Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 47 (1.12.1916)
- Date
- 1916-12-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 47 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 779 sche Wochenschrift" hat wiederholt gegen Direktoren der verschiedensten Banken ohne jede Rücksicht eine heftige .Campagne geführt, in ganz anderen Tönen als die „Reichspost"'. und wird ihre vollkommene Unabhängig teil gegen jedermann auch weiter wahren. Was also die Banken an sich anbelangt, so hjabeu sie die Mi-lei. sich mit der antisemitischen Presse auseinauderzus.tzen iiitb sind uh« vollkommen aleichgiltig. Da jedoch die ,,Reichs vost" den Artikel unter dem antisemitischen Schlagwort „Jüdisches Großkapital" segeln läßt, sehen wir uns ver anlaßt, ihr eine Antwort zu geben. Der Artikel ist in seiner Tendenz nichts anderes als der bekannte Ruf: „Haltet dien Dieb!" Der ..Reichspost" ist ivohl bekannt, was man sich ooit den Agrariern in allen Städten der Monarchie und ganz besonders in Wien deilkt, und welche politischen Folgen sür Wahlen und Parteibiidung dieser Borstoß der Agrarier gegen die städtische Bevölkerung bedeutet. Die Agrarier sind nun der Grundstock der christlichsozialen Partei und die Christlichsozialen rühren auch keinen Finger, um chm Bundesgenossen auch nur ein bißchen in die Dchraa len zu weisen. Darüber ivird sich nach dem Kriege wohl noch ausführlicher reden lassen. In der Bevölkerung weiß man jedoch auch ohne die Zeitungen, wo die Hauptschuldigen an der großen Teuerung eigentlich sitzen, wer seine Macht auf die Regierung mißbraucht und daß eigentlich ohne gewisse Herren gar kein Mangel zu herrschen brauchte. Üm diesen Cindruck von ihren bun desgenössischen Agrariern lvegzunehmen, mobilisiert die „Reichspost" gegen die angeblich jüdischen Banken. Die angeblich jüdischen, das ist die Dache. -Wir haben uns nämlich bemüht, den Ausführungen der „Reichspost" in den statistischen Büchern uachzugehen und haben herausgesunden, daß die genannten Banken gar nicht so jüdisch sind, als die „Reichsvost" glauben machen will. Ter Berwältungsrat in dieser: Barrien besteht aus acht bis zehn Leuten, von derren die iverrigsten Juden sirrd. Wir wollen von beit zahllosen judenreinen Banken gar nicht sprechen, .wie von der Baukreditbank Geßmanns, den Banken der Sparkassen, Länder u'w. Wir haben nur beiden in der „Reichspost" angeführten Banken rrachgesehen und gefunden, daß irr den Verwaltungs räten dieser Institute reihemveise die bewährtesten Ciesinnnngsgenosferr der Christlichsozialen sitzen, urrd daß das altbewährte „l^eld stinkt nicht" gerade die Vertreter des antisemitischen Adels mit nur ganz wenigen Juden im Berwaltuugsrate der Banken vereinigt. Nachstehend geberr wir eine mehr als flüchtige Liste solcher adeliger Persönlichkeiten, welche noch sehr lang fortgesetzt werden kann. Wir brauchen aber die „Reichsvost" nicht weiter zu belehren. Dieses Blatt weiß ganz gut, daß im Ber waltungsrate fast jeder großen Jndustrieunteruehmung Vertreter des Adels sitzen, daß diese sich irr der bieto- Wirtschaft famos allsten neu. daß sie ihre Betriebe vorzüglich sinnrrziell ausnützen und daß sie ebensogut wie die Vertreter der geistlichen Ciüter den Degen des Kriegs gewinnes nicht nur als Agrarier, sondern zugleich auch irr den Banken ausüben. Da nun die „Reichsvost" dieses für sie so böse Kapitel begonnen hat, geben wir ihr nach stehend die kleine Liste aus einigen Wiener Banken, in welchen sich als Verwaltungsräte befinden: B o d e n - C r e d i t - A n st a l t: Emil Freiherr von Chertek, Dr. Leopold Prinz von Croy-Dülmen. Dokior Arthur E'raf Enzenberg, Comte Adrien de