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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-15 · 49 (15.12.1916) · page 14

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
49 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Sette 822 T r. Bloch's Lateiner Marie, geb. 1870, Lemberg, 10. Bez., Gudrunstraße 7. Pottak Jctti, Köchin, geb. II. Juli 1891, Wien, 14. Bez., Kauerhof, 5. Stiege. Rapapori Hedwig, geb. 9. Juni 1876, Wien «laut Zuschrift d. israel. Matrikelamt Budapest). Schick Margarethe, ged. 10. September 1881, Weben, Bezirk Karolinenthal. 19. Bez.. Perntergasse 11. Schick Alfred, Generaldirektor, geb. 4. Juni 1372, Prag, 19. Bez., Perntergasse 11. Schick Hanna, Studentin, geb. 18. März 1902, Karolinenthal, 19. Dez.. Perntergasse tl. Süß Joses, Adjunkt d. k. k. St.-B., geb. 16. August 1886, Wien. 12. Bez., Malsattigasse 3. Tagteicht Gustav, Schlosser-Ingenieur, geb. 23. Juli 1874, Wien, 20. Bez., Mathildrnplatz 7. Bernhard Krakauer f. A. Die Trauertunde von dem Hinscheiden eines wahrhaft „Gerechten" hat in weilen Kreisen schmerzlichen Wiederhall geweckt. Einer von den *1^ von den „Stillen im Lande" ist mit Bernhard Krakauer, dem nicht blosz in seiner Heimatsgemeinde Nitolsburg, sondern auch weit über diesen engen Rahmen hinaus rühmlichst bekannten Lehrer und vortrefflichen Menschen. dahingegangen. Durch mehr als 40 Jahre versah er das heilige Amt eines Voltsschul- und Religionslehrers in seiner Gemeinde mit bewunderungswürdiger Pflichttreue, außerordentlich-r Gewissenhaftigkeit und nimme? erlahmendem Eifer. In d.ei Dingen erblickte dieser aufrichtig fromme und edle Mensch seine stille Welt: im Gotteshaus, wo er seit seiner frühesten Jugend Tag für Tag mit tiefer Inbrunst sein Gebet verrichtete, int Lehrhause — Schule und Beth-Hamidrasch . wo er den Samen tiefinniger Religiosität und wahrer Herzensbildung in die Herzen zahlreicher Generationen streute, und nicht in letzter Reihe in seinem Familienhause, wo er an der Seite einer vortrefflichen Gattin Stunden trautesten Glückes verlebte. Der im 70. Lebensjahre nach längerem Leiden Dahingeschiedene war aus einer Heimat heroorgegangen, in der seit alten Zeiten die jüdische Wissenschaft aufs eifrigste gepflegt wurde. Man kennt das ärmliche Leben der Talmudjünger der damaligen Zeit, man weist aber auch, wie so viele trotz aller Kümmernisse und Drangsale sich dennoch durchzuringen verstanden haben. Zu ihnen zählte auch Bernhard Krakauer. Von Nikolsburg, wo er zu den Füßen Rabbi S. Quetsch's s. A. säst, begab er sich behufs gründlicher Ausbildung nach Verbo zu dem berühmten Gharif Rabbi CH. H. Mannheimer f. A., zu dessen Lieblingsschülern er zählte. Gleichzeitig verabsäumte er es aber nicht, sich vorerst auf privatem Wege gediegenes profanes Wissen anzueignen. Nachher absolvierte er ein jüdisches Seminar in Bayern und erlangte 'schließlich an der Lehrerpräparandie in Brünn sein Diplom als Volksschullehrer. Nun wandte er den Schritt der Heimat zu, wo ihm an der dortigen jüdischen Volksschule vorerst die Stelle eines Aushilfslehrers zugewiesen wurde. In jenen Tagen hatte der Raine dieser Schule einen besonders guten Klang. Hervorragende, wissenschaftlich geschulte Pädagogen waren an ihr tätig. Der philosophisch gebildete Dr. Eisler, ein Schüler des berühmten Rappaport. wirkte als Direktor. Ihm zur Seite standen Männer wie Reist, Spielm a n n, F r ö s ch e l s, Deutsch u. a. Da hiest es schon seinen Mann stellen, wollte man sich in dieser Korona behaupten. Es gelang dem jungen Lehrer in vollem Matze, nicht