Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 44 (10.11.1916)
- Date
- 1916-11-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 736 Tr. Bloch's Wochenschrift N-. 41 ftrafe üon Kr. 2 0.— verurteilte, bereit Vollzug auf Grund der Strasnoveäe aufgehoben wurde. Nach diefem Urteil ohnegleichen gelange? di' Angelegenheit im Berufungswege vor den Neusatzer Gerichtshof. Hier führte Advokat Dr. Benjamin Bruck, als Verteidiger des Lederer, u. a. folgendes aus: „Alexander Lederer, der 18 Monate Kriegsdienste geleistet hat, kam als Invalider zurück. Ueberdies ist er ohne Eriverb geblieben. Vor dem Kriege war er Getreivehändler, dieser Ge'chäftizweig hat jedoch seit Schaffung der Kriegsprodukten-A.-G. zu existieren aufgehört. In Temerin weilte er, um sich etwas zu verdienen. Dort im Wirtshause, wo augenscheinlich auch der Landwirteklub seinen Sitz hat, saßen der Gemeindesekretär, der Vizesekretär und der Gemeindeschreiber. Sie alle sind enthoben. Sie alle waren im Landwirteklub, aber kein Landwirt war da. Sie sind entweder an der Front oder in ihrer Wirtschaft. Die Behauptung des Gemeindesekretärs ist unwahr, denn von den Juden des Dorfes Temerin sind die folgenden an der Front: Simon, Paul, Eugen und Markus Schoßberger, vier Mitglieder einer Familie an der Front; Franz K omlo s, zum zweitenmal verwundet; Julius Komlos. Gefangener in Kurpag (Sibirien); Eugen Treuer, seit 1915 vermißt; Franz Treuer, ist im Kriege; Albert Güttin a n n, käinpft am Doberdo: Aron Hacke r, wurde auf dem Doberdo verwundet; Ernst Kalmos, ist ebendaselbst; Armin Reiser, in russischer Gefangenschaft; Franz Löbl, wurde an der Front ausgezeichnet; Eugen Bark a n y, Emmerich G e r ö, Paul Schösser, Sigmund Braun, Desider und Emil Czilcz e r.sind an der Front; Julius Rainer, 50 Jahre alt, ist der einzige, der enthoben war, aber seit 1. Oktober gleichfalls eingerückt ist. Aus der Familie des Alexander Lederer befindet sich Arpad Lederer an der Front, Beta Roth und Georg Fischoff sind gefallen, Vincenz L i p k o w i tz ist in russischer Gefangenschaft. Hiernach hat der Gemeindesekretär Vincenz Vermes gelogen und Lederer hat korrekt geantwortet, als er sagte: „Sie lügen!" Denn dem enthobenen Gemeindesekretär steht nicht das Recht zu, einen invaliden Soldaten zu insultieren, der also mit Recht aufgebracht war," sagte der Verteidiger. Er forderte strenge Bestrafung des Sekretärs, der einen Invaliden schlug. Nach längerer Beratung hob der Gerichtshof den auf den Gemeindesekretär bezüglichen Teil des erstinstanzlichen Urteils auf und verurteilte diesen zu einer Geldstrafe von Kr. 300.—, im Nichteinbringungsfälle zu 15 Tagen Arrest. Der Vollzug der Strafe wurde auf Grund der Novelle aufgehoben. Das Urteil ist rechtskräftig. Der enthobene Sekretär hat nun noch immer Zeit, darüber nachzudenken, ob er seine Pflicht nicht besser erfüllen würde, wenn er aus seine Enthebung verzichtet und an der Front mit den Juden seiner Gemeinde fürs Vaterland kämpft, als wenn er sie als Enthobener. — im Wirtshause beschimpft. Rumänische Krausamkeit. Das „Neue Pester Journal" vom Freitag, den 3. November, meldet: Anläßlich des Einbruchs der Rumänen in Siebenbürgen sind verschiedentlich auch solche Mordtaten vorgekommen, welche die bürgerlichen Gerichte beschäftigt haben. Heute sind diese Kriminalprozesse bereits durchgeführt und die begangenen Verbrechen liegen klar zutage. Die wichtigsten Untersuchungen leitete die Gendarmerie der Stadt Gyergyoszentmiklos. In dieser Stadt hat nämlich eine wahre