Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 45 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 45 Tr. Bloch's ^-urfirniöjrift Seite 759 Und der Priester kommt und beschaut, und sieche, der Ausschlag hat um sich gegriffen im Hause, so ist ein fressender Aussatz rm Hause, unrem ist es. Und man weiße das Haus ein, seine Steine, Holz und alle Erde des Hauses, und schaffe sie hinaus vor die Stadt an einen unreinen Ort. Und wer in das Haus gehet, so lange man es verschlossen, soll unrein sein bis zum Abend. Und wer in dem Hause schläft, wasche seine Kleider, und wer im Hause ißt, wasche seine Kleider. Wenn aber der Priester kommt und beschaut, und siehe, der Ausschlag griff nicht um sich im Hause, nachdem man das Haus beworfen, so erkläre der Priester das Haus für rein, denn geheilt ist der Ausschlag." Von allen Kommentatoren zu diesen polizeilich-hygienischen Vorschriften über die Quarantaine, verdient nur der berühmte Kommentator und Religionsphilosoph I b n L s r a hervorgehoben zu werden, der gleich am Anfang des 13. Kapitels, S. 2, die strengen Vorsichtsmaßregeln hervorhebt und erörtert, welche die heilige Schrift bei epidemischen Krankheiten angeordnet hat, und zwar: „Es, steht geschrieben: „Mann", ..Mensch", nicht aber „Israelit" und nicht „einer vom Hause Israel", das gibt zu deuten, daß die Juden und die Fremdlinge, alle insgesamt, diesen strengen hygienischen Vorschriften, bei einer epidemischen Krankheit unterworfen sind, daß einer den zweiten nicht anstecke, daß einer auf den anderen die achteckige Krankheit nicht übertrage." Endlich führt dieser große und berühmte Ibn E s r a aus: „Der angesteckte Mensch muß gleich zum Priester kommen, um sich untersuchen, zu lassen, wenn er aber zur medizinischen Unter-, suchung nicht kommen will, wird er dazu gezwungen, wenn der Priester nur in ihm irgendein Zeichen, irgendein Symptom einer infektiösen Krankheit findet oder feststellt." Endlich muß noch auf ein berühmtes Kommentar bezüglich der hygienischen Vorsichtsmaßregeln aufmerksam gemacht werden, und zwar auf die Pentateuch-Ausgabe, die bekannt ist unter dem Namen In dieser Pentateuch-Ausgabe befindet sich dieses berühmte Kommentar von Epstein, der zu derselben Stelle, d. i. Kapitel 13, S. 2, folgendes ausführt: „Einer mit infektiös behafteter Krankheit muß deshalb außer-, halb des Lagers abgeschlossen sein, um den Schmutz, den üblen Geruch und die ungesunde Luft vom übrigen Volke zu entfernen." (Siehe: „Die Ethik des Judentums" von Prof. Dr. M. L a - zarus, 2, Band, 13. Kapitel, ß 486, Seite 322, „Hygienische Vorschriften und Quarantaine". Ferner siehe auch: „Geschichte der Mosaischen Institutionen" von I. S alva dar. deutsch., von. , Dr. Ejsena, 3. Band. Kapitel 3, „Maßregeln gegen ansteckende Krankheiten".) Und so enden wir mit den Worten aus dem zweiten zitierten und berühmten Werke: „Und die Durchführung dieser Regeln schien den Aerzten der neuesten Zeiten so verständig, daß sie sich genötigt sehen, äuszusprechen: „Die Einzelheiten, in welche Moses einzugehen für notwendig erachtete, würden noch heutzutage dem Scharfsinne eines geschickten Arztes Ehre machen". Krteratur. „Moriah", Monatsschrift