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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-11-03 · 43 (3.11.1916) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
43 (3.11.1916)
Date
1916-11-03
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 722 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 43 Hierauf stellte Herr Oberrabbiner R e i ch den Schriftführer der ungarisch.':: Zentralleitung der orthodoxen Judenheit, Herrn Dr. Klein, Oberrabbiner von Eisenstadt, vor, der in Begleitung einer Ansprache ein ausführliches Memorandum überreichte, in welchem die praktische Ermöglichung der rituellen Verköstigung dargeft lit und auf gleichartige Verfügungen im deutschen Heere h-ngewiesen wird. Die Deputation war sehr gnädig empfangen worden und knüpfen sich die besten Hoffnungen an die Erjüllung dieses Herzenswunsches alter streng relig'ös fühlenden Juden. .Mental, aber höchst unanstnädig." So lautet kurz und bündig das Urteil eines ehemaligen sehr strammen Parteigängers des „Volkse- Bürgermeisters Dr. Lueger über dessen Vorgehen in der bekannten Angelegenheit des Nußdorfer Spar- und Vorfchußvereines, eine wirtschaftliche Skandalfsäre, die ihren traurigen Abschluß nach 14 Jahren nunmehr in einem Sensationsprozeß findet. „Genial" hinsichtlich des durch Zusagen bewirkten Wähler fang es, „unanständig", weil die Zusage nicht e i n g e h a l t e n w u r d e — ein Vorwand hiefür war ja bald gefunden —: das konnten die Wiener über ihren seinerzeit so verhimmeltet: „Oberbürgermeister" am Dienstag, den 31. Oktober, in den Morgenblättern, aus dem Munde eines Mannes kommend, lesen, der sicherlich nicht in Verdacht steht, von „Juden bestochen"!zu sein, oder mindestens mit „Juden E verkehrt zu haben" (!) — wie so geschmackvoll einer - der Anktagepunkte lautete, der in einem ebenso inhalts- und lehrreichen Prozesse zwischen Nichte und Wirtschafterin eines Prälaten drei Tage vorher eine Rolle spielte. Denn niemand anderer als der Pfarrer von Nußdorf, Pater Rud. Eichhorn, war es, der diese kernigen Worte geprägt hatte, wofür er sich allerdings eine kleine Zurechtweisung durch den Vorsitzenden gefallen lassen mußte; in ganz selbstloser Weise, als echfer „Volks"-Priester, war er für die kleinen Leute, die da ihr Geld verloren, eingetreten und hatte wiederholt dem Oberhaupte der chiristlichsozialen Partei in der ihm eigenen kräftigen Weise seine Pflichten und gemachten Zusagen zu GeMüte geführt. Leider vergebens. Wie so oft in unserem wirtschaftlichen Leben, wurde es auch hier versäumt, mit einem verhältnismäßig geringen Einsatz die Existenz so vieler kleinen Leute zu retten, dagegen wurde wieder einmal ungewollt der Beweis erbrächt, daß die so oft gehörte Parole der Partei: „Alles für das Volk" eben nur hohle Phrase war, einer der Schemel zun: Aufstieg Einzelner. Und den: Kenner der intimen Vorgänge in der Parte: ist wohl Glauben beizumessen, wenn er außerdem so nebenher als Zeuge deponierte, daß „er" (Lueger) wiederholt sein Wort gegeben habe, um es nicht zu halten. Gerade Pater Eschborn hatte seinerzeit aber den kräftigsten Scheinet gebaut. Und zwar mit einer blutrünstigen Broschüre „Die weißen Sklaven der Wiener-Tramway-Gesellschaft", welche, in aufdringlichen großen Lettern, dieselbe an allen Planken angepriesen, die Ausbeuterei des Personales durch die „Juden" im Verwaltungsrate dieses Unternehmens (anfangs der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts) bloßzulegen bestimmt war. Bekanntlich gehörte es damals zu den billigen Lorbeeren in unserer Ratsstube, aus die Ueberfüllung der Tramway-Waggons, die ja gegen die heutige ein Kinderspiel ist, maßlos Zu sch'.nrpfcn, und der junge Gemeinderat Dr. Lueger, der „kommende Mann", wählte