Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 42 (27.10.1916)
- Date
- 1916-10-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 703 dem „N. W. Tagdl." erscheint als das Typische, Markanteste an dem Fall der Name, den es zur Aeberschrift macht: Federbusch und Kerzendocht." Dem entgegen w o 1 l e n wir k o n st a t i e r e n, daß der Kaufmann Leopold Kerzendocht in Weidling ein strammer CH ristlichsozialer von rein arischen Eltern ist, die ebenfalls in Weidling wohnhaft waren und dort das Bürgerrecht besaßen. Das Rotr Kreuz und d'e KriegSspitalschilse jür Palästina. Die jüdische Kolonie in Safed, obwohl in sehr bedrängter Lage, sandte an die Oesterreichische Gesellschaft vom Roten Kreuz Kr. 500.—. Diese quittierte die Spende mit nachstehendem Dankschreiben: „An die verehrliche jüdische Kolonie, Safed. Die Bundesleitung beehrt sich, für die der Oesterreichischen Gesellschaft vom Roten Kreuz in so hochherziger Weise gewidmete außergewöhnlich hohe Spende von Kr. 500.— den wärmsten und tiefgefühltesten Dank auszusprechen, und bittet, insbesondere ihren Dank auch den einzelnen so opferfreudigen Spendern zu übermitteln." Etwa gleichzeitig mit dieser Kundgebung unserer Landsleute in Palästina traf bei uns vom Ortsausschuß vom Roten Kreuiz in Kaiserslautern (Bayern) ein Beitrag zu unserer Kriegsspitalshilfe in der Höhe von M. 100.— ein. Neuerdings erhielten wir von derselben hochgeschätzten Stelle den folgenden Brief: „Kaiserslautern, 7. Okt. 1916. Ortsausschuß vom Roten Kreuz. An das Komitee für Kriegsspitalshilfe für Palästina, zu Händen des Herrrr k. k. Hofrat Dr. Julius Schlag, Hochwohlgeboren in Wien, II., Obere Donaustraße 109. Im Nachgange zu meiner Sendung vom 4. v. M. sowie mit Bezugnahme auf die jenseitige sehr geschätzte Zuschrift vom 21. v. M. beehre ich mich ergebenst mitzuteilen, daß der hiesige Ortsausschuß einen weiteren Betrag von M. 200.— für die Kriegsspitalshilfe für Palästina bewilligt hat. Die Vermittelung habe ich durch die Deutsche Bank in Berlin veranlaßt. Mit vorzüglicher Hochachtung Der 1. Vorsitzende: kgl. Regierungsrat." Kriegsspitalshilfe für Palästina. K. u. k. Ministerium des kaisert. und königl. Hauses und des Aeußern. 99395/11. Wien, am 11. Okt. 1916. Vom k. u. k. Ministerium des kaiserl. und königl. Hauses und des Aeußern ist uns folgende Mitteilung zugegangen: Es wurden vom k. u. k. Konsulate in einem unter österreichisch-ungarischen Schutze stehenden jüdischen Krankenhaus in Jerusalem 10 Betten gegen eine tägliche Verpflegsgebnhr für österreichische und ungarische Staatsangehörige reserviert. Zur Deckung der Verpflegsgebühren beabsichtigt das genannte k. u. k. Konsulat die im Telegramme Euer Ehrwürden vom 15. August d. I. angekündigte Summe von Kr. 5000.— zu verwenden. lieber den künftigen Bedarf an Geldmitteln wird das k. u. k. Konsulat Mitteilung machen. Für den Minister. Zur Nachahmung empfohlen! An das Rabbinat der israelitischen Kultusgemeinde Wien, II., gelangte die folgende Zuschrift, die uns zur Verfügung gestellt wurde: „Ich bitte höslichst, mir gefl. die von der mosaischen Konfession vorgeschriebenen Feiertage Mitteilen zu wollen, da ich mehrere jüdische Angestellte beschäftige, denen ich gern für die vorgeschriebeuen jüdischen Feiertage Urlaub erteilen will. Otto BöU ne r, Wien, I., Maria Theresienstr. 8. Dü' Eenetalverstrnunlung des Jüdisch n Nationalvereines in Oesterreich. Dienstag, den 17. d. Mts., fand in den Räumen des Wiener Zionistischen Büros die diesjährige ordentliche Generalversammlung des „Jüdischen Nationalvereines in Oesterreich" statt, an der eine ansehnliche 'Anzahl von Mitgliedern sich beteiligte. Den Vorsitz führte der Obmann, Herr Ingenieur Robert Stricker, der auch den Rechenschaftsbericht erstattete. Unter Hinweis auf die Zensur- und Presseschwierigkeiten sowie auf die sonstigen, mit dem Kriege zusammenhängcudcn Umstände, die einer Vereiustätigreit aus breiter Basis hinderlich find, besprach der Referent die Wirksamkeit des Vereines in der abglaufenen Periode. Er hob schließlich die eminente Wichftgßit einer nationalpolitischen Organisation für die Judenheit Oesterreichs hervor und betonte, daß für die Arbeit des Vereines nach Beendigung des Krieges schon jetzt gerüstet werden muß. Jetzt gilt es, Mitglieder zu werben und für den Verein sowie für dessen Ziele zu agitieren. Dieser Bericht, der von Herrn Sekretär Henisch ergänzt lvurde, rief eine lebhafte, mehrstündige Aussprache hervor. Hiebei kam der Wunsch fast sämtlicher Teilnehmer nach häufigen Diskussionsabeuden, nach einer regeren schriftlichen Propaganda und nach einer jüdischen Presse zum Ausdruck. Es wurde auch die Schaffung eines Agitationssouds angeregt. Nach Erteilung der Decharge jür den abtretenden Vorstand, beschloß die Generalversammlung einstimmig folgende, von Herrn Dr. Kadisch unterbreitete Resolution: „Getreu dem Krakauer Programme, erklärt die Generalversammlung des „Jüdischen Nationalververeines in Oesterreich", au seinem Programme der Erhaltung und Erneuerung Oesterreichs unerschütterlich festzuhalten. Sie erklärt weiters, unter Festhaltung der Forderung der Anerkennung der Juden als gleichberechtigte Nation, alle Bestrebungen zu unterstützen, welche auf Herstellung des Völkerfriedens und -eine großzügige Wirtschaftspolitik gerichtet sind." Die Generalversammlung schloß mit der einstimmigen Wahl folgender Herren für den Vorstand und für die sonstigen Funktionen: Adolf Böhm, Börserat. Adolf Brecher, Dr. S. Feldblum, S. A. Häusler, Meier Henisch, Dr. Hermann Kadisch, Dr. Salomon Kaßner, Ing. Oskar Kramer, Adolf Stand, Leopold Sitzmann, Ing. Robert Stricker, Doktor H. Sußman n, Löbl Taubes und Reichsratsrevisor Rudolf T a u ß i g. Wien. Am 19. Oktober hielt der berühmte deutsche Philosoph Ceheimrat Dr. Hermann Cohen aus Berlin, in der Soziologischen Gesellschaft seinen langerwarteten 'Dortrag: ,,Das soziale Ideal bei Plato und den Propheten". Bei dem Standpunkt, aus dem der berühmte Gelehrte immer, auch auf den allgemeinen Re ig'vns-Kongre ßn, den Mut hat zu stehen, war nicht anders zu erwarten, als datz er in seinen ebenso liefen wie geistvollen und mit jugendlichem Feuer vorgetragenen Bemerkungen, bei aller Verehrung für Plato, der zum erstenmal in der Geistesgeschichte eiiyelne Erkenntnisse zum Erkennen umgeformt hat, den