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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-09-22 · 38 (22.9.1916) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
38 (22.9.1916)
Date
1916-09-22
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 63b Und hat einmal! der Jude seine enge Gasse verlassen müssen, dann war er um seiner bürgerlichen Sicherheit willen gezwungen, seine ganze Beobachtungskraft auf die ihn umgebenden uud >ans ihn auf jeden Schritt und Tritt lauernden Gefahren zu konzentrieren. Eine gewiß nicht verlockende Beschäftigung. Was Wunder also, daß der Jude es unter bicfcn Umstünden vorzog, sich seine eigene innere Welt zu schaffen, in die er sich flüchten und wo er ungestört und uneingeschränkt sich uuslebeu konnte. Angesichts der rohen .Wirklichkeit seiner Umgebung mußte ihm sein Gefühlsleben als ein Paradies erscheinen. Aus ähnlichen Gründen entwickelte sich beim Juden die Lernbegierde, da nur Missen allein ieiner Person einige Geltung zu verschaffen vermochte, und nur das Bewußtsein seiner geistigen Ueberlegenheit konnte beit allseits verachteten und mit den Füßen getretenen Juden ausrechterhalten. Sein so entstandener Wissenstrieb tonnte sich umso uugestörter befestigen und entwickeln, da sich ihm von außen keine Ableitung darbot. Und auf diese Weise entstand, luic Herr Dr. dientecef in bezogenem Werke richtig bemerkt, in jüdischen Kreisen ein bestimmtes Milieu und bestimmte Lebensgervohnheiten, die diese Veranlagung begünstigten. Wir sehen also, daß die Inden, ungeachtet des vielen Aufwandes, den die Rassentheoretiker mit scheinbarem Scharfsinn an den Tag legen, um das Gegenteil zu beweisen, ein historisches Produkt sind, die alle ihre Tugenden wie Untugenden im Laufe der Zeit infolge ihrer eigentümlichen Stellung, die sie gezwungenenoeise inmitten anderer Völker eingenommen, sich erworben. Und wenn ein Prophet seinerzeit von den Moabitern gesagt hat, daß diese ihre nationalen Eigentümlichkeiten nicht eingebüßt, weit sie ruhig in ihrem Lande gesessen und in die Verbannung nicht gegangen sind, so können wir dieses vice versa von den Juden mit Fug uud Recht behaupten. i. Schon heute unterscheidet sich der Westjude wesentlich Von seinen Glaubensgenossen im Osten, wiewohl die Assimilation erst sozusagen von gestern ist und diese den Juden nicht leicht gemacht wird. Wird aber der gemeinsame Feind, der uns nach Herzl zusammenhält, erst verschwinden, dann ist zu befürchten oder zu hoffen — wie man es eben nimmt —, daß sich der Jude vom Nichtjuden in nichts unterscheiden wird. Zum Schluß kann ich die Bemerkung nicht unterdrücken, daß ich die am Eingänge des obgenannten Artikels vom Schreiber ausgesprochene Erwartung, daß nach dem Kriege grundlegende Aenderungen auf dem Gebiete der Schule vorgenommen werden, leider nicht teilen kann. Hier wird man nach dem Kriege viel Wichtigeres zu tuu haben, als sich mit Schulreformen zu beschäftigen. In erster Reihe werden gewisse — leider noch immer einflußreiche — Kreise es eilig haben, sich wieder mit den Juden zu beschäftigen. Dieses wird ihnen umso nötiger erscheinen, da es ihnen darum zu tun sein wird, den guten Eindruck, den die Juden durch ihr in jeder Hinsicht aufopferungsvolles Verhalten während dieses Krieges auf maßgebende Kreise gemacht haben, so schnell als möglich zu verwischen und die während des Krieges unterbrochene Tätigkeit mit größerer Jntensivität aufzunehmen, um so das unfreiwillig Versäumte nachzuholen. Ihr glaubt es nicht? Weil ihr — um mit JesaiaS zu reden — Ungläubige (in bezug auf den Zeitgeist) seid! Stadt Kanitz. Schulleiter I. Fink.- Krrrfirastrn. X. Wolf Löwin (Ersatz-Bataillon 77) hat im August 1915 die silberne Tapferkeitsmedaille erhalten. Sonnenschein. In Nr. 7 der „Oesierreichischen Wochenschrift" 1916 findet sich die Liste der in den Militärspitälern von Miskolcz verstorbenen jüdischen Helden. In di.'ser Liste findet sich auch der Name Emil Sonnenschein, k. u. k. Inf.