Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 48 (8.12.1916)
- Date
- 1916-12-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 798 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 48 1? i ■; ■ Verschlossenheit verborgen sich ein glänzendes Talent, ehrliche Strebsamkeit, keine Mühe scheuender eiserner Fleiß, der aus seiner wissenschaftlichen Laufbahn wohl nicht nach billigen Lorbeeren strebte, ihm aber gründliches Wissen eintrug. Wenn es Ihnen in dieser bitteren Stunde zum Tröste gereicht, so kann ich Sie und Ihre lieben Ellern versichern, daß ich an Ihrem tiefen Kummer den aufrichtigsten Anteil nehme. Umso inniger, als ich den letzten Wunsch meines jungen Freundes, den er durch Sie mir milteilen ließ, daß Sie, wenn ihm ein Unglück zustoßen sollte, mich hiervon verständigen mögen, als Unterpfand dafür annehme, daß meine wahrend unserer jahrelangen gemeinsamen Arbeit für ihn empfundene Sympathie auch in ihm dieselben Gefühle für mich erweckten und daß diesem sein letzter Wunsch, sein letzter Gruß an mich entsprangen. Ich werde dies als eines der heiligen Andenken an meine Professorenlaufbahn bewahren. Er gehörte zu den besten unserer Jugend. Er gab sein Leben hin für das Vaterland, er reiht sich den übrigen Helden an, an welche wir Uebriggebliebenen und die kommenden Generationen mit pietätvollem Stolz zurückdenken werden. Möge der Allmächtige ihn, seine reine Seele, in seine ewige Gnade aufnehmen, Ihnen aber leihe er segensreichen Trost. Dies wünscht Ihnen der ehemalige Professor Ihres lieben Bruders i . >;ij .Dj Dr. Johann K i r ü l y, m. p. Von der Zsonzofront. (Au§ einem FeMposOrief.) .... Eine schölte Eriniterung für alle Teilnehmer wird der Neujahrs- und Versöhnungsfestgottesdienst bleiben, welchem wir jüdischen Soldaten voll der Division Heuer im Felde beigewohnt haben. Unser Divisionsabschnitt liegt an einem exponierten Teil der Jsonzofront und die jüdischen Soldaten mußten, um zu dem unweit der Gefechtsfront bestinnnterl Bersammlungs'ort zu gelange)), auch solche Straßen passieren, die von: Feinde eingeschen und stellenweise unter lebhaftes Schrapnell- und Granatenfeuer gehalten waren. Dies hielt aber die kampfgestählten Krieger nicht ab, aus allen Feldlagern und Kampfstellungen des Divisionsbereiches schon am zeitlichen Nachmittag des Rüsttages zahlreich zusammenzuströmen, jeder laut Divisionskommandobefehl mit Rucksack, Zeltblatt trnd Decke feldmäßig ausgerüstet, mit Mundvorrat für drei — den auf Rosch-haschonoh folgenden Sabbat mitgerechnet —, bezw. zwei Tage (Bortag und Ausgang des Versöhnungsfestes) versehen, um an Ort und Stelle abkochen, menagieren und biwakieren zu können und während der Festtage nicht irr die Stellungen zurückmarschieren zu müssen. Infolge der noch nicht ausreichenden Dotierung der Jsonzoarmee mit jüdischen Militärseelsorgern war für unsere Division kein Feldrabbiner mehr disponibel; das Kommando wußte sich aber zu helfen: zum Arrangement und zur Leitung der Gottesdienste wurde, auf Vorschlag des Leiters der jüdischen k. u. k. Militärseelsorge der Jsonzoarmee, Herrn k. n. k. Feldrabbiners Dr. M. Tauber, im Befehl ein im Divisionsabschnitt dienender jüdischer Landsturm-Fähnrich- Aspirant (im Zivil Rechtsanwalt in Preßbürg, Herr Doktor Siegfried Steiner) bestimmt, und es zeigte sich, daß die Bestimmung des Kommandos den richtigen Mann getroffen hatte. Dieser hatte vor BeginnTies Festes zur Vorbereitung nur einen Tag zu seiner Verfügung, während welchen er in aller Eile die zur Abhaltung der Gottesdienste unumgänglich notwendigen Ritualien, wie Thora, Schofar, Koscherwein usw., vom Sitze des Armee- Etappenkommandos abholen und zur weit draußen in der Frontlinie schon zum Gebet versammelten Mannschaft bringen mußte. Sozusagen in letzter Stunde, knapp vor Eingang des Festes, ratterte das Automobil mit dem ersehnten Inhalt aus weiter Ferne endlich heran, freudig begrüßt von uns) die wir bei den schwierigen Verkehrs- Verhältnissen iin Frontbereich nicht mehr viel Hoffnung zum rechtzeitigen Eintreffen desselben hatten. Die an Ort iulnd Stelle befindliche Brigädesanitätsanstalt Nr. (Kommandanten die Herren Reg.