Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 41 (17.10.1916)
- Date
- 1916-10-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 688 Tr. Bloch's Wochenschrift Nr. 41 Ein Mouatsbcitrag von 5 oder 10 Kronen und mehr kann es noch Hunderte Non Personen, die es vorziehen, zu hungern, ehe sie in die Volksküche lgehrn, ermöglichen, hier in guter Gesellschaft, in einem freundlichen Lokal, von liebevollen Händen bereitet und aufgewartet, ihre Mahlzeit zu verehren. Einstens haben unsere Frauen darin gewetteifert, wessen Mittel es erlaubten, schönere Kleider und Hüte anzuschaffen, mehr Schmuck auf sich zu laden. Das äst gottlob anders geworden. Die große Zeit hat erzieherisch gewirkt, denn, wenn es auch noch Ausnahmen gibt, welche von bösen Neidern mit doppeltem Blick gesehen und gezählt sind, so wissen wir. die Eingeweihten, es anders: wir wissen unter den Frauen einen edlen Wettstreit entbrannt, wessen Mann mehr für die Bedürftigen leisten kann. Ihre Männer, die guten, werden ihnen Gehör schenken und sie über die Börse verfügen lassen. Vorher aber seien Sie höflichst eingeladen, an einem der nächsten Tage einen persönlichen Besuch in der Speise st eile für den Mittel st and und für H a n d e l s a n g st e 11 t e, 1. B e z., E ß l i n g g a s s e l 8. zu machen, und haben Sie erst das Getriebe gesehen, dann werden Ihnen die Augen, die Herzen übergehen und eine gute Sache wird durch Sie gefördert erscheinen. Hier werden Sie nächst der Vorsteherin einen Ring von Damen aus der besten Gesellschaft versammelt sehen, Damen, die in ihrer Häuslichkeit von «ihrem Stubenmädchen nicht so aufmerksam bedient werden, wie die Kostgänger dieser Speisestelle, weil diese eben mit Liebe und Aufopferung bedient werden. Danken Sie .durch Anerkennung, durch reichhaltige Unterstützung auch diesen vornehmen Damen vom täglichen Dienst! _ B. Reich. Zur jüdischen Waiscnaktion in Galizien. Die an der Spitze dieser wichtigen Aktion stehenden Persönlichkeiten sind nunmehr bestrebt, auch die lveitesten Kreise der galizischen Judenheit zur Förderung derselben heranzuziehen. In diesem Sinne richtete auch Rabbiner Dr. Guttmann in Lemberg im Anschlüsse an seine Predigt am zweiten Neujahrstage einen warmen Appell an die Gemeindemitglieder, dem Reichsverein für jüdische Kriegswaisen durch reichliche Zuwendung von Spenden wie auch durch Mitgliedsbeiträge zur Realisierung seines auf viele Jahre in Aussicht genommenen Arbeitsprogrammes zu verhelfen. Dank dem Entgegenkommen unserer schlesischen Glaubensgenossen, ganz besonders der dortigen „B'nai B'rith"-Äoge, gelang es, in der nahe von Biel reizend gelegenen Sommerfrische Ernsdorf ein sehr nett eingerichtetes Waisenheim zu errichten, in dem zunächst 88 Waisenkinder aus den im Laufe der letzten Zeit evakuierten Ortschaften Ostgaliziens untergebracht wurden. In kurzer Zeit sollen dann weitere Transporte folgen, nachdem die zu diesem Zwecke adaptierten Villen etwa 250 Waisen lindern Raum gewähren können. Den Transport und die Installierung der Kinder an Ort und Stelle leitet persönlich der Generalsekretär des Fürsorgekomitees Herr Rubenzahl. Nach den beiläufigen Berechnungen des Lemberger jüdischen Hilfskomitees befinden sich in verschiedenen ostaalizischm Ortschaften ungefähr 5000 verlassene Kriegswaisen, deren baldigste Unterbringung in ähnlichen Anstalten vom Standpunkte der Menschlichkeit und der Staatsraison, nicht zumindest jedoch auch zwecks Erziehung dieser armen Waisen zu treuen, selbstbewußten Juden, als eines der wichtigsten jüdischen Augenblicksprobleme unseres Kronlandes erscheint. V. . . . 