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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-01 · 47 (1.12.1916) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
47 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 783 sohin kein Grund vorhanden ist, ihnen den Fleischgenuß auch an Freitagabenden ^n gestatten, während er sonst verboten ist. Der k. k. Bezirkshauvtmann: Bilas m. p. Ein gleicher Erlaß erging auch, über Anregung des Herrn Oberrabbiner Reich in Bad e n, an den Kultusvorstand in Baden, der sofort verlautbart wurde. Korrespondenzen. Trauerfeiertichkeiten für weiland des Kaisers und Königs Kranz Josef I. Donnerstag mittag fand im Sitzungssaale der Wiener I s r a e l i t i s ch e n K u l t u s g e m e i n d e eine Trauerseier für Kaiser Franz Josef I. untt'r großer Beteiligung der Gemeindemitglieder statt, bei de? Präsident Dr. Alfred Stern eine Trauerrede hielt, in der er einleitend sagten „Wir sammeln uns heute zu einer Totenklage, zu einer Klage unserer Gemeinde, so tief erschütternd, herzergrei' send, alle Mitglieder unserer Gemeinde, darüber hinaus unsere gesamte österreichische Judenschaft umfassend, wie sie in diesen Räumen kaum jeinals gehört wurde. Unser geliebter Kaiser Franz Josef I., dessen kaiserlichen Worten unmittelbar nach seinem Regierungsantritt vor 68 Jahren wir die rechtliche Anerkennung dieser unserer Gemeinde zu danken haben, ist nicht mehr!" Der Redner bat, daß die Worte des Dankes für alles Gute und Edle, das er in seinein Leben gewirkt, himmelwärts als Fürsprecher steigen. Er gedachte der bösen Verhältnisse der Juden in Oesterreich als Zeitgenosse, als lebender Augenzeuge, die das Judenamt verkörperte, gedachte der unzureichenden Zahl der Chebefähigung der Juden bis 1848, gedachte des Jammers derjenigen, die eine vom Gesetze anerkannte Ehe nicht schließen formten, der Beschränkungen in jeglicher Berufs- und Erwerbstätigleit, im Wohn- und Ausenthaltsrechte, um auf die Staaten im Norden und Osten hinzuweisen, in jene Staaten unserer Feinde, die uns „Befreiung von der Barbarei" bringen wollen. Das ist das Bild, das die Zustände der Glaubensbrüder damals in Oesterreich hatten. Dieses Joch genommen, die Juden aus der Bedrückung zur Freiheit, aus der Finsternis zum Lichte geführt zu haben, sie aus Parias zu freien, gleichberechtigten Bürgern des Vaterlandes gemacht zu haben, das herzliche Wort der Gleichbeberechtiaung gesprochen und es in die Tat umgesctzt zu haben, dafür gebühre Kaiser Franz Josef I. heißester Dank. Dieser Dank möge ihm zur Seite stehen am Throne L ottes. Der Redner erwähnte den unvergeßlichen Cn-vfang der Huldigungsdeputation der Judenschaft Oesterreichs beim sechzigjährigen Regierungsjubiläum und der herzlichen Worte, die der Kaiser damals an die Abordnung der Kultusgemeinden Oesterreichs gerichtet hat: „Die israelitische Bevölkerung hat immer eine staats- und gesetzestreue Gesinnung, Ergebenheit für Mein Haus und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet. Ich schätze auch ihren Familiensinn und ihre Freude am Wohltun. Seien Sie versichert, daß Ihre Glückwünsche Meinem Herzen wohlgetan haben und daß Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines kaiserlichen Schutzes gewiß fein können." Redner schloß mit dem Hinweis, daß in den Tempeln für di? Erhaltung des Lebens des Kaisers gebetet worden ist, daß aber feine Stunde gekommen war. „Aber sein Andenken wird als ein gesegnetes fort in unserer Gemeinde, in allen jüdischen Gemeinden Oesterreichs, in den Herzen unserer Glaubensbrüder für alle Zeiten leben!" Sonntag, den 26. November, nachmittags, fanden jn sämtlichen Synagogen Wiens Trauergottesdienfte statt. In allen Synagogen, welche dem