Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 42 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 710 £Dt. Bloch's Wochenschrift Nr. 42 gemacht hat, was man damals und noch lange nachher spöttisch die „Frauenemanzipation" nannte. Ihre schuld, gleich der so mancher ihrer Schicksalsgeiwssiirnen, war, daß sie zu frühe kam. Wer versteht es heute, daß man ihr als Verbrechen anrechnete, Mitglied einer Frauenhochschule gewesen und sür die Selbständigkeit des weiblichen Geschlechtes, die geistige wie die materielle, tapfer und mit unglaublicher Selbstverleugnung in die Schranken getreten zu sein. Sie war Erzieherin der Töchter Alexander Herzens, den ich, ebenso wie Bakunin, durch sie kennen lernte, und später (1876) hat sie in den (anonym) erschienenen „Memoiren.einer Idealisten" ihr Leben mit einer so schlichten und überzeugenden Wahrhaftigkeit erzählt, daß dieses Buch nicht nur höchst lesenswert im allgemeinen, sondern auch als ein wichtiger Beitrag zur Geschichte der deutschen Freiheitsbewegung und der Emigration in London bezeichnet werden muß; denn auch mit Mnzzini und Garibaldi war sie befreundet/' Den Sommer 1857 verlebte Malwida von Meysenbug auf dem Landgute der Familie Schwabe Anglesey in Wales. Von Frau Julie S a l i s - S ch w a b e schreibt sie damals: „Ich hatte sie nur einmal flüchtig in der Hochschule gesehen, aber es strahlte ein solch aufrichtiges Wohlwollen, eine so unmittelbare Herzensgute von ihr aus, daß man sich sogleich voll Vertrauen Zu ihr hingezogen suhlte." Mit Frau Schwabe, die Gastfreundschaft im großartigsten Stile übte und vielfache -Beziehungen in den meisten Ländern Europas mit zum Teil bedeutenden und hervorragenden Persönlichkeiten aller Klassen der Gesellschaft unterhielt, hat sie in der Folge wiederholt in deren Haus in London und Manchester geweilt und den Winter 1859/60 in Paris verlebt. Frau Schwabe, immer bereit zu helfen, wo leidende Menschen Hilfe bedurften, war durch ihre vielfachen Verbindungen auch jederzeit imstande, Hilfe in großem Maßstäbe Zu schlaffen. In Paris ist Malwida v. Meysenbug mit Richard Wagner in enge Freundschaftsbeziehungen getreten. Auf dem Pere Lachaise, der großen Totenstadt von Paris, besuchte sie öfters Börnes Grab und schmückte es in dankbarer Erinnerung an die frohen Stunden, welche ihr dieser feine, ironische und doch so tiefe Geist beim Lesen seiner Schriften einst gegeben, mit Epheu. Sie, die einst innige Freundschaft, die bald zu einer hohen Liebe wuchs, mit dem reichbegabten Schriftsteller- Theodor A l t h a u s verbunden, und die mit den: Jugendgeliebten alle Hoffnungen auf eigenes Glück eingesargt hatte, sollte ihre Lebensaufgabe in dem Erziehungsberuf finden. Schon in den Sechzigerjahren hatte Malwida von Meysenbug wiederholt den Winter mit ihrer Pflegebefohlenen, Olga Herzen, in der ewigen Stadt verlebt, die durch die Fülle anregender Eindrücke einen gewaltigen Zauber auf sie ausübte. Als ihre Mission als Erzieherin erfüllt war, als Olga Herzen sich mit dem Professor Gabriel Monad in Paris vermählt hatte, wollte sie fichi, um den Freunden immer nahe zu sein, in Bayreuth ihr Heim aufbauen. Schon begann sie sich einzuleben, doch! das Klima erwies sich als zu rauh für sie und dies veranlaßte sie, sich in der ewigen Stadt heimisch zu machen. Am Abend ihres Lebens ist ihr in Rom noch eine teure Beziehung erwachsen, als der damalige deutsche Botschafter Graf Bernhard v. Bülow mit seiner kunstsinnigen Gemahlin den Palast Caffarelli zu einer Stätte idealster Geselligkeit schuf, die an die Zeiten Humboldts, Niebuhrs