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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-15 · 49 (15.12.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
49 (15.12.1916)
Date
1916-12-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seile 810 Tr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 49 „In Rumänien darf die Verschiedenheit des GlaubensbeENNtniqes niemandem gegenüber ms Auoschrießungsgruno over als Un,ähigteirsmonv sstr die Ausübung der bürgerlichen und politischen Rechte geltend gemacht werden." Allein trotz dieser völkerrechtlichen Bestimmung hat sich der Zustand der Juden in Rumänien nicht nur nicht verbessert, sondern vier,ach verschlimmert, so daß die Juden wiederholt zur Massenemigration Zuflucht nehmen mußten. Vergebens haben die führenden Geister Europas es ausgesprochen, daß es nicht angeht, eingeborene Bewohner des Landes, welche dein anderes Na cerland, leinen anderen Beschützer kennen als Rumänien, dem gegenüber sie die gleichen P,lichten zu erfüllen haben wie arte anderen Söhne des Landes, umer einem cünstlich tonstruierren „FremLen"begriss zu subsumieren. Rumänien ist das einzige Land aus der ganzen Erdobersläcye, wo die Juden plötzlich zu „Fremden" erniedrigt werden. Es verschlägt nichts^ wenn aus der Landesgescyichte nachgewie,en wird, dag die Juden länger im Lande wohnen als die Rumänen selbst. Nur manchmal und sicherlich unwitliürlich dringt doch die Wahrheit auch aus einer Rumänen Munde, und dann tommt das Bekenntnis zutage, daß man die Wett mit der Behauptung, die Juden seien „Fremde" in Rumänien, angelogen hat. Wenn nämlich die Parteien einander in den Haaren lagen, dann entschlüpfte ihnen im Kampfe ein und das andere Wort, das die Wahrheit verriet. Wegen des berüchtigten Gewerbegesetzes in Rumänien, las den internationalen Verpflichtungen Rumäniens Hohn sprach, war zwischen Liberalen und Konservativen ein S.reit entbrannt, in welchem dem Ministerium Sturdza der Vorwurf gemacht wird, daß es die Landesinterei,en preisgibt. Wir wollen aus diesem Streit nur hervorheben, daß von konservativer Seite eingestanden wird, daß die Juden nicht Fremde in Rumänien sind, sondern sich dort „ab a,»uquoaush alten, und zwar wird dies unmittelbar darnach zugegeben, nachdem man sich damit gebrüstet hat, daß es ein Konservativer, Alexander La ho Vary, war, der beit Anforderungen des .Berliner Vertrages gegenüber, der die Gleichberechtigung ohne Unterschied der Konfession und der Rasje feststellte und somit allen Juden in Rumänien dieses Recht sichern sollte, den Ausweg ersann, die Naturalisation eii üusse sei durch die NaturalijLtion individuelle zu ersetzen. Zur Begründung dieser Verletzung wird in naiver Weise das Geständnis gemacht, das wir hier wörtlich anführen: ,,l’es?ei.tiel euat ueviieo i'adiuissioii eu mas e daus la faatille ruumaiue de tous Je.s J iiis se truuvaiit ab antiquo dans les gaz s, lies u‘ms pöi e, qui v sei aii nj egaieiiieiir.- Unumwundener ist wohl noch nie ein Schutdgeständnis seitens eines Angellagten gemacht worden. Im Jahre 1902 hat die zweite Sektion des Kassationsho,es eine von ihrem Präsenten Herrn Mandren selbst redigierte Entscheidung ge.