Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 50 (22.12.1916)
- Date
- 1916-12-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 50 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 831 Mach dem Tode ausgezeichnet. Der Kaiser hat verliehen: das Miiitärverdienstkrellz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration für tapferes Verhalten den vor dem Feinde gefallenen Oberleutnants Benno Eisenstein^ Ulanenreg., Karl Wertheim er, J.-R., den - Leutnants d. R. Domo Blum, Hus.-Rcg., Dr. jur. Maximilian Kuranda, Drag.-Reg., Adolf O e st e r r e i ch e % J.-R. Josef Frankfurt. Josef Frankfurt,- Sohn des Großwardeiner Kaufmannes Wilhelm Frankfurt,- hat auf dem italienischen Kriegsschauplätze den Heldentod gefunden. Laut einer Meldung des ,,Egyenlöfeg" schrieb sein Oberst den Eltern,- daß der Verstorbene einer der heldenmütigsten Soldaten des Regiments war,- der während zrve'er Jahre im Feuer der heftigsten Kämpfe unerschrocken standhielt,' uird daß das ganze Regiment mit ihn trauert', als er in der Novarmer Schlacht, am 3. Oktober, während eines Sturmangriffes den Heldentod starb. „Wir bestatteten ihn," schreibt der Oberst, „und die Großwardeiner Kriegskameraden vergossen am Grabe des juiwtw, 20 jäh rigen Helden auch für seine Eltern und Geschwister Tränen aufrichtigen Schmerzes." Iekdpostöriefe. Im Felde,- 12. Dez. 1316. Löbliche Redaktion! An der vordersten Stellung auf dein Karstgebiete hatte ich soeben Gelegenheit, das Heldentum der jüdischen Soldaten zu bewundern. Die meisten find bereits mehrfach dekoriert. Se. Exzellenz Herr FML. v. ist über die Treue, Verläßlichkeit und Tapferkeit der jüdischen Helden voll Lobes. Und Helden sind sie Zille der Reihe nach. Merkwürdig! Die ,-.p o l n i s ch e n I u - den", denen oft und oft nur Feigheit zugeinutet wurde, zählen hier zu den kühnsten Todesverächtern. Einem innigen Wunsche dieser Wackeren entsprechend, appelliere ich an alle Glaubensenossen im Hinterlande, diese Braven mit geistigen Liebesgaben zu bedenken. Einige hundert jüdische Kalender,- jüdische Zeitschriften, jüdische Bücher, Psalm- und Gebetbücher wären ihnen die besten Gaden. Alle diesbezüglichen Liebesgaben find au den ergebenst Unterzeichneten zu senden. Feldrabbiner Dr. M arge!,- k. u. k. ' J.-T.-D.,- Jm Felde,- Feldpost 90, am 12. Dezember 1916, schreibt der Vetter des Sandor Weiner, Feldwebel Armin Weiner, den folgenden interessanten Brief tiach Esztergom: ,.Gestern stand im Kommandobeseht: wegen tapferes Verhalten vor dem Feinde ernenne ich beit Zugssührer Armin Weiner zum Feldwebel. Ich Hab' es ehrlich verdient,- ansonsten würde die Bemerkung „tapferes Verhalten" gewiß nicht angeführt worden se'n. Vorgestern erlebten wir wieder einen heiteren Fall. Bei einer unserer vordersten Kompagnie näherte sich aus dein feindlichen Lager des abends ein Russe. Unsere Jungen erblickten ihn und die Folge war/ ihtt au das Ziel zu nehmen. Der Russe schreit und gebärdet sich: .. \’e pucnv* „Nicht sch-eßen!" Wir Ließen ihn herannahen. Der Russe erzählt,- er sei Offiziersdiener bei einem Oberleutnant. ,-.Wir stammelt beide aus Russisch- Polen," sagt der Offiziersdiener, „und erfuhren, daß ihr Russisch-Polen für euch proklamiert habt: so haben wir bei den Russen nichts mehr zu suchen und wollen nicht mehr im russischen Heere gegen euch kämpfen,- da ihr-jetzt unsere Brüder geworden seid. Ich habe noch auf Befehl meines Herrn Oberleutnants zu bemerken, daß er zur selben Stunde morgen selbst herüberkommt, wie ich es tat. Schießt daher nicht auf ihn." Der Fall har sich genau nach Bericht des Oßiziersdieners zugetragen. Nächsten Tag, gegen halb 5 Uhr nachmittags, spazierte der vorher angemelde e Oberleutnant zu uns herüber. Beide haben wir nach Verhör ins Hinterland expedieren lassen. Mit herzlichem Gruß A r m in." Satt.