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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-01 · 47 (1.12.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
47 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Siite 784 T>r. Bloch's Wochenschrift Nr. 47 Tafeln der Zehn Gebote herunterholten, diese Bekenner des Judentums' dursten ihre Andacht wie Verschworene oder Geächtete nur hier rückwärts, versteckt und ungesehen verrichten, „bis daß Er kam", der unvergeßliche Kaiser Franz Josef I., und in seiner Gerechtigkeit auch für die Bekenner des Judentums die Morgenröte der Freiheit und Gleichheit aufgehen ließ. Und an die Tugenden der Pflichttreue, der Wahrhaftigkeit und Gerechiigkeit, die den Kaiser schmückten, reiht sich als die größte und schwerste seine Standhaftigkeit. Er hat die Härtesten Prüfungen siegreich bestanden, sie vermochten seine Pflichttreue nicht Zu erschüttern. Er blieb aufrecht, ein Dulder im Ertragen, ein Held im Ueberwinden, bis an sein Lebensende, und wenn er einmal vor vielen, vielen Jahren Zu einem längst verstorbenen Abgeordneten, aus dessen Munde ich es vernommen habe, die verzagte Aeußerung getan hat: „Ich habe kein Glück!", so war dies gewiß die einzige Aeußerung von ihm, der es an voller, innerer Berechtigung gebricht und die er jetzt nicht wiederholen würde. Denn ein Glück, wie es selten in dieser Fülle und in diesem Reichtum einem Monarchen beschieden ist, dieses höchste, alle Trübnis verklärende Herrscherglück, krönt sein Lebensende. An den Pforten der Seligkeit, in die er einzieht, stehen alle seine Völker voll Bewunderung und legen ihm einmütig den Kranz unversiegbarer Liebe, Treue und Dankbarkeit zu Füßen. In Prediger Salomos heißt es: „Noch ehe die scheidende Sonne ganz untergegangen, steigt die neue Sonne verheißungsvoll und heilverkündend am Firmament empor." Und indem wir die neue Sonne ehrerbietig grüßen, rufen wir der scheidenden Sonne nach: Das Andenken Kaiser Franz Josef I. wird in Ewigkeit gesegnet bleiben!-" Die kantoralen Funktionen versah der gegenwärtig in Brünn seiner Militärpflicht obliegende nnd zu .die-. sem Zwecke von dort berufene Oberkantor DonFuchs. Im großen israelitischen Tempel der Leopoldstadt, wo Herr Rwdbiner Dr. Grunwald die Trauerrede hielt und Herr Oberkantor Morgenstern die kantoralen Funktionen versah, war der Zudrang ein solch großer, daß die Polizeiwachmannschaft einfchreiten mußte, um einer Ueberfüllung abzuwehren. Trauerkundgebung der Jfreetitrsch-theologischen Lehranstalt. Anläßlich des Hinscheidens weiland Seiner Majestät Kaiser Franz Joses I. fand am Sonntag, den 26. November, in den Anstaltsräumen der Lehranstalt eine Trauerkundgebung statt. Diese.be wurde von dem Präsidenten des Kuratoriums Moriz Edlen v. Kuffner eröffnet, welcher u. a. sagte: „In dem reichen Strah^englanze seiner Regententugenden sind allgemeine Menschen! ede, Liebe und Wert-, schätzung der Wissenschaften und tiefe, wahrhafte Religiosität hervorstechende Züge, jene wahre, echte Religiosität, welche auch die religiösen Gefühle an erer Korporationen achtet; darum war auch eine Jnst'tu ion wie die Errichtung unserer Lehranstalt, deren Aufgabe es ist, Männer heranzubilden, die die edlen Grundsätze unserer Relig'on in die Menschheit verpflanzen sollen, eine der schönsten Emanationen seiner vom allgemeinen Geiste der Menschenliebe erfüllten Seele. Seiner Initiative ist es zu danken, daß unsere Lehranstalt entstehen konnte, und seiner vom erhabenen Geiste geleiteten Regierung ist es zuzuschreiben, daß unsere Lehranstalt d'e Stütze und Förderung gefunden hat, die ihr gebührt." Sodann hielt Rektor Dr. Schwarz folgende Trauerrede: „Als der erstarrenden Hand des sterbenden König Davids die Harfe entsank und im Fallen eine ihrer Saiten sprang, da durchdrang ein schrecklich schriller Ton die obersten Lichtregionen und die vollkommenste Sphären-Harmonie ging in welterschürternden Dissonanzen auseinander. Angsterfüllt eilten die Areliten hin zu Gottes Richierthron und mit bebenden Lippen richteten sie an den Erhaben- Thronenden die Frage, wer von ihnen die Seele König