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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-09-14 · 37 (14.9.1916) · page 9

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
37 (14.9.1916)
Date
1916-09-14
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Nr. 37 Dr. Bloch's Wochenschrift Seite 613 Verein „Settlement", Schulverein ..Talmud-Thora" Verein gegen Verarmung und Bettelei, ..Weibliche Fürsorge", ferner das k. k. Kriegsflirforgeamt, Kuratorium der Berufsberatung und Arbeitsvermittlung für Kriegerwitwen, Gesellschaft zur Fürsorge für Kriegsinvalide usw., und zirka 400 recherchierte Einzelpetenten. Die Mittel hiezu liefen uns "durch Spenden ein,- welche in der'..Neuen Freien Presse" ausgewiesen wurden; ferner durch Subventionen der Stadt Wien mit 11.000 Kronen, der isr. Kultusgemeinde Wien mit 1000 Kronen, des k. k. Kriegsfürsorgeamtes mit 500 Kronen und kleineren Subventionen von anderen beteilten Organisationen. Durch eine Sammlung bei den Wiener Banken, deren Beträge bei Neueröffnung unseres Betriebes in der „Neuen Freien Presse" aüs'gewiesen erscheinen werden, wurde es uns ermöglicht, durch günstige Schuhankäufe für die Not der heutigen Zeit vorMsorgen, so daß wir zum bevorstehenden Schulbeginn für die ersten Austeilungen gerüstet sind. Unser bisheriges Austeilungslokal (9. Bezirk, Rotelöwengasse 5).- welches uns vom Besitzer gratis zur Verfügung gestellt wurde, mußte wegen Einberufung desselben vermietet werden, so daß wir leider heute unterstandslos sind. Es ergeht daher an alle edlen Menschenfreunde und Gönner, Korporationen, Aemter usw. die dringende Bitte, uns ehestens ein passendes Lokal zum' Depot und zur Schuhverteilung im 1., 2.. 6. oder 9. Bezirk gütigst überlassen zu wollen, damit wir unsere Tätigkeit baldigst beginnen können. Spenden an Geld, Schuhen, Leder- und ^ohlenabfälle usw. erbeten 9. Bezirk, Türken strafte 17, 2. Stiege, 1. Stock, Tür 20. Auflösung des Lemberger Kultusvorstandes. Unter den verschiedenen traurigen Erscheinungen des Krieges ist. auch der Niedergang so manchen angesehenen jüdischen Gemeinwesens zu verzeichnen. Abgesehen von jenen, zumeist kleinen Gemeinden, die unmittelbar der Wut und Zerstörungssucht des Feindes ausgesetzt waren, gibt es leider auch solche, die äußerliche unversehrt, dank der Gleichgiltigkeit, ja Indolenz, ihrer bisherigen, bloß um ihr persönliches Wohl und Wehe bekümmerten Führer, in moralischer und materieller Hinsicht sehr schwer mitgenommen wurden. So gehörte auch die hauptstädtische Gemeinde Lemberg zu den angesehensten Kehillas der Monarchie; ihre Institutionen, wie Spital,- Waisenhaus, Siechenhaus, Kinderbespeisung, Friedhof, . Bibliothek, Schulen, waren mustergiltig, unter ihrer Patronanz entwickelte sich eine .Unzahl segensreich wirkender humanitärer und kultureller Institutionen, das' Budget wuchs von Jahr zu Jahr. Da kam der Krieg und mit ihm der Niedergang. Während nun der auf seinem Posten verbliebene, später von den Russen entführte Vizepräsident Dr. Jakob Diamant, unterstützt von einigen pflichttreuen Gemeindemitgliedern, während der fast einjährigen Invasion das Möglichste tat, um das Bestehende zu erhalten, haben die maßgebenden Persönlichkeiten gerade nach der Befreiung der Stadt bis heute gezögert, auf ihre Posten zurückzukehren, und die Leitung der Gemeinde bloß jenen Kollegen überlassen, die ab und zu für einige Tage nach Lemberg kamen und, weil sie gerade da waren, einer Sitzung beiwohnten. Kais. Rat Jakob Stroh und die ihm zur Seite stehenden Kultusräte O r a n s z, P a r n a s, Philipp und Blauer Haben in anerkennenswerter Weise die lausenden Agenden versehen, aber von einer großzügigen, der Bedeutung des Augenblickes angepaßten Tätigkeit der führenden Gemeinde des Landes konnte unter solchen Umständen keine Rede sein. Und da