Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 46 (24.11.1916)
- Date
- 1916-11-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Jeder treue Jude zeichnet die fünfte Kriegsanleihe. Seite 766 Lr. Bloch's Wochenschrift Nr. 46 mando im Wege der jüdischen Gemeinde vier Thorarollen beschaffte, für die Mannschaft und die Offiziere je ein gesondertes Betlokal einrichtete, in denen an jedem Samstag, Feiertag, aber sehr oft auch an Wochentagen stark besuchte Gottesdienste abgehalten werden. Das Ehrenamt eines „Gabe" versieht Hauptmann Radnai, ein älterer, aktiver Offizier, dem als Kantoren Arlillerieoberleutnant Grünhut (im Zivil Ingenieur in Budapest) und ein Oberarzt ans dem Preßburger Komitate zur Seite stehen. Aus den einlaufenden Spenden wird die ärmere Mannschaft mit monatlichen Beträgen von 2—3 Rubel unterstützt. Am Pessach wurde ihnen vonr Lagerlommando eine eigene Küche zur Verfügung gestellt und ließ ihnen anstatt Brot für die acht Tage zwölf Pfund Mazzos pro Kopf zukommen. Auch das rituell geschlachtete Fleisch wurde ihnen m nauu-a zur Verfügung gestellt, so daß sie das Pessachfest ganz vorschriftsmäßig feierten und alle sich ergriffen am Lederabende versammelten. Die jüdische Gemeinde und auch Private sandten ihnen Gebetbücher, Machsorim, Tefillin, Talessim und andere Gaben. Neben Gold st ein liegt ein gewisser Herskovic s. ' An der Stelle des linken Beines ist die Hose aufgefaltet, eine Granate hat noch bei Luck sein Bein weggeci sen. Er lag während der ganzen Zeit seiner Gefangenschaft im Spital. Sichtlich erfreut, nimmt er das lange entbehrte Gebetbuch entgegen und auf meine Frage, ob er schon darüber nachgedacht habe, welchen Beruf er ergreifen werde — er war Landwirt und wird mit einem Bein kann; inehr seiner alten Beschäftiguna u ach gehen können —, antwortete er: „Nein, ich bin.froh, daß ich 'wenigstens wieder daheim bin!" Wir müssen hier feststellen, daß die in unseren Gefangenenlagern befindlichen russisch-jüdischen Gesangenen von jeder Seite, ohne Unterschied der Konfession, der gleichen menschenfreundlichen, liberalen Behandlung teilhaftig werden. ArrmänilVe Juden an der Krönt. (Vom Kriegsberichterstatter des „Egyenlöseg".) Vom Kriegspressequarlier genehmigt! Standort, beit 9. November. K. u. k. I. Armeekommando. Hauptquartier der Armee A r z, Anfang November. Ich möchte von der siebenbürgischen Grenze darüber berichten, was ich von rumänischen Soldaten, rumänischen Juden, die unter den Fahnen König Ferdinands kämpfen, gehört habe. Die rumänischen Juden sind die Parias von Europa und Rumänien schickt jetzt seine am meisten entrechteten Bürger in die erste Kampflinie hinaus, damit ^sie für die rumänischen Träume kämpfen und ' bluten. Ich habe heute ungefähr hundert Gefangene gesehen, mit ihnen gesprochen, unter ihnen waren siebe n u n d z w a n z i g Juden. Einer von ihnen sprach von der Katastrophe des 27. rumänischen Infanterieregiments. Die achte Kompagnie — erzählte er — wurde in einer einzigen Stunde vernichtet. Achtundzwanzig Juden kämpften in der Kompagnie. Kein einziger von ihnen ist lebend zurückgekehrt. . . . Der rumänische Jude kämpft, blutet, stirbt für die rumänischen Träume, während zu Hause die Regierung die bisherigen Rechtsraube durch neue überbietet. Zu Hause hat man ihre Söhne in staatlichen Schulen überhaupt nicht' oder nur in beschränkter Zahl aufnehmen wollen, so haben sie denn aus eigenen Mitteln Schulen erhalten, in welchen sie ihre Kinder auch in deutscher Sprache unterrichten ließen. Im Innern des Landes drückt sie .die vielfältige Polizeigewalt der Regierung. Sie sucht nach einem Sündenbock, auf den