Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 49 (15.12.1916)
- Date
- 1916-12-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 49 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite Bll aeusspruch und fuhr daun deutsch fort: /.Gepriesen sei der einige Weltenherr,- der iu seiner Gnade den Abglanz göttlicher Majestät auf die glorreichen Häupter Euer Majestäten herabgesenct hat und zu dem wir inbrünstig beten,- daß dieser Abglanz in immer hellerem dichte des' Glückes/ der Freude, des Segens und de'; Friedens über Euer Majestäten erstrahlen möge. Amen!" In dieses Aineu stimmten alle Anwesenden ein. Sodann hielt der Präsident der Wiener israelitischen Kultusgemeinde Dr. Alfred Stern folgende Ansprache an den Kaiser und die Kaiserin: ,,Euer Majestäten! Ehrfurchtsvoll nahen die gesetzlichen Vertreter der Kultusgemeinden der Grönlands Hauptstädte und einiger größerer Städte Oesterreichs/ um namens der gesamten Iudenschaft des Vaterlandes Euer laiserlich und töniglich Apostolischen Majestät und Ihre- Majestät der Kaiserin die alleruntertänigste Huldigung darzubringen. Glücklich und hoffnungsfroh hat die Juden schast aller unter Euer Majestät Zepter vereinigten Künder die Verheißung Euer Majestät vernommen, die Rechtsgleichheit, welche wir Inden dem unrergeßlichen, nunmehr verklärten, ruhmreichen Vorfahren Euer Majestät zu danken haben,- s o r g s a m h ü t e n z u rv o llen. In allen Gauen des Reiches fühlt sich die jüdische Bevölkerung eins mit ihren Mitbürgern in der unwandelbaren Treue zu Kaiser und Reich,- eins in der Bereitwilligkeit, Gilt und Blut für Thron und Vaterland zu opfern,- eins in der Freude über die ruhmreichen Erfolge unserer tapferen Armee,- eins in der stolzen Zuversicht,- daß es Euer Majestät ruhmbedeckten Armee baldigst gelingen wird,- den endgiltigen Sieg über unsere Feinde zu erringen. Wir sind glücklich, die Huldigung unserer G'.au beusbrüder Euer Majestät heute zu Füßen legen zu dürfen, da erst vor wenigen Tagen ' die verbündeten Armeen in unwiderstehlichem Siegeszug einen neuen heimtückischen Feind bezwungen,- glücklich, daß unsere Glaubensbrüder im Heere auch hier teilhaben dursten an dieser Großtat,- durch welche zu Habsburgs Ruhm und Ehre das Licht der Freiheit abermals in das Lind eines Feindes getragen wurde, in welchem unsere Glau bensgeuossen unter entehrendem Druck schmachten. Iu traditioneller Kaisertreue,- in herzinniger Liebe für Euer Majestät geheiligte Person richten wir in allen unseren Gotteshäusern vor geöffneter heiliger Bünde lnde, richten ivir alltäglich und stündlich in der Stille unseres Hanfes unsere Gebete.zu Gott: es möge Gott der Allmächtige Euer Majestät auf allen Wegen beschirmen,- Euer Majestät Sieg und Ruhm und Herrlichkeit verleihen,- Ihre Majestät, unsere erhabene Kaiserin, behüten, ihr gütiges Herz in vorbildlicher Ausübung wohltätiger Werke stärken,- Seine kaiserliche und königliche Hoheit den Kronprinzen wachsen,- gedeihen, erstarken lassen, das gesamte erhabene Herrscherhaus in seinen gnadenreichen Schutz nehmen. Gott erhalte, Gott beschütze unseren Kaiser Karl I., unsere Kaiserin Zita, Ihr erhabenes Haus!' Der Kaiser erwiderte auf die Worte: „Die mir und der Kaiserin von den Vertretern der israelitischen Kultusgemeinden im Namen ihrer gesamten Giauöensgeuosse.l dargebrach'.e Htckügung nehmen wir mit herzlicher Erkenntlichkeit entgegen. Die jüdische Bevölkerung hat immer ihre L i e b e u n d A n h ä n glichkeit an m e i n H a u s und das V a t e r land b e w i e f e n und in der gegenwärtigen großen Zeit zu den unter Gottes gnädigem Beistand erzielten Erfolgen opferfreudig