Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 40 (6.10.1916)
- Date
- 1916-10-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022236--25458-3050762- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 663 Korrespondenzen. DlaA jüdische Herz. Von einem schönen Akt jüdischer Nächstenliebe und Brüderlichkeit berichtet die Budapester „Allgemeine Jüdische Zeitung". In der Redaktion dieses Blattes erschienen fünf russisch-jüdische Kriegsgefangene, die in einer Budapester Fabrik arbeiten, und erlegten 32 Kronen für die jüdischen Flüchtlinge ans Siebenbürgen. Nach ihren Angaben arbeiteten in dieser Fabrik 17 jüdische und 2 christliche Russen, und als sie dort einen Aufruf für die siebenbürgischen Flüchtlinge lasen, beschlossen sie, von ihrer Löhnung einen gewissen Betrag für diese Flüchtling zu spenden. Auch die zwei christlichen Gefangenen beteiligten sich an der Sammlung. Sanun'lstelte für Gefangenenleltüre. Die vom Füüsorgekomitee des Roten Kreuzes für Kriegsgefangene ins Leben gerufene Sammelstelle für Gefangenenlektüre fungiert nunmehr schon dreiviertel Jahre als die offizielle Büchersammel- und Versandstelle Oesterreichs für die in den feindlichen Staaten zurückgehaltenen Kriegsgefangenen. Während die Abteilung 11, des G.-Z.-N.-B. die Aufgabe hat, an einzelne Kriegsgefangene von deren Angehörigen bezahlte Bücher anzukaufen und zur Versendung zu bringen, hat sich die Sammelstelle für Gefangenenlektüre in freiwilliger Liebestätigkeit zum Ziele gesetzt, die Massen der Kriegsgefangenen ausreichend mit Bibliotheken zu versorgen. Ihre Sendungen gehen an ganze Gefangenenlager im seindlichen Auslande und beinhalten, ihrem Zwecke entsprechend, wohlsortierte Büchereien. Solche normale Lagerbibliotheken mit je rund 300—400 Bänden enthalten aus den verschiedensten Wissensgebieten eine größere oder kleinere Zahl von Werken, die, für sich genommen, das betreffende Wissensgebiet möglichst vollständig un schti ß n So sind in diesen Büchereien Werke über Mathematik, Naturlehre, Physik, Chemie, Naturgeschichte, Geschichte — ausgenommen neuere Geschichte und Geschichte der kriegführenden Staaten —, Philologie, Rcchtswissenschast, Buchhaltung, Land- und Forflwirtschastslehre, technische Wissenschaften, soweit die militärischen und wirtschaftlichen Rücksichten diese zulassen, usw. enthalten. In keiner Kiste fehlen russische, englische und französische Wörter- und Sprachbücher, Liederbücher, Noten- und Bilderwerke sowie die so inotwendigen Gesundheitsbüchlein, Merlblätter gegen Cholera, Typhus, Ruhr und vieles anderes. Selbstverständlich sind Werke unserer Klassiker und heimischen Dichter sowie gute Unterhaltungslektüre in reichlicher Zahl beigegeben. 108 solcher Büchereien wurden bereits gepackt, von denen 90 an verschiedene Lager nach Rußland versendet wurden. Allmählich hat sich durch die Erfahrung und durch das Zusammenwirken von Fachleuten eine Praxis entwickelt, die, den gegebenen Mitteln und dem Zwecke entsprechend, wohl Bestes zu bieten vermag und gar manches Ausgezeichnete zu leisten verspricht. Ausgedehnte Räume, zahlreiche kundige und tatkräftige Mitarbeiter sowie reichliches Material sind die Voraussetzung für eine qualitativ und quantitativ hinreichende Versorgung der verschiedenen Lager mit solchen Bibliotheken. Wie ein Blick auf die Karte der Gefangenenlager in Rußland und Italien aber zeigt, können mit einer solchen Zahl von Sendungen noch lange nicht alle Lager, auch nicht einmal alle großen Lager, bedacht werden. Es ergeht daher an alle die dringende Bitte u m B