Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 43 (3.11.1916)
- Date
- 1916-11-03
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 43 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 721 Ter erste Jahrzeitstag nach Dr. Gustav Kohn s. A. Aus Anlaß "der ersten Wiederkehr des Todestages des verewigten Ersten Vizepräsidenten der Wiener isr. Kultusgemeinde, k. k. Landesschulrat Dr. Gustav Kohn, veranstaltete der Kultusvorstand am 28. Oktober 1916, 6 llhr abends, inr Tempel der Inneren Stadt eine Trauerandacht, an welcher sämtliche Familienmitglieder des Verstorbenen, der gesamte Vorstand der Kultusgemeinde, des Bethauses, der Chewra-Kadischa. zahlreicher Vereine und Körperschaften teilgenommen haben. Die Beamten der Kultusaemeiude waren mt'er Führung des Ersten Sekretärs kais. Rates Dr. Theodor Lieben und Sekretärs Dr. Emil Adler erschienen. Die „L. D. Königsbergsche Mädchenerziehungsänstalt", deren langjähriger Präsident der Verewigte gewesen ist, war durch Mitglieder des Kuratoriums vertreten. Die Direktrice der Anstalt, Fräulein Henriette Lipschitz, erschien mit deiN Lehrkörper und den Zöglingen. Ferner umreit die Gemeinde- und Vereinsrabbiner, sämtlich'Religionslehrer und eine große Zahl der Freunde und Verehrer des Verstorbenen anwesend. Rabbnter Dr. Julius Max Bach würdigte in seiner eindrucksvollen Predigt die großen Verdienste, welche sich Dr. Gustav Kohn auf allen Gebieten unseres Gemeindelebens in jahrzehntelanger, selbstloser Tätigkeit erworben hat, und den Verlust, den sein Abgang für die Gemeinde und das Judentum bedeutet. Die Tranergesänge trug Oberkantor Don Fuchs unter Mitwirkung des vom Chordirektor Pros. Josef Sulz er und Chordirigenten Zellnik geleiteten verstärkten Chores in ergreifender Weise vor. Oeffentliche Tranersitzung des KultusVorstandes. Im Anschüsse an dw synaaogale Trauerfeier fand inr Zeremoniensaale des Tempels eine öffentliche Plenarsitzung des ' Kultusvorstande-D statt. an welcher gleichfalls die Familienmitglieder des Verstorbenen und ein zahlreiches Publikum teilnahm. Hier hielt Präsident Doktor Alfred Stern die nachfolgende Gedenkrede: „Verehrte Kollegen vom Vorstande, verehrte Anwesende! Wir kommen vom Gotteshause, von der Trauerandach, sagen wir lieber von der Erinnerungsandacht, nach unserem unvergeßlichen Kollegen Dr. Gustav K o hn. Wir haben gehört die ergreifenden Worte, welche der ehrwürdige Rabbiner an die Gemeinde gerichtet hat. Ich! und mit mir alle Kollegen des Kultusvorstandes glauben aber, daß es auch dem Kultusvorstande obliegt, in feierlicher Sitzung desselben das Gedächtnis des Dahingeschiedenen zu ehren, am ersten Jahrestage seines Todes seiner in Liebe zu gedenken. Und indem ich nun aufblicke zu dein Bilde des Verewigten, welches diesen Saal schmückt, zu dem Bilde, welches seme freundlichen, lebenswarmen Züge, den milden Blick des Auges wiedergibt, gedenke ich jener Zeit, gedenke ich des mir mein Leben lang in Erinnerung bleibenden Ereignisses vor Jahresfrist. Ich weilte damals nicht in Wien — er hatte mich am Lande, in Baden, besucht —, wir hatten wichtige Angelegenheiten der Gememde besprochen und Vereinbarungen für die nächste Zukunft getroffen. Wenige Tage darauf erhielt ich ein Schreiben, worin er ntir seinen demnächstigen Besuch ankündigte, er kam nicht. ü'vbs idk r^b 'z „Er war nicht mehr, Gott hatte ihn zu sich genommen." Gr war nicht mehr, er. der herzensgute, liebe Mann, er. die Seele unserer Gemeinde, er. der in alle Angelegenheiten unserer Gemeinde