üllt, welche besagt, daß der im Lande geborene und erzogene Jude unmöglich als „Fremder" betrachtet werden darf. Allein die in Rumänien allmächtigen Bojaren kümmern sich wenig um Recht und Gesetz. Noch weniger gelten ihnen völkerrechtliche Bestimmungen und Verträge Die Vereinigten Staaten von. Nordamerika haben wiederholt gegen die Verletzung der völkerrechtlichen Verpflichtungen durch Rumänien protestiert. Leider hatte auch dieser Protest nicht den gewünschten Erfolg. Nun bleibt es eine ehrenvolle beneidenswerte Aufgabe der von den Zentralmächten im rumänischen Okkupationsgebiet elnznsetzenden Zivil Verwaltung, die Ausführung des Artikel 44 des Berliner Vertrages im eigenen Wirkungskreis zur Durchführung zu bringen und die völkerrechtlichen Vervslichtungen Rumäniens einzulösen. So werden sich wieder einmal die viel verleumdeten „Barbaren" der Zentral machte als die Befreier der kleinen Völker, als die wahren Beschützer de^ Rechte!?' und der Zivilisation bewähren. Für die Juden Rumäniens schlägt d.'e Stund? der Erlösung. , Gin bedruirrrrgsooUer Tag fnr die Irrdenhert Oesterreichs. Der 11. Dezember 1916 war ein verheißungsvoller Tag für die österreichische Judenheit. An diesem Tage empfing Kaiser Karl und Kaiserin Zita die Huldigung der Judenschast Oesterreichs durch eine Abordnung,- in der die Kultus gemeinden der Hauptstädte und mehrerer großer Städte Oesterreichs vertreten waren/in den Alexanderavpartements der Hofburg. Die Worte abe', welche Se. Majestät Kaiser KärlI. als Antwort aus die Ansprache des Präsidenten Dr. Alfred Stern gesprochen hat, werden ewig denkwürdig bleibe.l in der Geschichte der Juden Oesterreichs und sind verheißungsvoll für eine glückliche Zukunft. Se. Majestät der Kaiser sprach gnädigst von der Vaterlandsliebe der jüdischen Bevölkerung, welche opferfreudig. Gut und Blut zu den erzielten Erfolgen beigetragen. Uelerzeugt /von de? Unerschn.terlichteir dieser patriotischen Gesinnung", versicherte Se. Majestät die jüdische Bevölkerung, seiner steten Huld, die in österreichischen Landen der allen Bürgern gewährleisteten Rechte ,,stets uneingeschränkt" sich werden erfreuen -können. Diese hochherzige Antwort Kaiser Karls hat in. allen jüdischen Herzen ein freudiges und dankbares Echo geweckt und vor aller Welt bekunde?, daß die hochherzige Gesinnung des Wohlwollens und der Liebe des verewigten Kaisers Franz Josef I. für alle Völker dieses weilen Kaiserreiches auch dem erhabenen Erben seiner Krone Leitstern bildet. Die Audienz der Huldigungsdeputation durch den Kaiser und die Kaiserin fand am 11. Dezember.mittags statt. Es wurden empfangen: von der israelitischen Kültusgemeinde Wien Präsident Dr. Alfred Stern,- erster Vizcpvä,ident Hosrat Dr. Benjamin Rappaport und Oberrabbiner Dr. Moritz G ltd ein an N/ der Vizepräsident der Ku'ltusgemeind? Prag käiserl. Rat Robert F u ch s Edler v. R o b e t t i N/ das Vorstandsmitglied der Kultusgemeinde Brünn Adolf Herda n, de? Regierungskommis.äc der Kuttusgeme'.nde Lembe g Dr. Emil Par neß, die Präsidenten der Kultusgemeinden in Krakau Dr. Samuel Tille s,, in Linz Benedikt S ch wage r, in Graz Simon R e n d i, in Czernowitz D?. N e u m a n n- Wender, in Troppau Dr. Theodor Sonnenschein, in Triest Karl Schütze in Pilsen Dr. Joses Schanzer, in Mähr.-Ostrau Dr. Alois Hilft in Salzburg Rudolf Löwy, in .Innsbruck Wilhelm Dannhauser und in Wiener-Neustadt Dr. Wilhelin Wolft der Obmannstellvertreter der Repräsentanz der böhmischen Landesjudenschaft Dr. Heinrich Rosenbaum und für den mährisch-, jüdischen Landesinassasonds Dr. Sigmund Schimmerling. Nachdem das Kaiserpaar den Audienzmal b.'treten hatte, trat Oberrabbiner Dr. Güdemann einige Schritte vor und erbat sich die Erlaubnis, mit bedecktem Haupte die althebräischen Segensworte im Namen der gesamten österreichischen Judenschast über das Herrschervaar aussprechen zu dürfen. Nach erteilter Genehmic-amg sprach der Overravbiner erst den hebräischen Se-

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