Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 38 (22.9.1916)
- Date
- 1916-09-22
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022234--25421-3050723- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
t; 628 Tr. Bloch'S Wochenschrift 88 f-; wird von ihnen zu demselben Zwecke dringend um größere Geldmittel ersucht. Wir wenden uns deshalb an unsere Glaubensgenossen mit der Bitte, gütige Spenden hierfür ehestens an das Zentralkomitee vom Roten Mögen Dovid (Dr. M. Erlang er^-Luzern) pder an -die Redaktion dieses Blattes senden zu wollen. ' Oesterreichisches Landeskomitee vom Ro.en Mögen Dovid. Dr. Jul. Schlag, Dr. M. Grunwald, k. k. Hofrat. Rabbiner. Jacques B r i ch t a, Direktor. „Kriegsspitalc hrlft für Palästina". Bon Herrn Jellin, dem bekannten Direktor des Hebräischen Schulwerkes in Jerusalem, ist uns ein Bericht über die dortigen sanitären Zustände Zugegangen, dem wir das Folgende entnehmen: „In Beantwortung Ihres Schreibens vom 28. Mai bezüglich der sanitären Verhältnisse in Palästina kann ich im allgemeinen sagen, daß Ihre neue Unternehmung, nämlich die „Kriegsspitalshilfe für-Palästina", eine außerordentlich wichtige Ausgabe bedeutet und gerade jetzt sehr zeitgemäß ist. Die hiesigen Aerzte haben teils sogleich bei Beginn des Krieges, als Angehörige der feindlichen Staaten, das Land verlassen, teils sind sie selber den Epidemien erlegen, z. B. Dr. Krischewski, Stein, Spitzberg usw. Einzelne sind einberufen und auf den Kriegsschauplätzen tätig. Nur sehr wenige sind in Jerusalem zurückgeblieben, daher ist die Arbeit ungeheuer groß und sie können nach dem gegenwärtigen Stand der Epidemien diese nicht bewältigen. Für geschulte Krankenschwestern, die Sie nach! Palästina schicken wollen, ist nach meiner Ansicht Safed der geeignetste Platz, wo man sie am nötigsten braucht. Wegen der detaillierten Fragen, betreffend die sanitären Verhältnisse, habe ich mich an die Aerzte des Ambulatoriums des Mr. Strauß gewendet und um eine genaue Darstellung Mer den Gesundheitszustand gebeten. Ich habe mich gerade an diese Herren gewendet, weil dieselben kein Spital haben und daher ohne persönliches Interesse gewiß kein objektives Urteil abgeben werden. Ich hoffe deren Gutachten recht bald zu erhalten. Möglich, daß ich es schon nächste Woche senden kann. Im allgemeinen sind in bezug auf die hiesigen Hospitäler folgende Daten bezeichnend. Hospital Schaare-Zedek beherbergt 35 Typhuskranke und '15 andere Kranke, Bikkur Cholim-Hospital 40 Kranke, Rothschild-Hospital 20, Hospital Misgäb-Ladach 15, die Augenheilanstalt 17 Patienten. Außerdem ist noch das Krankenhaus für-Geisteskranke des Frauenvereines „Esrath Naschim" zu nennen mit 40 Kranken. Bezüglich der Frage, ob es empfehlenswerter wäre, Aerzte. und Medikamente zu senden oder die bestehenden Spitäler zu unterstützen, ist mein Rat: Aerzte und Medikamente, denn daran mangelt es hauptsächlich. Aerzte habe ich schon am Eingang meines Brieses erwähnt. Aerzte und Medikamente fehlen sehr, Chinin z. B. ist überhaupt nicht zu bekommen. Daher wäre gerade nach dieser Richtung hin eine Hilfe die größte Wohltat. Die Vereinigung zur Unterstützung der Kranken gibt monatlich 40.000 Franken für Krankenhilfe aus, und bei allen dem fehlt es an Aerzten und Medikamenten. Unmittelbar nach vorstehendem Brief traf ein Bericht unseres f. u. k. österr.