Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 46 (24.11.1916)
- Date
- 1916-11-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr: 46 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 767 brauch ihrer Muttersprache und man verbietet ihnen, in den mit jüdischem Gelde erhal.enen Privatschulen deutsch zu unterrichten. Es werden unter ihnen förmliche Jagden auf Spione veranstaltet, selbst ihre religiösen Fasttage wie Gebräuche und Religionsgesetze.werden nicht respertiert, und das Beängstigende ist: gewissenlose Agitatoren beschuldigen mit stillschweigender Zustimmung der Regierung — vielleicht sogar von ihr hierzu angeeifert — die Juden, die Niederlagen der rumänischen Armee verursacht zu haben. Tort, wo die russischen Truppen -auftreten, kommen diese Verdächtigungen und Verfolgungen in vielfach stärkerem Maße zur Geltung. Die Russen haben nach Rumänien Antisemitismus importiert, wo doch diese Ware ohnehin schon einen Massenartikel gebildet hatte. ... Interessant ist die Beobachtung, daß ein sehr großer Perzentsatz der rumänischen Juden nicht nur beit Jargon spricht wie die galizischen, sie sprechen a u ch eiu reines Deutsch, was sich dadurch erklärt, daß die meisten von ihnen viel in Oesterreich, Ungarn und Deutschland gereist sind. Man begegnet unter ihnen überraschend intelligente Menschen mit klarem Urteil. Der Jude aus Jassy hat mir ein so genaues, zutreffendes und alle Motive hervorkehrendes Bild der Bu-.arester Kriegs Politik gegeben, hat mit so gründlicher Kenntnis der Menschen, Dinge und Verhältnisse gesprochen, daß es jedem Publizisten zur Ehre gereicht hätte. Sie lesen deutsche Zeitungen, deutsche Bücher, und es schmerzte sie nicht wenig, daß die Regierung Bratianu auch die Verbreitung deutscher Bücher und Zeitungen verboten hat. Draußen in den Schützengräben bluten, kämpfe r, lei den Tausende rumänischer Juden für Rumänien, daheim in ihrem Vaterlande aber konfisziert ihnen eine zu allen: entschlossene Desperado-Regierung ihre letzten Meuscheurechte und peitscht gegen sie den Haß der Massen auf, um auf solche Weise die Unzufriedenheit äbzulenren, die sonst sie zerschmettern, von der Bildfläche fortfegen würde. Das rumänische Heer erleidet eine Niederlage, die Politik Bratianus ist zusammengebrochen. Die Folge: Ueber Rumänien schwebt drohend die Gewitterwolke der Pogroms. Ludwig Nt a g y a r. Der „Verband der rumänischen Anden" und die „Liga der Juden aus Rumänien" berieten in Newyork über die Lage der Juden Rumäniens. Es wurde beschlossen, ein Emigrationsbureau zu schassen, um die Auswanderung der rumänischen Juden nach Amerika zu fördern und zu regeln. Korrespondenzen. Jüdische Kundgebungen anläßlich der Proklamation ^Polens. Das Manifest der Zentralmächte, betreffend die Selbständigsprechung des okkupierten Königreiches Polen, hat auch eine Reihe von Sympathiekundgebungen innerhalb der jüdischen Gemeinden Galiziens ausgelöst. Tie Vorstände der großen Gemeinden versammelten sich zu Festsitzungen und beschlossen entsprechende .Kundgebungen, die meist im telegraphischen Wege an die in Betracht kommenden Stellen geleitet wurden. In Lemberg und in Krakau fanden feierliche Gottesdienste statt, wobei die Rabbiner Dr. Guttmann und Dr. Thon warmempfundene Festreden hielten. Dem Gottesdienste imLem berger Tempel wohnte eine sehr illustre Gesellschaft bei, so der Rektor der Universität