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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-10-06 · 40 (6.10.1916) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr 40 Tr. Bloch'S Wochenschrift Seite L69 rung Klasno-Wieliczkas versammelte sich wie eine ein-" zige Trauerfamilie an der Bahre und bestätigte somit das Wort unserer Weisen: „Aus der Trauer um einen Heimgegangenen wird erkannt, welche Bedeutung derselbe im Leben eingenommen." Herr Oberrabbiner Frankel hielt einen ergreifenden Nachruf, nachher sprach Herr Rabbiner Waldmann. Im Namen der Kultusgemeinde sprach der Kultuspräsident Herr!lais. 'Rat R o s e n z w e i g. Im Namen der Beamten sprach Herr Buchhalter Moritz T e m p l e r. Disenz. (Todesfall.) Am 1. Oktober wurde hier Frau Rofalie Reich aus Buchlowitz unter zahlreicher Beteiligung zu Grabe getragen. Die Verewigte war beseelt von mildem Geiste, echter Menschenliebe und Wohltätigkeit und tat sehr viel für Arme und Notleidende. Erfüllt von wahrhafter Frömmigkeit, betätigte sie mit peinlicher Genauigkeit in ihrem Hause alle Satzungen des Judentums. Dem Wunsche der Verblichenen entsprechend, wurde sie an der Seite ihres ihr im Tode oorangegangenen Gatten zur ewigen Ruhe gebettet. In der Zeremonienhalle schilderte Herr Rabbiner Dr. Hofs mit zu Herzen gehenden Worten deren rühmliche Eigenschaften, pries sie als „esches chajil" und hob ihre Verdienste um Haus und Familie hervor. Die Trauergesänge exekutierte Herr Oberkantor I. L e w i t i n in würdiger Weise. Karlovac. (Jubiläum.) Eine recht schöne Feier beging die hiesige israel. Kultusgemeinde, das fünfundzwanzigjährige Dienstjubiläum ihres zweiten Kantors Isidor Groß am ersten Roschhaschono-Tage, in den Räumen ihres Sitzungssaales, der bis auf das letzte Plätzchen voll besetzt war. Nachdem der Jubilar von einer nach Hunderten zählenden Menge mit einem brausenden Zivio begrüßt worden war, ergriff der Vorsteher Dr. Dentroslav Reiner das Wort und würdigte im Laufe seiner viertelstündigen Rede die Verdienste des Jubilars sowohl in der Gemeinde als pflichtgetreuer Beamter, wie auch als Meister auf den 64 Feldern des Schachbrettes in der Problemkunst, dessen Ruf weit über die Grenzen unseres Vaterlandes hinaus gedrungen ist. Als Zeichen der Anerkennung seitens der Gemeinde überreichte der Redner dem Jubilar einen wertvollen silbernen Ehrenkelch. Nun erst trat Dr. B. Schick aus den Plan. Das dornenvolle Leben eines jüdischen Beamten, das von den Launen und den Unstimmigkeiten in den kleinen Gemeinden gewöhnlich verbittert wird, wie Mose sagte: ccm Drasriei er me nc\x rtrx (Er allein hat die Folgen eurer Zwistigkeiten zu tragen), betonend, legte er dem Vorstand die Notwendigkeit einer Gründung eines Pensionsfonds für die Witwen der jüdischen Beamten ans Herz. Nachdem noch eine Abordnung des Schachklubs den Jubilar als Gründer und Verfasser des ersten kroatischen Schachlehr- und Problembuches begrüßt hatte, ergriff der sichtlich ergriffene Jubilar das Wort. Er dankte für all das Gute und Fürsorgliche, das ihm int Laufe dieser langen Zeit seitens der Gemeinde wurde und schloß mit dem Wunsche, daß seine gute Gemeinde und ihre Vorsteher in das Buch des Lebens eingezeichnet werden. Wer weiß? Smaje Kirmeier aus Oschechlibe, Bezirk Kotzmann (Bukowina), sucht seinen Sohn Moses Kirmeier und seinen zweiten Sohn Markus Kirmeier, der beim Militär dient. Nähere Mitteilungen erbeten an das Rabbinat Nimburg in Böhmen. M. Eisenkraft, k. u. k. Landsturm-Etappen-Bataillon 93, 3. Komp., Feldpost 512. sucht seine Eltern Eisig und Esther Eisenkraft aus Kotzmann. Jakob Leib Rum in Driwcitz bei Laun sucht seine blinde Mutter Blime Thau aus Soroski, Bezirk Kolomea. Milka Brechner in Treboc bei Laun sucht ihre Tochter Golde Rösie Hausknecht aus Czernalitza, Bezirk Horodenka. Mali Hutfchnecker aus Storozynetz (Bukowina), derzeit Treboc bei Laun, sucht ihre Angehörigen. Zuschriften an das Hilfskomitee für israel. Flüchtlinge in Laun. Naftali Karpen aus Demjanow bei Burstin, jetzt in der Flüchtlingsstation Ostrawitz, Bezirk Mistel (Mähren), sucht seine Frau Brane Karpen, die beim Einwaggonieren in Burstin in einen anderen Zug eingestiegen ist. Sara Reiter, derzeit in Böhm.