Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 41 (17.10.1916)
- Date
- 1916-10-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 679 aber einzelne slavische Worte vorck^) In den österreichischen Herzogtümern an der Enns treten uns jüdische Kammerherren mit slavischen Namen, Lublinus und Nekelo, entgegen.^) In Litauen sprach, nach dem Zeugnis eines damals lebenden Rabbiners, noch im 17. Jahrhundert ein großer Teil.der Juden Slavisch.-O) Bei den südrussischen Juden der Ukraina hat sich bis heute die Tradition erhalten, daß ihre Vorfahren einst Slaoisch als Muttersprache redetenW) Das heutige von den osteuropäischen Juden gesprochene Jüdischedeutsch (Jiddischträgt in der Konjugation, in der Komposition von Präfixen, in der Phraseologie wie im Wortschatz eine sehr tiefe Signatur des Slavismus, die durch den Einfluß des Milieus allein sich kaum erklären läßt. Die slaoisch redenden Juden des europäischen Ostens beugten sich dann der sprachlichen Suprematie der jüdischen Einwanderer aus Deutschland, es zog sie ganz merkwürdigerweise zum Germanentum und sie gaben bewußt ihre Landessprachen auf zugunsten des Idioms der aus Deutschland eingewanderten Glaubens-und Voltsgenossen. Ein gelehrter, im Polen des 16. Jahrhunderts ansässiger Rabbiner drückte seine Achtung vor der deutschen Sprache aus: „Die deutsche Sprache, welche in den meisten Ländern, speziell in der katholischen Welt (Malkuth Edom) Eingang gesunden hat, ist angesehen und würdig und geht allen anderen Sprachen voran."-) Ein litauischer Rabbiner drückte zu Beginn des 17. Jahrhunderts beit Wunsch aus: „Gebe Gott, daß die Erde mit Wissen erfüllt werde und alle Juden deutsch reden. Die Osteuropäer jüdischen Glaubens haben in der Neuzeit für die Verbreitung deutscher Art jenseits der Grenzpfähle des ethnographischen Deutschland still, aber gründlich, mcht Weniges geleistet. In Budapest werden die großen Tageszeitungen von Juden redigiert und auch ausgesüllt. Die zwei Millionen christlicher Deutschen im Magyarenstaate konnten es zu einem Organ von Bedeutung nicht bringen. In Prag sind die Repräsentanten des Deutschtums der Mehrzahl nach mosaischer Konfession. In manchen Gegenden der Sudetenländer hält der tschechische Bauer jeden, der deutsch spricht, für einen Inden. In der Bukowina würde das Deutschtum ohne die Juden jeden Rückhalt verlieren. Gegen die Errichtung nichtdeutscher Mittelschulen in von Juden bewohnten Städten lehnten sich die Bukolvinaer Bekenner des Mosaismus immer heftig auf. (WiLnitz, 1909—1910.) In Rumänien und Rußland sind die Juden die einzigen Gebildeten, die die deutsche Sprache und die deutsche Kultur sich aneignen, während die dortigen Christen der französischen Kultur zuneigen. Das Zentralorgan der zionistischen Weltorganisation erscheint in deutscher Sprache. (Schluß folgt.) Zur Frage der Ausgestaltung der Israel. Religionsgesellschaft. Bon Rabbiner Gcdalje Schmelkes in Przeinysl. In anerkennenswerter, dem Einvernehmen mit dem Rabbiner in einer eminent -wichtigen Angelegenheit freundlichen Stimmung wurde ich vom geehrten Vorstande unserer Kultusgemeinde zur Teilnahme cm der Beratung über den von der hohen k. k. Regierung den 18) Kazimierz Stronczynski: Dawne mon<tv poUkie I, 155, Pioirkow 1385. 39) Depping: Die Juden im Mittelalter, 192, Stuttgart 1831. -o) Refponfen Eburath Anaschim, Supplement 21 b, Amsterdam 1687. 