Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 41 (17.10.1916)
- Date
- 1916-10-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022237--25483-3050788- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 41 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 687 so werde ich ihn in treuer Erinnerung behalten, dakbar für das. was er mir, meiner Batterie und damit dem galten Vaterlande, geleistet hat. Schon manchem habe ich den letzten Gruß und Dank nachgerufen, noch nie aber ist mir der Abschied, das Bewußtsein der endgiltigen Trennung so schwer gefallen. Lr starb, mir mehr als Kanonier. Er empfing den Schicksalsstreich, als er während eines schweren französischen 'Angriffes der stark unter Feuer liegenden Batterie die nötige Munition über f.eies Gelände herantrug, und so die Feuerkraft aufrechterhielt. Er gab uns allen. Offizieren wie Mannschaften, nochmals ein Beispiel deutschen Mutes; dann ging er von uns und ließ uns mit blutendem Herzen zurück. Seine Verdienste wurden auch von höherer Seite anerkannt. Er ist der einzige Angehörige der Batterie, der gleichzeitig zum Eisernen Kreuz zweiter Klasse und zum Bayerischen Militärverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. Ersteres ist seinen Angehörigen bereits zugegangen, das Besitzzeugnis zum letzteren wird demnächst zugeleitet werden können. Sie aber, hochverehrter Herr Bürgermeister, bitte ich, der Gemeinde Geroda Kenntnis geben zu wollen, welchen Verlust sie erlitten hat. Möge die Erinnerung an Mar Strauß in Geroda fortleben als die eines tüchtigen, edlen, lieben Menschen. Mögen die jungen Männer ihrer Gemeinde an seinem Beispiel lernen die Liebe und Treue zu Kaiser und Reich, den rücksichtslosen Einsatz für unsere große, heilige Sache, treueste Pflichterfüllung bis zum letzten Atemzug, gez. Hollidth, Hauptmann und Batteriechef." Alfred Dukes, Feldwebel, Ldst.-J.-R. . Feldkompaguie, Feldpost , sendet an seinen Vater, Herrn Gabriel Dukes, Wien, 21. Bez., Leopoldauerstr. 30, nachstehenden Feldpostbrief: Fm Felde, 30. September 1916. Teuerste Eltern! Nun sind auch die Feiertage wieder vorüber und ich hoffe, daß auch Ihr dieselben recht gut verbracht habt. Auch wir hatten frei und hielten in einem nahen Meierhofe, 30 Mann stark, den Gottesdienst ab, und zwar: ich, der Raschekol. und zwei Zivilisten. Der Gottesdienst war sehr andächtig und feierlich — so echt jüdisch. Als Vorbeter hatten wir einen Mann bon meiner Kompagnie. Es war großartig, ich dachte dabei bft an den lieben Papa. Gerade beim „Ilnsanetowikef" schlugen neben dem Meierhof zwei russische Granaten ein, das war umso feierlicher und hat uns gar nicht geniert. Ich hatte das Ganze -arrangiert. Es war wirklich schön, wie wir uns mit einfachen -Mitteln hier doch so gut helfen konnten. Sonst geht es mir gottlob recht gut, freue mich schon uneydlich auf den Urlaub. Hoffe gegen den 20. nachhause zu kommen und Luch bei bestem ,Wohlsein anzutrefsen. Bin mit recht herzlichen Grüßen und Küssen Euer dankbarer Sohn Alf r"e d. Ikorrespondenzen. Frühstück Kr dir Schulkinder. Eine vom Redakteur Ernst Kleb in der eingeleiiele Aktion, alle Schulkinder vor Beginn des Unterrichtes mit einem warmen Frühstück zu versorgen, lvird allgemein mit Freuden begrüßt. Se. Majestät der Kaiser hat von der Aktion mit Wohlgefallen Kenntnis genommen, wovon folgende, Herrn Ernst Klebinder zugegangene Depesche Zeugnis ablegt: „Wien, Hofburg, 6. Oft Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben die Mitteilung stber die von Euer Hochwohlgeboren zugunsten der Ernährung der Schulkinder eingeleitete Aktion mit lebhafter Befriedigung allergnädigst entgegenzunehmen geruht und wünschen diesem befoliderer Förderung würdigen Unternehmen den besten Erfolg. Auf^ Allerhöchsten Befehl Freiherr v. Schieß