Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 44 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 44 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 737 auch zahlreiche Fä le von Untreue vo gekommen sind, die gebrandmarkt zu werden verdienen. Er schreibt: Was uns besonders kränkte und bitter machte, war. daß eine Reihe deutscher Volksgenossen treulos wurden. Besonders nach den Brennereien erschienen in den Zeitungen Dutzende von Briefen, in denen uns bekannte Deutsche — viele unter ihnen naturalisiert, ändere dort geboren — öffentlich sich vom deutschen Bolke lossagten, oft in schamloser Weise. Sie scheuten sich nicht, alles, ^was uns heilig und hehr ist. in den Staub >zu ziehen und mit Füßen zu treten. Oftmals waren es gerade solche, die vor dem Kriege sich als' Stützen des Deutschtums aufgespielt und das große Wort geführt hatten. Einige legten sogar ihre deutschen Namen ab und! suchten in gemeiner Beschimpfung unseres Volkes es den Engländern gleichzutun. Voll Ingrimm lasen wir. wie eine ganze Reihe Deutscher (wenn auch die meisten dieser Ehrlosen im Lande geboren waren) sich nicht entblödeten, gegen ihre Brüder in Deutsch-Südwest und Deutsch-Ostafrika zu Felde zu ziehen. Zwei Söhne eines deutschen Pastors sogar kämpften als Offiziere gegen uns in Flandern, eines Mannes, der, der Sohn eines deutschen Missionärs, in Deutschland von deutschem Gelbe ausgebildet, einer deutschen Behörde untersteht und Mitglied der südafrikanischen deutschen Spnode ist. Dieser „deutsche" Pastor an einer deutschen Gemeind: betete sonntäglich für den Sieg der englischen, französischen und russischen Waffen. Auch jener berüchtigte Oberst Ernst Müller, der frühere englische Konsul in Lüderitzbucht, ist der Sohn eines ehemaligen deutschen Missionärs — ein Leipold, ein Anders, ein Esselen und noch viele andere sind Söhne deutscher Eltern. Der Advokat Esselen ist die Hauptstütze Bothas in Transvaal und hetzt, wo und wie er nur immer kann, gegen Deutschland. Diese ungetreuen Söhne unseres Volkes sind häßliche Flecke aus dem Ehrenschilde des Deutschtums in Südafrika. Man sage ja nicht: Jene mußten gegen uns kämpfen, weil sie dazu gezwungen wurden, da sie in Südafrika geboren sind. Niemand hat sie gezwungen. General Smuts hat im Anfang des Krieges es kundgegeben, daß die Kinder deutscher Eltern nicht gegen ihren Willen am Kriegs gegen Deutsch-^üdwest teilnehmen sollten. Nach Flandern und Deutsch-Ostafrika werden nur Freiwillige gesandt. — Und abgesehen davon, haben nicht Tausende von Buren sich geweigert, gegen Deutsch-Südwest zu kämpfen? Sind nicht Tausende deshalb eingesperrt und Hunderte nrit Zuchthaus bestraft? Das taten dis von vielen verachteten Buren. Doch still davon! Laß fahren dahin! Auf der anderen Seite haben wir auch wieder Grund genug zur hellen Freude. Die allermeisten der Deutschen Südafrikas haben sich bewährt und Treue gehalten in all diesen schweren Zeiten, und auch mancher, der in Gefahr stand, im Engländertum unterzugehen, ist aufgerüttelt, hat die Gefahr erkannt und mit freudigem Herzen und vollem Bewußtsein sich wieder uns angeschlossen. Ja, es gibt in Südafrika noch Tausende treuer deutscher Herzen, treuer deutscher Männer, treuer deutscher Frauen und Kinder, denen das Wort keine Redensart ist: „Treu bis zum Tode." Deutsche Juden in der Kremde. Der „Köln. Ztg." zufolge enthält das brasilianische Blatt „Diario de Porto Alegre" vom 29. März folgende Mitteilung: Die Herren Seliamann L Co. in Manaos, die Inhaber des größten Ausfuhrhauses, im Gebiete des Amazonenstromes, erklären in den Zeitungen: „Nachdem die englische Regierung eine amtliche Lifte von 56 in Brasilien begründeten Firmen veröffentlicht hat, mit denen englische Geschäftshäuser keilten Handel treiben dürfen, und da sich unser Name in dieser Liste nicht befindet, stellen wir, um jeglichen Zweifel oder Irrtum