Anlässe entsprechend Trauerschmuck trugen, war die Beteiligung eine über aus große. Bei dem seierlichen Gottesdienst im israel. Temvel der Innern Stadt hielt Oberrabbiner Dr. nde mann folgende Trauerrede: „Die schwarze Verkleidung dieser heiligen S äct? und der düstere Gesang, der eben verklungen ist, geben der tiefen Trauer Ausdruck, in der alle Völker der Mon archie und wir mit ihnen den Tod des Kaisers Franz Joses I. bettagen. Es ist leine be,ohlene, keine bloß äußerliche Höflichkeitstrauer, sondern die echte und wahre, aus tiefstem Herzen kommende, die in den Palästen wie in den entlegensten, armseligsten Hüllen alle Gemüter er qriflen hat. Denn Kaiser Franz Joses hat allen gelebt und ist allen gestorben. In uitterem weiten Valerlaude gibt es leinen, der dieses Meistenvert eines Menschenlebens, diese großartige Schöpfung eines Herrscherda eins nicht bc wundert" hätte nnd ihren Untergang nicht wie einen persönlichen Verlust bettagen würde. Mir mar es seit einem halben Jahrhundert als einem st-llen Znrchaner vergönnt, den Verlaus dieses Lebens, '.nie es >ich nicht ein zweikesmal auf einem Throne entjaltet Hag ans der Ferne zu verfolgen, nnd wenn ich jetzt die während dieser langen Zeit gewonnenen Eindrücke etwa als Zeuge vor dem Richterstuhle der Geschichte wiedergeben lottke, so lönn'e ich nur folgendes ans,agen: Ich Hab? nie einen Witzersvruch, nie eine Zwiespältigkeit in dem Leben des tahinaeschiedenen Kaisers wahrgenommen. Er war imm'?r derselbe nnd war es ganz, fest und nnverrückt stand nnd bestand er auf den edelsten Vorsätzen, sein Auge nie auf persönlichen Vorteil, sondern unverwandt auf das S aatswohl, auf das Heil seiner Völker gerichtet. Kaiser Franz Josef war einer von een Z-rrtl "l'J „Stillen im Lande", von denen die Bibel rühmeud^pricht. ja auf seiner einsamen Höhe war er vielleicht der Stillste, aber trotz seiner gemessenen Haltung spürte ein jeder, auch der Entfernteste, wie das Herz des Kaisers warm, liebevoll und laut schlug für den Sieg der Freiheit über die Unduldsamkeit, des Rechtes über das Unrecht, der Wahrheit über die Lüge. Kaiser Franz Josef war wahrhaft, echt und treu tnrch nnd durch. Er hat es noch durch feine Entrüstung über den Trenbruch Italiens be.nutzet, und weil er so innerlich wahrhast und gewissenhaft war, darum atmet? und lebte er in seiner Pftichkerftilttur,, in d?r er ganz ansging. Die Arbeit war ihm keine Last, sondern ein? Lust, und er könnte mit König David sagen: „Ich bedarf der Morgenröte nicht, daß sie mich zur Arbeit wecke, sondern ich >v?ck? die Morgenröte." Kaiser Franz Josef I. hat die Morgenröte gewerkt, weil er noch vor Tagesanbruch täglich bei der Arbeit war, er hat aber auch die Morgenröte einer r.c.ieti ZGt geweckt und hat sie nie mehr Len Mächten der Finsternis preisgegeben. Wer könnte dies aufrichtiger nnd Lautbarer aaer kennen, wer könnte der Gerechtigkeit des dahingeschiedenen Kaisers ein lauteres Danklied singen als mir Inden. Bemerken wir doch, mein? Freunde, an welchem Orte wir uns befinden. Jn einem Raume, der, entfernt von der Straße, tief nach rückwärts gelegen und wie de'- Schau platz eines ungehörigen Vorganges dort Blicken der Vorübergehenden entzogen ist. Denn nur unter diese«- Be dingung wurde vor nunmehr W Jahren der Ban dieses Gotteshauses gestattet. Di«? Bekenner des Judenlums, die zuerst Gott erkannt und ihn der Menschheit gelehrt haben, die einst, wie jetzt im Weltkriege unsere lavieren Truppen eine hochgelegene Festung erstürmen, io in einem größeren geistigen Weltkriege die Höhen des Sinai eroberten und von dort für sich und die Menschheit di? Jeder treue Jude zeichnet die fünfte Kriegsanleihe

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