Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 38 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 634 Dsk. Bloch'S Wochenschrift Nr/38 „Stadt Nr. 470" (Ehebuch d. b.), feine Gattin Esther starb 1816 „Stadt Nr. 828" Kvo er starb, ist Ms! mrbekannt). 4. Zur Bildung des Familiennamens jOppen- Heim-Engel (Anm. 3 dieses Aussatzes) ist folgendes zu bemerken. Gewöhnlich entsteh eit solche Coutposita 1. daß. man neben dem Familiennamen des Vaters sich auch beit Geburtsnamen der Mutter, aus besonderer Verehrung, beilegt oder beilegen mußte, wie bei den soge^ nannten unehelichen Kindern, wo die Eltern bloß rituell und nicht zivil verheiratet waren; 2. aus geschäftlichen Gründen, wo jemand, der immer Kompagnon seines Schwiegervaters war, sich dann auch den Familiennamen des letzteren beilegte, oder aus anderen maßgebenden Gründen, wie z. B. Brandeis-Deikershei nt,; dessen Gattin die Tochter des Markus Weikersßeim (Bruder des M. L. Biedermann!) war. Dies geschah nicht bloßweil sie Kontpagnons waren und das Geschäft unter der Firma Weikersheim & Brandeis bekannt war, sondern auch darum, weil W. keine männlichen Nachkommen hatte, die seinen Familiennamen weiter führten. Dasselbe war auch unlängst mit Golds chmid - Ro th - schild in Frankfurt a. M. der Fall. Mit der Bildung des Kontpositum Oppenheim- Engel steht es ganz anders. Engel ist aus Enkel entstanden. Es waren nämlich in Wien mehrere Familien Oppenheimer, die zwar mit einander verwandt, jedoch itt bezug ihrer Toleranz in separate Klassen geteilt waren. Diejenigen, welche I. S a nt u e l Oppenheims Nachkommen waren, wurden als solche „Samuel Oppenheimers Enkel" toleriert. (Vgl. Grunwald, Oppenheimer, S. 178 ff.). Auch auf den Gräbsteinett finden wir oder bpvy sowohl am Friedhofe in der Seegasse, als auch am Währinger Friedhofe. So ist am Grabstein der Ruchana Oppenheimer, geborene Nassau, in Hebräisch pan rnr# HEmi.ebenso ist die Spende des Wolf anläßlichihres Ablebens aus den Namen Wolf Enickl notiert. (21. Dez. 1804.) Aus Wolfs Grabstein an dem ihres (einzigen?) Sohnes Moses lautet die deutsche Inschrift: Moses Oppenheim-Engel, im Hebräischen dagegen: pan p rnra (dieser war Skontist und starb, 78 Jahre alt, ledig, am 14. Juni 1841). Ebenso ist bei Regina Oppenheim (gestorben am 25. Dezember 1855, ledig) im Hebräischen *r.p;n ,te« pn ra r6r*r, zu lesen. Dagegett steht am Stein des „Abraham Oppenheimer-Engel" int Hebräischen p oma« ohne D'Vi^EBK 1 Auf dem Friedhofe in der Seegasse ist eine C^nj^EEK bpjJ 2'b P2 beerdigt, Frankl,- Nr. 465. Literatur. Zur Psychologie christlicher und jüdischer Schüler. Zu der unter obigem Titel in Nr. 36 der „Oesterr. Wochenschrift" erschienenen Besprechung des Herrn Doktor Ottokar N e m c ce f von Herrn Doktor M. Grünfeld, Brünn, sei es mir gestattet, folgendes' zu bemerken: - Was „der Mangel an Zucht" bei den jüdischen Schulen anbetrifft, wird es zweifellos jeder Volksschullehrer ohne Einschränkung bestätigen, daß der jüdische 5 Fl. für das Spital anläßlich der Geburt seines Sohnes Ema-r nuel." Natürlich wurde dies auch im Kassabuch der Gemeinde so eingetragen, obwohl man dort die richtigen Vornamen wußte. Schüler sowohl in als auch außerhalb der Schule sich besser ausführt als sein nichtjüdischer Mitschüler. In der Mittelschule' möge zum Teil in dieser Beziehung die Sache anders liegen. Aber es darf keineswegs daraus! der Schjluß gezogen werden, als ob der jüdische Schüler sich schwerer