Davids an der Himmelspforte empfangen und welche der kostbaren Kronen für sie in Bereitschaft gehalren werden soll; denn, so sagten sie, im Davidischen Königs-Psalm heißt es: „Du kommst ihm entgegen mit Segen und Heil, setzest ihm eine Krone aus Feingold aufs Haupt." „Wisset Ihr es noch nicht", lautete Gottes Antwort, „daß hier oben weder Königs-, noch Dichter- und Gelehrten-Kronen Geltung haben? Wisset Ihr es noch immer nicht, daß bei mir nur eine einzige Krone, die eines guten Namens, in hohen Ehren steht? Und wer einen solchen Namen von unten mit herausbringt, der wird nicht erst oben an der Himmelspforte begrüßt, dessen Seele wird von Euch Engeln von unten abgeholt. Deshalb müsstt Ihr, so viele Euerer sind, deshalb Müsset Ihr in großen Scharen zur Erde hinab und unten den Totenklagen über, und den Trauerreden auf König David lauschen; deshalb müsset Ihr die Kränze, welche die Menschen ihm aus seinen Tugenden winden, in den Himmel herausbringen, um mit vereinten Kräften aus diesen Kränzen eine Riesenkrone zu siechten. Und dieser Vorgang, hochgeehrte Trauerversammlung, wiederholt sich jetzt bei den Vorbereitungen, welche die Himmelsscharen treffen, um die unsterbliche Seele Kaiser Franz Josefs würdig zu begrüßen. Wieder ruft Gott seinen Engeln zu: Steiget zur Erde hinab und lauschet den Totenklagen über, den Trauerreden aus den gütigen alten Kaiser; höret was die Menschen von ihm sagen, und wenn Ihr es versteht, aus den Millionen Ruhmeskränzen mit vereinten Kräfter die ihm gebührende Riesenkcone zu flechten, dann dürfet Ihr mir sagen: Sehe ihm die Krone eines „87"- jährigen, mit ehrlicher Arbeit ausgefüllten und mit seltenen Herrscherlugenden geschmückten Lebens aufs Haupt. Mit vereinten Kräften! Denn von Gott wird Gleiches mit Gleichem belohnt. Darum soll Kaiser Franz Josef an der Himmelspforte mit dem Wahlspruche seines eigenen Lebens begrüßt werden. Und darin dürfen wir Menschen den Engeln nicht nachstehen. Auch wir müssen mit vereinten Kräften Zusammenwirken, damit das hellstrablende Lebensbild unseres geliebten alten Kaisers in unverwelklicher Blütenfrische der spätesten Nachwelt erhalten bleibe." Trauerkundgebung der Zionisten Oesterreichs. Das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs, verstärkt durch eine reiche Zahl von Vertranensmännern aus Galizien und der Bukowina, hielt gestern eine Sitzung ab, die einer solennen Trauerkundgebung gewidmet ivar. In einer tiefempfundenen Ansprache, die von der Versammlung stehend angehört wurde, gab Präsident- Stellvertreter k. f. Reichsratsrevisor Rudolf Taußig den Gefühlen unauslöschlicher Dankbarkeit Ausdruck, welche die Juden Oesterreichs dem dahingegangenen edlen Monarchen, als dem Erlöser der Juden aus den unwürdigen Zuständen des.Vormärz, ,als dem Bringer der staatsbürgerlichen Rechte und der Gleichstellung der Inden mit allen übrigen Staatsbürgern des Reiches für alle Zeiten entgegenbringen. Das Exekutivkomitee sandte nachstehendes Telegramm an die Kabinettskanzlei: „Kabinettsdirektor Cxz. Frhr. v. Schieß l, Hofburg, Wien. Das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs bittet, den Ausdruck seines tiesstgesühllen Schmerzes und der innigen Gefühle der Trauer ob des Dahinganges des heißgeliebten Kaisers und Herrn an den Stufen des Allerhöchsten Thrones niederlegen zu dürfen. Die Juden Oesterreichs beweinen in dem dahingegangenen, treugeliebten Monarchen ihren Befreier aus unwürdigen Zuständen, den Spender der staatsbürgerlichen Rechte, den Bringer ihrer Gleichheit vor dem Gesetze, ihren allzeit gütigen Schirmer und Schützer. Für das Exekutivkomitee der Zionisten Oesterreichs: Dr. Karl Pollak, Adolf Stand, k. k. Reichsratsrevisor Rudolf Taußig." Am 27. Nov. hielt der Vorstand des humanitären Vereines „Einheit" unter dem Vorsitze feines Präs'dew en, Herrn Bernhard Hofbauer, eine von sämtlichen Mitgliedern besuchte Trauersitzung als, in welcher der Präsident in dankbaren, tiefbewegten Worten der Weisheit und herrlichen Regierungskraft des verblichenen Kaisers und Königs Franz Josef I. gedachte.

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