Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 45 (17.11.1916)
- Date
- 1916-11-17
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 758 Tr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 45 ziehung der Nahrungsmittel nur aus Furcht vor Rache des übermächtigen Unterdrückers geschah, betrachtete Israel dies Verhalten als ein Vergehen und Verbrechen gegen die bis nun heilig geltende Sitte, auch dem Gegner Nahrungsmittel zu geben. Daher wurden die zaghaften Einwohner mit den härtesten Strafen belegt. Mit Dornen der Wüste wurden die Missetäter gezüchtigt. So Heilig galt den Juden das Kriegsrecht, datz sie dasselbe auch ihren Schüler Mohammed lehrten. Anläßlich der Belagerung des jüdisch-arabischen Stammes Beni-Nadr ließ Mohammed die Dattelbäume der Festung abhauen. Bald empfand er aber Reue. Er sah sich genötigt, durch eine Offenbarung, worin Allah dem Propheten ausnahmsweise Konzessionen macht, sein Vorgehen zu entschuldigen. Wie erhaben hoch steht doch dieser Wüstenprophet einem Volke gegenüber, das immer die christliche Liebe im Munde führt und doch sich nicht scheut, ein stammverwandtes Volk von 70 Millionen dem Hunger preiszugeben. Wir sprachen bisher von Strafen, die über den Einzelnen sowie über Stämme des israelitischen Volles verhängt wurden, weil er oder weil sie dem Gegner die Nahrungsmittel entzogen haben. Welche Strafe sehen aber die biblischen Männer einem nichtisraelitischen Volke vor, das ein anderes Volk durch Aushungerung bezwingen will? Bei genauer Betrachtung lassen sich drei Unterschiede bezüglich der Stellung der Bibel bei solchen Völkern, die mit Aushungerungskriegen fremde Länder überziehen, feststellen: Aushungerungskriege, gesellschaftliche Absonderung und eine künftige göttliche Vergeltung. Line ähnliche Repressalie, wie es bei den um Palästina wohnenden Völkern der Fall war. hat Israel nur ein einziges Mal während seines zweimaligen Staatsleöens angewandt. Es war dies gegen Moab, das systematisch durch Aushungerungskriege Israel vernichten wollte. Als Gegenmaßregel hat Israel die Wasserquellen Moab's verschüttet und die Fruchtbäume seines Landes niedergehauen. B-evor die biblischen Männer zu dieser harten Vergeltungsmaßregel geschritten waren, war über Moab, das die Aushungerungskriege sehr oft anwandte, bereits eine andere Strafe verhängt worden. Die Bibel betrachtet nämlich ein jedes Volk, das einen' Aushungerungskrieg gegen ein anderes führt, als sittlich und moralisch verkommen. Aus diesem Grunde verbietet sie zu allen Zeiten, mit einem Volksgenossen davon eine Heirat einzugehen. Dem biblischen Gesetzgeber ist darum zu tun, Israel vor jeden schädlichen geistigen Einflüssen zu bewahren, die durch Annäherung an ein Volk, das andere stammverwandte Völker durch Hunger zu vernichten sucht, entstehen könnten. Moab und Ammon war zu Israel stammverwandt. Nichtdestoweniger trachteten sie danach, Israel durch Hungerkriege zu vernichten. Daher verbietet die Bibel für alle Zeit, einen Moabiter und Ammoniter in die israelitische Volksgemeinschaft aufzunehmen. Weder materielle noch sonstige Rücksichten hielten die Bibel vor einer derart harten Maßregel zurück. Dloab's und Ammon's Unmenschlichkeit sollen von Israel fern gehalten werden; das ist das einzige Bestreben der Bibel. „Ls komme nicht ein Ammoniter noch ein Moabiter in die Gemeinde Gottes und auch das zehnte Geschlecht konrme nicht in die Versammlung Gottes. ' Weil sie euch auf der Wanderung, da ihr aus Aegypten gezogen seid, nicht mit Brot und Wasser entgegengekommen sind." Und schließlich bemerken wir, daß die biblischen Propheten über einen jeden, der einen Aushungerungskrieg führt, für die Zukunft eine ähnliche Strafe erflehen und erhoffen. Wie bereits erwähnt, pflegte Moab die Nachbarvölker mit Hungerkriegen zu überziehen. Einst traf Moab^ dasselbe Geschick; ein fremdes Volk plünderte es aus und nahm ihm alle Lebensmittel weg. Diese Angelegenheit ^benutzte ein israelitischer Prophet, um Moab Mit eindringlichen Ermahnungen daraus hinzuweisen, daß es jetzt dasselbe Geschick erleide, womit es andere Völker zu vernichten drohte: den Aushungerungskrieg. Die Feinde haben Moab's Nährquellen, woraus er so stolz war, vernichtet. Und als einziges Abwehrmittel der Katastrophe empfiehlt der Prophet dem moabitischen Volke mehr Menschlichkeit gegen andere Völker sowie eine größere Schonung der Wehrlosen! („Berl. Börsen-Zeitung".) Dr. A. Neuwir 1 h, Mainz. Ir Huarantaine