nur infolge feiner eminenten pädagogischen Fähigkeiten, sondern auch durch seine vortrefflichen Charaktereigenschaften. An der Spitze des Rabbinatskollegiums stand in jenen Tagen der noch heute in Nikolsburg unvergetzliche Rabbiner Dr. Meir Feuchtwang. ein durch klassische und theologische Bildung sowie unendliche Bescheidenheit gleich ausgezeichneter Mann. Seine Kollegen waren die hervorragciiften Talmudijten M. L. K o h n und I. K n ö p f m a ch e r. Dieses Kollegium verlieh nun dem 24jährigen Lehrer die Morenu-Würde, ein Beweis für die austerordentliche Wertschätzung, deren er sich bei den Führern den Gemeinde zu erfreuen hatte. Nun spinnt sich vor unseren Augen das Leben eines jüdischen Lehrers in einer jüdischen Gemeinde durch volle 40 Jahre ab. Freud' und Leid lösen einander ab. Nach dem Rücktritt des Direktors Dr. Eisler wird Bernhard K r a k a u e r zum provisorischen Oberlehrer der Volksschule bestellt. Doch die jüdische Schülermajorität schrumpft allmählich zusammen, das Gesetz verlangt einen christlichen Oberlehrer. Krakauer dient ruhig, auch unter bedeutend erschwerten Verhältnissen noch weitere 15 Jahre, bis er endlich nach mehr als 40 Jahren angestrengtester Tätigkeit unter der Last zusammenbricht und alle seine Äemter zurückzulegen sich genötigt sieht. Er hat sich in des Wortes wahrster Bedeutung in der Schule und für die Schule aufgeopfert. Wohl hat er sich allezeit das Wahrwort Hiobs vor- Augen gehalten: „Ein Frondienst ist des Menschen Leben aus Erden", «allein niemals hat er den heiligen Dienst, dem er sich freudig gewidmet, als Fron empfunden. Für seine überaus ersprießliche Wirksamkeit Wochenschrift Nr. 49 im Lehrainte wurde er rnit der Ehrenmedaille ausgezeichnet. „Die Lehre , der Wahrheit war in seinem Mund und kein Falsch auf seinen Lippen." Er war heimisch auf allen Gebieten des jüdischen Schrifttums, besonders aber auf dem weiten Meere oes Talmuds. Noch höher aber must er als Mensch eingeschätzt werden. Was er lehrte, das lebte er auch, lind so konnte er jederzeit leuchtendes Vorbild seinen Berufsgenossen, Ansporn seinen zahlreichen Schülern sein, die verehrungsooll an seinen Lippen hingen. In seiner Gemeinde erfreute er sich der größten Beliebtheit und der aufrichtigsten Verehrung. Das zeigte sich nicht erst bei seinen« am 4. d. M. stattgefundenen Leichenbegängnis. Gewöhnlich ist die letzte Ehre, die dem Lehrer erwiesen wird, zugleich die erste. Nein, zu Bernhard Krakauer haben alle Mitglieder der Gemeinde stets mit Stolz und Hochachtung aufgeblickt. Die Männer, die an der Spitze der Nikolsburger Gemeinde stehen, haben es niemals an Beweisen aufrichtiger Wertschätzung den« allgemein verehrten Manne gegenüber fehlen lassen und die Kultusrepräsentanz hat sich nur selbst geehrt, wenn sie sich in dem an die Hinterbliebenen gerichteten Kondolenzschreiben vernehmen läßt: „Die Gemeinde beklagt den- Tod eines ihrer wackersten Männer, ihres verdienstvollen Führers «u«d Lehrers. Seine wahrhafte Frömmigkeit, feine seltene Pftichttrene, seine Friedensliebe und Bescheidenheit sichern ihm die Hochachtung und Verehrung, wetche er allseits genießt'. An de««« edlen Verblichene«« verliert das Iudentunt einen seiner treuesten Hüter und mit seinem Heimgang ist die letzte Säule jenes echt jüdischen Geistes in Trüminer gegangen, der in unserer altchrwürdigen Gemeinde so viele Jahre hindurch geblüht hat. Mit Stolz und Genugtuung tonnen wir auf das ichaffeusfreudige Wirten dieses frommen Gelehrten zurückblicken. Wir werden ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren." Und