der jüdischen Jugend in Polen, beginnt soeben nach einer infolge der Kriegsereignisse eingetretenen Unterbrechung wieder — vorderhand in Wien — zu erscheinen. Das Novemberheft, mit dem diese überaus nützliche und aufs trefflichste eingeführte Zeitschrift ihren 12. Jahrgang eröffnet, bietet sowohl in bezug aus die Gediegenheit und Reichhaltigkeit der Aussätze, wie auch in bezug aus die Verfasser — lauter bekannte und bewährte Persönlichkeiten — das Bestmöglichste, was man von einer derartigen Publikation erwarten kann. Nach der Einführung des Redakteurs der „Moriah", Dr. Wilhelm Berkel Hammer, die eine sehr eindringliche Uebersicht gibt über den Ernst der gegenwärtigen Ereignisse für das Judentum und die jüdische Jugend insbesondere, folgt eine Reihe von ernsten, sachlichen Aufsätzen von Martin B u b e r, Z. F. F i n k e l st e i n. Adolf Stand, Dr. Ignatz Schipper (der das Problem der littauisch-polnischen Juden behandelt, das jetzt äußerst aktuell erscheint) und anderen. Die Liste der Mitarbeiter, die dem Dr. Berkel Hammer in seinem Unternehmen beizustehen versprachen, gibt volle Gewähr dafür, daß diese derzeit einzige polnisch-jüdische Zeitschrift ihrer hohen Ausklärungs- und Erziehungsarbeit gerecht werden wird. KrieMandfpenden. Im Verlage des Vereines „Jüdischer Nationalfond s " erschien eine Broschüre unter dem Titel D i e Kriegslandspende". Die Broschüre, ein schön ausgestattetes Heft, enthält Beiträge: Die Kriegslandspende in Oesterreich von Dr. Efon Zweig. Wien; Bodenreform, Judentum und Friedensgedanke von Mar B r o d, Prag; Ueber die Aufgaben der Landspende von Jng.-Agr. I. Oettinger. Jaffa; Zionistische Arbeit in Palästina von Adolf Böhm, Wien; Die Kriegsland spende in Ungarn von Dr. Simon Lajos. Ungarn; Statistische Ausweise; Anhang. Die Beiträge befassen sich mit der Frage der Kolonisation Palästinas durch Juden und den Gründen ihrer Notwendigkeit. Der Artikel des Jng.-Agr. I. Oettinger oespricht die praktischen Möglichkeiten dieser Kolonisation aus Grund der Erfahrungen in Palästina und anderwärts. Die Broschüre wird Interessenten vom Vereine „Jüdischer Nationalfonds" (Keren Kajemeth Lejisrael), Wien. 2. Bez., Zirkusgasse 33. auf Verlangen unentgeltlich zugeschickt. _ Hickk's Wiener jüdische Vol.skalender für das Jahr 5377 (1913-17). 14. Jahr. Jüdischer Buch- und Kunstverlag Mar H i ck!. Brünn. Herausgeber Redakteur Mar H i a l, W^en, 3. Bez., Lerchengasse 6 a. Dieser bekannte Kalender, seit Jabren in jüdischen Kreisen verbreitet, bringt in seiner Neuerscheinung wieder eine Fülle des Schönen und Interessanten und ijt. neben dem pralchchen Kalendarium. das mit neuen bistorischen Tabellen von Rabbiner Dr. I. Günzig versehen ist. eine anregende und wertvolle Lektüre. Im Aufsatz „Das Judentum nach dem Weltkriege" behandelt Bernard Tag die brennende Zukunftsfrage, dre jetzt bei den Umwälzungen, die sich vollzogen haben, gewiß alle jüdischen Herzen bewegt. „Krieg, Kultur, Sabbat" vom atad. Maler David Kohn ist eine geistreiche, kleine Studie, die, unter Reflexion auf die alte jüdische Kultur, interessante Streiflichter aus die heutigen Begebnisse wirft. Prof. Dr. Adolf Kuprein erscheint diesmal mit einem