Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 36 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3022195-3022232--25388-3050688- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 36 Tr. Bloch's Wochenschrift Seite 597 Wir sind der Ueberzeugung, daß die österreichischungarische uild deutsche Judenschaft sich ihrer Dankesschuld bewußt und bcn Bemühungen des Großrabbiners Dr. Ben-Zion mit der größten Bereitwilligkeit zu Hilfe kommen wird. Ein Inserat. In der „Oesterr. Chemikerzeitung" Nr. 15 lesen wir nachstehendes Inserat: Betriebsleiter zum sofortigen Eintritt gesucht zur Führung folgender Betriebe: Schwefelsäure, Salpetersäure, Salzsäure, Sulfat, schwefelsaure Tonerde, Alaun, Chlorzink, Kupfervitriol, Aufarbeitung edelmetallhaltiger Kiesabbrände, Chloralminium, elektrolytische Aufarbeitung von Metall-Legierungen. Nur solche Bewerber finden Berücksichtigung, welche in allen obgenannten Betrieben langjährige Erfahrung nach weisen können. Ebenso ist die Vertrautheit mit dokimastischen Proben unerläßlich. Es wird ferner die Bedingung gestellt, daß Betreffender Ungar, Christ und militärfrei sei. Offerte unter Nennung der Gehaltsansprüche an „Clotilde“, Erste unrarische Aktiengesellschaft für chemische Industrie, Werk Nagybocskö, Budapest IV., Becsi utca 3. Nach dem „Kompaß" Zion 1916, Band II, S. 1046. sitzen in der Leitung der „motilde": als Präsident-Stellvertreter Bernhard Popper; als Mitglieder der Dä4 rektion Alexander Frankl, Josef Kercz, kgl. Hofrat Adolf Urban, Alfred Schwarz, kais. Rat von W e l l e n st e i n; als Generaldirektoren Alexander Frankl, Josef Herez. Die Juden in Polen unter deutscher Verwaltung. Der „Frankfurter Zeitung" wird aus Warschau geschrieben: Anläßlich des Jahrestages der Einnahme Warschaus sprach sich auch die jüdische Presse über die seitdem eins getretenen Veränderungen aus. Das „Warschauer Tageblatt" hebt die Bedeutung des Tages für das Judentum in Polen in mehreren Artikeln hervor. Es verweist auf die Bedrückungen, die dieses von Rußland erfahren hat; im ersten Abschnitt des Weltkrieges war das Leben für die Juden in Polen ganz unerträglich. Ueber den Umschwung nach dem Einzug der Deutschen äußert sich das Blatt: Die jüdischen Zeitungen dursten wieder erscheinen und die Juden erhielten in diesem wichtigen Moment die Möglichkeit, ihre Angelegenheiten in ihrer Muttersprache zu behandeln. Der Geist Europas trat in Gegensatz zur asiatischen Tyrannei. Er zeigte sich auch sofort in dem Verhalten zu den polnischen und jüdischen Beziehungen. Zu einem guten Einvernehmen, wie dieses eigentlich unter Kindern eines Landes herrschen müßte, fehlt noch viel,- aber trotzalledem ist eine Wendung zum Guten schon eingetreten. Es wurde der Burgfriede proklamiert, durch den die Hetzereien der russischen Lakaien unmöglich wurden. Sodann begann das Bürgerkomitee sich ein wenig mehr ftir Juden zu interessieren. Die jüdische Gleichberech tigung, die die Inden bis dahin nur auf dem Papier besaßen, wurde praktisch durchgeführt. Die Besatzungsbehörden nahmen Juden als Beamte in verschiedenen Abteilungen an. Einige Juden erhielten auch bürgerliche Aemter in Einrichtungen, die von verschiedenen polnischen Komitees geleitet werden. Es triumphierte das fortschrittliche Prinzip, wonach Juden auch fähig sind, ein Amt zu bekleiden, ebenso wie Nichtjuden. Besondere Aufmerksamkeit fordern die neuen Sportverbände. Daß die Juden Gymnastik treiben, war den Russen gar nicht recht, da sie es für die Vorberei j tung einer „Revolution" hielten. . . . Heute sind Scouts¬ und Turnvereine geschaffen, die Hunderte von Mitgliedern zählen. Das Kommando auf Hebräisch oder Jü disch unjd der Geist, per dort herrscht, stempelt diese Bewegung als jüdischnational. Eine ganz neue Zeit begann für die Inden auf kulturelle m Gebiete. Gleich die ersten Bekanntmachungen der OkknpationSbehörden proklamierten vollkommene Gleichberechtigung der Juden und betonten die Notwendigkeit, daß der Religionsunterricht so zu ordnen sei, daß er die gläubige Bevölkerung befriedige. Was den Unterricht anbetrifft, so wurde am Anfang die deutsche Sprache vorgeschrieben; jedoch nach späteren Erläuterungen und in 'der Praxis unterrichtete man in Jiddisch. Wegen dieser Frage ist an die Okkupationsbehörden ein Memorial eingereicht worden, und die Erörterungen darüber berechtigen zu den heften Hoffnungen. Charakteristisch ist, daß in dem Gesuch die kleinbürgerlichen Schichten Hand in Hand mit den Proletariern unter der Führung der jüdischsozialen Organisation gehen. Als den Juden die Schulbildung in ihrer Muttersprache. zugänglich gemacht wurde, ließen die Okkupationsbehörden eine genügende Zahl Lehrer gründlich ausbilden. Die Unterrichtskurse, die durch den kaiserlich deutschen Polizeipräsidenten geschaffen wurden, haben auch für die Juden großen Nutzen gehabt. Als Lektoren sind die besten Pädagogen nationaler und zionistischer Richtung, die Unterricht im Jiddisch und Hebräisch erteilen, tätig. Der Erfolg ihrer Arbeit war, daß tausend gut vorbereitete Lehrer den Unterricht in den Schulen aufnehmen konnten, um unter der Masse jüdische und allge- 'meine Bildung zu verbreiten. ' Der letzte große Akt für Polen ist die Selbstverwaltung, die Warschau auf Grund von Wahlen erhalten hat. Hierbei waren die Juden nicht allein gleichberechtigt, sondern durch das proportionale System war ihnen die Möglichkeit gegeben, ihr Recht wirklich auszuuutzen. ohne befürchten zu müssen, durch die Mehrheit besiegt zu werden. Das Blatt bezeichnet dementsprechend den 5. 'August als einen wichtigen Wendepunkt; als solcher müsse er in der Geschichte der polnischen Juden mit goldenen Lettern verzeichnet werden. Jüdische Universität in Lodz. Wie die Warschauer Blätter berichten, wird in Lodz im nächsten Monat eine jüdische Universität, für die bereits zwanzig Professoren und Dozenten gewonnen wurden, eircichte't werden. Jer Merein zur Wellung verlassener jüdischer Kinder Galiziens und der Bukowina versendet folgenden Aufruf. Glaubensgenossen! Tausende jüdischer Kinder in Galizien haben durch den Krieg, durch Seuchen, Flucht und Verschleppung ihre Eltern verloren; völlig verlassen, ganz schutzlos, verhungern, verkommen sie elend in Kellern, Erdhöhlen, auf der Straße. Hier zu helfen, solange Hilfe noch möglich, ist Ehrenpflicht jedes Juden, jedes Menschen, jedes Einzelnen, der vor gleichem Unglück bewahrt ist. Deshalb haben wir vor wenigen Monaten dett Verein zur Rettung verlassener jüdischer Kinder Galiziens uild