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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1916-09-08 · 36 (8.9.1916) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
33 (1916)
Issue
36 (8.9.1916)
Date
1916-09-08
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 596 Tr. Bloch'S Wochenschrift Nr. 36 und Frankreich ausbrach, sich neutral erklärte — wohl zu merken, nicht wie Wilson und die geldgierigen Amerikaner der Gegenwart, sondern derart, daß er bei Todes- und Gefängnisstrafe jede Ausfuhr von Waffen und Schiehbedarf nach den kämpfenden Ländern verbot. Aber sonst handeln die Staatsmänner nirgends aus moralischen Beweggründen, immer nur aus politischen. Alle Völker sind eigennützig und von je so gewesen. Kein Volk, am allerwenigsten eine Großmacht unserer Tage, opfert Millionen Menschen und Milliarden Pfund Sterling für andere Zwecke als für politische Ziele und wirtschaftliche Interessen dieses Volkes. Wien. In der Kriegsausgabe von „Reklam's Universum"", Heft 47 vom 24. August 1916, ist ein Artikel veröffentlicht, der mit besonderer Anerkennung über die im Roland-Verlag (Dachau) erschienene Bilderserie „Vom Totentanz amw 1915" spricht, die Otto Wirsching gezeichnet hat. Als viertes Bild ist da ein polnischer Jude gezeichnet, dem der Tod einen Strick um den Hals geworfen hat, um ihn zu würgen. Der eingefangene Jude wehrt sich mit Gemalt; eine häßliche, ^abstoßende Figur, verkrümmt und verkrüppelt. Darunter steht: „Der Spion". Da alle Figuren der Bilderserie Typen sind, so ist auch dieser polnische Jude als Typus verstanden. Ist es nicht unerhört, empörend und aufrührerisch, als Typus eines Spions in dieser entsetzlichen Zeit, in der es an Judenhetzereien wahrlich nicht fehlt, gerade einen polnischen Juden!zu wählen und so die Volksseele zu vergiften?! Ausgerechnet der polnische Jude! Als ob nicht nach dem Urteile der mastgeb endsten Personen gerade die polnischen Juden in Galizien und Rußland sich als die treuesten Freünde unseres Vaterlandes erwiesen hätten, wenn auch vielleicht einzelne unter den Hunderttausenden Verrat geübt haben mögen unter dem entsetzlichsten feindlichen Drucke. Das ist der Daüsk für jdas! Martyrium, das Millionen Juden erlitten haben und noch erleiden, das ist der -.Burgfriede n", von dem gefaselt wird. Und das darf in Deutschland geschehen, ohne daß es geahndet wird. Bei dieser Gelegenheit mag auch auf die vielen gegen Juden aufhetzenden Bilder und Notizen hingewiesen werden, die in anderen Zeitschriften .allwöchentlich veröffentlicht werden, ohne daß die Zensur eingreift. Wir dürfen, uns solche Angriffe nicht gefallen lassen. Jüdische Schurken sind Schurken wie andere auch; jüdische Betrüger und Wucherer möchten wir am liebsten selber ans der Glaubensgemeinschaft ausstoßen; aber wer „die Juden", „das Judentum" beleidigt, darf nicht ungestraft bleiben. Wir sollten viel wachsamer sein. Die Volksverhetzung hat tief gegriffen und die gedankenlose Masse wird von frevelhaften Jndenhassern systematisch aufgewühlt. Diese staatsgefährliche Wühlerarbeit wird von verbrecherischen Redakteuren unterstützt und propagiert. Sie wird aber auch in Zivil- und Nichtzivilkreisen vollbracht, wofür Beispiele zu Dutzenden angeführt werden könnten. Gibt es keine Stelle, welche auf diese Gefahr, die droht. Acht hätte und die Lügner und Verführer rechtzeitig ergreift? Verdienen wir dieses Schicksal, die wir, gleich allen, Gut und Blut für Kaiser und Reich opfern? Dr..Feuchtwang. Unsere Dankesschuld an die jüdische Gemeinde von Monastir. Seit einigen Tagen weilt auf der Durchreise der Großrabbiner von Monastir (Bulgarien) Dr. Ben- Zion in Wien, und einer unserer Mitarbeiter hatch mit dein verdienstvollen geistlichen Führer einer der ältesten Juden gemeinden der Welt eure interessante Unterredung. Großrabbiner Dr. B e rr - Z i o>n erzählte u. a.: Die füdische