Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 38 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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N . 38 Tr. Bloch'L Wochenschrift S'cv.t 629 Zahlstelle für Oesterreich: Bankhaus S. M. von Rothschild, Wien, 1. Bez., Renngajse 3; „Neue Freie Presse", Wien, 1. Bez., Fichtegasse 11; für Ungarn: Magyar Altalanos Hitelbank, Budapest:- . / für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin, Postscheck- /Skonto Nr. 1000 auf das Konto „Kriegsspitalshitfe für J Palästina". _ Aufruf. Unsere Glaubensbrüder im Heiligen Lande sind infolge des Krieges und verheerender Seuchen (Cholera, Flecktyphus u. a.) mit den: Untergange bedroht. Diesen Aermsten der Armen rasche Hilfe zu bringen, hat sich die ^.Hilfskommission für Palästina" zur Aufgabe gemacht. 300.000 Kronen haben wir bereits durch das hohe k. u. k. Ministerium des Aeußern nach Palästina gesandt und durch unsere Konsulate' an Ort und Stelle verteilen lassen. Hiervon wurden in erster Reihe die Ostgalizianer, Bukowinaer und Marmaroser mit Mehl und anderem Lebensunterhalt versorgt, weil diese von der Kriegsnot am härtesten betroffen worden sind, ferner wurden weit übOr200Kriegswaisen in Safe d allein in Pflege, genommen, außerdem andere Arme in ganz Palästina ohne Unterschied der Staats- und Gemeindeangehörigkeit unterstützt, sowie verschiedene Wohlsahrtsinstitute und die in Wien zurückgebliebenen Palästinenser mit monatlichen Beiträgen bedacht. Für die Besserung der sanitären Verhältnisse im Heiligen Lande ist von uns die „Kriegsspitalshilfe für Palästina" ins Leben gerufen worden. Wir bedürfen dringend weiterer Mittel und bitten alle Glaubensbrüder; ubei den Spenden vor der Seferthora, besonders an den hohen Festen EV ♦."Uw."! tS-’N“! min nneiri .mro mss auch unsere „H ilfs - kommission für Palästina" zu bedenken. Gott lohne jede, auch die bescheidenste Gabe! Mit vorzüglicher Hochachtung l2"N12 nE“!-' Für die „Hilfskommission 1915 für Palästina": Dr. M. Grunroald Dr. Adolf K a p r a l i k Rabbiner. Dr. Julius Schlag Oberrabbiner W. Reich k. k. Hofrat. Baden. Adresse für sämtliche Zuschriften: Dr. Adolf Kapralik, Wien, IV., Frankenberggasse 14. Zahlstelle: für Oesterreich: Bankhaus S. M. von Rothschild, Wien, I., Renngasse 3; für Ungarn: Magyar Altalanos Hitelbank, Budapest; für Deutschland: Deutsche Bank, Berlin, Postscheck-Konto Nr. 1000 (auf Konto „Kriegsspitalshilfe oder Hilfskommission 1915 für Palästina"). Ein dringender Appell aus dem Felde. Einem Schreiben des an der italienischen Front in aufopferungsvoller Weise tätigen Feldrabbiners Dr. Hausner seien nachstehende Stellen entnommen: „Meine Gemeinde ist ein Durcheinander von Belzer Chassidim, Budweiser Kernzionisten, Lemberger Kindern u. a. Ich kann Dich nicht nachdrücklich genug bitten, alle guten Freunde zu veranlassen, soviel als möglich Machsorim, Sidurim, Selichot und Tefilin hierher zu senden. Man kann sich im' Hinterlande kaum eine Vorstellung' davon machen, wieviel religiöses Empfinden der Schützengraben und die Kaserne auslösen. Hier, wo alle die Sichel des Todes so nahe berührt, fühlt sich jeder seinem Gotte um vieles näher als irgendwo, empfindet man es als Bedürfnis, mit dem