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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-08 · 48 (8.12.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
48 (8.12.1916)
Date
1916-12-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
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S rlr 794 Dr. Bloch's Wochenschrift Germanen und Juden. Von Matthias Mieses. IV. Die Hinneigung der Inden zum Deutschtum ergibt sich aus tiefverankerten, rassenpsycho lo g i>chen Ursachen. Ein historischer Ursachenkomplex wirkt jedoch nie einseitig. Trotz aller konfessionellen Verhetzung, fühlte sich auch der Germane in den verschiedensten Zeiten zu den Semiten hingezogen. Mit einer größeren Gruppe von Semiten trafen die Germanen zuerst im 8. Jahrhundert auf der iberischen Halbinsel zusammen, als die dortigen Westgoten von den Arabern unterjocht wurden. Jedoch zwischen den spanischen Goten und diesen Kindern Sems sprachlich integraler Signatur, die kaum den Wüstenstaub von ihren Füßen abzuschütteln vermochten, entwickeltet: sich bald herzliche, innige Verhältnisse. Die spanischen Goten assimilierten sich den Mauren, nahmen deren Art an, wurden zu Mazarabern. Schon zur Zeit Rabanus Maurus', zu Beginn des 9. Jahrhunderts, glaubten die Westgoten Spaniens, die Mauren stiftchen ihnen aus alter Verwandtschaft nahe.Z Auch das eigentliche Deutschland hatte mit den Arabern freundschaftliche Berührung. Einst, in der ersten Hälfte des Mittelalters, als der arabische Handel von Zentralasien bis nach der Ostsee ging und arabische Münzen in ganz Osteuropa, bis Norddeutschland und Schweden, kursierten, wurde in Deutschland inr 10. Jahrhundert selbst eine Bilingue geprägt, welche aus der einen Seite eine Nachbildung arabischer Münzen mit dem Namen des Kalifen trug und auf der anderen Seite jedoch mit einer Legende in Lateinschrift Henricus (Kaiser Heinrich II.?, 973—1024) versehen war?) Mit dem großen Araberkalif Harun al Raschid knüpfte der große Germanenkaiser Karl herzliche Beziehungen an. Kaiser Friedrich H. berief auf seinen Hof arabische Gelehrte, mit denen er regen Umgang pflegte. Die Reliquienhülle des Schatzes zu Aachen aus dem frühen Mittelalter wurde von syrischen Meistern ausgefüllt. Der Krönungsmantel der römischen Kaiser deutscher Nation, der sich bis heute in der kaiserlichen Schatzkammer in Wien befindet, ein Beutestück aus dem alten Sizilien, trug eine arabische Inschrift. Immanuel Kant klassifizierte den Araber als „den edelsten Menschen im Orient". (Beobachtungen über das Gefühl des Schönen und Erhabenen, 4. Abschnitt, Ausgabe Weichert I, 103.) Die arisch-asiatische Sippschaft der Hindus, Armenier und Perser rangierte bei ihm hinter diesem semitischen Beduinenvolke. Der.Kaiser des modernen Deutschland gab sich wiederholt aus seinen südländischen Exkursionen in Jerusalem, in Tanger als besten Freund des Islam, des arabischen Orient, als Protektor des vom Semitismus nicht lassenden Mohamniedanismus aus. Die Weltvolitik des neuzeitlichen Deutschtums gravitiert gegen den Mittelpunkt des arabisch-islamitischen Kulturlebens, gegen Bagdad. Die arabische Poesie weckte im Deutschland der Neuzeit so manchen hervorragenden Dichter zur Nachbildung. Rückert verdeutschte mit poetischem Schwung die ältesten arabischen Volkslieder (Hamasa, 1846j, wie die Verwandlungen des arabischen Eulenspiegels (Makamen des Hariri). Der Grundstock von Hafis Diwan, der Goethe zur Abfassung seines „Westöstlichen Divan" anregte, geht auf arabische Sagen (Hatem, Suleika) zurück irnd ist von arabischem Geiste durchtränkt. Das arabische Buch der Erzählungen „Tausend und eine Nacht" hat in Deutsches Rabanus Maurus: De umverso. Migne Patrol. lati' a XLI 44 »Opinio est apud Gothos, ab antiqua cognatione Mauros propinquos sibi vocare.c 2) Georg Jacob: Der nordisch-baltische Handel der> Araber, 44, 64, Leipzig 1887. Nr. 