Gemeinde in Monastir zählte vor dem Kriege ungefähr 9000 Seelen. Der Weltkrieg hat auch diese jüdische Gemeinde, wie so viele andere, in Mitleides schaft gezogen. Durch Abwanderung und durch den Tod, der auch hier reiche Ernte hielt, verlor die Gemeinde viele ihrer Mitglieder und ging einer stetigen Verarmung entgegen. Die Serben hatten in Monastir ein Kriegsgesangenenlager errichtet und in diesem Lager befanden sich auch österreichischmngarische und deutsche Kriegsgefangene. Die Judengemeinde, welche, mit der eigenen Not zu kämpfen hatte, erachtete cs dennoch als eine jüdische Ehrenpflicht, sich der Kriegsgefangenen, ganz besonders der jüdischen, anzunehmen, und hat gerade-' zu ihr Letztes geopfert, um dieser schönen Aufgabe ent-, sprechen zu können. Diesen unvergeßlichen Liebesdienst versah ein aus den Krmeindemitgliedern gebildetes Komitee mit dem Troßrabbiner Dr. Ben-Zion an der Spitze, und mit welcher Hingebung dieser Dienst geleistet wurde und welch großes Glück diese Liebestätigkeit für unsere Kriegsgefangenen bedeutete, geht aus dem Dank-, schreiben hervor, welches etwa 100 Kriegsgefangene nach ihrer Befreiung durch die siegreichen bulgarischen und deutschen Armeen an Dr. Ben-Zion gerichtet habe,!. In diesem Briefe heißt es u. a.: „War am Anfang die serbische Kriegsgefangenschaft noch einigermaßen erträglich, so wurde sie hart kurz Vörden hohen Feiertagen 1915, wo viele nach Novy-Basad verschickt wurden. Wir standen dort unter der allerstrengsten Bewachung. Haben wohl auch andere serbische jüdische G emeinden unser Los zu erleichtern gesucht, so ^überragt doch alle die jüdische Gemeinde Monastir. Sowohl unter der serbischen.Regierung säls auch -zur Zeit der Okku-, pation durch die verbündeten Heere war sie uns ein von Gott gesandter Schutzengel. Während des ganzen Jahres unserer Gefangenschaft ließ sie uns jede nrögliche Hilfe zuteil werden. Wir erhielten sämtlich durch viele Monate hindurch regelmäßige Geldbeträge ausbezahlt, womit wir die sehr mangelhafte Kost ein wenig aufbessern konnten; außerdem aber erhielten wir fast 14 tägig neue Wäsche, Kleider, Strümpfe usw., eine Wohltat, die angesichts der entsetzlichen Läuse, nicht Mit Worten genügend gewürdigt werden kann. Die Initiative zu diesem edlen Werke ergriff Herr Groß^ rabbiner Dr. Ben-Zion. Dieser besuchte sehr oft die Kriegsgefangenen. Er scheute nicht die Krankheiten, die uns bedrohten, und als das Leben in der Gefangenschaft unerträglicher wurde, da waren es dieser edle Mann und die jüdische Gemeinde, die uns mit Wohltaten über-4 häuften und uns moralisch und materiell wieder aufrichteten." - Die aufopfernde Fürsorgetätigkeit der Gemeinde für unsere Kriegsgefangenen, die hauptsächlich in Bewilligung von baren Geldzulagen, Spenden von Nahrungsmitteln, Wäsche, Kleidung und Schuhen, Besuch der Kranken und Sorge für ihre religiösen Bedürfnisse usw. bestand, fand, auch die volle Würdigung und Anerkennung des' k. u. k. Vizekonsuls in Monastir in einem an die dortige Judengemeinde gerichteten Dankschreiben. Diese freiwillig auf sich genommene Arbeit hat die letzten Mittel der jüdischen Gemeinde von Monastir erschöpft, so sehr, daß sie jetzt, da Not und Elend ihrkj eigenen Gemeindemitglieder heimsuchen, nicht in der Lage sind, die dringendste und notwendigste Fürsorgeanstalt, die öffentliche Volksäusspeisung, ins Leben zu rufen und ihre Erhaltung zumindest auf ein Jahr zu sichern. Dr. Ben-Zion gab unserem Mitarbeiter gegenüber der sicheren Hoffnung Ausdruck, daß das jüdische Herz, welches in Monastir so warm für seine österreichisch-ungarischen und deutschen Glaubensbrüder in der Zeit der Not geschlagen hat, jetzt, da die Wohltäter von damals selbst in Bedrängnis geraten sind, bei den Glaubensbrüdern in Oesterreich, Ungarn und Deutschland ein ebenso starkes Echo finden werde.

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