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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-17 · 45 (17.11.1916) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
45 (17.11.1916)
Date
1916-11-17
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Tr. Bloch's Wochenschrift tiefer Andacht. Das Ta sch lich -Gebet am Jsonzo, unter gewatngen Kanonendonner, bleibt mir und allen mitbetenden Kameraden unvergeßlich. Die li^ergreifenden Verse dieses Gebetes entlockten mrs allen reichlich Tränen." Und in der dritten, am Ausgange des Versöhnungstages geschriebenen Karte heißt es: „Also haben wir auch den heil L g st e n T a g des Jahres, ben Versöh n u u g sta g, wieder in unserem Dorfe von „Kol-Nidre" bis zum Ausgang des heiligen Tages in frommer Andacht verbracht und kehren sogleich in unsere Stellungen zurück. Der himmlische Vater hat gewiß unsere Gebete und unser inbrünstiges Flehen erhört. Quer Euch ewig dan.barer Sohn Theodor." Wir fügen noch hinzu, daß der 21 Jahre alte Jmre, der ältere Bruder des Schreibers obiger Feldpostlarten, als Fähnrich an der galizischen Front von jüdischen Kameraden im Schützengräben erzählt, die bei Tagesg aum mit Tallis und Teflllin ihre Andacht verrichteten uitb dadurch auch ihre Umgebung andächtig stimmten. Besagter Fähnrich hatte auch die Ehre, von Sr. t u. k. Hoheit dem Erzherzog-Thronfolger in besonders leutseliger Weise angesprochen zu werden. Zwei Arüder gefallen. Am 8. November fand vom Lemberger Bahnhofe die definitive Bestattung des während der Maioffensive vorigen Jahres in der Nähe von Lancut gefallenen Pionierleutnants Adolf Mund statt. Die Leiche des jungen Offiziers wurde nach dem jüdischen Friedhof überführt und in einem Heldengrabe neben seinem inr Jahre 1914 in der Schlacht von Busk gefallenen Bruder, Regimentsarzt Dr. Bernhard Mund, Zur ewigen Ruhe gebettet. Den Kondukt stellte ein Jnfanterieersatzbataillon bei, die religiösen Funktionen versahen Feldrabbiner Fischer und Gemeinderabbiner Dr. Guttmann. ßinweihung einer Araöstälte jüdischer Soldaten. Lemberg, 14. Nov. Heute vormittag wurde in feierlicher Weise die Einweihung der Grabstätte der in diesem Kriege gefallenen jüdischen Soldaten auf dem hiesigen israelitischen Friedhof sowie die Enthüllung eines dort als Obelisk erbauten Denkmals vorgenommen. Der Feier wohnten die Spitzen der Behörden sowie Abordnungen des österreichisch-ungarischen und des deutschen Heeres bei. Es wurden von religiösen! und patriotischem Geiste getragene Ansprachen in deutscher, polnischer und ungarischer Sprache gehalten. Unter den Gräbern befinden sich auch solche von russischen Soldaten jüdischen Glaubens. Are griechischen Anden gegen-Aerrizelos. Der Salonikier Korrespondent des „Corriere dclla Sera" bestätigt, daß die Mehrzahl der griechischen Offiziere und Soldaten, wie auch die israelitische und mohammedanische, ja sogar die griechische Bevölkerung von der entefreundlichen venizelistischen Erhebung nichts wissen wolle. Präsident Wilson und die amerikanischen Inden. Die Rosch-häschono-Nummer des „American Hebrew" bringt den folgenden Brief des Präsidenten Wilson an die Redaktion zum Abdruck: „Weißes Haus, Washington. Ihr Plan für eine Sonderausgabe des „American Hebrew" hat mich sehr interessiert und ich benutze gern die Gelegenheit, mein hohes Interesse für das Werk auszudrücken, das Sie für die Juden Amerikas tun. Ich hoffe, daß diese, ebenso wie ich es sicher von Ihnen annehme, fühlen, daß Amerika eine wirkliche Heimat ist, in der alle Kräfte für Gerechtigkeit und untadeliges Handeln Zusammenarbeiten, und ich habe sicherlich nicht nötig. Sie oder die anderen meines wahren Interesses für meine Mitbürger hebräischer Herkunft zu versichern. Niemand, der die Geschichte Amerikas und der Welt kennt, wird es unterlassen können, ihren hervorragenden Anteil an der Industrie, der Philanthropie, der geistigen Entwicklung und der politischen Freiheit anzuerkennen. Herzlich und aufrichtig Ihr Woodrow Wilson. Shadow Lawn, 20. September 1916." Kavlrata und Kriegsende. In der „Vofsischen Zeitung" erzählt Hans Goslar das folgende Erlebnis aus dem Osten: Ich liege inr Quartier bei einem langbärtigen jüdischen Patriarchen, der ein hervorragender Schriftgelehrter, ein sogenannter „Lamden", ist. Eines Abends, als wir im Gespräch zusammensitzen, sage ich: „Reb David, Ihr seid doch ein gelehrter Mann, könnt Ihr mir nicht sagen, ob in der geheimnisvollen Kabbala etwas davon steht, wann der große Weltkrieg zu Ende sein wird?" Reb David schmunzelt eine Weile bedächtig vor sich hin und streicht feinen langen weißen Bart. Dann meint er: „Jach werd' Euck e Geschichtlech erzählen: Es ist einmal gegangen e’ blinder Mann, den hat geführt e1 Sehender auf e' Landstraße nach e' Dorf. Unterwegs hat der Blinde bekommen Hunger und sagt zum Sehenden: „Wenn mer werden kommen in das Dorf, werd' jach mer kaufen e' Sticklach Broid und e' Glaß Milch. Uebrigens sagt mer doch, wie sieht eigentlich aus de Milch?" „De Milch," antwortete der Sehende, . sieht weiß aus." ■ , „Weiß?" fragt der Blinde, „wie ist weiß?" „Nu, weiß ist wie Federn von e' Gans." „Gans? Ja, aber wie sieht aus e' Gans?" „Nu, e' Gans ist e' Vogel, der schnattert und hat e' krummen Hals!" ,,E' Hals weiß jach, aber was ist krumm?" „Nu, seht her!" Und der Sehende läßt den Blinden seinen gestreckten Arm betasten: „Das ist gerade!" Und, indem er den Arm beugt und den Blinden wieder fühlen läßt: „Das ist krumm." Da verklärt sich das Gesicht des blinden Mannes, und er ruft lebhaft aus: „Schon gut, nun weiß jach, wie aussieht de Milch!" Abermals strich Reb David seinen schönen weißen Bart und schwieg eine Weile, als wollte er erst die Wirkung seiner Geschichte völlig auf mich eindringen lassen. Dann meinte er, indem er den Kopf mit leisem Lächeln hin- und herwiegte: „Soviel, wie der Mann hat gewußt, wie eigentlich aüssieht de Milch, soviel wissen wir aus den Büchern, wann is aus der Krieg!" Der Wabßiner. Unter diesem Titel veröffentlicht der Berliner „Vorwärts" die folgende eigenartige Skizze: „Sie haben von den Russen wohl viel erdulden müssen?" „Darüber kann ich nichts erzählen!" Wie sanft das klingt, trotzdem bestimmt, wie aus innerer Notwendigkeit. Geradeso spricht ein zärtlicher, gütiger Vater Zu seinen Kindern, wenn er ihnen einen Wunsch versagen muß. . Ich schaue in ein Gesicht voll Milde; klar und ruhig blickten -mich zwei Augen an, Trauer und Ergebenheit wohnt darin, Menschenliebe keuchtet daraus, und Treue,

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