regieren ließe. Wir dürfen vielmehr daran nicht vergessen, daß die Zucht in der Schule in erster Reihe von der Persönlichkeit des Lehrers, insbesondere vom Interesse, das! er für seinen Lehrgegenftand bei den Schulen zu wecken weiß, abhängt. Und dies ist bekanntlich keine so einfache Sachte. Der Lehrer muß nicht ttur seinen Gegenstand ganz beherrschen uttd mit dessen Methodik vertraut sein, sondern er muß attch mit Himmlischer Geduld fleißig, liebevoll,; Vorurteils- und voraussetzungslos unterrichten können. Davon wird, wie gesagt, die Disziplin in der Unterrichtsstunde abhäugcu. Und wenn schon die jugendlichen und unerfahrenen Volrsschüler in dieser Beziehung oft die sichersten Beurteiler ihres Lehrers sind, so gilt dies noch in viel höherem Maße von den reiferen Mittelschülern. ' Nun liegt es aber auf der Hand, daß der jüdische Mittelschüler, der vermöge seiner nachgewiesenermaßen höheren Intelligenz dem Unterrichte ein größeres Interesse entgegenbringt, an das Wissen, Können und Wollen seines Lehrers auch> größere Ansprüche stellen wird. Inwiefern aber das Betragen des jüdischen Schülers, sei es das wirkliche Betragen, sei es die Note, von seinem Verhältnis zu seinem nichtjüdischen Kollegen beeinflußt wird, möge dahingestellt bleiben. Denn Mangel an Selbständigkeit, Mangel an Selbstachtung sind gewiß Untugenden; diese aber werden int Handumdrehen zu Tugenden, wenn man sie mit kollegialer Solidarität benamst. Es könnte daher tticht schadett, wenn der jüdische Schüler sein Verhalten gegenüber seinem nichtjüdischen Kollegen einer -Revision unterzieht und sich bestrebt, hier, unbeeinflußt von Vorurteilen und Schlagwörteru, den goldenen Mittelweg zu finden. ' j . Aber auch der jüdische Religionslehrer darf nicht achtlos an dieses statistische Ergebnis vorübergehen. Strenge gegen sich selbst, Strenge gegen seine Zöglinge, strenge mit seinen sGlaübensgettossen zu Gericht zu gehen, befiehlt uns wohl ,a.n .unzähligen Stellen das .jüdische Gesetz, andererseits aber gebieten uns oft Zeit und Verhältnisse verständnisvolle Nach- und Umsicht. Und wenn der Kollege für Profangegenstände im Begriffe steht, als ein „Kind seiner Zeit" beit jüdischen Schüler irrtümlich zu beurteilen, dann wird es unabweisbare Pflicht des Religionslehrers sein, ihn (den Lehrer) aufmerksam zu machen. Und ein -ehrlicher Lehrer wird ihm gewiß Dank dafür wissen- Bescheidenheit und Zurückhaltung, von Jndifferentismus gar nicht mehr zu reden, votr fettem des jüdischen Religionslehrers wäre hier schlecht angebracht. Daß der jüdische Schüler durch größere Sprachfähigkeiten sich auszeichnet, darob wird sich nientand wundern, wenn ntlan sich> .die Tatsache vor Augen hält, daß der Jude bereits vor dreieinhalbtausend Jahren sich seiner Muttersprache entäußern und seither in verschiedenen Sprachen zu sprechen 'lernen Mußte. Im Laufe dieses langen Zeitraumes hat sich sein Sprachengedächtnis entwickelt und seine Sprachorgane haben sich der verschiedetten Sprachen anzupassen gewöhnt; und wir können diese historischen Produkte ebensowenig als ein Rassenmerkmat ansprechen, wie den Gesühlstypus,- der sich bei den Juden auf Kosten des beobachtenden Typus entwickelt hat. Es ist vielmehr klär, daß die entwürdigende und nur zu oft brutale Behandlung, die der Jude im Laufe der letzten zwei Jahrtausende von seiten seiner nichtjüdischen Umgebung erfuhr, am wenigsten dazu geeignet war, ihn zur Beobachtung der ihn umgebenden Welt anzuregen.