15. Tätigkeitsbericht des Armen-Ambulatoriums de:- Zionistischen Zentrallomilees für Kricgeflüchtling, 2. Bez., Tabor strafte 20 a. In der Besuchszeit vom 1. bis' 30. September 1913 wurden behandelt in der Ambulanz für: Augen 198, Chirurgie 108, Frauenkrankheiten 402, Haut- und Geschlechtskrankheiten 108, Interne I 304, Interne II 146, Interne III 398, Kinder I 129, Kinder II 1, Nase und Kehlkopf 101, Nerven 195, Ohrenkrankheiten 48, Orthopädie 0, Zahnheilkunde 268, Zusammen 2406 Patienten. Seit Bestand des Ambulatoriums 75.528 Patienten. I om-Kippur-And a cht im Dienste. Bei einer Flieger-ErsatzkoMpagnie, deren Mannschaft größtenteils älteren Jahrgängen angehört und aus Wien stammt, hielt der dort eingeteilte Rabbiner Doktor Philipp Goldberger eine aus Gebet, Seelenseier und Betrachtung bestehende Andacht ab, da eine Absentierung aus Dienstesrücksichten nicht erfolgen konnte. Sowohl auf die abmarschierenden wie auf die verbleibenden Angehörigen der Abteilung wirkte die Feier ebenso stimmungsvoll wie erhebend; besonders fand der Hinweis auf die Vereinigung der Treue gegen den Väterglauben mit der Treue gegen das Vaterland und die Unterordnung unter die Anforderungen des Allerhöchsten Dienstes volles Verständnis und echten Widerhall bei den Teilnehmern, die sich sämtlich dem Fastengebote des Tages unterworfen hatten. Der LenÄerMr KultuWorstand und dieReichsorganisation der Kultusgemeindelt. In zwei Sitzungen bdfaßte sich de? ulltängst ernannte Kultusbeirat, unter Vorsitz des Reg.-Kommissärs Dr. Emil Parnas, mit der Frage des Gesetzentwurfes über die Reichsorganisation der Kultusgemeinden. Nach einem' Referate des Dir. Feldstein, dem sich ein zweites Referat des Dr. Ringel anschloß, und nach einer eingehenden Diskussion, in welcher gewissen Befürchtungen und Zweifeln Ausdruck verliehen wurde, entschied sich der Lemberger Kultusvorstand dafür, den Regierungsentwurf des Gesetzes über die Re'chsorganisation im Prinzip aNzunehmen, jedoch gegen zwei Bestimmungen des Entwurfes entschieden Stellung zu nehmen, und zwar gegen die Zweiteilung Galiziens durch Bildung von zwei Landesverbänden, sowie gegen die stiefmütterliche Behandlung der galizischen Judenschaft, welche zirka 900.000 Seelen zählt, iit bezug auf die Zahl der Delegierten in der Reichsversammlung und im Oberrat. Der Beschluß wurde — nachdem der erste Referent Dir. Feldstein einige Einwände fallen ließ und deni Kompromißantrag beiaetreten ist — c i n ft i M m i g gefaßt. In dieser Angelegenheit soll noch iM Laufe dieses Monats ein persönlicher Meinungsaustausch zwischen den Vorständen der größeren KültusaeMeinden Galiziens in Krakau stattfinden. Wahl eines Kultusvorstchers in Karlsbad. Bei der asm 8. Oktober stattgefundenen Wahl eines Kultusvorstehers der israelitischen Kultusgemeinde Karlsbad wurde einstimmig der bisheriae Stellvertreter des verstorbenen Vorstehers Ludwig Mose r, Herr Adolf Rosenfeld, zstm' Kültusvorsteher und. Herr Josef H a i n s f u r t h zum Vorsteherstellvertreter gewühlt. Herr Adolf Rosenfeld und Herr Josef H a i n s - furth gehören dem Vorstande der Kultusgemeinde seit 42 Jahren an: seit dieser Zeit hat auch Herr R ose n - feld die Ehrcnstelle des Vorsteherstellvertreters bekleidet, war hervorragend an der Erbauung der Karlsbader Synagoge, des Kaiser Franz Josefs-Hospizes tätig . und hat insbesondere die Agenden der FlüchKingsfürsorge geleitet. Herr Josef Hainsfurth bekleidete bisher die Ehrenstelle des Schriftführers der israelitischen Kultusgemeinde. Herr Adolf Rosen feld ist fermer seit mehreren Jahrzehnten Mitglied des Karlsbader Stadtverorduetenkollegiums.