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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-01 · 47 (1.12.1916) · page 2

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
47 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 778 Dr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 47 des anderen Tages die Ergänznngswahl im Hietzing- Brücker Landgemeinden-Bezirke stattfinden sollte, da hat der Kaiser, als der Bürgermeister Koch das Wahler^- gebnis als Zweifelhaft bezeichnete und die Befürchtung der Wahl eines antisemitischen AbgeordneGn nahelag, die auf die Allerhöchste Gesinnung ein Helles Schlaglicht werfende Bewertung gemacht: „Ich hoffe, daß die Wahl in a n st ä n d i g e m Sinne aussaklen werde." Die Wahl fiel auch in anständigem Sinne aus, denn der antisemitische Kandidat fiel auch wirklich glänzend durch. Im Mai 1890 hat der Pariser „Matin" eine Unterredung feines Mitarbeiters mit einem österreichi.chen Diriomaten veröffentlicht, welcher erklärte, das dem Kaiser Franz Josef der Antisemitisknus förmlich widerwärtig und verhaßt ist. Daher seine schneidige Schärfe in der Verurteilung antisemitischer Ausschreitungen. Im niederösterreichischen Landtag haben bekanntlich 1892 antisemitische Redeexzesse gegen jüdische Aerzte und Professoren stattgefundcn. Im September tagten die Delegationen in Budapest. Beim Cmpsange der österreichischen Delegierten sagte der Monarch zu dem Delegierlcn Franz Richter, daß die Ausschreitungen, wie sie in letzter Zeit im nieder ö st e r r e i ch i s ch e n Landtage wiederholt v o r g e t o m m e n feie n, eine erfolgreiche Tätigkeit dieser Körperschaft nahezu unmöglich machen. Solche Vorgänge seien e i n w a hr c r Skandal und k ö n n e n z u k e i n e m guten Ende führen. Es sei eine Schande vor der g a n z e n W e l t. Der Kaiser wendete sich sodann zu dem Delegierten Professor Eduard Sueß mit den Worten : „Sie haben jetzt schwere Tage im niederö ste r re ich i scheu Landtage durch gemacht. Es i st e i n e S ch a n d e u n d e i n S k a n d a l, w i e e s d o r t zugeht. Man weiß gar nicht, was man dazu sagen s o l l." Im Jahre 1887, am 4. Septembe-z sagte.Kai e' F anz Josef in einer Antwort an den Vorstand der israe.i.ischen Gemeinde in Neutra: „Ihre Glaubensgenossen haben stets Treue und Anhänglichkeit au den Thron und an das Vaterland bewiesen. Schreiten Sie auch weiter auf die'em Pa.e fort, Sie können immer aus Meinen königlichen Schutz und Meine Tn ade rechnen." Einer Abordnung der jüdischen Gemeinden in Großwardeiu am 10. September 1890 sagte S?. Majestät der Kaiser: „Gnädig empfange Ich Ihre Huldigung und wünsche aufrichtig, daß Ihre Tlaubensge :o'sn und Ihre relig'öseu Einrichtungen in F'i'dea 'ich a V des Wohlergehens und der Zufrie eaheit erste en r.'ö^e.:, werche der Schutz des Testes und Meinurnnuu'e.- bare Gnade Ihnen zu sichern." Im Juni 1891 sagte Sc. Majestät einer jüeichen Deputation in Fiume: „Ich interessiere Mich lebhaft für Ihr Ge'chick, welches mit Tottcs Hilfe unter den schützenden Fdt'ge.r unserer bestehenden, auf dem Prinzip der ltz te ich Be rechtigung der Konfessionen ansgebauten Gesetze inn7.ee lnehr aufblühen möge." Gelegentlich der Lemberger Kaisertage im September 1894 sagG Se. Majestät zu einer Deputation der Lenlberger Gemeinde: „Ich kenne ja die Treue und Anhänglichkeit der Israeliten und rechne stets ans dieselben." In Balassa-Eyarmat, wo er anläßlich der ungarischen Manöver (1894) verweilte, sagte er zu einer jüdischen Deputation