größeren Beitrag über Rabbi Jeyuda hachossid, dem gelehrten und frommen Ravbi aus Speyer, dem berühmten Verfasser des „Sefer chassidim", dessen Todestag sich Heuer zum siebenhundertsten Male jährt. Ein wertvoller Beitrag von Dr. Max Erunwald berichtet über die rühmenswerte Hilfsaktion für Palästina in einer dem Verfasser eigenen Information und klaren Weise und enthält gleichzeitig eine sehr wichtige Darstellung der dortigen Verhältnisse. David Wolfsohn, dem Erfüller des Herzlichen Willens, ist ein schön geschriebener Artikel Adolf Stands gewidmet. Eine Elegie von Matoine E r ü n w a l d feiert das Andenken des frühverstorbenen sohnes des Herausgebers. Theodor Hickl, in rührenden Worten. Mit der Fürsorge der Wiener Kultusgemeinde für die jüdischen Flüchtlinge besaßt sich ein interessanter Artikel von Dr. Heinrichs Schreiber; ferner gibt Frau Anitta Müller in einer übersichtlichen Dar-, stellung ein Bild ihrer Tätigkeit in den einzelnen Hilfsaktionen. Ueber die israel. Militärseelsorge in Wien berichtet Feldradbiner Dr. Arnold Frankfurter. Ein weiterer Artikel. „Die jüdische Frau und der Krieg" von C. Benedikt, ist eine Art Bilanz über die Früchte sozialer weiblicher Tätigkeit, deren bloße Ziffern mehr sprechen, als Ruhmesworte es vermögen. Den Reigen der literarischen Beiträge eröffnet Dr. D. Feuchtwang mit seinem schönen ..Judenschicksal", ihm folgt eine SkiM von Friedrich P o r g e s, „Sinkende Sonne", „Flüchtlinge" von Marek S ch e r l a g und eine Novelle 'von künstlerischer Feinheit, „Waisen" von Cecilie Kuhmerker. Line Ehrentafel für Gefallene beschließt diesen reichhaltigen und literarisch auserlesenen Kalender, der gewiß von der jüdischen Intelligenz mit Freude ausgenommen werden wird. __ M. S. Hermann Struck, der berühmte Berliner Meister der Radierkunst. hat als Landsturmmann in Litauen, Weißrußland und Kurland eine Reibe von Steinzeichnungen geschaffen. Dazu schreibt Herbert E u l e n b u r g einen Text, und das Ganze wird, in der Druckerei des Oberbefehlshabers Ost gedruckt, dem General Ludendorff gewidmet, in Kürze erscheinen. In der theologischen Fakultät der Universität Marburg habilitierte sich Liz. theol. Dr. phil. Walter Baumgartner. Lektor der hebräischen Sprache daselbst, mit einer Antrittsvorlesung über „Die Auffassungen des 19. Jahrhunderts vom israel. Prophetismus". A. von Euttry. „Galizien", Land und Leute. Perlag Georg M ü l l e r, München und Leipzig. Mitte lu, gen des „Jüdischen Nationalsonds" (Keren Kajemeth Lejisrael), Sammelstelle für Oesterreich. Wien, 2. Bez., Zirkusg. 33. Erez Israel (Sondernummer): Die Kriegslandspende. Herausgegeben im Aufträge der österreichischen Kommission des „Jüdischen Nationalfonds". Wien. 2. Bez., Zirkusg. 33. Mar Simon. „Der Weltkrieg und die Judenfrage".. Verlag B. E. Teubner, Leipzig und Berlin 1916. Ludwig Franz Meyer. Gedichte. Jüdischer Verlag. Berlin 1916. Oskar Kresse. Verdeutschung entbehrlicher Fremdwörter mit Anhang: Deutsche Vornamen und ihre Bedeutung. Neue, vollständig umgearbeitete und bedeutend vermehrte Auflage. 166. 190. Tausend. In farbigem Umschlag 60 Pf., bei 10 Stück 55 Pf., bei 100 Stück 50 Pf. Verlag von Bernhard T a u ch n i tz. Leipzig.