- N g t. 5 5. Derselbe ist auf dein jüdischen Friedhofe in Miskolcz beerdigt worden. K. F. Das Wort > d :< \v n <j n < wollen viele Einsender auf den Ursprung der Gebete als i$-• n Vätern« gestiftet erklären; denn die drei Erzväter haben nach talmudischer Tradition das dreimal tägliche Gebet eingerichtet. Dagegen verweist Herr Nathan Gelber, gew. Lultusprüsident aus Brodn. gegenwärtig in Ianosi, in einer interessanten Zuschrift auf das aramäische "J'Z. welches Bitten und Beten bedeutet. Er verweist auf Ies. 21, 12. po wo aber kaum vom Beten die Rede ist. Dagegen möchten wir auf Torgum verweisen, I. Sam. 1. 17. 27, mein Gebet, das ich vor ' 9 i i •'*» I'*» * i? ~ * 1 V «■* r . ' ihm gebetet; und Ief. 53,4. 87" 8^7" ^7". für unsere Sünden wird er beten. Notiz. Jüdische Bühne. Direktion S. P v d z a m c z e, 2. Bez.. Taborstratze 12 (Hotel Stefanie). W o ch e n - P r o g r a m m : Samstag, den 23. September. Neu, zum ersienmale: .,Nabbi Amnon" von Insane Toikef. Sonntag, den 24. September, nachmittags halb 4 Uhr: „Zu spät"; abends: „Rabbi Amnon". Montag, den 25. Sept., Dienstag, den 26. Sept., Mittwoch, den 21. Sept., Donnerstag, den 28. Sept. und Freitag, den 29. Sept.: Leine Vorstellung. Samstag, den 30. Septeniber: „Nabbi Ioselman". Sonntag, den 1.-Oktober, nachmittags halb 4 Uhr: „Abele Aschkenase"; abends 8 Uhr: „Dus Fhojrale". Th 'ola d ll f.nhe mrr Aus' att.ing: S iffung. Anzahl der P.ätzr: Einer im Betrage von Lr. 870. Bewerbungsdecechtigt sind: Arme israelitische wohlvcrhalte.ie Mädchen, welche sich im Brautstande befinden. Bevorzugt stad: 1. Verwandte des «tifters; 2. nach Wien zuständige oder im Bezirke Leopoldstadt in Wien oder in Wien überhaupt geborene Bewerberinnen. Lerleihungstag: 28. November 1916. _ Gesuchsbetlagen: Geburtsschein, Armutszeugnis, Sittenzeugnis, Brautstandsnachweis, Heimatschein, eventuell Nachweis der Verwandtschaft. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. September 1916. EinreichfteUe: 1. Bez-, Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). ~ Bewerberinnen, welche sich vor dein Verleihungstage der Stiftung (23. November) verehelichen, verlieren jeden Anspruch auf dieselbe. Mos e hshrltkli und Rosa Ehrlich Ltiftuug für Brautausstattung. Anzahl der Plätze: Zwei im Betrage von je Lr. 370.—. BewerbungsberechtigL sind: Arme jüdische Bräute. Bevorzugt sind bei gleicher Würdigkeit: a) in erster Linie solche bewcrbungsberechtigte Einfchceiterinnen, welche von dem Stifter, bezw. dessen Gattin in direkter Linie abstammen, oder mit denselben in der Seitenlinie nicht über den sechsten Grad hinaus verwandt sind; b) in zweiter Linie, nach Hvlleschan oder Lremsier zuständige Bewerberinnen.? Berleihur.gstag: 1l. Januar 1917 (17. Thebet), als Sterbegedächtnistag des Herrn Moses Ehrlich. GesuchsdeUageii: Geburtsschein, Armutszeugnis, Sittenzeugnis, Verlobungsnachweis, gegebenenfalls Verwandtschaftsnachweis, bezw. Heimatsschein. Letzter Tag der Einreichungsfrist: 30. September 1916. Einreichstells: 1. Bez., Seitenstettengasse 4, 2. Stock (Einreichungsprotokoll). Bewerberinnen, welche sich vor dem Verleihungstage verehelichen, verlieren den Anspruch auf diese Stiftung. Mar Marmarofch-Stiftung für Tchüler der Wiener Handelsakademie. Anzahl der Plätze: Liner oder zwei im Betrage von Lr. 600.—, bezw. Kr. 300.—. Bewerbungsberechtigt find: Arme israel. Schüler der Wiener Handelsakademie. Bevorzugt find: Bewerber, welche mit dem Stifter, Herrn Jakob Marmarosch, mit dessen Gattin, Frau Rachel, geb. Löbl, oder mit deren Schwiegersöhnen, Herrn Hermann Lemberger und Herrn Larl Pisling, verwandt sind, ferner in zweiter Linie solche, welche in Bukarest geboren oder dort ihre Erziehung ganz oder zum Teil genossen haben.

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