all unserer Loyalität als deutsche Untertanen zu beseitigen, hiermit öffentlich fest, daß wir keinerlei Geschäftsverbindung mit englischen Firmen oder der englischen Regierung unterhalten, daß wir uns mithin in jeder Hinsicht als in die erwähnte Lifte freiwillig einaeschlosien betrachten!" Dazu bemerkt die „Köln. Ztg.": Man wird dem wackeren deutschen Hause Seliamann & Co. zu seiner mutigen Erklärung lrur uneingeschränkte Anerkennung zollen können. Vielleicht aber hat es auch geschäftlich richtig gehandelt. Bei der von keinem Sachkenner bezweifelten Ueberlegenheit des deutschen Auslandskauf- Mannes über den englischen dürfte die enalische Schwarze Liste auf die Dauer für die deutschen Handelsbeziehungen eine ähnlich wirksame Emvfeb'luna werden, wie es für die deutsche Industrie das vielb'rufene Made in GerwanY geworden ist. (Wir können hinzufügen, daß der Inhaber der Firma geborener Stadthannoveraner ist. Sein Vater war der verstorbene Bankier A. Seligmann, sein Großvater der gleichfalls verstorbene Landrabbiner Dr. M e y e r.) _ Kin jüdischer General in Amerika. Präsident Wilson hat den Colonel Charles» H. L a u chheimer aus Baltimore znm Brigadegeneral befördert und ihn gleichzeitig zum Inspektor des Marinekorps ernannt. Die Bestätigung dieser Ernennung durch den Senat gilt als sicher und damit wäre ein Jude zur höchsten' Stelle in diesem Teile der amerikanischen Wehrmacht gelangt. _ Korrespondenzen. 16. Tätigkeitsbericht des Armenambulatoriums des Zionistischen Zentralkomitees für Kriegsflüchtlinge. Ir. Tab^rsteatze 2" a. In der Besuchszeit vom 1. bis 3t. Oktober 1916 wurden behandelt in der Ambulanz für: Augen 217. Ebirurgie 75. Frauenkrantheiten 232, Haut- und Geschlechtskrankheiten 84. Interne I 302. Interne 11 194. Interne 111 345, Kinder 1 58, Kinder 11 32. Nase und Kehlkops 67. Nerven 127, Ohrenkrankheiten 40, Ortbopädie 0, Zahnheilkunde 352. zusammen 2175 Patienten. Seit Bestand des Ambulatoriums 77,703 Patienten. Aufruf. In einer Zeit, wo so viele Millionen für wohl ätige Zwecke aufgebracht werden, wird es wohl auch möglich fein, jür unseren Verein diejenigen Mittel aufzubringen, welche erforderlich sind, um auch Heuer, lvie seit einem Vierteljahrhundert, wieder eine .Kinderbekleidung vorzunehmen. Wir beabsichtigell, in erster Linie jene Kinder zu berücksichtigen, deren Väter eingerückt sind oder es waren. Die Soldaten bringen für uns so unsägliche Opfer, daß sie wohl Anspruch daraus erheben können, daß lvir im Hinterlande für deren hungernde und frierende Kinder sorgen. Wegen der hohen Preise können wir jedoch nur dann für die Kinder Ersprießliches leisten, wenn uns die entsprechende Unterstützung seitens des Publikums zuteil wird. In dieser Not wendet sich der Verein mit der innigen Bitte an die große Oesfentlichkeit um Zuwendung von gütigen Spenden, welche an die Administration dieses Blattes oder an den gefertigten Vereinsobmann gesendet werden wollen. Hochachtungsvoll Für den Verein „Rudolfsbund" zur Bekleidung armer, würdiger Schulkinder: Dr. Leopold Brady, Hofu. Gerichtsadvokat, Bezirksrat, Wien, 2. Bezirk, Praterstraße Nr. 24. Galizische Flüchtlinge in den Dörfern. In Weitentrebetitfch, einem Torfe bei Poderfam. lveilen feit Kriegsausbruch Flüchtlinge aus Galizien. Teilweise in ihre Heimat zurückgekehrt, wurde deren Anzahl durch neuen Zuzug aus Galizien seit der neuen russischen Offensive Brussilows vermehrt. Die verrohte Dorfjugend des Ortes vergnügt sich seit längerer Zeit damit, diese Armen durch Steinwürfe, Schimpsworte usw. zu regalieren. Doch der Höhepunkt dieser Roheiten wurde durch folgende unerhörte Bestialität erreicht: Am 19. O Zober, nachmittags, dem jüdischen Feiertage, ging der 18 jährige David O h r in Begleitung seines gleichaltrigen Freundes D a ch s Wasser holen. Am Wege wurden die beiden von dem Eduard Richte r, einem 16 jährigen Burschen,