-Kamnitz sucht Kele Hilftnrat aus Rakowizik. Zuschriften an das Hilfskomitee der israel. Kultusgemeinde Bodenbach. SL-l Mühelmacher aus Potok-Zlote b. Buczacz sucht ihre Tante Eserhai.i Rindner sowie ein Kind Sch:indl Gradtacher. Anfragen sind zu richten an Sigmund Doktor in Dürrmaul b. Marienbad. Die in Radovesnic. Bezirksbauptmannschaft Neubydzow. wohnhafte Pepi Gold aus Sipot-Kameral (Bukowina) verlor bei der Flucht aus ibrer Heimat ihre fünf Kinder: Scheva, 12 Jahre alt. Josef, 10 Jahre alt. Heinrich, 6 Jahre alt, Jsak, 4 Jahre alt, Mendl, 2 Jahre alt. Feuilleton. Feiertags Erinnerungen.*) Bon Dr. Alexander Lcderer. kgl. ung. Ministrialsekretär a. D. Aus vergilbten Blättern gebleichte Schrift. Ich blättere in meinen Auszeichnungen. Ich denke an meinen Bater, jenen beispiellos guten Menschen, der. so oft er mir, dem Kinde, von alten Erinnerungen erzählen wollte, stets sein hundertjähriges Gebetbuch hervorholte, aus dessen zerfaserten, gelbgewordenen Blättern allmählich entfärbte Auszeichnungen alte Erinnerungen verewigen. Dieses heilige Buch ist mir ein heiliges Erbe und mit Gottes Hilfe sollen auch diese Erinnerungen an die Reihe kommen. Heute aber, da ich über Feiertags-Erinnerungen schreiben möchte, schürfe ich in meinen eigenen Notizen und lese in wehmutsvoller und doch glücklicher Stimmung die Zeilen, welche die Erinnerung in mir wachriefen, daß ich im Jahre 1888 die hohen Feste in Brüssel verbrachte. Ich war Ministerialsekretär. Graf Paul Szechenyi war mein Minister. Belgien hatte im Jahre 1888 seine erste Weltausstellung in Brüssel veranstaltet und unsere Regierung verfügte mit Rücksicht darauf, daß Königin Marie Henriette von Belgien eine ungarische Erzherzogin war, daß die landwirtschaftlichen und industriellen Erzeugnisse Ungarns auf der Ausstellung würdig vertreten seien. Die ungarische Abteilung der Ausstellung habe ich im Einvernehmen mit dem belgischen Generalkonsul D u ck e r t s eingerichtet und vertreten. Eine wunderbare, nur in unserem gesegneten ungarischen Vaterlande denkbare Erscheinung. Graf Paul Szechenyi, dieser stolze, hossartige, einigermaßen antisemitisch veranlagte, aber durchaus vornehme, wahrhaft adlige Aristokrat, entsendet mich, den rangjüngsten Ministerialsekretär, den Juden, nach Brüssel, und ich, der Jude, begrüße die Königin bei der feierlichen Eröffnung der Ausstellung in der ungarischen Abteilung in ungarischer Sprache, und mir antwortet die Königin ungarisch. Gesegnet das Land, in welchem der Antisemitismus solcherart gewesen ist! Zufolge meiner Betrauung mußte ich fast ein ganzes Jahr mich in Brüssel aufhalten, und so kam es, daß ich auch zur Zeit der hohen Feiertage in Brüssel weilte. Ich wurde unter anderem auch damit beauftragt, mit den belgischen Finanzkreisen die Verbindung zu suchen und sie für die ungarischen wirtschaftlichen Interessen zu gewinnen. Das war keine leichte Sache. Auf dem belgischen Geldmärkte haben nämlich die belgischen Katholiken die Führung und man kann dem Belgier alles eher nachsagen, als daß er liebenswürdig sei. Im Gegenteil, aber sehr im Gegenteil! Der Belgier, richtiger, der sich einen Belgier nennt und sich für einen solchen hält, der also weder Franzose, noch Ballone oder Vläme ist, ist so geartet wie z. B. der seiner Religion untreu gewordene *) Diese historisch interessante Reminiszenz ist der auch sonst inhaltsreichen Roschhaschono-Nummer des ..Egyenlöseg" entnommen.

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