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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-10 · 44 (10.11.1916) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
44 (10.11.1916)
Date
1916-11-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 735 den 5. September. Unter tragischen Umständen starb am 4. d. M. unser Glaubensbruder Ferdinand Kohn, Landsturmkanonier, 22 Jahre alt, aus Törökbecse. Er war, nachdem er die furchtbaren Schwierigkeiten einer der letzten Expeditionen überwunden hatte, ganz gesund und wohlbehalten Zurückgekehrt, als eilt zufälliger Unfall seinen Tod verursachte. Er zog sich beim Oefsnen einer Kiste eine Kniewunde zu und starb am dritten Tage au beit Folgen einer Blutvergiftung. Als sein in anwesender Glaubensbruder wollte ich unter allen Umständen an seinem Leichenbegängnisse teilnehmen, dessen Verlaus ich Ihren Lesern hier beschreiben will. Um 4 Uhr nachmittags kam ich aus dem eine halbe Stunde von der Stadt entfernten Friedhose an, welchen ausschließlich die Unsrigen, österreichisch-ungarische unö deutsche Soldaten, zu einem solchen geweiht hatten. Es ist dies ein höherer Tonhügel, der östlich der Stadt, etwa vierhundert Schritte vom Meere entfernt, unmittelbar an der nach G .... führenden Straße gelegen ist. Nach meiner Ankunft lese ich die verschiedenen Grabinschriften. Von ferne schon fällt der Mögen Dovid auf einem Grabstein auf. Unser Glaubensgenosse, Doktor Th. Jakoby, ein junger Berliner Advokat, liegt dort begraben, den vor zwei Tagen erst der Typhus ins Grab gesenkt hat. Um den Davidschild herum sind in hebräischer Kursivschrift Namen und Sterbetag des Verblichenen angegeben. Es ist das Wer? unseres Glaubensgenossen, der hierorts bei einer deutschen Batterie als Dolmetsch dient. Ueber dem zweiten Grabe, der Ruhestätte des Otto Alb recht, steht eine künstlerisch ausgesührte Korinther Statue. Es wäre interessant, festzustellen, woher sie die Kameraden des Regiments, Fug. . ., herbcigeschafft haben, um sie dort aufzustellen. Für das dritte Grab, für dasjenige des Ernst Wiegand, der dem Brandenburger Fußartillerieregimeut Nr. äuge hörte, dürften die Kameraden wahrscheinlich das einfache, säulenförmige Grabmal selbst verfertigt haben. Im vierten Grabe ruht unser Landsmann Stefan K a r m a n, der am 3. Juli d. I. starb. Im fünften Grabe ist der Postenführer Anton Bajusz bestattet, der zu unserer Feldbatterie gehörte. Die Reihe wird nun Ferdinand K o h n abschließen. Rührend ist die Teilnahme der Kameraden, alle Gräber überhäuft mit Kränzen, mit den Blumen der W üste. Der kühle Abendwind und der Lärm nahender Hufschläge weckten mich aus meinen düsteren Gedanken. Der Divisionskommandant und der Kommandant sind angekommen, die Offiziere waren vollzählig, bald darauf auch die Mannschaft der Ba terie erschienen. Von der Stadt her kommt ein mit schwarzen Ochsen bespannter Wagen heran, der den Toten bringt. Voran schreitet ein Soldat mit dem einfachen, gehobelten Holzgrabzeichen mit schwarzer Inschrift. Der Sarg ist mit grünem Laub umrankt. Vor den Offizieren hält der Wagen, der Sarg wird von sechs -Kanonieren gehoben: ihm folgen der junge katholische Dibisionsseelsorger, die Kommandanten der Division und der Batterie und die übrigen Offiziere, dem Range nach. In rührender Weise gibt sich auch die Teilnahme der Deutschen kund, auch das gesamte Offizierskorps des deutschen Hospitals war erschienen, aber es fehlte auch die Abordnung der deutschen Batterie nicht; alle bringen Kränze mit als Beweise der Teilnahme, des freundschaftlichen