Ewigen in innige Berührung zu treten, fei es durch Gebet, sei es durch Bibellesen. Unsere militärischen Instanzen haben das feinste Verständnis für diese heiligen Gefühle unserer braven Mannschaft. Nun fehlen aber die nötigen rituellen Behelfe. Und diese sollen unseren.Helden, die jeden Augenblick dem Tode ins Antlitz tsehen, nicht ^vorenthalten bleiben. Es wächst einem das Herz, wenn man sich im Schützengraben den Juden aus Rava, Sokal, Betz, Bobrkä, Zloczow und Olesko ansieht. Solange sie nicht vor dem Feinde waren, mag mancher von ihnen zaghaft und kränklich gewesen sein. Bor dem Feinde aber, unter dem Donner der Geschütze, unter dem Zischen der Schrapnelle und Minen, verlieren sie jede Angst, da sind sie tadellos. Hätte ich es nicht mit eigenen Augen gesehen, nicht aus dem Munde aller Gefechtskommandanten gehört - wahrlich, ich hätte es nicht geglaubt. Mein liebenswürdiger Führer im Schützengraben, Hauptmann .St, das Muster eines Soldaten, ein prächtiger Mensch, zählt sie mir nacheinander auf, all die braven Juden, die im wütendsten Trommelfeuer Meldungen überbrachten oder von der Flanke trotz einer zertrümmerten Hand das Maschinengewehrfeuer leiteten. Hut ab vor diesem Heldentum. Und diesen Männern sollte das Hinterland nicht einige hundert Gebetbücher für die hohen Feiertage, schicken? Ich kann es nicht glauben, wolle Dich, mein Freund, bitten. Dich der Sache anzunehmen. - Mir geht es andauernd gut. Ich fand eine Menge von Bekannten und Freunden, ebenso ehemalige Schüler. Ich erfreue mich eines sehr gerechten und vorurteilsfreien Vorgesetzten, Exzellenz Feldmarschalleutnant v. S . . . . In meinem engeren Kreise befinden sich noch drei jüdische Offiziere. Ich bin zufrieden, ziemlich vorne zu sein. Gott lvird mir beistehen. Dir und allen Freunden viele Grüße. Dr. H." Der Inhalt dieses Schreibens ist so rührend und erhebend zugleich, daß es sich erübrigt, diese Bitte des näheren zu befürworten. Es gibt wohl noch manche gute Juden, die den Appell unseres begeisterten Feldrabbiners mit Rücksicht auf die nahen Festtage schon in den nächsten Stunden willfahren und der Sendung vielleicht auch ..einige Zigaretten beilegen werden. Pake!e wollen adressiert werden: An die israel. Militärseelsorge der 9. Jnfanterie- Division (Feldpost 33), zu Händen des Feldrabbiners Dr. Bernhard Hausner. Womöglich mögen ähnliche -Sendungen auch an andere Feldrabbiner, so z. B. an die israel. Militärseelsorge der 5. Armee (Feldpost 339! gerichtet werden. Die Redaktion. Die Juden in Siebenbürgen. Die jüdische Bevölkerung jenseits des Königsteigs ist verhältnismäßig klein an Zahl. Laut der Volkszählung vom Jahre 1910 betrug die Seelenzahl der Juden in Siebenbürgen im Ganzen 64.074, was 2'4»V der Gesamtbevölkerung in diesem Teile Ungarns entspricht. Am wenigsten ist das jüdische Element in dem Gebiete zwischen der Theiß, und der Maros vertreten. Durch den meuchlerischen Ueberfall Rumäniens wurden 13 siebenbürgische Komitate berührt. Die Bevölkerungszahl beträgt hier im Ganzen 2,255.664, davon nach einer Meldung des „Egyenlöseg" 35.000 Juden oder 1-48 °o, welche jetzt gleichfalls ihre alte Heimat verlassen mußten. In ganz Ungarn beträgt die Zahl der Juden 5 o.'o der Gesamtbevölkerung.