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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-10-06 · 40 (6.10.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
40 (6.10.1916)
Date
1916-10-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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«Seite 664 ' Tr. Bloch'S städtischen jüdischen Bürgern. Wie ich da alle sah, schrie in mir eine Stimme: „Wir Juden, wir sind ein Baum, der allen Stürmen trotzt, wir erfüllen unsere Pflicht aegen unser Vaterland, vergessen aber nicht an unseren' Gott." Unseren Feldrabbinern Dr. Tauber und Doktor Deutsch, und den militärischen Behörden wissen wir Dank, daß alle hier versammelt waren. Auf Ansuchen des Stationsfeldrabbiners Dr. Ernst Deutsch! ist ein großer, geräumiger Saal angewiesen worden, wo die Gottesdienste .am Neujahrsfeste abgehalten worden sind. Zwei Berufskantoren, Landsturmmann Marmor st ein aus Friedek und Art.-Korporal Rot stein aus Ungarn, waren Vorbeter. Auch eine rituelle Küche wurde eingeführt, wo fast alle jüdischen Soldaten und einige Offiziere rituelle Kost bekamen. Am Mittwoch abend hielt, nach dem Beten, Armee- Feldrabbiner Dr. M. Tauber eine Ansprache, in welcher er in gefühlvollen Worten auf die Bedeutung des Glückwunsches urcn naiö hinwies, und ihn uns allen zurief. Am ersten Tage des Neujahrsfestes hielt Feldrabbiner Dr. Deutsch eine Predigt. Er sprach vom Herzen. Zum Schluß wendete er sich an die Laibacher Bürger und sagte, sie mögen trachten, hier eine jüdische Gemeinde zu gründen und den Kindern eine jüdische Erziehung zu geben. Die Worte waren von Wirkung. Daraufhin wurden bei den Thora-Aufrufen zwecks Tempelbaues 4000 Kr. gespendet. Auch für den Kriegswaisenfonds wurden 1000 Kr. bestimmt. Die Sammlungen werden fortgesetzt. Freitag abends war beim Beten der Platzkommandant Oberstleutnant Theiß anwesend. Er kam auch zum rituellen Nachtmahl, wo als Repräsentanten der Laibacher Judenschaft Herr und Frau Rosner, Herr und Frau G r u s ch k a und die Herren G r u m m e r und Landskronner zugegen waren. Es herrschte Ruhe und Ordnung. Nach dem Nachtmahle hielt Dr. Tauber eine Ansprache, die Begeisterung auslöste. Hurra- und Eljenrufe folgten darauf. Auch der Gottesdienst aM Samstag hatte einen festlichen Charakter. Für die jüdischen Kriegsgefangenen , fanden die Gottesdienste im Soldatentempel statt, wo die Feldrabbiner abwechselnd predigten. Laibach. _ M. St—n. Flüchtlingsstation in Ung.-Hradisch. Ung.-Hradisch ist ein kulturell höher entwickeltes Städtchen mit einer Einwohnerzahl von ungefähr 11.000 Seelen, wenn man den Vorort Altstadt dazurechnet. Es zeichnet sich durch seltene Sauberkeit und großstädtischen Zuschnitt aus und besitzt mit seiner Autonomie, seinem Kreisgerichte, seiner Finanzdirektion und seinen verhältnismäßig vielen Bildungsanstalten, die von der Jugend der Umgegend in weitestem Umkreise wie auch von vielen Wienern besucht werden, einen gewissen Vorrang unter seinen Nachbarstädten. Indessen, wenn es auch von jeher eine lokale Bedeutung besaß, teilte es im übrigen das Schicksal aller kleinen Städte eines großen Reiches — es blieb ungenannt und unbekannt. Daran ändert nichts der Umstand, daß es an der Hauptstrecke der Nordbahn liegt, die den Verkehr zwischen dem Osten und Westen der Monarchie vermittelt. Denn die Ostländer, die diese Bahn benützen, haben gewöhnlich Wien zum Reiseziele und für sie ist Un.g-Hradisch eine unbeachtete Station wie andere mehr an dieser Strecke, bei denen sie nichts anderes empfinden als die Verzögerung der Reise, die die Existenz dieser Orte mit dem dadurch bedingten Halten des Zuges verursacht. Es ist aber hierin ganz anders geworden. Der Krieg, der so manchen Wandel Wochenschrift Nr. 40 bewirkt, Hochstehende erniedrigt und Niedrige emporgehoben Hatz hat auch in der Bedeutung von Ung.