denn auch dieses Thema zu seinen: Steckenpferd, zu dem ihm die genannte Flugschrift die ersehnte Aureole bildete. Vergebens war jede Belehrung, daß der Verwaltungsrat aus 6 christlicharisch'i: und bloß 6 jüdischen Mitgliedern bestände, und daß alles für das Personale Ungünstige von der ersteren Seite stamme, das Pamphlet war bereits gedruckt und fand keine Widerlegung; vergebens auch die Belehrung an Dr. Lueger, daß die Ueberfnllung nicht mit kleinlichen Mitteln, sondern nur durch d'e Niederreißung der Linienwälle, die ja den Verkehr wie mit eisernen Stangen hemmen, sowie durch Erbauung einer Stadtbahn zu lindern wäre. Er hörte den: —- christlich-arischen '— Boten, der auf eigene Faust (ohne Mandat) zu ihm gekommen war, un: ihn: dies darzutun, mit gespannter Aufmerksamkeit zu, anerkannte auch die Richtigkeit der Argumente, versprach sogar unaufgefordert, seine aggressive Haltung demgemäß zu modifizieren — und am nächsten Tage desto rüder in öffentlicher Gemeinderatssitzung aus die wehrlose Gesellschaft loszudreschen! Als dann einige Jahre später tatsächlich die Frage der Beseitigung der Linienwälle in ernste Verhandlung kam, erinnerte sich offenbar das Stadtoberhäupt nicht mehr seiner früheren Ueberzeugung, denn es' sprach sich dagegen aus! Ihn: waren die Stimmen der Vorortler iucit wichtiger als die allgemeinen Interessen. . . . Nun diese herrliche „Entente" von dazumal eir: so schmähliches Ende gefunden, könnte die Bevölkerung doch die richtigen Lehren "daraus ziehen und. sich nicht wieder, sobald die Gelegenheit dazu sich bieten wird, durch tönende Worte fangen lassen, sondern den Inhalt der Verheißungen auf die Möglichkeit, sie einzulösen, besser »prüfen. V * Vcr e i n z u r A b w e h r des A n t i s e n: i t i s n: u s. Zur Naturgeschichte des Wenegatentums. Die Notiz in Nr. 41 d. Bl., daß der kürzlich verstorbene Botaniker und Naturphilosoph Julius von W i e s n e r von jüdische:: Eltern geboren war, hat mich überrascht. Denn der Verblichene hat in Gesprächen mit mir wiederholt die geistige und sittliche Inferiorität der jüdischen Rasse behauptet. Einmal waren wir gerade auf einem von Nichtjuden belebten Platze Wiens, als er mit BeZug auf Spinoza, den er sehr verehrte, sagte: „Ihr habt zwar immer eine Anzahl von großen Idealisten gehabt, aber die verlieren sich in der Masse der nach Erwerb Strebenden." Als Antwort wies ich auf die geschäftliche Emsigkeit der Hunderte Arier um. uns und fragte, ob er glaube, daß all die Unzähligen ihr Streben aus das Geistige, Ideale gerichtet halten, und von wieviele:: Ariern in der ganzen Welt es sich! in diesen:' Moment behaupten ließe, sie tun aus Idealismus das, was sie eben tun? Er antwortete ausweichend. Jetzt wurde ich auf eine diesbezügliche Stelle in Friedrich Hertz' „Moderne Rassentheorien" (Wien 1904, Seite 273) aufmerksam gemacht, die lautet: „Als Beispiel von „phantasiebegabten, schöpferischen (arischen) Männern" nennt er (Chamberlain in seinen „Grundlagen des 19. Jahrhunderts") Wies ner und Weis m a n n. Davon ist Wie s> n e r, dem au ch CHamberlains ganzes Werk gewidmet ist, bestimmt Jude, und Weis Mann ist es nach den Versicherungen mehrerer Gelehrten der Abstammung nach höchstwahrscheinlich. An anderer Stelle tut Chamberlain Heinrich Hertz, dessen jüdische Abstammung er nicht zu kennen scheint, die Ehre, neben Galilei genannt 'zu werden.Die Widmung an Wiesner lautet: .In Verehrung u n d P a n k b a r k e i t. z u g 1 e i c li a 1 s •Bekenntnis bestimmter wissenschaftliche r und philosophischer Ueberze ug u n g e ii”. W i e s n c r bewies, daß Dankbarkeit auch bei Juden' vorkommt, indem er der philosophischen Fakultät Wien den Antrag auf Ver-

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