21) Harkawy: Hajhudim i sfath baslavim. —) Salomo Loria: lam Lebet Lcblome, 50 b, 23) Gburath Anaschim: ib. Gemeinden zur Begutachtung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes für den Ausbau der äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religiousgesellschast und zur Vorlage meiner Vorschläge eingeladen. Ties überzeugt, daß meine Abänderungsanträge eine Skizze derselben wurde von mir dem Vorstände schon am 29. August vorgelegt, die endgiltige Redaktion derselben mußte jedoch krankheitshalber verschoben werden das Werk nur verbessern und jedenfalls den zumindest objektiv denkenden G-gneru annehmbarer machen könnten, möchte ich sie gerne der großen jüdischen Oejfentlichkeit unterbreiten, um sie jür meine ehrlich dem Wöhle unserer t'-'e meinschast gewidmeten Vorschläge zu interessieren. Ich beabsichtige das Elaborat der hohen k. k. Regierung zu überreichen und will mich der angenehmen Hoffnung hingeben, daß maßgebende jüdische Kreise und gewichtige Jaktoren sich der Sache annehmen und an den höchsten Stellen bejürivorten werden. -Pr jenen reche.:e ich in erster Reihe die verehrte Vorstellung der Wiener israelitischen Kultusgemeinde, an ihrer Spitze ihren greisen, an Geist und Tatkrajt jugendsrischen Präsidenten Herrn Dr. Alfred Stern -'rrr den-n die jüdische Welt in Oesterreich Dank schuldet dafür, daß sie vor Jahren noch die Initiative in dieser -Angelegenheit er griffen und sie bis jetzt nicht ans dem Auge verloren haben. Möge dieses gute Werk in bester Weise getingen zum Wohle der jüdischen Gemeinschaft. Przeinysl, am 13. September 1916. Abänderun gsanträ ge zum Entwürfe eines Gesetzes für den Ausbau der äußeren Rechrsverhältuiffe der ifrnelitisd]eit Religionsgesellschasi. Einleitend sei bemerkt, daß die oftmals gemachten Versuche, die große, den Interessen des österreichischen Judentums einzig entsprechende Idee, eine Organisation der Juden Oesterreichs dnrchzusühren, hauptsächlich gescheitert sind an dem hartnäckigen Widerstande, welchen besonders zwei grundverschiedene Elemente des gulizifchen Judentums der Sache entgegengebracht haben. Es ist einerseits ein an Zahl vielleicht kleinerer, doch an einiger Macht größerer, jedenfalls gntjüdifcher Teil der strenggläubigen, gesetzestreuen Kreise, dem der Sinn für Ord nung abhandengekvminen ist und der gegen die Ein sührung einer solchen, in jedweder J-orm immer, sich sträubt wie ein störrisches Kind gegen jede Art von Sauberkeit, und andererseits jener Teil der intelligenten, fortschrittlichen Kreise, der aus Oppositionsrücksichten jede Wahrnehmung besonderer jüdischen Interessen perhorresziert, die auch nur den Schein eines, wie ein rotes Tuch gefürchteten, Separatismus erwecken könnte. Es ist selbstredend, daß es neben redlich denkenden und tut guten Willen und in bester Absicht handelnden Elementen in beiden Lagern auch solche gibt, die ihre Suppe zu kochen beabsichtigen an dem Jener, das sie durch ihre Gegnerschaft entfachen. Solche einander innerlich bin metral entgegengesetzten Elemente reichen einander, lei der zu oft mit Erfolg, wie zwei sich berührende Pole die Hände, um ein gutjüdisches Werk zu stören, ohne .Rücksicht daraus, daß damit Zwiespalt in die Reihen der jüdischen Gemeinschaft gesät wird, zum Gaudium unserer Gegner. Andererseits kann nicht geleugnet werden, daß auch ehr lieh denkende, gutjüdische Kreise sich nicht freimachen können - sagen wir es aufrichtig, nicht ohne jediveden Grund von einem gewissen Mißtrauen gegen eine Neuerung, welche, speziell in kultuetlen Fragen, eventuell eine Suprematie von ihrem Wesen kultuell heterogenen, wenn auch gutjüdischen Elementen mit sich zu bringen geeignet ist und also Bedenken tragen, auch den gegenwärtigen Entwurf in Pansch und Bogen anzunehmen. Von denl Gedanken ausgehend, daß jede Ordnung auch