und die Heilige Schrift. Von Dr. Leo Bertifch, Rabbiner in Deutschbrod. Als vor einigen Wochen die hier für jüdische Flüchtlinge aus der Bukowina und Ostgalizien bestimmten ausgebauten und vollendeten Baracken ihre Tore öffneten und als die ersten Flüchtlingstransporte dieselben bezogen, wurde gleichvon der Barackenverwaltung eine dreiwöchentliche Quarantaine verhängt, da — infolge der großen Strapazen, die die Flüchtlinge einige Wochen auf ihrer unglücklichen Reise mit großen Entbehrungen mitmachten — leider einige Fälle von Typhus bei den Erwachsenen und mehrere Fälle von Scharlach bei Kindern vorkamen. Vom hygienisch-polizeilchen Standpunkte aus, hat diese Quarantaine, auch Reinigungssrist oder Gesundheitsprobe genannt, den. Zweck, die Prüfungszcir wegen Ansteckung der Krankheit abzuwarten und auszuhalten, um sodann die Verbreitung und -Verschleppung aller möglichen inf;! uösen Krankheiten zu verhüten. Inbezug auf diese Quarantaine, d. i. bezüglich der Absonderung der Flüchtlinge, die drei Wochen das Barackenlager nicht verlassen dürfe.i, finden wir eine und dieselbe Vorschrift und hygienische Verordnung in unserer heiligen Schrift, und zwar im 3. Buche Mosis, in welchem die Kapitel 13, 14 und 15 mit der modernen Quarantaine-Verordnung sich beschäftigen. I. So lesen wir im Kapitel 13, Satz 2, 3 und 4, von verschiedenen Ausschlägen und Aussätzen, und dieser 4. Satz endet mit den Worten: pjn fl« pm TJDm ..So verschließe der Priester den Behäfteten sieben Tage", ferner lesen wir S. 5: „Und der Priester beschaut ihn am 7. Tage und siehe....... so verschließe ihn der Priester sieben Tage zum zweitenmale". II. Die Verordnung der Barackenverwaltung, nach der manche Frauen ihre Haare und mehrere Männer ihre Bärte •— da sie auf der langen und weiten Reise verunreinigt worden sind — ab scheren mußten, stimmt gleichfalls mit der Vorschrift der heiligen Thora. So lesen wir im selben Kapitel, Satz 29, 30, 31, 32, 33 und 34: „Und so ein Mann oder Weib einen . ... ]p\Z wK": p: 2 Ausschlag hat, am Kopfe oder Barte..... so schere er sich" (der Grindige). III. Daß die Flüchtlinge gleich nach der Ankunft baden müssen und alle ihre Kleidungsstücke in Dampfkesseln unter großem und starkem Dampfdruck desinfektiert werden, finden wir gleichfalls im Kapitel 14. S- 8 und 9. welche Sätze fast ganz übereinstimmen. So lautet z. B. S. 8: |>m,i rpar bz n« nbx rai ntf -nacn.dmv "z-L' rrz^ )bnxb finiz zv'i hü,*- ‘tk an* -iniO t e: „Und der zu Reinigende wasche seine Kleider und schere all' sein Haar und bade im Wasser, so ist er rein; hernach darf er in das Lager kommen, aber er bleibe außerhalb seines Zeltes sieben Tage." Bei dieser Gelegenheit sei auch auf die bekannten polizeilichhygienischen Vorsichtsmaßregeln hingewiesen, die in jedem Raume, Orte und Hause getroffen werden, wo eine infektiöse Krankheit vorgesunden wurde, wie z. B. das Begießen dieses Ortes, Raumes oder Hauses mit antiseptischcn Mitteln, wie Karbol, Kalk rc., und die fast ganz mit den hygienischen Vorschriften unserer heiligen Schrift übereinstimmen, «o lesen wir im selben Kapitel 14, Satz 34—48, folgendes: ,,So ihr in das Land Kanaan kommt, welches ich euch zum Eigentum gebe, und ich verhänge einen Ausschlag des Aussatzes in ein Haus (gemeint auch: und ich verhänge einen Ausschlag des Aussatzes auf die Einwohner, auf die Leute des Hauses) des Landes eures Eigentums. So komme der, dessen Haus es ist, und berichte dem Priester und spreche: Ein Ausschlag zeigt sich mir im Hause. Da gebiete der Priester, daß sie das Haus räumen, bevor der Priester käme, den Ausschlag zu beschauen, damit nicht unrein werde Alles, was im Hause ist, und nachher komme der Priester das Haus zu beschauen. Und beschaut er den Ausschlag.... und verschließe das Haus sieben Tage. Am siebenten Tage komme der Priester wieder, wenn er nun beschaut und siehe, der Ausschlag hat um sich gegriffen.... So gebiete der Priester, daß sie die Steine ausbrechen an denen der Ausschlag (ist) und sie außerhalb der Stadt schütten, an einen unreinen Ort. Und das Haus lasse er inwendig abschaben ringsum und man schütte den Staub, den man abgeschabt, außerhalb der Stadt an einen unreinen Ort. . Dann sollen sie andere Steine nehmen und an die Stelle der Steine bringen und andere Erde nehme man und bewerfe das Haus. Wenn aber der Ausschlag wieder ausbucht im Hause, nachdem man die Steine ausgebrochen und nachdem man das Haus abgeschabt und wieder beworfen.