Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 41 (17.10.1916)
- Date
- 1916-10-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
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Seite 694 ©r. Bloch'S Wochenschrift Nr. 41 welches Kantor, LairLsturmnrann Salomon Marmorstein ans Friede! rührend vorbetete, begab sich Herr Feldrabbiner Dr. Tauber in das militärische BethauA, wo Feldrabbiner Dr. Deutsch den Gottesdienst leitete. Er übernahm denselben, wogegen Dr. Deutsch die Leitung des allgemeinen Gottesdienstes weiterführte. Nach den: Minchagebet sprach er mit aneifernden Worten, daß wir nicht nur in diesem Raume Juden sein sollen, sondern überall, wo wir unseren Fuß stellen, „denn Jude sein, heißt treu sein". Dann betete er das Versöhnungsschlußgebet vor. Am Abend begaben sich, alle Soldaten, darunter auch Offiziere, zum rituellen Nachtmahle, wo dieselben schon ani Vorabend des Fastens rituelle Mahlzeit bekamen. Besonderes Verdienst bei der Errichtung der rituellen Küche kommt Herrn Dr. Deutsch^zu. Er hielt auch bei diesem Nachtmahl eine Ansprache, später kam Feldrabbiner Dr. Tauber von der rituellen Ausspeisung bei den russischjüdischen Kriegsgefangenen und wußte in einer Ansprache den Behörden, seinem Kollegen und den Laibacher Bürgern für so manche Fürsorge Dank zu sagen. Bei dem Nachtmahle waren von den hiesigen Bürgern die Herren L a n d s k r o n e r und H e r m a lt n zugegen. Die Förderung der Idee eines jüdischen Tempelbaues brachte bei den Thoraaufrufen, zu den schon am Neujahrsfeste eingebrachten 4000 Kronen, weitere 3000 Kronen ein. Auch für die Kriegswaisenkinder wurden 1300 Kronen gespendet. Für die jüdischen Soldaten spendeten Herr Ros n er 150Lt. Wein und HerrGr uschka 10 Flaschen Slivovitz. Besonders verdienstlich zeigten sich die hiesigen jüdischen Bürger bei der Ausspeisung der russisch-jüdischen Kriegsgefangenen nach dem Vcrsöhnungstage. Zugegen waren: Herr und Frau Rosner, Herr und Frau G rusch ka, Herr und Frau Honig, Herr Kultusvorsteher Neu mann aus Graz, und Fräulein Rosner und Lorant. Zu diesem Zwecke spendete Frau Baue 200 Kronen. Am eifrigsten waren bei der Vorbereitung Fräulein Fina Lorant und Fräulein Gretel Rosner tätig. Bei dem Verteilen des Nachtmahles beteilig teil sich hauptsächlich die Frauen und Fräulein. Als ich ins Zimmer trat, wo die rituelle Ausspeisung der Gefangenen stattsand, sah ichvor nrir ein herrliches Bild. Bei gedeckten Tischten saßen 50 Kriegsgefangene und unter denen der Feldrabbiner Dr. Tauber. Vor jedem ivaren außer Teller und Besteck Trauben, Obst und ein Viertel Wein zu sehen. Die Freude dieser Menschen, ihre frohen, dankbewußten Gemüter, die ganz heiitere, aber doch «eilt wenig gezwungener Stimmung von allen werde ich nie vergessen. Ihre Gesichtsausdrücke sprachen: „Man hat für uns, den Gefangenen, so gesorgt nach einem Fasttage, nach dem Versöhnungstagc." Nach dem Nachtu iahte sprach der Feldrabbiner ihnen jüdisch Trost zu und dankte gleichzeitig den Behörden und den Laibacher Juden für die Fürsorge, die sie getroffen hatten. Darauf erhob sich einer von den Gefangenen, dankte im Namen aller seiner Brüder dem Feldrabbiner und den anwesenden Herrschaften, welche an sie nicht vergessen haben. Dann sangen alle S9alb sammelten sie untereinander 100 Kronen für die Notdürftigen, die sich unter den Gefangenen befanden, gaben das Geld dem Feldrabbiner, riefen die Armer: heraus und der Feldrabbiuer verteilte sofort unter diesen 86 Kronen. Voll Freude und Zufriedenheit entfernten sie sich unter Begleitung ihrer