-Hradisch einen Umschwung herbeigesührt. Früher eure störend empfundene Durchzugsstation, ist es jetzt selbst Reiseziel für Tausende und aber Tausende geworden. Dicht gedrängt, oft in Last- und Viehwagen in buntem Durcheinander, streben sie Hradisch zu und nähern sich ihm erwartungsvoll mit Gefühlen, gemischt von ,Hoffnung und Furcht: „Werden wir uns endlich erholen können von den ausgestandenen Schrecken und Mühsalen, oder gehen wir neuen Leiden entgegen? Wird uns die Fürsorge der Regierung und die Teilnahme der Landesbrüder unser Schicksal erträglich machen, oder werden wir im eigenen Vaterlande, für das wir leiden und bluten, erfahren müssen, was es heißt, Heimat- und mittellos zu feilt." lieber all dies sollen sie in Hradisch Gewißheit erhalten. Denn Hradisch ist feit Kriegsbeginn infolge seiner zentralen Lage zur Quarantänestation und später auch zur Samnrelstelle mit Perlustrierungskommission für die Flüchtlinge aus unseren östlichen Provinzen ausersehen worden, und hier wird es entschieden, wer in die gefürchteten Baracken geschickt werden soll, um dort „eilt entbehrungsvolles und der Freiheit halb beraubtes Leben zu führen, und wer des Glückes teilhaftig werden soll, einen Ort zur freien Wohnung angewiesen zu bekommen mit staatlicher Unterstützung. So ist Hradisch geradezu zu einer Berühmtheit geworden, aber wahrlich nicht zu einer beneidenswerten. Man muß erwägen, was das für eine kleine Stadt mit beschränktem Wirtschaftsapparat bedeutet, seit zwei Jahren schon Mittelpunkt der Flüchtlingsbewegung zu sein, man muß erwägen, wie mannigfache Wünsche so unzählig viele, teils Not und Mangel leidende, teils unbeholfene und unerfahrene Menschen in so ungewohnter Lage haben müssen, um zu ermessen, vor welch , schwere Aufgabe Hrabisch. gestellt, ist,, wenn es nicht bei der so erschütternden Bewegung den müßigen, teilnahmslosen Zuschauer abgeben will. Denn so verschieden auch die Ankömmlinge an Stand und Stellung und darum auch an Wünschen und Bedürfnissen sein mögen, darin sind sie alle gleich, daß sie des Beistandes oder Rates der Einheimischen bedürfen. Wohl ist jetzt schon alles aufs beste geregelt und die in zwei Jahren gesammelten Erfahrungen der Regierungsorgane kommen den Flüchtlingen zugute, aber die Aufgabe ist so groß und schwer, daß die naturgemäß nur ungenügende Zahl der bezahlten Faktoren sie unmöglich allein lösen kann. Da ist zunächst das Erste und Wichtigste die Bespeisung der Ankommenden. Die Meisten von ihnen werden gleich nach ihrer Ankunft in den Flüchtlingslagern in Hradisch und dessen nächster Umgebung untergebracht; da aber die Lager oft überfüllt sind, bleiben sie einige Tage in den Zügen auf Seitengeleisen und werden dort bespeist. Da gilt es zu verhüten, daß einer "zweimal, der andere bessere aber, dem es' widerstrebt, sich vorzudrängen, gar nichts bekommt. Das vermag der bezahlte Austeiler nicht, das müssen Private besorgen. Die Aüskunfterteilung können die Beamten bei so großen Menschenmassen unmöglich bewältigen ünd sie werden unvermeidlich barsch und unzugänglich; da heißt es wieder, von privater Seite beistehen. Und man kann sich leicht vorstellen, von welchem Werte ein freundliches, teilnehmendes Wort für Menschen ist, die von den ausgestandenen Schrecken verwirrt und verstört sind. Dann kommt das Besuchen der Lager, um etwaige Beschwerden über mangelhafte Nahrung und Unterbringung entgegenzunehmen und deswegen an kompetenter Stelle vorzusprechen. Am meisten zu schaffen aber geben jene, die zwar nicht vermögend sind, aber infolge einer besseren Erziehung und feinerer Lebensgewohnheit das Masseu- ■

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