-Aerzte Dr. N o w a k und Dr. Hart mann) stellte der jüdischen Mannschaft bereitwillig eine leerstehende, geräumige Spitalsbaracke zur Verfügung und schnell war die Baracke, unter Zuhilfenahme von Decken, Zeltblättern, weißen Tüchern, mitgebrachten Kerzen usw., in einen würdigen Betraum umgewandelt. Es war für uns Soldaten eine wahre Freude, zu sehen, wie die zum Gottesdienst erschienenen jüdische)) Offiziere überall Hand mitanlegten und in eifervoller Andacht für die ganze zahlreiche Mannschaft beispiel- und tonangebend waren. Inmitten der rauhen Bergwelt des Küstenlandes, in einer Gegend, wo in Friedenszeiten sicherlich niemals noch jüdische Beter sich zusammengefunden haben, entstand so eine herrliche jüdische Gemeinde, erfüllt von einen) Geiste der Glaubensinnigkeit, Gottergebenheit und Brüderlichkeit, wie dies eben nur im Felde, unter der gewaltigen seelischen Einwirkung des Krieges in Verbuchung mit dem schicksalsschwerer) Ernst, der die Grundstimmung unserer hohen Feiertage ausmacht, möglich ist. Von ähnlichen Andachtsempsindungen, wie die jüdischere Soldaten inr Felde, dürsten die jüdischerr Gemeinden des Mittelalters irr ihren altertümlichen Synagogen seinerzeit beseelt gewesen sein; inr Hinterlande kann man sich hievon nurschwer die richtige Vorstellung rnacherr. . . . Unsere sich freiwillig meldenden Vorbeter waren ausgezeichnet; eine besonders hervorragende Leistung gestaltete ein Honvedleutnant, der als Mussaph- und Kol-nidre-Aorbeter fungierte und mit feinem schwungvollen mächtigen Gebetspathos und seiner herrlichen Stimme alle Zuhörer geradezu begeisterte. (Herr Honvedleutnant Samuel Bein.) Herzerhebend war es auch ßit beobachten, wie unsere Offiziere beim Thoraaufruf, bei welchem für jüdischnationale und kriegswohltätige Zwecke namhafte Spenden 'gemacht wurden, bemüht waren, ältere Landsturmleute, die sich als Familienväter meldeten, aus der Mannschaft heransjzusuchen und ihnen beim Thoraaufrus den Vortritt zu gewahren, damit sie sich mit der Mizlvah stärken und für ihre Familien die usuellen Mischeberach sagen lassen mögen. Und wie unvergeßlich prägt sich in die Erinnerung der Klang des Schofars ein, wenn er umrahmt ist vorn grollenden Geschützdonner, der von der nahen Front herüber- und hinüberrotlt. . . Kitte Vernerkensrverte Abstellung zur jüdischen Drückebergerei. Die „Lipper Landeszeitung" schreibt: Die Reichstagserörterungen über die Teilnahme der Juden am Weltkriege haben auch im Fürstentum Lippe zu gelegentlichen Aussprachen über die Frage geführt. Neunmalweise, die den Fall eines gelegentlichen Bekannten zum Anlaß nehmen, eine tiefgründige Allgemeinwcisheit zum Besten zu geben, pflegen sich gern im Sinne jener zu äußern, die unser Volksleben nur zu gern vergifte)! möchten. Ihnen möchten wir die vielleicht nicht ganz gleichgiltige 'Feststellung gebe)), daß der Pro z e n t s a tz der a u s u n - serem L an de gefallenen Jude)) größer ist, als der der übrigen Bevölkerung. Es wird diese für die jüdischen Familien bedauerliche Tatsache gewiß eine zufällige sei)). Sie jvird sich vielleicht auch aus den Tatsachen des größeren Prozentsatzes jüdischer Kriegsfreiwilliger u))d der Kriegsbeteiligung dieser Freiwilligen seit September 1914 erklären lassen; daraus, daß auch aus unseren! Lande die Zahl der Kriegsfreiwilligen vm) den höheren Schulen, auf denen das Jude))t)im nun einmal weitaus stärker vertreten ist wie das übrige Volk, sehr groß war. Aber einerlei: die jüdischen Soldaten haben auch ans unserem Lande voll und -ganz ihre Schuldigkeit getan. Die Zahl der ihnen verliehenen. Eisernen Kreuze ist übrigens auch sehr erheblich.