mit Gut und B l u t b e t g e t r ctg en. So wie ich von der Unerfchütterlichkeit dieser patriotischen Gesinnung überzeugt bin/ ebenso mögen Ihre Glaubensgenossen versichert sein,- daß sie sich in meinen Landen der allen Bürge r n g e w ä h r l e i steten Rechte st e t s n n e inge s ch r ä n k t io e r d e n erfreuen können. Gerührt von den Segenswünschen/ die Sie in Ihren Gotteshäusern für mich und die meinen zum Himmel senden,- sagen wir Ihnen auch f ü r diese f r o m m e B e t u n düng Ihrer treuen Gefühle u n s e r e n w d r m sten Dank!" Die Antwort des Kaisers,- mit lauter Stimme und ausdrucksvoller Betonung gesvcocheu/ übte auf die An wesenden tiefsten Eindruck aus. Hierauf erbat sich der Präsident Dr. Stern neuerlich das Wort,- um di:' Mitteilung zu erstatten, daß die israelitische .Kultusgemeinde Ragusa lDubrovnik), die infolge Kürze der Zeit einen Vertreter nicht mehr entsenden konnte, ihn beauftragt habe, bei der Huldigungsdeputation die uu wandelbaren Gefühle ihrer uniertänigsten Treue und Er gebenheit au die Stufen des Allerhöchsten Thrones ge langen zu lassen. Der Kaiser nahm die vorgewiesene De vesche zur Hand und reichte sie auch der Kaiserin und beauftragte sodann den Präsidenten Dr. Alfred Stern, der Kultusgemeinde Ragusa seinen Dank für die be'un dete patriotische Gesinnung zu übermit eln. Sowohl der Kaiser als die Kaiserin reichten dem Präsidenten die Hand. Der Kaiser erkundigte sich sodann noch bei Dr. Stern eingehend über seine Amtstätigkeit bei der Wiener i rael. Kultusgemeiude und über ihre Verhältnisse. Dem Over rabbiner Dr. Güdemann sprach der Kaiser, indem er ihm die Hand reichte, den Dank für den erteilten Segen aus. Er erkundigte sich sodann über die Dauer der Tätigkeit des Oberrabbiners in Wien und bemerkte auf die Antwort Dr. Güdemanus,- daß er seit 50 Jahren in Wien wirke: „Das ist eine lange Zeit!" Der Kai'er ließ sich sodann die Mitglieder der Devutation vom Präsidenten Dr. Stern vorstellen, eriundigte sich bei ihnen über ihre Privatverhältnisse und über die Verhältnisse der von denselben vertretenen Gemeinden oder Körver schaften und bekundete besonders lebhaftes Inte r e f s e für d ie A pp r o v i si on i e r u u g s s r a g e der einzelnen Städte, aus welchen Vertreter gekommen sind. Bei dem Vizevräsidenten der Wiener israel. Kultusgemeinde Hofrat Dr. Benjamin Rappaport erkundigte sich der Kaiser nach der Dauer seiner Tätigkeit in der Gemeinde und über seine Amtswirksamkeit im Staatsdienste. Bei dem Vertreter der Prager israel. Kultusge meinde kaiserlichen Rat Robert F u ch s Edlen v. R 0 bettin erinnerte sich der Kaiser,- ihn schon vor Jahren bei einer Prager Ausstellung gesehen und gesvrochen zu haben. Dem Vertreter der Revräseutanz der böhmischen Landesjudeuschaft Obmaunfte lvertreter Dr. Heinrich Rosen bäum stellte er die Frage, ob viele Juden in Böhmen eingerückt seien. Auf die bejahende Antwort bemerkte der Kaiser: „J i e habe n s ich alle s e h r brav gehalten." Als auf eine ähnliche Frage des Kaisers der Vertreter der Brünner Kultusgemeinde Adolf H e r d a n erwiderte,- daß es nahezu keine einzelne Familie in Mähren gebe, welche nicht ein oder mehrere Mitglieder im Kriege hätte, bemerkte der Kaiser, daß ihm dies wohl bekannt sei und daß auch viele A n s z e i ch n u n gen erhalte n h a b e n. Bei dem Vertreter des mährisch-jüdischen Landes massafonds Dr. Ziegmund S ch i m m e r l i n g erkundigle sich der Kaiser nach dem Vermögensstande des Fonds. Auf die Bemerkung Dr. Schimmerlings/ daß ungefähr die Hälfte des zweieinhalb Millionen betragenden Fonds in Kriegsanleihe angelegt sei/ antwortete der