in den« Beileidschrciben, das die Stadtgemeindc Nilolsburg II. im Namen der Gcsamtvertretuilg der politischen Gemeinde und des Orlsschulrates der trauernden Familie übersandte, wird auf den ausgezeichneten Ruf. den der Verblichene, „dieser pflichtgetreue Lehrer, der Bildner der Jugend", genießt, hingewiesen: „Es erbebt die Gemeinschaft in ihrer Gesamtheit, wenn einer aus ihrer Mitte dahingeht." Die Gesamtheit der Nikolsburger Gemeinde hatte sich zum Leichenbegängnisse des unvergeßlichen Iugendbildners eingefunden. Schuliinder, die unter Führung des Lehrkörpers, mit de«n Oberlehrer U n z e i t i g an der Spitze, ausgerückt waren, bildeten ein Spalier, als sich der Leichenzug zum „Haus des Lebens" in Bewegung setzte. Der Gesamtvorstand der Kultusgemeinde, die Vertretung der politischen Gemeinde, der Vorstand der Chewra- Kadischa und anderer Korporationen, Bezirksschulinspektor Langer und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde — Männer und Frauen gaben dem Verewigten das letzte Geleite. Ehrwürden Rabbiner Dr. M. L e w i n widmete dem Dahingegangenen einen warm empfundenen Nachruf, in welchem er mit beredten Worten ein Bild des ausgezeichneten Lehrers, des gediegenen Gelehrten sowie des vortrefflichen Galten und Familienvaters entwarf. Hierauf nahm namens der Fainilie der Sohn des Verblichenen, Rabbiner Dr. Emil Krakauer, Komotau, in herzergreifender Rede Abschied von dem teueren Familienoberhaupte. Sodann trugen Rabbiner Dr. L e w i n, Kultusvorfteher Gustav P i s l. Bürgerineister Franz Deuts ch und Vorsteher der Chewry- Kadischa Gustav Abel es de«« Sarg bis zu dem von der Gemeinde gewidmeten Ehrengrabe. Die letzten Schollen fielen und deckten das Grab eines guten, edlen, unvergeßlichen Menschen: Bernhard K r a k a u e r's Andenken wird für alle Zeiten fortleben in seiner Gemeinde. S. S. Warasdil,. Allgemeine Teilnahme erregt der schwere Verlust, den unser sehr verehrter Herr Oberrabbiiter Dr. Ign. E r n st durch den Hciingang seiner treuen Gefährtin, Henriette, geb. S ch e y, mit der er 43 Jahre in überaus glücklicher Ehegemeinschaft gelebt hatte, ain 1. Dezember erlitten hat. Während eines für Se. Majestät weiland Franz Ivsef I. abgehaltenen Trauergottesdienstes wurde sie von einem Unwohlsein befallen und verschied bald darauf. Unter riesiger Teilnahme der Bevölkeruitg fand die Beerdiguitgsfeierlichkeit statt. Es waren mit den« Obergespan und dem Militärstationskommandanten an der Spitze die Vertreter sämtlicher staatlicher. Komitats- und Stadtbehörden und -Aemter, die gesamte Gesellschaft der königl. Freistadt Warasdin ohne Unterschied der Konfession, die Abordnungen der benachbarten Csakathurner israel. Kultusgenieinde, Ghewra-Kadischa uitd Frauenvereines und viele aitdere Freu««de und Verehrer aus nah und fern erschienen. Rach dem vom Oberkantor V i l k o v i c würdig vorgetragenen Trauergesange hielt Se. Ehrw. Dr. Eavro Schwarz. Prediger der israel. Kultusgenteinde in Zagreb, eine, die hervorragenden Charaktereigenschaften und Verdienste der Verblichenen eloquent würdigende Rede. Es folgte hernach eine erschütternde Szene. Sichtbar einem unwiderstehlichen Seelendrange folgend, wandte sich der tiefgebeugte Gatte, unser greiser Oberrabbiner, zum Sarge hin und sagte in ergreifenden Worten Dank und Abschied der treuen Gattin und aufopfernden Mutter von sechs Söhnen. Von letzteren leisten gegenwärtig vier Kriegsdienste, und zwar Herr Dr. Alexander Ern st, Arzt in Warasdin, gegenwärtig Honved-Negi-

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