es rapid abwärts ging und schließlich auch die obgenannten Herren bis auf zwei die Stadt verließen, rafften sich endlich einige jüdische Bürger auf, um diesem unhaltbaren Zustande ein Ende zu bereiten. Sie wandten sich diesbezüglich an den Regierungskommisfär von Lemberg, Bezirkshauptmann Grabovski, der im Hinblicke auf den Tatbestand der Statthalterei den Antrag wegen Auflösung der Repräsentanz und Ernennung eines Kommissärs und Beirates unterbreitete. Nach einer Frist von mehreren Wochen hat nun die oberste Landesbehörde diesem Anträge stattgegeben und dem Regierungskommissär in Lemberg die Erledigung der Personenfrage überlassen. Wenn es auch traurig ist, daß sich unsere Gemeinde nicht ohne eigene Schuld ihrer autonomen Selbstverwaltung begeben hat, so mußte man dennoch angesichts der desolaten Verhältnisse die behördliche Verfügung als das bessere ansehen, wenn nicht wieder jene Elemente auf der Bildfläche erschienen, die auch in dieser ernsten Stunde ausschließlich ihre persönlichen Ambitionen vorschieben würden. Man würde es kaum glauben, wasän dieser kurzen Zeit an Jntriguen geleistet wurde; diejenigen, die gestern abend am grünen Tisch einträchtig darüber berieten, wie der armen Genleinde zu helfen wäre, bekämpfen einander heute hinter den Kulissen auf das heftigste. Beschämend ist es, daß mail dieses häßliche Spiel hinausträgt, indem sich die verschiedeneil Kandidaten, resp. deren Cliquen um die Gunst des Regierungskommissärs bewerben. Ohne auf die hiebei in Umlauf befindlichen Naiileil llüher eingehen zu wollen, müssen wir im Namen iveiter jüdischer Kreise unserer Gemeinde, solange es noch Zeit ist, dagegen Verwahrung einlegen, daß Personen auf leitende Stellungen Anspruch erheben, die sich durch ihre jahrzehntelange, schädliche Wirksamkeit alles eher als die Sympathien der jüdischen Bevölkerung erworben haben, und dies umso weniger, wenn ihre Kinder nicht mehr dem Judentume angehören. Die altehrwürdige jüdische Gemeinde Lemberg besitzt denn doch eine Tradition, über die sich noch so selbstbewußte Mandatenjäger, die bisher in punkto Judentum im besten Falle fern von Gut und Böse standen, nicht hinwegsetzen dürfen. B. . . . Jahrzeit in ferner Fremde. Dem „Egyenlöseg" entnehmen wir das folgende reizende Stimmungsbild: .... Die Sonne hat bereits müde Abschied genommen. In der rauchigen, nebligen Russellstadt geht es heute lauter als sonst zu. Von Zeit zu Zeit dringen, aus tausend Kehlen Hoch-Hoch-Hoch-Rufe zum Himmel empor. Militärkapellen spielen Nationallieder, die wie allmählich dahinsterbend heruberklingen, lvas in dem an der Stadtgrenze gelegenen Friedhofe sich so mystisch anhört, wie wenn die harfenähntichen, weichen Klänge aus dem Innern jder Erde hervorbrächen. Heute ist der 18. August. Einsam wandte ich zwischen den Gräbern. Nicht die planmäßige Absicht, sondern eher der Instinkt hatte mich hierher geführt. Ich suche jemanden und ich schreite mit solcher bestimmten Sicherheit zwischen den Gräbern daher, wie lvenn ich hier heimisch wäre. An dem einell und anderen Grabhügel halte ich an, beginne die Inschrift zu buchstabieren, und wenn ich aus dem hebräischen Texte (andere Inschriften gibt es hier nicht) irgendeinen Sinn entziffert habe, gehe ich befriedigt weiter. Die rechts und links hinsinkenden Grabsteine sehen aus, wie wenn sie mich grüßen wollten. Mein Interesse nehmen jene 3 bis 4 Meter hohen Hotzgrabmäler gefangen, die Schieneuschwellen gleichen, dicht vollgeschrieben sind und im ersten Augenblick an Hieroglyphen oder an keilinschriftliche Reliquien aus einem Museum erinnern. An einem Grabe hatte ich endlich Rast. Aus der Inschrift vermochte ich nichts herauszukriegen. Aber vielleicht habe ich just dieses Grab gesucht. Im nächsten Augenblick halte ich schon

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