Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 44 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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3lr. 44 I r. Bioü; 6 Wochenschrift Seite 741 und des Franz Braunfeld, Oberkantors in Ragy-Körös. das 40 jährige Amtsjubiläum. Aus diesem Anlasse war er Gegenstand besonderer Ehrungen, galt es doch, einen Mann zu feiern, der vermöge seiner Wohltängkeik, seiner Liebenswürdigkeit. seiner Gesangstunst und seiner erhebenden Vortragsweise von der ganzen Gemeinde geliebt und geachtet wird. Am Vorabend des Iubitäurnstages, als er in die Hallen seiner 40 jährigen Wirksamkeit trat, begrüßten ihn die beiden Tempeloorsteher und begleiteteii^ ihn zu seinem reich mit Blumen geschmückten Sitz, Oimchas-Wiora wurde er als Ehasan Bereschis zur Thora gerufen, wobei Obertantor ein vom Herrn Rabbinatsverweser eigens für diese Feier verfaßtes Mischrberach mit Ghorgesang zum Schlug voctrug. Als der Rabbinats-Stellvertreter in Verlängerung des^ Gebetes für den Landesvater auch für das Wohlergehen des Jubilars beute und Worte der Anerkennung für ihn sprach. war die Gemeinde in gehobener Festesstimmung. Nachmittags erschien der Vorstand mit der ganzen Neprüsentanz beim Jubilar. Kultuspräses_ Tr. Bruck überreichte mit einer schönen Ansprache ein Ehrengeschenk und einen Protokollauszug über die Anerkennung der Leistungen, ferner erschienen der Chef der Chewra-Kadischa mit den Vorstehern, der Frauenverein, und stellten sich mit ehrenhaften und wertvollen Ehrengeschenken ein. Es gratulierten überdies: Ter Direktor der Volks- und Bürgerschule mit den Lehrkörpern. KuUusbeamten unter Fuhrustg des Gemeindesekretärs und verschiedene andere. Zahlreiche Telegramme aus dem In- und Auslände, von Gemeinden und Korporationen, Blumen und sonstige sinnreiche Geschenke sind eingelaufen. _ Isch. Iwrr. Draz. (Silberne Hochzeit.) Der 1. November d. I. war' für die Grazer israel. Kuitusgemeiude ein Festtag, denn ihr hochgeschützter Präses, Herr Simon R e n d i. feierte '.nk seiner verehrten Frau Gemahlin, Nosa N e n d i, Vorstaudsdame des Israel. Frauenvereines, das Fest der silbernen 'Hochzeit: Das Jubelpaar war an diesem Tage Gegenstand herzlichster Ovationen. Abordnungen des Kuttusausschusfes. geführt von Herrn Präses-Stellvertreter Armin B i r m a n. des Vorstandes der Ehewra-Kadischa und der Beamtenschaft der Kuitusgemeiude^ nut Herrn Univ.-Doz. Rabbiner Dr. David Herzog an der Opitze. fanden sich um 1k Uhr vormittags in der Wohnung des Herrn Präses ein. Präses-Stellvertreter Birman beglückwünschte im Namen der Kultusgemeindevertretung das Paar und würdigte in einer herzlichen Ansprache das vielfach verdienstvolle Wirken des Herrn Präses, hob sein allseitiges amtliches und privates humanitäres Wirken sowie den wohltätigen Sinn seiner hochgeschätzten Frau Gemahlin hervor und brachte ihm den einhelligen Beschluß des Kultusrates zur Kenntnis, den großen Sitzungssaal der Kultusgemeinde mit dem Bilde des Jubilars zu schmucken. Hierauf folgte eine wohldurchdachte, in den wärmsten Worten gehaltene Ansprache des Herrn Univ.-Doz. Rabbiner Dr. David Herzog, der u. a. besonders das ideale Verhältnis zwischen der Beamtenschaft und dem Herrn Präses betonte und dem Jubelpaare den priesterlichen Segen erteilte. Der Präses der GnewrsO Kadischa, Herr Ignaz Adler, überreichte mit Worten innigster Verehrung für den Herrn Präses und seine Frau Gemahlin einen von den Vorstandsmitgliedern der Ehewra-Kadischa gewidmeten wertvollen silbernen Pokal, und schließlich überbrachte Herr Schuldirektor Anton Ungar die Glückwünsche des Lehrkörpers der Israel. Privat-Volksschule. Unter Führung der Präsidentin des Grazer Israel. Frauenvereines. Frau Charlotte er: t e r n, erschien auch eine Abordnung des Frauenvereines, der anläßlich der Feier an die hierortigen Armen einen namhaften Betrag zur Verteilung brachte, sowie mehrere Damen des Lesezirkels jüdischer Frauen und Mädchen, mit Frau Präsidentin Herma F e u e rst e i n an der Spitze, und brachten die herzlichsten Glückwünsche dar. Herr Präses Simon R e n d i, der mit seiner Frau Gemahlin das Familienfest eigentlich in bescheidener Zurückgezogenheit und im engsten Familienkreise feiern wollte, war sichtlich ergriffen und von den vielfachen Beweisen der