-ungar. Konsulates in Safed und Tiberias ein, ider tu. o. He folgende Darstellung bietet: An einer ernsten und von tüchtigen Aerzten geleisteten Hilfe hat es vor A us bru ch des Krieg es in Safed seit Jahren nicht gefehlt. Dieselbe ist seitens der englischen Missionsärzte fast unentgeltlich, besonders den Juden,- geboten worden. Die Zahl der in der öffentlichen Klinik behandelten Patienten betrug jährlich über 15.000. Im modern eingerichteten Hospital wurden im Jahre durchwegs 800 Kranke ausgenommen, worunter zirka 200 sich einer Operation unterzogen. Das religiöse Missionswesen findet jedoch, einen natürlichen Widerspruch in der religiösen Anhänglichkeit der frommen Juden. Dieses antagonistische Verhältnis' veranlaßte die Baronin E. von Rothschild, in Safed ein Hospital zu bauen und es mit einer jährlichen Pfründung von 5000 Franken zu dotieren. Vier Jahre vor Kriegsausbruch begann die Tätigkeit dieses einem hiesigen Komitee anvertrauten Hospitales. In den ersten drei Jahren erlaubten : die gesendeten Stiftungsgelder nur die Führung einer allgemeinen Klinik, in der monatlich über 800 Kranke bei einer minimalen Eintrittsgebühr von 10 Hellern behandelt wurden. Im letzten Jahre konnten zwei Säle im Hospital eingerichtet werden, wo 30 Kranke Aufnahme fanden. Noch bei Beginn der Kriegszeit führte zuletzt Dr. Georges Zugheibe die Klinik. Dieselbe mußte jedoch infolge mangelnder Mittel geschlossen werden, besonders da das Hospital von der ottomanischen Regierung beschlagnahmt und zu einem Typhusepidemie-Hospital verwendet wurde. Man spricht jetzt davon, daß es nächstens in ein Militärspital für verwundete Krieger aus der Südfront umgewandelt werden wird. Die Deutsch-holländische Palästinaverwaltung führt weiter ihre seit Jahren bestehende Klinik, in der über 70 arme Israeliten täglich, teilweise unentgeltlich behandelt werden. Der leitende Arzt Dr. Abr. Grün besucht auch täglich 25Hauskranke unentgeltlich. Vor Ausbruch des Krieges zählte man in Safed 6 Aerzte.' Die zwei englischen Missionsärzte sind zwei Monate vor Eintritt der Türkei in den Krieg auf Verlangen ihrer Missionshauptstelle in London nach der Heimat zurückgekehrt. Der österreichische Arzt Dr. H. Bardasz Ist vor fünfMonaten der Typhusepidemie erlegen. Ein vierter verließ Safed, um eine an gebotene Stelle in Jaffa anzutreten, so daß gegenwärtig nur zwei Aerzte hier praktizieren. Bei den jetzt tm Lande, auch in Safed, wütenden Seuchen sind dieselben stark in Anspruch genommen. Obwohl die geographische Lage Safeds sehr günstig ist und die frische Bergluft bekanntlich, eine wohltuende Wirkung hat, sind hier mehrere Krankheiten endemisch geworden, welche stets bekämpft werden müssen. Fieber, Malaria-Thyphoide,- Augenkrankheiten (Ophthalmie-Trachom), Magenkatarrhe und Dysenterie sind an der Tagesvrdnung, zu welchen sich zur Kriegszeit Typhus und Cholera gesellt haben. Die Armut ist hier stets! zu, Hause gewesen. Jetzt aber hat sie den Höhepunkt erreicht. Wenn früher schon ausschließlich Wohltätigkeitsanstalten besucht waren, so ist selbstverständlich heute der Andrang zu der einzigen Wohltätigkeitsanstalt der Klinik der Deutsch-holl. Gesellschaft so groß, daß. viele ohne ältliche Hilfe bleiben und über die Mittel nicht verfügen, das Honorar des privat praktizierenden Arztes sowie die hohen Preise, welche in der Apotheke verlangt werden, zu bezahlen. ->- * * Im Anschlüsse an diese erschütternden Darstellungen aus zuverlässigster Quelle bitten wir alle Menschenfreunde, unser Hilfswerk kräftigst zu unterstützen, zunächst!zu den bevorstehenden Feiertagen unserer armen Kranken im Lande der Väter zu gedenken, insbesondere die Neujahrsglückwünsche durch unsere mit einem Rosch-haschano-Gruß v ersehenen Quittungen abzulösen. „Kriegsspitalshilfe für Palästina". Adresse für Zuschriften: K. k. Hofrat Dr. Julius D chl a g, Wien, < Bezirk, Obere Donaustr. 109.