fiedieVerantWortung für die Niederlagen schiebt. und man hat der Bevölkerung Glauben machen wollen, daß die Hauptursache der Katastrophen darin liege, daß die rumänischen Pläne und Absichten den Deutschen, Ungarn und Bulgaren verraten wurden. Der Verräter, der Spion kann natürlich nur der Jude sein. Und es prasselten Hausdurchsuchungen, kriegsgerichtliche Urteile auf die angeblichen Spione. Niemals gab es sooiele Verfolgungen in Rumänien wie jetzt während weniger Wochen, sagte mir seufzend Simon Goldner, Zugssührer des 27. Regiments. Und alle richten sich gegen uns Juden. Wir sind das gehetzte Wild. . . . Vor dem Kriege behandelte man die Juden da und dort etwas milder. Denjenigen, welche an dem Kriege im Jahre 1877 teilgenommen hatten - es waren ihrer nicht viele —, wurde das Bürgerrecht verliehen. In den letzten Monaten verliehen die Kammer und der Senat einigen wohlhabenden Juden gleichfalls das Bürgerrecht. Aber sie dunsten nicht politisiere,n, und die Juden Rumäniens haben sich auch damit stbgefunden, daß sie auf den Gang und die Lenkung, des Geschickes des Landes keinen Einfluß üben sollen. Sie betonten sogar des öfteren, daß es so besser sei, denn die Teilnahme der Juden an der Politik würde den Haß der Massen nur steigern. Sie begnügten sich mit ihrer Rolle im wirtschaftlichen Leben und daß hauptsächlich der Außenhandel sich in ihren Händen konzentrierte. Allerdings empfinden sie jetzt doppelt die Nachteile dieses Zustandes, denn in erster Reihe werden diejenigen der Spionage verdächtigt, die zur Monarchie und zu Deutschland wirtschaftliche Beziehungen unterhielten. Die meisten Exporteure wurden denn auch verhaftet, es ist allerdings unbegreiflich, welche Logik hierbei maßgebend war. . . . Der Ausbruch des Krieges und die leidenschaftlichen politischen Kämpfe, welche in Bukarest über die einzuschlagende außenpolitische Richtung gefaßt wurden, konnten auch die rumänische Judenschaft nicht gleichgiltig lassen. Solange König Earol lebte, war ihr Wunsch, daß Rumänien g egen Ruß l and izu beit Waffen greife. Da sie jedoch nach der Thronbesteigung König Ferdinands einsahen, daß es unmöglich sei, diese Politik zur Geltung zu bringen, nahmen sie für die strenge Neutralität Stellung. Schaudernd dachten sie an' die Eventualität, daß Rumänien sich an die Seite Rußlands stelle, denn sie wußten, daß dies mit der Erstarkung des Antisemitismus gleichbedeutend wäre. Dieser Fall, den sie so sehr fürchteten, ist nun eingetreten und mit ihm auch die Verfolgung der Juden. Der^ jüdische Bürger wurde zum Paria des Landes, der jüdische Soldat zum Märtyrer in der Armee. Die rumänischen jüdischen Soldaten erlebten ihre hohen Feiertage, Rosch-haschonoh und Jom-Kippur, bereits auf dein Sch'lachtfeldc.. R. S. erzählte mir, sie baten ihre Offiziere um die Erlaubnis^ den Jom-Kippur in einstündigem Gottesdienste zu feiern, wie es ihnen ihre Religion gebietet. Die Offiziere lachten sie aus und jagten die Bittsteller mit rohen Schimpfworten davon. Sie wurden am Jom-Kippur auf die Wachposten auf den Poiana Uzului kommandiert. Jsak S. und Moses M. erzählten, daß die Offiziere sie strenger und roher behandelten als die übrigen und wollten selbst mit den Einjährig-Freiwilligen nicht verkehren, wenn sie erfuhren, daß der Betreffende Jude ist. Die rumänischen Juden haben ihre Pflicht gegen ihr Vaterland treu erfüllt. Auf dem Schlachtfelde waren sie „gute Rumänen", was die Bukarester gesetzgebenden Körperschaften niemals anerkennen wollten. Und trotzdem werden sie wie Patrioten zweiten Ranges behandelt. Die Führer werden verhaftet, Polizisten dringen in ihre Wohnungen ein, man verbietet ihnen den Ge-