Dr. Twardowski, der Regierungskommissär der Stadt Lemberg Bezirkshauptmann G r a b o iv s k i, der deutsche Generalkonsul Oberstleutnant Barta und Zivilkommissär Hofrat Fedoro vicz in Vertretung des II. Armeekommnndos, der Rektor des Polytechnikums Obminsti mit mehreren Professoren, die Vertreter des polnischen Rarioualkomitees und der polttifchen Franeuliga, eine Abordnung der polnischen Legionen, der Vorsitzende der Kultusgemeinde Tr. Parn.as mit den Mitgliedern des Beirates rnkb viele andere. Tie erweiterte Autonomie Galiziens und die Zionisten. Am 14. und 15. November fanden unter dem Vorsitze der Herren I t Reichsratsrevisor Rudolf Tau ß i g und Prä;identen Adolf Stand Sitzungen des erweiterten Exetutivtoulitees statc, die and) aus Galizien und der Bukowina beschick! wo reell waren. Nach eingehenden Referaten des Herrn Präsidenten Stand und des Mit gliedes des E. A.-E. Tr. Arthur H a n t i c und einer lebhaften Tisnrstion, an der sich die Herren Rabbiner Doktor Osias Thorr, Tr. Salomon k a ß n e r, Tr. Georg Halvern, Tr. Hermann k adi; ch. Oberingenieur Tot tor S t r i ck e r, Moses Wald nt h n u, R.-A. Tottor Benno S t c a ll ch e r, Proiefior Ratz beteiligter!, wurde uachfiehende Resolution zum Beschluß erhoben: „Das Erekutivtomi.ee der Zionisten Oesterreichs 'wird beauftrag!, alle uotrvendigeu Schritte dahin zu t'.nieruehnrerr, daß bei der Neugestaltung der Verhältnisse in Galiziert die Rechte der Juden als einer gesonderten nationalen Gruvpe in vollem Maße be rüclsichtigt rverderr. In erster Linie ist die Errichtung einer nätionaleu .Kurie ^nationalen Katasters) zu fordern." Ferner wurden dem E. A.-E., insbesondere Herrn Dr. Hantle, Taut und Vertrauen für die bisherige Führung aus ged rückt. Große Stiftung für die Aktion zur Rettung verlassener Kinder Galiziens, Wien, 9. Bez.. Universitätsstratze 4. Für das außerordentliche Interesse, welches sich den segensreichen Zielen des B e r e i n e s z n r Rettung verlasscne r jüd ische r K inde r G aliziens und der Bukowina in Wien, 0. Bezirk, Universitätsstraße 4. in so gerechtfertigter Weise zurvendet, spricht eine große Widmung, über welche uns von der Bereinsleitnng die folgende Mitteilung zugeht: In der Vorstandssitzung des Vereines zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina in Wien, 0. Bezirk, Universitätsstraße 4, vom 8. d. M. erschien der Lemberaer Giroßiudustrieile Herr Kommerzialrat Moritz Hennanu Reich, derzeit in Wien, und übergab den Mitgliedern des Präsidiums, UniversitätsProfessor Tr. S. E h r m a u u, Frau Lisette 5' e l b e r und Tr. Edmund K o h u, t!)i>.Ui4) Kr. irr 4 prozenliger österreichischer Staatsrente mit der Widmungdaß aus diesem Betrage und eiuem weiseren Betrage vorr 100.800 Kr. irr 4prozeuliger österreichischer Rente, rvelcye Herr Kommerzialrat/Re i ch außerdem beim Präsidium der israelitischeu Kultusgeureiude in Lemberg erlegte, das ist also mit einem Stistnugskapital von zusammen 200.000 Kr. in österreichischer Rente, ans deu Namen des Stifters Moritz Hermann Reich und seiner Gattin Frau Toni Reich ein Kriegswaisenhans für jüdische Kriegswaisen aus 0'alizien, wenn ruögiich in Lemberg, errichtet werde. Bis zur Errichtung dieses Kriegswaisenheims fallen die Zinsen des Kapitals von 200.000 Kr. dein genannten Vereine zu. Mit der Durchführung wurde vom Stifter Hof- und Gcrichtsadootat Tr. Ludrvig Gelber, Wien, betraut.