unter der Führung des Oberrabbincrs Deutsch: „Die Versicherung der Huldigung und unverbrüchlichen Treue der israelitischen Kultusgemeinden nehme Ich dankend entgegen. In meinem Herzen bildet der Unterschied der Religion Meinen Böllern aegenüper leine Scheidewand. Auf Meine königliche Gnade und Meinen Schutz können daher auch Sie jederzeit rechnen!" Berühnlt sind die Worte, welche Kaiser Franz Josef in einer Audienz (Dezember 1899), die er dem von ihm ausgezeichneten Rabbiner Dr. Kisch gewährt hatte, an ihn gerichtet hat. Von den schweren Tagen sprechend, denen die Juden jetzt, namentlich in Böhmen und Mähren, ausgesetzt sind, sagte der Kaiser: „Ich bin empört über diese Roheiten," und er wiederholte nicht nur diese Worte, sondern er gab denselben eine noch viel weitertragende Bedeutung, indem er den Rabbiner ermächtigte, die kaiserlichen Worte auch zu veröffentlichen. Anläßlich des 60 jährigen Regierungsjubilänms empfing Kaiser Franz. Josef am 26. November 1908 auch eine Huldigungsdeputation der israelitischen Kultnsgemeinden Oesterreichs in der Geheimen Ratsstube. Auf die Ansprache des Präsidenten der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, Herrn Dr. Alfred Stern, erwider.e der Kaiser: „Für die Huldigung der israelitischen Kultusgemeinden sage ich Ihnen weinen wärmsten Dank. Die israelitische Bevölkerung hat immer eine staats- und gesetzestreue Gesinnung, Ergebenheit für Mein Haus und Anhänglichkeit an Meine Person bebekundet; Ich schätze auch Ihren Familiensinn und Ihre Frenke am Wohltun. Seien Sie versichert, daß Ihre Glückwünsche Meinem Herzen wohlgetan haben und daß Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines kaiserlichen Schutzes gewiß sein können." Der „Keichspost" ins Stammbuch. Am vorletzten Sonntag war die „Reichspost" amüsant. Abwechslung muß sein. Sie brachte an leitender Stelle der Nummer einen großein Artikel gegen die Banken, welche im Kriege soviel verdient haben. Sollte dieser Artikel etwa beweisen, daß die „Reichspost" von den Banken unabhängig, wäre und sich einen Angriff erlauben könnte? Das eben ist das Heitere an diesem Artikel. Denn jeder Eingeweihte kennt die diskreten Wege, welche non der antisemitischen Presse zu den Schaltern der sogenannten jüdischen Banken führen, und manches Hep-Hep würde nicht gedruckt werden können, wenn die Dispositionsfonds dieser Banken ihren Segen nicht auch in unverfälscht arische Hände legen würden. Der Eingeweihte hat sich ferner darüber unterhalten, in welcher Reihenfolge die von der „Reichspost" besprochenen, nicht etwa .angegriffenen Banken ausgezählt, welche in den Vordergrundgestellt und welche in den Hintergrund geschoben waren. Weiter würde die Heiterkeit in lobenswerter Weise gefördert durch den Salonton, in welchem der Artikel geschrieben war. Jeder jüdische Preistreiber wird aus der Menge der christlichen Preistreiber feierlich hervorgeholt, mit Rufzeichen, fetten Titeln und hämischen Bemerkungen garniert und dem antisemitischen Publikum feierlich, zerrissen und gebraten, zum Frühstück vorgesetzt. Zu dem Artikel über die Banken aber hat sich der Verfasser säuberlich seine besten Handschuhe ungezogen und hat mit sogenannten geistigen Argumenten ausgewartet. Das Heiterste aber ist die Absicht des Artikels. Das sogenannte jüdische Großkapital soll nämlich getroffen werden. Hier beginnt unsere Antwort. Die Banken an sich sind uns vollkommen gleichgiltig. Die „Oesterreichi-

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