Germiny. Dr. Basilio Freiherr Giameliä, Baron Rodolvhe de Holingner, Dr. Heinrich Ritter Miller zu Aichholz, Hugo von Noot, Franz Freiherr vorr Ringhofser, Alois Fürst, von Schönbnrg-Hartenstein, Pauk Ritter von Dchoeller. OesterreichifcheCentral-Boden-Credit- Bank: Johann biraf Stadnicki (Präsident), Dr. Eugen Ritter von Boschan, Cugen C'ras Braida, Franz bi ras Hardegg, Stanislaus von Kozmian, L. A. Lohnstein, brraf Ciedeon Rüday, Dr. Julius Ritter von bieivronski «Direktor». Ceften. C r e d i t - I u sti t u t s ü r V e rieh r s nute r n e h m ungeit u u d öffentliche A r b e i t e n: Cpz. Josef Freiherr vorr Dchwegel lPräsident), Theodor C. von Hankenberg, Dttokar Freiherr von Buschmann, Wilhelm Eraf Wolkenstein-Trostburg. W i e h e r Baukredit - Bank: Heinrich Sagt, Karl Fiedler, Albert (Keßmann. Josef Habicher, Hugo Kuntz. A n g l o - £ e st e r r e i ch i s ch e B a n k: Eeza biraf Andrassy, Hugo Freiherr bilanz von Eicha. Ernst Frei Herr von Herring, Casimir Freiherr von Pfaffenhofen. W i e n e r B a n k - V e r e i n: Adolf Ritter von Dchenk, Hans E. v. Czjizek, Dr. Heinrich Freiherr von Haerdtl, Philipp Ernst Fürst zu Hohenlohe Schillings sürst, Dtanislaus Crraf Hoyos, Dr. Haus Ci ras Larisch, Alfred Freiherr von Liebig, E'ustav E. v. Dchlumberger. D e st e r r. Credit- A n st a l t f ü r H a n d e l und C'erverbe: ttzraf Anton Cziraiy, biraf Franz Haroegg, Dr. Karl Craf Khuen-Belasi, Arthur Krupp. Alex. Mb rep von Kaposmöre. A l l g e nr eine D e v o f i t e u - B aut: Franz Ritter Regenhart von Zapory. R i e d e r ö st e r r. E s e o m p t e - bi e f e l l i ch a f i: Josef Freiherr von Dchwegel, Dr. Johann biras Meran. D e st e r r. L ä n d e r b a n k: Map (^‘ras Monteeuceoii Laderchi, Map Freiherr von Ladarassp Beck. Clemens Prinz Croy-Dülmen, Anton Eugen Dreher, Epz. Erich b'raf Kielmansegg, Baron Hely d' Difsel. L. A. Lohnstein. Johann Traf Dtadnicki, Ladislaus ltzras Dzatary, Alep. P r i n z Dh urn T a p i s. Roch einmal fei betont, daß die vorstehend.' Lifte ge radezu winzig ist, daß rvir der „Reichsvost" noch mit sehr vielen Leuten aufwarten können, welche sich gewiß unter ihren Abonnenten befinden und den Agrarier mit dem Finanzmann glücklich vereinen. Mit dieser Art De magogie ivird die „Reichsvost" schwerlich i^lück haben, und meint sie mit den Artikeln über die Banken nicht bald aufhört, iverden ihr wohl ihre eigenen adeligen Abonnenten bald etivas ins Stammbuch schreiben. /rriegsdekoralionen jüdischer Offiziere und Soldaten. Deine Majestät der Kaiser hat verliehen: das Ritterkreuz des Franz I o s e f - £ c - d e n s mit der Kriegsdekoration in Anerkennung vor züglicher und aufopferungsvoller Dienstleistung vor dem Feinde dem Regimentsarzt Dr. Alepauder Klein, I. R.: das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration in Anerkennung tapferen Verhallens vor dem Feinde dem Oberleutnant Mapimili.rn B a r dach Edlen von C h l u m b e r g, Huf.-Reg.: dem Leut nant d. R. Dtephan Adler, I. R.: dem Dberleutnaut Josef Pollak, ung. Ldwreg.: dem Ldft. Oberleutnant Armin Blau, ung. Ldwreg.: das silb. Signum lau dis am Bande des Militärverdienstkreuzes (neuerliche kaiserliche belobende Anerkennung) für tapferes Verhalten vor dem Feinde dem Oberleutnant d. R. Erwin Strauß '.zum zweitenmal-'»: dem Hauvtmann Emil Frank, I. R.: dem Leutnant d. R. Adalbert Deutsch, J.-R.: dem Oberleutnant d. R. Arvad Fischer, Feldhaub. Reg.: sür tapferes und auf ovferungsvolles Verhalten vor dem Feinde dem Dberarzt d. R. Hugo Politzer, Huf.-Reg.: für vorzügliche Dienst leistung vor denr Feinde den Oberleutnants d. R. Rudolf Jeder treue Jude zeichnet die<"fünfte Kriegsanleihe.