. Weiter stellte er folgende Bedingungen: Das Haus dürfe nur an eilten Christen verkauft werden, der Reinertrag oder Verkaufspreis müsse gemeinnützigen Zwecken zugeführt weiden,- an deni Haufe müsse eilte Tafel angebracht wer Seite 8pö den.- die der Nachwelt von der „WidlllUlig"K linde gibt, und nach dem Tode Hochedlingers müsse die Kleine Schissgasse den Namen Hvchedlingergafse bekommen. Ter Gemetnderat hat in einer vertraulichen Sitznllg beschlossen, das merkwürdige l^efchäft, das dell Verkauf eines Gasselinamens darstellt,- wirklich zu inachell. Umgangs formen eine-: Armeinasts. Per zl n st ce ich er mrister stohaun Ltrazniekv ill Währing hat bei Frau Johanna R e i m >>!t N die Kuchenrnöbel angcstrichen. Nochd'än er ntit Hilfe seines Bruder^ Franz die Arbeit sertiggeßeUt hatte, begehrte er die so st.'rtige Bezahlung des Arbeitslohnes. Frau Reimanu enviderte. sie werde kt st zahlen, tucmt die Möbel trocken seien. Tä v a ck t e sie Fohanir S t r a z ll i e k i) . «> >ü H a l s e. würgte sie und schrie: ..F ü d i s cst e K v n g 11 i 0 ich erlvürg' dich; w'-'nü dst nicht das Geld hergibst!" Frau Reimüiin entsprach selbstverständlich der sv nachdrücklichen Zalstungsanjjordernng. bemerkte aber, sie werde ihr Recht schon zu rinden wissen. Daraufhin versetzte 'br Fobanlt S i r ü z n i e k p noch z st' e i F ä it )t h l c b e a u f b o ii K o o s. Als sie zu fliehen versuchte, vertrat ihr seilt B v u d 0 v F r a n z S r r a n z n i c k v den Weg. Vorige Woche waren die lieben Brüder Srraznickh vor dem Bezirtsaericklt Leovoldstadt wegen leichter Körperver let'.nng ailgekiagt.. Bezirtsrichter Tr. Kreil is Heini verurteilte Fohanlt S t. r a \ n i e k o vlöß ->u o n u D e r t K r o ll e li OK-ld st täfe, wrner zur Z,ahlling volt s uns z i g r o rt e lr S ch >n e r z e n s g e l d imb volt a ch t n n d d r e i ß i a k v o u e u H e i l n n gskv st e n. o-ranz S t i a z n i e r n ivnrde i r w i g e i v r o ch e n Ter Anftreichermeister Johann Strazliiekp, so bemertt die »,Arbeiter-Zeitung", die er vor Gericht gräß l i ch e r R o h e i t überlviese-le Merisch, i?t A r rn e n r a r in W ä h ring. Welln er scholl mit Döu Kunden io um geht ioie erst mit den Armen? Es '.unß eili schöner „ch r i st l i ch e r S o z i a l i s ni u s" sein, den dieser Merl sch betätigt! Wir haben die Vermutung, daß der Herr .K reilisheim den Manu alich mtr so milde gestraft!)at,- weil er eilt a u t i s e m i t i s ch c r A r m e n r a t ist, den man doch h i d) r g, e r n i u d e it A r r e st schickt. Wir stellen uns nämlich vor, eill Arbeiter hätte die Frau des Unter' nehiners, weil sie ihllt beit verdiemen Lohn verweigerte, so arg lnißhandelt, daß Schmerzensgeld iiub Heilnngs koste'.l z n ge w rochen loerden müssen. Wir können nicht glauben, daß Herr Tr. Kreilisdeim beit rohen Ar beiter nicht in den Arrest geschickt hätte. Eine nachahmenswerte Stiftung. Ter ill Lemberg wegen seines langjährigen gemein uützigen Wirkens beftfccfaume O-roßindustrielle Fo'ef S. Philipp hat anläßlich seines siebzigjährigen Geburtstages eine Stiftuilg im Betrage von 50.JMH) Kronen er richtet, deren Zinsen alljährlich an fünf jüdische Witiven von illi gegenlvärtigen Kriege gesallenen Soldaten verliehen werden sollen. Tie Verrvalturig des Stiftungskapitales wird der Vorstand der jüdischen .Knltnsgemeinde besorgen,- das Verleihungsrecht bleibt einem Kuratorium Vorbehalten, deill der jerveitige Präsident, resv. Bizepräsident der O'emeinde intb llamentlich bestimmte Fa milienmitglieder des Stifters angehören. Herr Philivp hat außerdem aus diesem Anlässe eine Reihe jüdischhumanitärer und allgemeiner kriegssürlorgezwecke, ferner den Jüdischen Nationalsonds mit Spenden bedacht. Umsomehr ist es zu begrüßen, daß er jüngst iit den Bei rar der Lemberger knltnsqenieinde an Stecke des von dieser Ehrenstellullg zurückgetretenen Tr. A l le r h a li d be rufen lvurde.