üche r spen d en. Bücher jeder Art und aus allen Wissensgebieten, Studienwerke,- Lehrbücher, Klassiker, gute Unterhaltungslektüre, Liederbücher, Noten, Gebetbücher usw. sind höchst willkommen. In Anbetracht des patriotischen und wohltätigen Zweckes solvie im Hinblicke auf die große Bedeutung, welche die Lektüre für die Erhaltung der geistigen Frische und Zuversicht der schon so lange in trostlosen Verhältnissen dahinlebenden, von der Heimat oft vollständig abgeschlossenen Gefangenen besitzt, wurden Bücherpaketen bis zu 10 Kilogramm an die Sammelstelle für Kriegsgesangenenlektüre, Wien, 4. Bezirk, Karlsplatz 13, die Portofreiheit zugestanden. Wie die mühevolle Arbeit der freiwilligen Mitarbeiter, so hat sich derzeit auch die Freigebigkeit des Publikums bereits gelohnt: Die Ausfolgung der Büchereien an die österreichischen Kriegsgefangenen in Rußland und in Italien ist nicht nur gesichert, sondern auch bereits mehrfach bestätigt. Immer zahlreicher laufen aber nunmehr aus Rußland die sehnlichsten Bitten nach Büchern ein, seitdem unseren tapferen Kämpfern einmal bekannt wurde, daß sie auch diesbezüglich von uns aus versorgt werden können. { Wiener Büraer-Hilfslegion vom Roten Kreuz. Mit Zustimmung des k. u. k. Kriegsminifteriums und der Bundesleitung der Oefterr. Gesellschaft vom Roten Kreuz wird nun an die definitive Konstituierung der Wiener Bürger-Hilfslegion geschritten. Diese Lokalkrankcntransportlolonne will den Beweis erbringen, daß es int volkreichen Wien noch genug opferwillige und uneigennützige Männer und Jünglinge gibt, welche bereit und geeignet sind, den in Wien ankommenden verwundeten und kranken Kriegern einen Liebesdienst zu erweisen, ohne auf Entlohnung Anspruch zu machen, wie dies irr ganz Oesterreich und am Wiener Nord- und Nordwestbahnhof durch Feuerwehrleute und Turner geschieht. Der zu übernehmende Dienst besteht, nach vorheriger ärztlicher Schulung, im Tragen oder Führen Verwundeter und (infektionsfreier- Kranker aus den ankommenden Zügen zu den Transportmitteln und in der Hilfeleistung bei deren Labung, während einer zwölfstündigen Dienstzeit bei Tag oder Nacht in mehrtägigen Zwischenräumen. Körperlich rüstige Männer im militärfreien Alter und noch nicht dienstpflichtige junge Leute, welche sich der Wiener Bürger-Hilfslegion anschließen und freiwillig und unentgeltlich in diesem patriotischen Dienst mitzuarbeiten erbötig sind, werden eingeladen, sich beim Obmann des vorbereitenden Ausschusses, Herrn Anton H e m P e l, Kaufmann in Wien. 13. Bezirk. Cumberlandstraße 14, schriftlich anzumelden. Das Neujahrsfest in Laibach. Laibach, eine Stadt weit von Juden und Judentum, sah in den letzten Tagen ein sehr reges jüdisches Leben. Die Seele empfand eine schmerzliche Freude, als ich den Blick auf die vielen, vielen jüdischen Soldaten richtete, welche, gerissen von den Lieben in der weiten Ferne, hier aus verschiedenen Ortschaften versammelt standen und beteten. Der große Ernst, die tiefe Inbrunst der Betenden klang durch das stille Rauschen geheimnisvoll und seltsam. ... Ta standen Menschen, die außerhalb der vier Wände Männer der Tat, Kriegshelden waren, in sich gekehrt, vor Gericht ihres eigenen Ich. Das Gebet, dieses große Mysterium, welches alle da zu einer Seele und zu einem Willen so fest zusanw menschmiegte, sonderte alle die Versammelten von der übrigen Wett ab, entführte sie von der Gegenwart und geleitete sie aus den Flügeln der Phantasie in die Heimat. Da standen zirka 500 Soldaten, aus Laibacher Garnison und Zugereiste, außer den Ossizieren und den