Einblick hatte und Rat wußte, er, der Vater der Hilflosen und Bedrängten. Wohl, wenn ich heute einen Rückblick werfe auf. vergangene Zeiten, auf das Vierteljahrhundert, in welchem wir' gemeinsam in diesem Hause wirkten und schafften, schwebt mir vor,'wie wir gemeinsam Rat hielten, wie wir gemeinsam immer bestrebt waren, das Beste für unsere Gemeinde zu finden, und wie wir den Ausgleich unter unseren manchmal divergierenden Anschauungen zu finden wußten. Und immer und immer — mochwn in der Sache selbst die Anschauungen noch so weit und tiefgreifend auseinande'geh'n -, der Meinungslampf wurde in den urbanften Formen geführt, und so durfte auch der Ausgleich dem Interesse unserer Gemeinde entsprochen haben. ins* r^b rx -^rrm „Er ist nicht mehr, Gott hat ihn zu sich genommen." Dies war. wie jene Bibelstelle besagt, der Abschluß eines gottae'ästiaen Lebens. Und das ist in vollem Sinne der Nachruf nach unserem Dr. Gustav Kohn, der sein Leben der Sorge iür seine Mitmenschen, für seine Glaubensbrüder, der Hilfeleistung für die Notleidenden und B'dräncheu widmete. der ein Vater der Annen war. der jeden Tag sür enren verlorenen anrnh. an dem ihm nicht die Gefeoenle't geboten war, Wohltat zu üben, ein Werk der Mensch 'nlst'be zu tun, dmr Bedrängten, dem Hilflosen die hilfreich? Hand zu bieten. Wir wollen und werden das Andenken unseres dahinacschiedeneu, edlen Glaubensbruders Dr. Gustav Kohn in Ehren halten für alle Zeiten?" Wim. Wie wir erfahren, bat das k. k. K'iegsministerinm anaeordnet. daß, in Würdigung des religiösen Empfindens der Kriegsgergngen"il israelitische" GMubenchekenntnisses, nir dieselben der Samstag als allgemeiner Ruhetag zn gelten bat. Es ist streng daraus zu gchsten. daß die Israeliten an Sonntagen zu allen Dienst"n und an ihren allgemeinen Ruhetagen nur zn dringenden Arbeiten herang^oarn werden Tür Israeliten ist daber der Samstag csts gllgememer Ruhetag anzumben. Für die Katholiken gilt der Sonntag, für die Mohanv'daner der Freitag als gchgem^iner Rul'e'ag. Am 26. Oktober a. c. batte eine Devntation. besteh'nd aus bervorraamden Rabb'n'n und Notabeln der ungarsändischeu ortbodoren Judenbeit, die Ehre, von Sr. Erzellenz dem Herrn Krie gsm in iste r in einer besonderen Audienz empfangen zu werden. Als Führer und Sprecher derselbnr fungierte der rübmlichst bekannte königliche Rat, Se. Eh''w. Herr Kovvel Reich Odeerabbirmr d'r o'tbodor'N J''raeliteng''meindr 'u Budapest. Dieser hatte bereits vorher in Biidaw'st Gele gen heit aenomnwn. bei Sr. GmeKenz. dem Herrn kön'gl. nngar. Honvedminister. in der A"g-'l"genbeit der rituellen Verköstigung de'' tüdischni Soldaten lstttlich vo''-nsvr-'ch"n. und wurde ihm 'N der urbansten W-nst die llnterstütznng und inärmste Beftirwortuna des königl nnaar. Honvedministeriums '.u"emat. fi'bo'r’ mit dem Hftiweist'. daß die einzige bi.nü'' homv"tente Stell? zur Herausgabe von d'esbe'üglichm Ve'v''dnnn"en das gemeinsame k. k. Krieasministeri-.m ü'i Ans di's"'' Vw' anla'stlna war nun d»e Deputation beim Herrn Krieasm'nister erschienen. Ans die ausführliche und st'br omündlich motivierte Ansprache' des Herrn Db-rmnbGn-rs Reich antwortete S". Errechn' der H'rr Krieg ^Minister oteichfalls st'br anssührlich und in sichtlich gerührter W"iste. daß bezüglich jener indischen Soldaten, die im Hinterland-" militärisch tät'g ftnd und ''ich in eine'' entsprechen^ d"n Anzahl in d"n Garni'onen befinde", bestimmt" strifte Nersngnnaen erlassen werden, um denssthen die rituelle Kost vom Kriegsärar aus zn ermöglichen.