Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 33 (1916)
- Issue
- 36 (8.9.1916)
- Date
- 1916-09-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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N-. 36 Dr. Bloch'S Wochenschrift Seite 595 Cöln. Vizefeldwebel und Ossiziersaspirant Felir Heymann, Earde-Fußart.-Rgt. Unterarzt Mar Ichenhäuser, K.-J.-V. Creseld. Einj.-Kriegsfreiw. Salli S e r v o s, Unteroffizier im Inf.-Rgt. 190. Dinslaken. Kriegsfreiw.-Gefreiter Philipp F u l d a u e r. Dresden. Gurt Freund, Inf.-Rgt. 23. Düsseldorf. Ersatz-Reservist Architekt Heinrich M a r c u s, Landwehr-Jnf.-Rgt. 39. _ Korrespondenzen. Erklärung. In der fortlaufenden -Reiheper Nr. 32—35 des Frankfurter „I s r ael i t" a. c. erschien unter dem Titel „Die Sehnsucht nach Erlösung" eine Artikelserie, die das Messiasproblem in Beziehuirg auf den gegenwärtig wütenden Weltkrieg behandelt. Der Succus dieser Arbeit ist die Erklärung des M a l b i m Zu Daniel VII und die Anführung des S o h a r zur Perikope „W a j e r a". Eigentümlicherweise unterläßt es der Artilelschreiber, darauf hinzuweisen, daß die deutsche Wiedergabe der angeführten Stellen aus M alb im und Sohar, mitsamt der komplizierten Berechnung und Darstellung in Beziehung auf diesen Weltkrieg bereits von mir in Dr. B l o ch's „W ochenschris t", Nr. 32 vom 7. August 1914 — also so so rt nach Ausbruch des fttr ie ges — in einem auffehenerregenden Leitartikel unter der Ueberschrift „Der Weltkrieg" ausführlich behandelt wurde. Der Artikelschreiber des' „Israelit" hat den von mir zu allererst behandelten Malbim-Kommentar vollauf benützt, ohne auf meine Arbeit hinzuweisen, und ist es mein gutes Recht, hiemit zu erklären, daß mein Artikel „Der Weltkrieg" die Quelle dieser Darstellung bildete. Baden, den 4. September 1916. Oberrabbiner W. Reich. Gemeine Fälschungen des „Deutschen VolkMlattes" und der „Reichspost". Wir leben in einer Zeit des „Burgfriedens", während welcher Angriffe gegen Volksstämme und Konfessionen in Oesterreich nicht gestattet sind. Nur die Juden bilden eine Ausnahme; sie müssen sich auch in dieser schweren Zeit gegen schamlose und giftige Fälschungen wehren. Da fand vorige Woche vor dem Bezirksrichter Dr. Fialla (Bezirksgericht Josefstadt) eine Verhandlung gegen einen angeblichen „Schriftsteller" Alfred Bruno Schön wegen Uebertretung der Kuppelei statt. Das „Deutsche Volksblatt" vom 31. August ist flugs dabei, den Angeklagten als einen „jüdischen Schriftsteller" zu bezeichnen. Allein aus den «Akten ist zu ersehen, daß dieser Alfred Bruno S ch ö n nicht bloß ein geborener Christ, sondern auch ein rassenreiner Ariex ist? Nur die Gier und das Bestreben, die Juden zu verleumden, bringt die antisemitischen Zeitungsredakteure dazu, jeden irgendwie aufgreifbaren Lumpen zum Juden zu stempeln. Ob dieser Alfred Bruno Schön schuldig ist oder nicht, können wir unmöglich beurteilen; allein die Tatsache, daß er wegen Kuppelei an geklagt ist, war für das „Deutsche Volksblatt" Anreiz, ihn jzum Juden zu stempeln, um so das ganze Judentum durch ihn zu diffamieren. Dabei wird selbst vor einer Fälschung nicht zurückgeschreckt. In der „Reichspost" vom 2. September liest man unter der Spitzmarke: „Der dänische Jude Brandes für die russischen Iu d en in E n gl an d": „In einem Artikel, der sich mit dem politischen Asylrecht in England beschäftigt, verurteilt Georges Brandes die englischen Maßnahmen, welche die in England ansässigen „Russen" zum Eintritt in das Russische oder englische Heer zwingen, und weist dabei auf Bruchstücke aus dem Tagebuch C. H. Normanns hin, der wegen Dienstpflichtverweigerung ins Gefängnis geworfen wurde und der die an ihm im Gefängnis verübten Mißhandlungen .schildert. Brandes schließt: „So sieht das freie England aus, das den preußischen Militarismus verabscheut und ausrotten