Bartholomäusnacht stattgefunden. Auch die Ortschaft Sovarad war der Schauplatz gräßlicher Mordtaten. Die einvernommenen Zeugen, an ihrer Spitze der Ortsrichter, haben von schauderhaften Greueltaten Zeugenschaft abgelegt. Noch entsetzlichere Ereignisse spielten sich in Parajd ab, wo der größte Teil der rumänischen Soldaten sein Lager aufgeschlagen hatte. Anläßlich des Rückzuges schleppten die Rumänen folgende Personen mit sich, die sie nach den bisher zur Verfügung stehenden Daten in den Wäldern ermordeten: Arpad Kenessy, Frau Arpad Kenessy, Enterich Barabas, Johann Barabas, Alexander M. Fülöp, Ludwig Szekeres (10 Jahre),. Anna Szekeres (9 Jahre), Johann Barabas, Frau Johann Barabas, Rosa Csereßnyes, Dionys Fülöp, Ludwig Fülöp, Moses Albert, Julianne Kovacs. In unzweifelhafter Weise wurde festgestellt, daß die nachstehend verzeichneten Personen mit Messern und Hacken erschlagen wurden: Alex. Csereßnyes, Julie Csereßnyes-Siktody, Witwe Moses Antal, Frau Alexander Jllyes, Frau Witwe Balgzs, Therese Jllyes, Frau Johann Mester, Ludwig Nagy. Die Leichen der Ermordeten wurden von unseren Soldaten bestattet. Während der Bergung der Opfer wurde die Entdeckung gemacht, daß der 70 jährige Franz A m b r u s noch lebe. Der Unglückliche, der durch einen Bajonettstich verletzt worden war, wurde von einem Militärarzt verbunden. Das Verhör der immer zunehmenden rumänischen Gefangenen stellte klar, warum die walachischen Soldaten gerade in den erwähnten Gemeinden solch grausame, zum Teil perverse Verbrechen verübt haben, während andere Ortschaften verschont wurden. Es stellte sich heraus, daß in Rumänien fast sämtliche jüdischen jungen Leute assentiert wurden, selbst die offensichtlich untauglichen, bloß jene, die große Bestechungssummen zahlen konnten,- blieben verschont. Mehr als 80.000 aus Ungarn stammende Leute wurden eingereiht, und da die meisten von ihnen auch heute noch ungarisch sprechen und denken, so sind sie nicht gerne ins Feld gezogen. Die jüdischen und aus Ungarn stammenden Soldaten wurden in die erste Feuerlinie geschickt, und so ist, wo diese in größerer Zahl auftauchten, gegen die Szekler keine Grausamkeit verübt worden. Raub und Mord ereigneten sich nur in jenen Ortschaften, wo rein w alachische Truppen hausten. Besonders grausam erwies sich die unter Leitung des Brigadiers P r e z s a n y vordringendeVanatorilor- Bande. In Marosheviz wurde ein Plakat mit der Unterschrift des Generals Prezsany angeschlagen, in welchem es heißt, die Ungarn hätten die Telephoickeitung beschädigt, weshalb in Marosheviz und in den Nachbardörfern je zwei Mann hinoerichtet werden, wenn die Täter nicht zustande gebracht werden. Seither hat es sich herausgestellt, daß die Beschädigung der Leitung von unseren Vorposten herrühre. Die Rumänen haben sechs Männer mit sich genommen, die seither nicht gesehen wurden. In dieser Gegend kommen noch immer rumänische Soldaten zum Vorschein, die sich seither in den Wäldern verborgen hielten. Sie hatten nicht gewußt, daß die Rumänen so schnell zurückgetrieben wurden. Sie sind fast durchwegs Juden und Moldauer. Kornel Tabor i. Schlechte Deutsche in Südafrika. In seinem in der Verlagsanstalt Teutonia in Berlin gedruckten „Bericht über meine Gefangenschaft in Südafrika und England vom 15. September 1914 bis 18. Juni 1916" erzählt Pfarrer G. W. Wagen er, der 33 Jahre lang deutscher Pfarrer in Kapstadt und Direktor der St. Martini-Schule gewesen ist. daß neben der allgemeinen Bolkstreue der schwergeprüften Deutschen in Südafrika