und Bunsens erinnerte. Dort beging Malwida von Meysenbug ihren achtzigsten Geburtstag unter vielen Beweisen von Liebe, Dankbarkeit und Verehrung. Auch ihr ist das herbe Leid chler derer, die ein hohes Alter erreichen, nickst erspart geblieben, die meisten ihrer Freunde, Zeit- und Gesinnungsgenossen sürd ihr im Tode vorausgegangen. Sie, die selbst unermüdlich nach Wahrheit, Veredelung, Vervollkommnung gerungen, stets höchste Humanität geübt, wurdet sich an die große, unbekannte Menge derer, die durch gemeinsames Streben mit ihr verbunden sind, und ermahnt sie, „das Leben mit dem! höchsten Inhalt zu füllen und auf andere veredelnd zu wirken". Mir selbst schrieb die unvergeßliche große Frau im Herbst 1901: „Solange sind wir nun schon Gesinnungsgenossen und denken und handeln in demselben Sinn. Möge es Ihnen vergönnt sein, noch lange so fortzufahren! Das, was der Welt not tut vor allem, ist sittliche Erziehung der Völker, und ehe da nickst alle Arbeit hingeht,' eher wird es nickst besser!" Der Dichter S. Krug. Der am 20. September in Odessa verstorbene Dichter S. F rüg hat ein Alter von 57 Jahren erreicht, teilte von ewiger Liebe zum jüdischen Volke erfüllten Lieder sind zwar in russischer Sprache geschrieben,^aber zum Teil ins Deutsche übertragen worden. Sein Tod hinterläßt eine tiefe Lücke in der Reihe der jungjüdischen Poeün. Aber die Sterne? Von S. F r u g. Uebertragen von Th. Zlocisti. Es glänzt der Mond. Es glänzen die Sterne In wallender Nacht über Berg und Tal. . . Und wieder les' ich die uralten Blätter; Ich las sie tausend- und tausendemal. Und wie ich lese die heiligen Worte, Hält mich eine Stimme gebannt: „Mein Volk, du wirst sein wie die Sterne am Hinnnel, Wie am Meeresgestade der Sand." Ich weiß es, mein Gott: Von deiner Verheißung Wird sich erfüllen das leiseste Wort. Ich weiß es, mein Gott: Es sucht nur dein Wille Die richtige Zeit, den richtigen Ort. Und eines hat schon die Erfüllung gesehen, Ich Hab' es mit allen Sinnen gefühlt: Wir sind zu treibendem Sande geworden, Von jeglichem Fuße durchwühlt. . . Es hat sich erfüllt! . . . Wie Sand und wie Steine Zerstreut und zerstoben zu Schwände und Spott! .... Nun aber die Sterne mit leuchtendem Scheine, Die Sterne, die Sterne, wo sind sie, mein Gott? . . . Dawenen Sehr geehrter Herr Redakteur! Gestatten Sie mir, zum Artikel „Dawenen" in der „Oesterr. Wochenschrift" vom 17. d. M. eine kritische Bemerkung. Der Einsender gibt eine in einem alten Sammelwerke gefundene Ansicht wieder, worauf sich der Werdegang des in Rede stehenden Wortes als: benedeien — deibenen — dawenen darstellt. Er selbst glaubt diese Ansicht durch den Hinweis auf vorkommende Metathesen (Umstellungen), wie Nußknacker (Knacknüssel), Nachtwache (Wachnacht), stützen zw können. Nun handelt es sich in diesen Beispielen um zusammengesetzte Wörter, bei denen derartige Umstellungen nicht selten sind. Ueberdies muß Knacknissel keineswegs aus dem deutschen Nußknacker entstanden, es kann eine im Schoße des Jüdischen (die Schreibung jiddisch ist Mir ein Greuel!) erfolgte Eigenbildung sein. Der Franzose drückt es genau fo aus: ctt-so-rxux Ebenso nennen wir Blumenkohl, was französisch <->'c>nx tIk-„x italienisch cav<>lli"i-6 englisch - n 1-llo ■ er heißt. Ebenso ist, besonders im Volksmunde, Umstellung einzelner Laute keine seltenq Erscheinung. Go wurde das bereits genannte c.-.vollio e erst durch Verkürzung zu culiiwrt* und dann zu Karfiol; oft hört man statt Religion Regilion, im Italienischen statt giul>i]<> (Jubel) giulibo — giiliro. Daß aber innerhalb eines Wortes Silben umge-