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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-12-01 · 47 (1.12.1916) · page 1

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
47 (1.12.1916)
Date
1916-12-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Nr. 47 Dr. Bloch’s Jahrgang XXXIII l Zentralorgan für die gesamten Interessen des Judentums. O Cr- - q p A. K. Poftlxsrkrsssenamt Clearing -VerKebr Mr. S10.97S. Redaktion und Administration: Wir» II/i, Praterstraße 9. j Xelephon 45.359. nP ■ — O n Wien. 1. Dczcmdcr!9>6 Brscbeint jeöen Freitag. Bries-Adcesse: Wie«, H/i, Praterstraße 9. Telegramm-Adresse: Bloches Wochenschrift, Wie«. Oü-. ■ =00 p Vrrussprri» für Vefterrrlrh: Halbjährig 3 Kronen. Einzelexemplare 50 Heller. Für dss Ausland: Halbjährig 10 Kronen. Ganzjährig 20 Kronen. O O0b tene Petitze.le 48 Heller. =DO Inhalt: L eitarti kel: Kaiser Franz Josef I. Der „Reichspost" ins Stammbuch. Kriegsdekmarionen jüdischer Lssizicre und Soldaun. — Weitere Auszeichnungen. — Neuerliche Auszeichnung. — Beide Söhne ausgezeichnet. — Ausze.chnungen im Krirgsv.-rkehr. — Novemter-- Beförderung. - Auf dem F lde der Ehre. - Lord A.oktsch ld in London — Rassen und Traditio:!. — Zubereitung von Speisen am Freitag Nachmittag und am Vorabend der j d scheu Fe.rrtage - Kor re* spond enzen: Tranerseierüchkeilen für weiland des Kaisers und Königs Franz Jrses 1. — Gründungsrersanin Uug des J'rarii iscten Frauenvereines für den 2. und 3. Bezirk. Wien. — Flüchtlings-Komitee des Vereines .Tomech En jvnim' -- Gegen Kriegswucher, und Preistreiberei. - Einweihung des jnd. Heldenfriedhofes in Lemberg. - Bernischtes — Feuilleton: Warschauer Gl.ettobilder. — Briefkasten. — Inserate. Fra»; Josef I. (Aus der Sammelmappe eines jüdischen Historikers.) Welche Macht Kaiser Franz Josef über die Herzen aller ausgeübt hat und wie huldvoll er sich des Geringe sten seiner Untertanen annahm, weiß jeder, der ihn einmal inmitten der jubelnden Volksmenge erscheinen sah. Niemand aber vermag die Fülle der Verehrung und Liebe zu ermessen, welche der edle Kaiser bei dem Volke der Juden auf dem weiten Erdenrund genossen. Gerade bei den Ostjuden war seine erhabene Lichtgestalt Gegenstand förmlicher Anbetung. Im Ghetto des russischen Reiches oder in der Ostseite von Newyork oder im Osten von London wurde der Name Franz Josef wie der eines Heiligen genannt. Und der verblichene Kaiser wußte von dieser Verehrung, die er innerhalb des jüdischen Volkes genießt. Er war ein treuer Sohn der katholischen Kirche, er hatte aber hohes Verständnis für das Leid des jüdischen Volkes und einige seiner Aeußerungen mögen hier als historische Dokumente für die spätesten Nachkommen feftgehalten werden. Im September 1885, bei den Manövern in Slavonien, hat Kaiser Franz Josef I. in Pozega an die versammelten mohammedanischen, orthodoxen, katholischen und jüdischen Geistlichen aus Bosnien eine Ansprache gerichtet; in der sagte Seine Majestät wörtlich: „Insbesondere ist es Mein Wille, daß jede Konfession ihren Glauben frei ausüben könne und in den ihr zn.stehenden Rechten von keiner Seite behindert werde. Seien Sie überzeugt, daß Ich alle Konfessionen in der Ausübung ihrer Reti- - gion stets gleichmäßig schützen und unterstützen werde." Oberrabbiner Leo Finci, der als geistliches Oberhaupt der Juden in der betreffenden Deputation erschienen war, wurde von Sr. Majestät besonders huldvoll ausgezeichnet. Als der Statthalter Zaleski bei Sr. Majestät in Audienz war, kam die Rede auch aus die Verfügung der russischen Regierung, wonach kein Jude, se.bst in Geschästsangelegenheiten, nach Rußland gehen dürfe, bevor hiezu vom russischen Ministerium des Innern direkt eine Bewilligung eingeholt wurde! Herr v. Zaleski wies darauf hin, wie sehr diese Verfügung den Handel Galiziens empfindlich schädigt! Se. Majestät erwioerte hierauf: „Ich bin von all diesen Verhältnissen genau unterrichtet und habe denn auch Meinem Minister des Aeußern Grafen Kalnoky bereits die Weisung erteilt, auf diplomatischem Wege dahin zu wirken, daß diese gegen die fremden Juden gerichtete Verfügung, welche jedoch Handel und Verkehr im allgemeinen schädigt, beseitigt werde. Leider kann man hiebei keine Gewaltmaßregeln in Anwendung bringen! Würde die russische Verfügung dahin lauten, daß allen fremden Untertanen der Eintritt nach Rußland erschwert werde, so könnten auch Wir unsererseits dasselbe gegen die russischen Untertanen verfügen. Nachdem jedoch die russische Verfügung bloß gegen die fremden Juden gerichtet ist, wär es doch das größte Unrecht, wollten Wir unsererseits wieder die russischen Juden mißhandeln. Das würde heißen: „Schlägst du meinen Juden, so schlag ich deinen Juden!" Rußland würde das ja gerne sehen; doch Ich werde ihm dieses Vergnügen nimmer machen." Im Frühjahr 1886 hat der italienische Maler Gelli ein Porträt des Kaisers Franz Josef gemalt, zu welchem ihm der Monarch wiederholt gesessen ist. Während der Maler arbeitete, konversierte der Kaiser mit ihm sehr unbefangen über alle möglichen Themata. Einmal brachte Letzterer die Rede auf den Antisemitismus und bemerkte, in Italien sei diese Erscheinung e^was ganz Unbekanntes. „So ist's auch recht." meinte Kaiser Franz Josef, „ich schäme mich, daß der Antisemitismus nach Oe st erreich gedrungen ist." Es war am 26. .Juni 1885, als in Bruck a. d. Leitha Jeder treue Jude zeichnet die fünfte Kriegsanleihe.

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