will. Es ist dasselbe England, dessen Regierung nun die russischen Juden zu ihren Plagegeistern zurückschicken will." (Bevor die Briten nicht an den russischen Juden rührten, rührte sich auch Brandes nicht; erst jetzt ist er auf die Briten bös.)" Die redaktionelle Bemerkung der „Reichspost" enthält eine krasse Unwahrheit. Wir brauchen bloß an den berühmten Briefwechsel zwischen einem Vertreter der englischen Demokratie und Georg Brandes zu erinnern. Der Engländer William A r ch e r hat Georg Brande s in einem offenen Briese aufgefordert, seine Stimme zugunsten der Entente gegen die Zentralmächte zu erheben. Ä r ch e r behauptete, für einen Mann in der Stellung von Georg Brandes ziemt es sich nicht, in diesem Kampfe, der alle europäischen Völker in Mitleidenschaft gezogen hat, neutral zu bleiben. Er erinnerte Georg Brandes daran, daß England und Frankreich für die Freiheit der kleinen Völker kämpfen, erinnerte an die Ver-, dienste, welche England und Frankreich um die Zivilisation sich erworben haben und erinnert ihn ^endlich an die antisemitischen Parteien in Oesterreich und Deutschland, welche die widerwärtigsten Hetzen gegen die Juden betreiben und auch während des Krieges in ihren Agitationen nicht abgelassen haben. Mit dem Hinweis auf das Treiben dieser 'reaktionären 'Parteien forderte A r ch e r den Schriftsteller Georg Brandes auf, seine Stimme zugunsten der für die Zivilisation kämpfenden Völker der Alliierten zu erheben. Georg Brandes veröffentlichte daraufhin in dem Blatte „Politiken" eine ausführliche Erwiderung mit einer scharfen Zurechtweisung des Engländers William Archer. Er macht aus seinen Sympathien für die Zentralmächte kein Hehl und erklärt, für eine Zivilisation sich nicht begeistern zu können, zu deren Fahnenträgern und Vorkämpfern das Zarentum zählt. Es sei eine reine Heuchelei, zu behaupten, daß die Entente für die Freiheit der kleinen Völker kämpfe: Brandes beschäftigt sich eingehend mit den Ursachen des Krieges und erktärl, daß der Krieg nicht durch eine verhältnismäßig so geringe Sache wie die Straferpedition Oesterreich-Ungarns nach Serbien entstanden sei, das zu diesem Zeitpunkt nach der sicherlich nicht unerheblichen Erklärung Oesterreich-Ungarns nur gestraft, nicht erobert werden sollte. Der Krieg ist nach Brandes' Ausführung das logische Ergebnis des zehnjährigen leidenschaftlichen und rastlosen Wettstreites zwischen den Zentralmächten Europas und dem Dreiverband. Am Schluffe seiner Entgegnung schreibt Brandes: Die Deutschen heucheln nicht, als kämpften sie für e!was anderes als für die Macht, die ihnen nach ihrer Auffassung zukommt. England und Frankreich dagegen scheinen in der Einbildung zu leben, daß sie in der Gefolgschaft von Rußland für die Freiheit und das Recht, für die Gerechtigkeit und Gleichstellung der kleinen Nationalitäten — kurz, für alle Ideale der Menschheit kämpfen. Es wäre interessant, lieber Herr Archer, wenn Sie uns milteilen wollten, für welches Ideal Rußland gegenwärtig kämpft oder für welches Ideal England kämpft, wenn es |tr viele deutsche Kinder als möglich dem Hungertode preisgibt, wenn es den Belagerungszustand über Irland erklärt, wenn es die Unabhängigkeit Persiens vernichtet, wenn es mit dem Namen der Nationalität auf den Lippen ein halbes Dutzend der kleinen Nationalitäten der Russijizierung ausliefert, oder für welches Ideal Frankreich und England kämpfen, wenn sie das kleine Griechenland erdrosseln. Es kann Vorkommen, daß eine Nation, die für ihre Interessen kämpft, zugleich der Zivilisation dient. England hat e« getan. Es kann alle zweihundert Jahre einmal sich ereignen, daß ein Staatsmann entsteht, edel und uneigennützig wie Washington, der. als der Befreiungskrieg gegen England mit Hilfe eines französischen Heeres unter Lafayette gelungen war, als der Krieg zwischen England