-Leutnant Jakob R o l t, der seit Jahresfrist an der Jfonzofront Dienst leiste-, mit der der silbernen Medaille samt Kriegsde ora :ou antge'e chnet wurde, schreibt feinem Bruder, Wo.f Roll, Wien. V„ Jahngaffe 14: Feldpost 613 II., 28. November 1916. Meine sieben. liebste und teuerste Mutier! Der Brief vom lieben Lvniu kam mir zu und sage ich ihm herzlichen Dank für seine freundliche Mühe. Leider kann ich fetzt einen Urlaub noch nicht bekommen, vielleicht später. Wah scheinlich gehe ich bald zu meinem Feldbataillon ab. da ich von dort angefprochen wurde, sonst geht es nicht schlecht. Am 26. d. Bi. fand in dieser Feldpost unsere Beeidigung statt. Nachdem am vorhergehenden Tage die katholischen Soldaten durch ihren Geistlichen beeidet worden waren, wurde zur Beeidigung der israel. Mannschaft auf Befehl des Obersten Bauer der Herr Feldrabbiner Dr. Link hierher beordert. Freudestrahlend begrüßten die israel. Soldaten den Herrn Dr. Link, der sich unser bei jeder Gelegenheit so warnr annimmt. Herr Feldrabbiner Dr. Link hob in seiner markigen Rede unter anderem besonders hervor, da» unser gegenwärtiger lieber Kaiser gelegentlich seiner Reise nach Galizien den jüdischen Patriotismus als hervorragenden bezeichnete und dag wir uns auch weiterhin dieses Allerhöchsten würdig zeigen müssen. Nachdem der Herr Feldrabbiner seine Rede beendet hatte, ergriff der Oberst das Wort zu einer zündenden Ansprache, indem er sagte: ..Ich stabe besonderes Gewicht daraus gelegt, dag Ihr Juden im Beisein Eures geschätzten Feldrabbiners beeidigt werdet. Ich selbst bin ein guter Katholik. ein treuer Sohn der christlichen Kirche, ich bin aber auch ein vorurteilsfreier Alaun und es ist für mich Sache des Charakters und Ehrenhaftigkeit. dag jeder in seinem angestammten Glauben lebe und handle. Deswegen danke ich auch dem Herrn Fcldrabbiner für das freundliche Erscheinen und freue mich, das; Ihr so zahlreich vertreten seid. Wie es unschön ist. seine 'Rationalität zu verbergen, so ist es unehrenhaft, seinen Glauben zu wechseln, wie jemand die Wäsche wechselt. Beherziget die Worte des Herrn Feldrabbiners und bleibt immer und stets brave und treue Soldaten." Der Herr Feldrabbiner nahm dann noch Anlaß. dem Herrn Oberst für seinen Freimut und vorurteilsfreies Denken auch im Namen der jüdischen Soldaten Dank zu sagen. Die Beeidigung ging sehr feierlich von statten. Alle Augen waren auf die Thora gerichtet, die uns vorgelegt wurde und jeder leistete seinen Cid. Sonst nichts besonderes. H-er herrscht schon eine grimmige Kälte und großer Schneesall. Was macht die liebe Mutter? Ich küste ihr zärtlickst die Hand für die lieben Zeilen. Schreibet oft! Wenn Ihr wollt, so könnte der liebe Loniu diese Schilderung zum Dr. Bloch hinübertragen. Cs küßt Euch _ Jacob. ..Ich habe Dich unter den Ersten qefehrr. . . ” (Von der rumänischen Front.) Stefan Friedrich aus Kovosvar, Einj.-Freut).- Korporal, wurde am 20. Oktober au der rumänischen Front verwundet. Aus diesem Anla'se richtete an ihn, wie „Egyenlöseg" meldet, sein Komvagnietommandant das folgende interessante Schreiben: Lieber Friedrich! Ich habe Deinen Brief erhallen und freue mich sehr, dag Du. Dank sei dem guten Gott, bereits außer Gefahr und in sorgfältiger Pflege bist. Wahrlich, mein liebe.- Sohn, unser Sturm vom 20. Oktober war schön und wir haben zwei aufeinanderfolgende walachifche Stellungen durchbrochen. Jch^habe Dich gesehen. Du warst unter den Ersten im oturme, i ch bin stolz, daß ich so brave und Helden in üti ge Soldaten, wie auch Du einer bist, im Gefechte führen konnte; ich sah. wie Du verwundet wurdest, mein Herz schlug laut, denn ich habe euch alle, wie meine Kinder geliebt. Glaube nur ja nicht, daß ich dies alles nicht beobachtet hätte, ich war doch zwischen euch. Euer Lohn wird auch nicht ausbleiben, habt ihr doch über euere Kräfte gegen die vierfache walachifche Bande gekämpft. Dich habe ich gleich am anderen Tage für die große