Bündnisses und der im Kriege tausendfach mit Blut besiegelten Zusammengehörigkeit. Aus der Anhöhe angelangt, hält der Zug an und formiert sich, während der Geistliche sich dem Grabe nähert, zu einem Halbkreis. Dieser zitiert einige Psalmenverse in deutscher Sprache und setzt dann seine Rede ungarisch fort. Stumm, andächtig, gesenkten Hauptes lauscht diese kampferprobte Soldatengruppe. Die Rede währte 5—6 Minuten, es fehlt selbstredend jedes Symbol per katholischen ^Zeremonie. Nach Beendigung!des Nachrufes wird der Sarg ins Grab gesenkt, der Geistliche tritt an den Grabesrand und wirst eine Handvoll Erde aus den Sarg. Dasselbe tun dann der Divisionskommandant, die sämtlichen Offiziere und die einzige anwesende Dame, die den Verstorbenen im Spital gepflegt hatte. Tann wirst die Mannschaft einige Schollen hinab, kein einziger unterläßt es, dies zu tun, wie wenn es auf Kommando geschehen würde. Das ist jedoch nicht der Fall. Sie tun es aus Verehrung für den armen jungen Menschen, den sie alle den hingebungsvollsten, dienstbereitesten Kameraden nennen. Ich denke an die Launen des Schicksals, daran, daß dieser heldenmütige Soldat, der so oft aus feindlichem Feuer heil herauskam, nun durch eigene Hand den Tod finden mußte. Dann denke ich an jene arme Mutter, die dort im weißgetünchten Fenster in Törökbecse ihre Tränen vergießt und ihrem Kinde ihren Seufzer nachsendet. Aber der Seufzer wird hier nicht gehört, weit von hier, fern ist - das Vaterland. . . ." Julius S z a t m a r i. Auszeichnung nach dem Kode. Se. Majestät der Kaiser hat dem seinen vor dem Feinde erlittenen Verletzungen erlegenen Oberleutnant d. R. Jakob Freund, J.-R., für tapferes Verhalten das Militärverdienstkreuz 3. Klasse mit der Kriegsdekoration verliehen. Wer ist also der Arückeöerger? Mit dieser Frage hatte sich, wie „Egyenlöseg" meldet, kürzlich ein Neusatzer Bezirksgericht zu beschäftigen. Alexander Ledere r, Kaufmann in Neusatz, kam im Sommer dieses Jahres eines Tages in der Ortschaft Temerin in ein Wirtshaus, in welchem der Genwindesekretär des Dorfes Vinzenz Vermes in Gesellschaft mehrerer Ortsinsassen gesessen hatte. Als der Gemeindesekretär den Lederer erblickte, fragte er ihn ironisch: „Na, Patriot, Sie sind zu Hause?" Lederer antwortete, daß er 18 Monate ununterbrochen im Felde war und jetzt als Invalide beurlaubt sei. Der Gemeinde'ckretär bemerkte hieraus: „Tie Temeriner Juden verkriechen sich, rein einziger von ihnen ist an der Front, alle entziehen sich dem Frontdienst." Lederer erwiderte nun erbost: „Wenn Sie behaupten, das; die Temeriner Juden sich vorn Frontdienst drücken, so lügen Sie!" „Sagen Sie das im Ernst und Ziehen Sie es nicht zurück?" „.Nein! I ch w i e d e r h o l e e s v i e l m e h r!" larttete die Antwort. Hierauf versetzte der Gemeindesekretär von Temerin dem Alexander Lederer einen Schlag inä Gesicht. Am 11. September wurde die Ehrenbeleidigungsanzeige vor dem Neusatzer Bezirksrichter Zoltan Buday verhandelt. Lederer verlangte den Wahrheitsbeweis darüber, daß die Behauptung des Sekretärs, daß die Juden von Temerin sich dem Frontdienst entziehen, unwahr sei. Das Bezirksgericht wies dieses Begehren ab, weil das w e d e r i m allgemei n e n Interesse, noch im berechtigten Privatinteresse des Klägers gelegen sei. (!!) Ter Bezirksrichter fand schließlich beide Teile der Uebertretung der Ehrenbeleidigung schuldig, nahm jedoch von einer Strasbe- Messung gegenüber dem Gemeindesekretär U m n ftn n, w äh rend er Lederer zu einer Geld-

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