48 HM land eine Zahl von Auflagen und Verdeutschungen er-K lebt wie selten in einem Lande. Der höchste enropäisch-H germanische Orden trägt den Namen der christlichen M Araber Europas, der Malteser. Der Name dieser Insel W geht auf die semitische Göttin der Fruchtbarkeit, Mylitta.W zurück. W Aehnlich bcu Arabern, weckten zuweilen auch dieW Inden einen verwandtschaftlichen Widerhall bei den Ger-W manen. M Das deutsche Volksbewußtsein des Mittelalters, emp-« fand die Juden nicht immer als stammesfremd. Die« deutsche Sage wußte zuweilen von einer teilweisen ger-Z manischen Abstammung der Juden zu erzählen. DieW Phantasie mancher mittelalterlicher Deutscher konstruierte» sich eine Geschichtsfabel von germanischen Legionären der« Römerzeit aus dem Stamme der Vangionen, die kriegs-» gefangene Frauen aus Palästina nach Deutschland heim-» führten und mit ihnen Kinder zeugten, die dann zu» Ahnherren des deutschen Judentums geworden sind. » Der Wormser Chronist des Klosters Kirschgarten et-8 zählt: „Nach der Eroberung von Jerusalem, nachdem» das ganze Land zugrunde gerichtet war, haben die» Vangionen, in ihre Heimat zurückkehrend, wie es bei den« Soldaten Gewohnheit ist und wie wir auch heuzutage« bei jenen sehen, die aus Kriegen und Schlachten des» unteren Deutschland zurückkehren, die schönsten Judenmäd-» chen mit sich genommen. . . . Hernach aber, weil nach» adeliger Sitte die Vaterschaften rar waren, haben die» Mädchen ihre (mit beu Vangionen gezeugten) Kinder wie» sie wollten und konnten erzogen und nach ihrem Ge-» setze, soviel sie es vermochten, unterrichtet. Siehe, das» sind unsere Juden, die in bezug darauf eher Kinder der» Vangionen als der Juden sind, obschon diese davor: nicht» hören wollten und auch nicht hören wollen. (,.Ecce hi® sunt Judaei nostri, qui quautum ad lioc. poiius sunt filii 1 angionum quam Judaeonim, licet id ipsi audiie noluerint et nahmt 3 4 5). ' j|j| Ein ganz besonderes Echo fand in: älteren, natür-*A kicheren, weniger durch künstliche, importierte .Hetzdoktrinen verbildeten Deutschland das für den Semitismus charakteristische hebräische Vokalwesen. Die deutschen Grammatiker des 16. Jahrhunderts empfander: in der: hebräischen Selbstlaute!: etwas den eigenen Gleichartiges und beriefen sich oft m ihren Aussprachur:terweisungeil auf dieselben. Albert Laurentius schreibt im Jahre 1572: „Die Schwaben sprechen das subtile a rein und klar wie die Hebräer ihr Pathach aussprechen." ,.E“ ist dem hebräischen zere gleich. 0 wird wie das hebräische Cholem ausgesprochen. Franken und Meißner sprechen das dunkle a mit rundem Munde aus wie der Hebräer das Kametz."^) 'Aehnlich erklärt auch Johannes Clajus im Jahre 1578: „Von den Selbstlauten wird das a zuweilen wie das hebräische Pathach ausgesprochen, zuweilen dick und dunkel wie das hebräische Kametz."^) Die sonstigen deutschen Laute, die Konsonanten, wurden dagegen nur mit den Mitlauten arischer Völker verglichen. Der Mitlaut ist weder bei den Semiten noch bei den Germanen von besonderer Note. Eigentümlich den Semiten ist oft, wie bereits Isidor aus Sevilla festgestellt hat, nur das gutturale Element, die charakteristische Aussprache, die sich zuweilen im „ch" manifestiert. Dieser Gurgellaut 3) Ludwig: Reliqu Manuscr. II, 5. R. A. Schaab: Diplomatische Geschichte der Juden in Mainz, 2, 1855. 4) Albertus Laurentius: Tratsch Grammatick. Augustae Yindelicorum MDLXXII >Suevi vero a subtile, purum et darum ut Hebraei suum pasaeh efferunt.« »E est fere (— zere) hebraeum« (A5). >0 ut Hebraei holem pronunciatur« (A 6 b). >Frand et Misn. a obscueum plerumque rotundo ore enunciant. qualiter apud Hebraeos vox Kametz.« 5) Joh. Clajus: Grarnrnatiea Linguae Germanicae, Lipsiae 1578. >Ex vocalibus a interdum dare ut Patha Ebraeorum, in- - terdum crasse et obskure ut Gamets effertur«.

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