L" Die mächtige Förderung, die der Aktion durch die Depesche des Kaisers zuteil wurde, hat sich in den Ziffern der eingelaufenen Spenden erfreulich gezeigt. Den gütigen und väterlichen Worten, mit denen der Monarch der Kleinen und der zu ihrem Heile getroffenen Maßnahmell in dieser Depesche gedachte, ist nunmehr ein lv eite res bedeutendes Zeichen der kaiserlichen Huld und Liebe für die Kinder gefolgt. Im Auftrag des Kaisers hat der Statthalter mitgeteilt, daß aus den kaiserlichen Privatmitteln die Summe von zehntausend Kronen für das Frühstück der Schulkinder gewidmet lvird. Die Mitteilung des Statthalters: „Seine k. u. k. Apostolische Majestät haben für die Aktion „Frühstück für unsere Schulkinder" eilie Spellde voll 10.000 Kronen aus Allerhöchsten Privatmitteln allergnädigst zu bewilligen geruht. Hievon beehre ich mich, die geehrte Redaktion mit dem Beifügen in Kenntnis zu setzen, daß ich den obbezeichneten Betrag dem Herrn Bürgernleister von Wien, lvelcher die Durchführung der Aktion übernommen hat, überweisen werde. Der k. k. Statthalter: B l e y l e b e n." Gegen 250.000 Kr. Spendell sind bereits für dieseri schönen Zweck eingetausen, groß e n t e i l s von I u d e ll. Daß mit diesen», Schulfrühstück eine beispielgebende Idee inßs Leberl tritt, beweist, daß aus Budapest ein Delegierter eingetroffen ist, der sich über die Einzelheiten informiert und daß mall auch in G r a z urld Wiener-Neustadt die gleiche Institution einzuführen beschlossen hat. Wäre es nicht an g eb ra cht, a u ch für jene a r ill c n!j ü d i sch e ll K i n d e r, t) i c ü u r rituell s p e is e u eine gleiche Aktion e i n z u l e i t e n? Ein Stimmungsbild. ..Werden wir zu Roschhaschonuh auch hier speisen können?" — ..Gewiß, kommen Sie nur", erwidert die Vorsteherin mit der ihr eigenen Ruhe und 'mit jenem ruhigen Lächeln, welches um die Lippen einer vorsorglichen Mutter spielt, wenn sie für ihre Kinder die ersehnte Feiertags,nehlspeise bereits gesichert weiß. ,.Gott sei Dank", preßt es sich aus dem bekümmerten Herzen der Frau, die wohl mehr durch Sorgen als durch ihre Jahre gealtert erscheint und der man gewiß das Epitheton „Dame" nicht vorenthalten würde, wenn man ihr nicht hier in der Speisestelle für den Mittelstand und für Handelsbeflissene in ihrer Eigenschaft als Stammgast begegnete. .Und beglückt reicht sie dem zehnjährigen Töchterchen die Hand, welches seit Monaten hier mit Muttern verköstigt wird. Der Vorsteherin einen anmutigen Knir des Kindes und einen stummen Blick mit artiger Verbeugung der sagen wir es nur gerade heraus Dame, denn Worte hat sie keine sie hat sich mit dem Seufzer aus gepreßtem Herzen „Gott fei Dank" erschöpft. Die Vorsteherin aber sorgt für Fleisch nach der Suppe am ersten Tage Roschhaschonuh und dazu Zwetschkenröster und an einer bei der Mehrzahl der Gäste beliebten Mehlspeise soll es auch nicht fehlen. Für den zweiten Tag — es ist ein Freitag — ist ihr der Fleischersatz, der Fisch, für 8 -900 Hungrige bereits zugesichert. Das soll nicht etwa den Stammgästen verraten sein, denn die Mittel erlauben ja nicht, für weitere Esser die Werbetrommel zu rühren. Das soll Ihnen, liebe Leser, und noch eindringlicher Ihnen, liebe Leserinnen, erzählt sein, die Sie es werten können, was die Besorgung dieser Kostbarkeiten für so reich besetzte Tische für Mühe und Sorgen verursacht. Ihnen, verehrte Damen, ist die größte Sorge vorweggenommen, denn Ihre guten Männer mühen sich, die Anschafsungsmittel beizustellen — anders aber hier, wo man eine bekömmliche und auskömmliche Mahlzeit inklusive Brot ,um Kr. 1.20 liefern soll, und , deshelb. verehrte Damen, geht an Sie die Bitte, Ihre guten Männer zu bewegen, diese wohltätige Gründung, die noch ausgeweitet werden kann, soll und muß. materiell zu unterstützen.