Eskorten. Laibach. M. St—n. Dawenen Wien, den 3. Oktober 1916. Vereheliche Redaktion! Es sei mir gestattet, in der Diskussion über die Etymologie des jiddischen Wortes „dawenen", die mit so regem -Interesse im „Briefkasten" Ihrer geschätzten Zeitschrift geführt wird, eine Ansicht zu äußern, die ich vor Jahren in einem alten Sammelwerke andeutungsweise gesunden habe. Ohne eigentlich zu wissen, wes Geistes Kind dieselbe ist, kann ich doch nicht umhin, sie wegen der ihr nicht abzusprechenden Originalität in einer von mir weiter ausgebauten Form hier vorzubringen. Zunächst sei vorausgeschickt, daß es zu den chrakteristischen Eigenschaften der jiddischen Sprache gehört, in der Bildung und Wähl der Wörter recht launenhaft zu verfahren. Und gar nicht selten wird der grammatikalischen Logik ein Schnippchen geschlagen, wenn nur die Phonetik es erfordert. So sei auf die interessante Tatsache hingewiesen, daß im Jiddischen recht häufig deutsche, zusammengesetzte Wörter ohne scheinbar zureichenden Grund umgestellt und so teilweise entstellt werden. Nehmen wir z. B. das deutsche Wort Nuß-knacker, das im Jiddischen in das possierliche Knak-nissel umgemodelt worden ist. Ein anderes Beispiel haben wir im deutschen Worte Nachtwache, welches dem jiddischen Wach -nacht entspricht. Und so ließen sich viele Beispiele anführen, welche die lice»i!u phonelica zur Genüge demonstrieren. Was nun den Ursprung des Wortes „dawenen" anbetrifft, läßt sich derselbe ebenfalls durch die Umstellung eines deutschen Wortes ermitteln. Welches Wort käme hiezu in Betracht? Man braucht bloß das mit „lobpreisen" indentische Wort b e n e d e i n umzustellen und alles übrige ergibt sich von selbst!. „ deibcnen " lautet das neue Wort und des Rätsels Lösung liegt aus der Hand. Skeptiker, die die Entwicklung von zum heutigen jy^yil^“ bezweifeln, möchte ich erstens daraus aufmerksam machen, daß das deutsche c i im Jiddischen wie a ausgesprochen wird: schraken (schreiben), Sad (Seide), wat (weit). Und zweitens ist die Metamorphose des 2 (b) in doppeltwaw — 11 (w) sicherlich keine seltene Erscheinung in der jiddischen Sprache. Ich glaube diesen stutus vascoi'äi überaus eklatant am jiddischen Worte „Owend" (Abend) zeigen zu können. Das einstige Wort „Abend" wird heute nunmehr als „Owend" sowohl mit Beth, ohne dagesch, als auch mit doppelt-waw geschrieben: ~ Somit wären die in Betracht kommenden Einwände gegen die Wahrscheinlichkeit der vorgebrachten Ableitung des fraglichen Wortes „dawenen" enträtselt. «Außerdem verdient die hier vertretene Hypothese, wenn sie auch nicht die einzig richtige Lösung unserer „philologischen Deszendenzfrage" liefern sollte, allein wegen ihrer anregenden Originalität besondere Aufmerksamkeit. Land. med. A. D o b s ch ü tz. Literatur. Dr. Hermann L. Strack, ■ Professor - der Theologie in Berlin, Geh. Konsistorialrat. Jüdisches Wörterbuch. Mit besonderer Berücksichtigung der gegenwärtig in Polen üblichen Ausdrücke. I. C. H i n r i ch s'sche Buchhandlung. Leipzig 1916. Denkschrift zur Einweihungsfeier der Deutschen Bücherei des Börsenvereiiues der deutschen Buchhändler zu Leipzig am 2. September 1916. Mit sieben Abbildungen und 16 Tafeln. Leipzig 1916. Verlag des Börsenvereines der deutschen Buchhändler zu Leipzig. Dr. E. Zivier. Zur Rassen- und Ostjudenfrage (Problem — Rasse und Judentum — Ostjuden — Zukunft). Posen 1916. Verlag von Joseph Jolowicz. Preis 1 Mark. Armin Abeles. Die Bürgschaft als Motiv in der jüdischen Literatur. Sonderabdruck aus der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums".