Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 43 (3.11.1916)
- Date
- 1916-11-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 720 Dr. Bloch's Wochenschrift Nr. 43 mentsädjutaut Guido Fuchsgelb für tapferes' Verhalten vor dem Feinde das Signum laudis am Bande des Militärverdienstkreuzes, dem Ober-Offizial k. k. Feldwebel Leopold Ferst er für tapferes Verhalten vor dem Feinde die bronzene Tapferkeitsmedaille, dem Unter- Offizial Manfred Ehrenrei ch für vorzügliche Dienstleistung vor dem-Feinde das silberne Verdienstkreuz mit der Krone am Bande der Tapferkeitsmedaille verliehen. Aufschub der Wahlen in den Kultusvorstand und der Vertrauensmänner. Ueber Antrag des Vertreterkollegiums wird der Aufschub der Wahlen in den Kultusvorstand und der Vertrauensmänner im Sinne des' § 18 der Wahlordnung (Anhang I des Statutes) auch für das Jahr 1917 beschlossen. Errichtung eines provisorischen Ambulatoriums für das zu errichtende Kinderspital. Erster Vizepräsident Hofrat Dr. Benjamin Rappaport berichtet über den Stand des Fränkelschen Legates per Kr. 300.000.— und teilt mit, daß auf Grund der in dieser Angelegenheit gepflogenen Verhandlungen und mit Zustimmung der in Betracht kommenden Behörden nunmehr die Vorarbeiten für ein provisorisches Ambulatorium für das zu errichtende Kinderspital in Angriff genommen werden. In Aussicht genommen ist, einen Teil des projektierten definitiven großen Ambulatoriums jetzt schon zur Ausführung zu bringen. Der Bericht wird zustimmend zur Kenntnis genommen. Neuer Friedhof — E r r i ch t u n g e i n e s Provisoriums. Vizepräsident Dr. Leopold Kohn berichtet über den Stand der Angelegenheit der Errichtung eines Provisoriums auf dem neuen Friedhof. Mit Rücksicht auf die sehr reduzierte Belegfläche aus der jüdischen Abteilung des Zentralfriedhofes war es geboten, auf dem für den künftigen Friedhof angeschaisten Grunde ein Provisoirum zu errichten, und sind die Vorarbeiten schon soweit gediehen, daß bereits im nächsten Jahre auf einer Anzahl von Gruppen der Belag wird vorgenommen werden. Nach Erledigung von Subventions-, Personalsteuer- und Friedhofsangelegenheiten wird die Sitzung geschlossen. ^_ Aus der Plenars tzung des KultuSvorstandes vom 28. Okt. 1916, 77-4 Uhr abends, unter Vorsitz des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Im Einlauf besuchen sich: Antworttelegramm des f. k. Ministerpräsidiums für die Trauerkundgebung des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens' Sr. Exzellenz weil, des Herrn Ministerpräsidenten Grafen Stürgk h. Dankschreiben des Herrn k. k. Regimentsarztes Dr. Sigmund Straßny für die Kondolenz des Vorstandes anläßlich des Hinscheidens seiner Mutter, der Frau Julia Stiaßny s. A. Nach! Erledigung von Friedhofs-, Stiftungs- Subventions-- und Personalangelegenheiten brachte der Oberoffizial Hugo Weiß den nachfolgenden Bericht über den Verlauf der gottesdienstlich e n Veranstaltungen aul äßlich der h 0 hen Feiertage im Jahre 1916 zur Verlesung. Zum drittenmale seit Kriegsbeginn hatte die Kultusgemeinde die Aufgabe, aus Anlaß der hohen.Feiertage für die religiösen Bedürfnisse der in Wien lebenden Juden Sorge zu tragen, und es sei gleich zu Beginn des nachstehenden Berichtes bemerkt, daß hiefür in vollkommen ausreichender Weise gesorgt war. In sämtlichen Gemeindetempeln, Vereinsbethäusern, Privatminjanim war zirka 60.000 Personen Gelegenheit geboten, ihre Andacht zu verrichten, und diese Zahl hat durch jene Personen, welche nur zur Maskirandacht die Bethäuser aufsuchten und überall, ohne Einschränkung, für die Dauer dieses Gebetes Einlaß fanden, noch eine bedeutende Erhöhung erfahren. Die Kultusgemeinde selbst hatte außer den sechs großen GemeindetempM neun temporäre Betlokale, und zwar im 1., 2., 3. und 20. Bezirke, wie auch in den Vororten sechs Minjanim errichtet und damit den Wünschen des größten Teiles der in Wien lebenden armen Juden und Flüchtlinge auf Gratisfitze entsprochen. Auch im Allgemeinen Krankenhanse, Israelitischen Spital, Versorgüngshaus, „Am Steinhof" und Landes'gerichte wurde anläßlich der hohen Feiertage für den entsprechenden Gottesdienst durch die Kultusgemeinde Vorsorge getroffen. Seitens des Vereines „Tefilath Haneorim" wurde durch Errichtung von fünf Betlokalen der Jugend (.Knaben und Mädchen) Gelegenheit geboten, ihre Andacht 'zu verrichten. Für Militär war zum größten Teile der große Konzerthaussaal reserviert. Für die russischen Kriegsgefangenen wurde in der Rossauerkaserne, für Internierte usw. in einem vom Austauschkader zur Verfügung gestellten Lokale Gottesdienste ab gehalten. An zirka 160 Gesuche um Bewilligung zur Errichtung von Privatminjanim liefen in diesem Jahre ein, welche ohne Ausnahme bewilligt wurden. Von den in Niederösterreich, Oberösterreich und Steiermark in zirka 200 Ortschaften untergebrachten jüdischen Flüchtlingen (zirka 20.000 an der. Zahl) liefen- Gesuche um leihweise Ueberlassung von Ritualien, hauptsächlich Seforim, ein und wurde allen Gesuchen Folge gegeben. Durch den Bethausvorstand I. und II. wurden zirka 5000 Gratissitze verteilt, doch reichten hiezu die durch die Errichtung von temporären Betlokalen zur Verfügung gestandenen Betsitze nicht aus' und mußten Betsitzkarten für diverse Betlokale angekauft werden. Zu diesem Zwecke widmete Herr Gemeinderat Dr. Schwarz- Hiller namens der Zentralstelle für Flüchtlingsfürsorge Kr. 1000.—. Für unsere Soldaten im Felde wie auch für die KriegsaefLNffenen in Rußland und Italien wurden durch die Kultusgemeinde im Wege der in Betracht kommenden Stellen zirka 5000 Gebetbücher und Machsorim abgegeben und damit - den vielen Ansuchen, welche aus dem Felde einliefen, vollkommen entsprochen. Nach den bisher eingelaufenen Berichten kann gesagt werden, daß die gottesdienstlichen Veranstaltungen überall würdig verlaufen sind und auch! nicht eine behördliche Anzeige wegen Uebertretung der Vorschriften eingelangt ist. Ungeheure Mühe erforderte es, all die anläßlich der hohen Feiertage notwendig gewesenen großen Vorarbeiten ausizuführen, und hat das Büro mit Rücksicht aus den so reduzierten Beamtenstand permanent tätig sem müssen, um diese Arbeiten zu bewältigen. Dieser Bericht wurde zustimmend zur Kenntnis genommen. Ueber Antrag des Präsidenten Dr. Stern wird dem Büro und insbesondere dem Oberoffizial Hugo Weiß für seine in dieser Angelegenheit bekundete besondere Umsicht und seine außerordentliche Mühewaltung die belobende Anerkennung ausgesprochen. Schluß der Sitzung 1/ß Uhr abends'.