allseiiigrn Wertschätzung seiner.Person und seiner Frau Gemahlin gerührt und dankte mit schlichten Worten den Gratulanten. Wer weiß? Aus russischer Gefangenschaft schreibt uns Herr Hermann Schwarzbard, er bistet um Auskunft über das Befinden seiner Eltern A. Schwarzbard, Boziowa bei Skole (Galizien). O>eine eigene Adresse ist: Rußland,?oreedia 1vsr»V8'roi Mofkorl-f: g 'ü > u Jmiii i K-mkowa US. 0 Bichs?,, für Kriegsgefangenen Hermann Schwarzbard. Pinkas Singer aus Kolomea, geb. 1833, zuletzt Landsturm- Bataillon 36, 4. Komp., jetzt Flüchtling, wird von seinen Eltern Ester Scherl, Dittersbach Nr. 143, bei Policka, gesucht. Rersel Deubler aus Wolavcze, Bez. Waschkoutz (Bukowina). Gattin des Jose! Deubler, wird gesucht von ihrer Tochter Schlu.ia. derzeit in Petrovic, Bezirk Iungwoschitz (Böhmen). Auskunft an den Vorstand der israel. Kultusgemeinde Tabor, Abt. für Flüchtlingsfürsorge. Erinnerungen an Professor Paul Ehrlich. Persönliches von dem letühnuen Forscher. (Ehrlichs Ansichten über Reichtum. - Die Reisen des Gelehrten. — Vorliebe für Detektivromane. — Ehrlich und die Musik. — Wie Ehrlich Robert Koch kennen lernte. - Seine Lebensphilosophie.) Eine fesselnde Charakteristik Paul Ehrlichs veröffentlicht das Iuniheft der .,Deu:sü;en Revue". Der Aussatz stammt aus der Feder einer Dame. Frau Martha Schiff, die der engsten Umgebung des hervorragenden Forschers angehörte. So groß auch der wissenschaftliche Ruf echrlichs war. so wußte man bisher doch recht wenig über den M e n s ch e n Ehrlich. Um so Willkommener erscheinen diese biographischen Mitteilungen, die eine Fülle hochinteressanter Tatsachen über die Persönlichkeit des Gelehrten entbalken. Martha Schiff schreibt: Li.'.e oüüc von sJuiujiu,c.i Yak fctvei.-ö Paul Ehrücy als Forscher gewürdigt, und die Wissenschaft wird es sich nicht nehmen lassen, dereinst eine umfassende Darstellung seines Lebenswerles zu geben. Allein über der wistenfchafrlichen 3eue kommt leicht die menschliche zu kurz, und doch ist es außerordentlich reizvoll, bei einer bedeutenden Persönlichkeit den kleinen mellschlichen Zügen nachzugehen und die scheinbaren Widersprüche zwischen dem Forscher und dem Menschen mul) Möglichkeit auszulösen. Darum sollen hier ein paar persöilliche Erinnerungeil erzählt rverden, die den gnligen Menschen zeigen, manch geistreiches, manch scherzhaftes Wort von ihm festhalten sollen. Wenige Wochen vor seinem Tode man ahme damals nicht, daß feine Tage gezählt waren drang feine v’iUitit wiederum in ihn, fetzt endlich mit der Aufzeichnung seiner Lebenserinnerungen zu beginnen, scherzend antwortete er: „(Goethe hatte es bequemer, der hatte seinen Eckermann." Doch anl Abend dieses Tages, alt dem er einem aujmertfamen Zuhörer viel Fesselndes aus seiner Vergangenheit erzählt hatte, sprach er zum erstenmal aus freien Stücken die Absicht aus, in Zukunft cut bestimmten Tagen und zu bestimmten stunden feine Erinnerungen zu erzählen und zu erlauben, daß das Erzählte, solange es noch frisch in der Erinnerung des Zuhörers hafte, niedergeschrieben werde. Tiefes Vorhaben, das so genußreiche Stunden versprach und für die Nachwelt fruchtbar geworden wäre, solle nicht mehr zur Wirklichkeit werden; denn wenige Wochen später schied er für immer von uns. Was er jedoch an jenem Sommernachmittag zwanglos, im Anschluß an verschiedenartige Gespräche, gesagt hat, sei hier mit seinen eigenen Worten nacherzählt: „Ich bin praktisch," begann er, . ich habe immer nur gelesen, was mir nutzen konnte: ich erkannte sofort, was aus einem Buche für mich he raus springt. Im zweiten Semester wußte ich meinen Weg; schon damals schlug ich die Richtung der Therapie ein, die ich noch jetzt habe. Ich verfolgte nur meine eigenen Gedanken und ging nicht mehr ins Kolleg; durch die Examina mogelte ich mich so durch. Ich fragte nie, was im Augenblick getrieben wurde; die Unterströmung muß man erkennen, daS ist die Hauptsache! Das Saloarsan ist fein gemacht, das muß ich sagen. Vielleicht, ja sogar wahrscheinlich, wird es in zioanzig Jahren bessere Mittel geben, aber der Weg ist gewiesen." Eben weil er den seinen so früh gefunden halte, stand Ehrlich — wie viele große Forscher — aus dem Standpunkt, daß fchöpferifche Geister ihre grössten Gedanken in der Jugend fassen. Die Famnienüberlieferung